Mittwoch, 26. September 2007

Bröckelt Front der Kioto-Protokoll Unterzeichner?

Bei der UN-Klimakonferenz am Montag äußerte sich der russische Umweltexperte Alexander Bedrizki, Chef des Föderalamtes für Hydrometeorologie und Umweltbeobachtung (Rosgidromet), kritisch bezüglich einer Verlängerung des aktuellen Kioto-Protokolls. Seiner Meinung nach verfehle das Abkommen seine Wirkung beim globalen Umweltschutz. „Beispiele zeugen von den Mängeln des Kioto-Protokolls und lassen schlussfolgern, dass seine Verlängerung in der heutigen Form ineffektiv sein wird“, erklärte er bei der UN-Konferenz. Die Emissionen nehmen zu, obwohl viele Staaten verpflichtende Vereinbarungen bezüglich der Stabilisierung respektive der Reduktion der CO2-Emissionen übernommen hätten. „Unter Berücksichtigung der Dynamik der Emissionen ist es klar, dass die weiteren gemeinsamen Bemühungen der Länder, die die quantitativen Verpflichtungen bis 2012 eingegangen sind, in einer neuen Periode nichts Wesentliches für den Klimaschutz bringen werden“, sagte der Chef von Rosgidromet. Seiner Meinung nach müsste ein System etabliert werden, das Anreize zur freiwilligen Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgase schafft. Diese Ansicht erinnert frappant an Aussagen von Vertretern der Bush-Administration in den USA.

Innenpolitisch sind mit dem Thema Klimawandel in Russland keine Lorbeeren zu holen. Das lassen bespielsweise die Ergebnisse einer Umfrage, die von BBC World Service gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Globescan bei mehr als 22.000 Menschen in 21 Ländern durchgeführt wurde, vermuten. Unter anderem wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie schon jemals von der globalen Erwärmung gehört hätten. Das russische Befragungsergebnis wich stark von dem der anderen Länder ab. Über die Hälfte der Befragten gab an, kaum darüber gehört zu haben. Die in Russland die Bevölkerung interessierenden Themen sind Sozialpolitik und die Sicherheit der Bürger.
Auch ein Vertreter des „offiziellen“ Russlands Rinat Gizatullin, ein Sprecher des Ministeriums für natürliche Ressourcen sieht die Bemühungen für den Klimaschutz eher nebenrangig respektive sogar nicht unbedingt im Interesse Russlands gelegen. "Wenn das Klima wärmer wird, wird ein größerer Teil Russlands frei für Landwirtschaft sein", meint er, "wir verfallen also nicht in Panik, weil die globale Erwärmung für uns keine solche Katastrophe ist wie für andere Länder."

Russland hatte das Kioto-Protokoll erst nach langem Zögern am 22. Oktober 2004 ratifiziert. Ein wesentlicher Grund dafür waren die zu erwartenden Gewinne aus dem Emissionsrechtehandel. In den Jahren nach 1990 - die CO2-Emissionen dieses Jahres bilden die Basis für die Kioto-Ziele – wurden in Russland zahlreiche stark umweltverschmutzende Fabriken aus Rentabilitätsgründen geschlossen. Daher liegen heute auch die russischen Emissionen unter denen von 1990.

Siehe auch: Russische Nachrichtenagentur Novosti und pressetext Nachrichtenagentur (pte)