Dienstag, 25. September 2007

Erdbeeren aus Grönland

Grönland steht vor einer „Agrarrevolution“

In den letzten Jahrzehnten sind die Temperaturen in Südgrönland um cirka 2,5 Grad Celsius gestiegen und die Eisschmelze war zwischen April 2004 und April 2006 mehr als doppelt so stark als im Vergleichszeitraum 2002 bis 2004. Diese Erwärmung drängt die Gletscher immer mehr zurück und verändert dramatisch die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen. So steht der aktuelle Haupterwerb der Grönländer, die Jagd auf Robben, vor einer düsteren Zukunft.

Brokkoli heißt Salat
Doch auf Grönland gibt es auch viele die den Temperaturanstieg positiv sehen. Infolge der zurückgehenden Eisdecke und der erhöhten Temperaturen werden große Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung freigelegt. Hier können nun in nennenswertem Umfang beispielsweise Rüben und Erdäpfel angebaut werden. Im Jahr 2006 konnte einer der einheimischen Bauern bereits 50 Tonnen Erdäpfel ernten. Und seit Menschengedenken gab es eine zweite Heuernte im Sommer. Bald soll auch Gemüse wie Kohl oder Brokkoli angebaut werden. Übrigens: Es gibt bis jetzt keinen grönländischen Namen für Brokkoli. Bisher wird er einfach Salat genannt.
In Zukunft werden auch Kühe in nennenswerter Anzahl grasen. Derzeit gibt es laut Grönlands statistischem Amt nur 24 Kühe für 57.000 Menschen. Grönland muss heute den Großteil der landwirtschaftlichen Produkte teuer – vor allem aus Dänemark – einführen. Im vergangenen Jahr summierten sich die Kosten dafür auf 43 Millionen Euro

„Ein bisschen Wärme tut gut“
Schon in 10 bis 20 Jahren schätzt Jesper Madsen, Chef der Abteilung Arktische Umgebung beim Umweltforschungsinstitut DMU in Roskilde, könnte Grönland den Großteil der benötigten Milch und des Gemüses selbst produzieren.
„Natürlich hoffen auch wir, dass der Klimawandel nicht ganz außer Kontrolle gerät“, sagt der grönländische Landwirtschaftsexperte Kenneth Hoegh, „aber uns tut das bisschen Wärme gut. Wir könnten noch mehr davon gebrauchen.“
Und bald könnte auch ein Wunschtraum der Grönländer wahr werden: Erdbeeren, das Lieblingsobst der Einheimischen, selbst zu züchten und zu ernten.
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Grönland war einmal grün
Während der Warmzeit im Mittelalter zwischen 1000 und 1300 nach Christus lagen die Temperaturen im Schnitt zwei Grad über den heutigen. Bis in den Norden Norwegens konnte Korn angebaut werden. Die Wikinger besiedelten Grönland, Grünland genannt, weil damals Weidewirtschaft und Ackerbau möglich waren. In England und sogar im südlichen Schottland wuchs Wein. Die Bevölkerungszahlen in Europa explodierten damals geradezu. Kultur und Gesellschaft erlebten eine Blütezeit.
(siehe Kulturgeschichte des Klimas, Wolfgang Behringer, München 2007)
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Quellen:
www.livepr.com, www.zdf.de, www.focus.de