Der mit großem Trara in Österreich in Szene gesetzte Benzin E85, genannt Superethanol, legt keinen guten Start hin. Im Vergleich zu anderen Staaten sowieso verspätet, gibt es gerade einmal eine Tankstelle, die ab 1. Oktober das Benzin-Alkohol-Gemisch abfüllt. Und bis zum Jahresende werden es vielleicht zehn Tankstellen sein.
Nur vordergründig sind behördliche Wasserrechtsprobleme daran schuld. Der wahre Grund wird in einer Unsicherheit der Wirtschaft zu suchen sein: Das kleine Land Österreich versucht nämlich einmal wieder, "auf jedem Kirtag mitzutanzen": Die EU stellt ihren Mitgliedern frei, wie sie die Beimischungsverpflichtung von 5,75 Prozent Öko-Treibstoffe zu den fossilen Treibstoffen erreichen wollen. Mit Flexi-Fuel-Cars, bei denen 85 Prozent Biosprit im Tank blubbert, oder mit einer wesentlich niedrigeren Beimischung bei allen Fahrzeugen. Die Schweden etwa lassen den Beimischungsansatz gleich beiseite und setzen ausschließlich auf E85.
Österreich aber macht wieder einmal beides: Beimischung plus Superethanol. Das kommt der Energiewirtschaft recht teuer. Für beide Biosprit-Formen muss Infrastruktur samt Verteilernetze aufgebaut werden. Bei Erdgas-Zapfsäulen geht darüber hinaus auch nur wenig weiter. Immer muss der Konsument mühselig informiert werden. Und schon jetzt ist der Fahrzeughalter verunsichert. Die vielen unterschiedlichen Hähne an den Tankstellen verwirren. Mit E85 kommt noch eine weitere Abfüllmöglichkeit dazu – so die großen Tankstellenbetreiber den Ökosprit doch einmal ins Programm aufnehmen.
Die Frage, ob es klima- und wirtschaftspolitisch klug ist, bei allem und jedem mitzumachen, stellt man sich häufig. Das Beispiel Superethanol zeigt, dass manchmal weniger mehr ist.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)
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