Samstag, 15. September 2007

Nordwest-Passage eisfrei

Am Freitag veröffentlichte die Europäische Raumfahrt-Agentur ESA Fotos, die die berühmte Nordwest-Passage zwischen dem Atlantik und dem Pazifik im Norden Amerikas völlig eisfrei zeigte. Die Bilder wurden Anfang Septemper vom Satelliten Envisat aufgenommen.
Im heurigen Jahr war der Rückgang des Eises besonders dramatisch. Nachdem bereits in den letzten Jahren ein kontinuierlicher Rückzug der Vereisung um ca. 100.000 km2 jährlich zu registrieren war, betrug der Verlust im letzten Jahr eine Mio. km2.

Sensible Arktis
Die Arktis reagiert auf Klimaveränderungen sehr sensibel. Laut Experten sind die Auswirkungen der Erderwärmung hier doppelt so stark als wie anderswo. Die Gründe dafür sollen laut Klimaforschern auf einem verhängnisvollen Rückkoppelungseffekt beruhen. Schmilzt das Polareis so wird die Eisfläche kleiner, die die Sonneneinstrahlung ins All reflektiert. Weniger Reflexion bedeutet mehr lokale Wärmw, was wieder die Eisschmelze beschleunigt.

Wirtschaftliche und politische Aspekte
Wird die Nordwest-Passage ganzjährig eisfrei und damit kommerziell nutzbar, verkürzt sich der Seeweg zwischen Europa und Asien (beispielsweise Brest-Tokio) gegen der alternativen Route durch den Suezkanal um etwa 6.000 km. Auch die Strecke über den Panamakanal wäre durch eine ausgebaute Nordwest-Passage weniger attraktiv. Der Weg von Europa nach Asien ist über den Panama-Kanal 12.600 Seemeilen lang, über die Nordwestpassage 7.900 Seemeilen.
Es ist eventuell verfrüht solche „verkehrstechnischen Planspiele“ als baldige Realität anzusehen. Arktisforscher weisen immer wieder darauf hin, dass sich in bestimmten Abschnitten der Passage mittelfristig sogar noch zusätzliches treibendes Eis ansammeln wird. Aufgrund solcher Prognosen haben kanadische Seehandelsexperten ausgerechnet, dass sich die Durchfahrt vorderhand (noch) kaum lohnen wird.
Illustration: NASA
Weitaus wichtiger erscheint aber aus heutiger Sicht der Umstand, dass durch das Abschmelzen des Nordpols der Zugang zu bedeutenden Energievorkommen wirtschaftlich rentabel werden könnte. Seit den siebziger Jahren weiß man, dass es in der kanadischen Arktis große Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt. Das hat bereits zu Konflikten zwischen Kanada und den USA geführt. Im Jahr 1973 hat Kanada die Nordwestpassage zu einer internen Wasserstraße erklärt. Seitdem gilt die Straße als ein Symbol der nationalen Souveränität Kanadas. So vergleicht Kanada die Straße mit dem Fluss Mississippi. Die USA halten die Nordwestpassage dagegen für eine internationale Straße, die allen offen steht.
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Die Suche nach der Passage
Seit dem 16. Jahrhundert versuchten Seefahrer und Forscher eine mögliche Seeroute im Norden Amerikas zu finden, die Schiffsreisen zwischen Europa und Ostasien entscheident verkürzen könnte. Zahlreiche Expiditionen scheiterten im "ewigen" Eis. Die erste komplette Durchfahrt gelang Roald Amundsen in den Jahren 1903 bis 1906. Als erster Tanker durchquerte 1968 das zum Eisbrecher umgebaute US-Schiff SS Manhatten die passage von West nach Ost in etwas mehr als vier Wochen. Im jahr 1985 bewältigte das erste Kreuzfahrschiff (die World Discover) mit Passagieren an Board die Durchfahrt.
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