Sonntag, 25. November 2007

Klimaschutz kostet

Im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hat GWS/Prognos eine Studie erstellt, die die Kosten für Deutschland abschätzt in Abhängigkeit davon wie die Reduktionslasten innerhalb der EU verteil werden. Die Studie belegt, dass ambitionierter Klimaschutz gesamtwirtschaftlich nicht umsonst zu haben sein wird. Verschiedene Szenarien werden in der Untersuchung durchgerechnet.
Bei einer gleichmäßigen Verteilung der Lasten des EU-Zieles von –20 Prozent CO2-Ausstoßes (Szenario 1, gerechnet bis 2020 im Vergleich zu 1990) wird für Deutschland ein um 0,8 Prozent geringeres Bruttosozialprodukt errechnet, der BIP-Verlust summiert sich in diesem Szenario im Zeitraum von 2013 bis 2020 auf 123 Mrd. Euro. Umgelegt auf die Energiepreise hieße das eine Erhöhung von ca. 16 Prozent der Strom- und Gaspreise. Bei einem überproportionalen Anteil Deutschlands bei der Reduzierung der Treibhausgase bis 2020 würden sich auch die Kosten analog erhöhen. Also eine Reduzierung um 40 Prozent würde die volkswirtschaftlichen Kosten verdoppeln.
Die Studie versucht auch den Umfang der CO2-preisbedingten Produktionsverlagerung aus Europa in Länder ohne vergleichbare Klimaschutzanstrengungen im Fall eines EU-Alleingangs zu beziffern.. Der Verlust energieintensiver Produktion könnte laut der Studie durch den Export von deutscher Klimaschutztechnologie nicht kompensiert werden. Von einem Alleingang der EU im Klimaschutz würden vor allem die G5-Staaten wie Brasilien, China und Indien, aber auch die USA profitieren.
Die Studie zeigt auch, dass ein Alleingang der EU weltweit gesehen klimapolitisch zu wenig bringt. Gerade um 1,7 Prozentpunkte würde der weltweite CO2-Ausstoß bei einem EU alleinigen Vorgehen gebremst werden. Voraussetzung für einen Erfolg ist also, dass sich alle maßgeblichen Länder zu angemessenen Klimaschutzanstrengungen verpflichten. Allerdings erwähnt die Studie auch, dass die BIP-Verluste in allen Ländern mit der Höhe des CO2-Preises bzw. der angestrebten Treibhausgasminderung zunehmen würden.
Die Studie von Prognos können Sie hier (2,4 MB ) herunterladen.
Quellen: BMWi, CO2-Handel.de

Bruttoinlandsprodukt in Preisen von 1995 im Szenario 1: Abweichungen vom Referenzszenario im Jahr 2020 in vH
Annahmen: EU-Alleingang, Minderung der THG-Emissionen der EU-27 um 20% gegenüber 1990, Burden sharing: Einheitliche prozentuale Minderungen in allen Ländern auf die Kyoto-Ziele (EU-15) bzw. die tatsächlichen Emissionen 2008-12 (NMS-12). Emissionshandel (ETS): Auktionierung der Zertifikate in der Energiewirtschaft, Benchmarking in energieintensiven Industrien, Erweiterung gegenüber heute um den Flugverkehr. Nicht-ETS-Bereich: CO2-Steuer als Näherungswert im Modell für vielfältige klimapolitische Maßnahmen, aufkommensneutrale Rückgabe. Keine Nutzung flexibler Mechanismen.

Quelle: Simulationsrechnungen mit GINFORS