Noch vor Weihnachten, im Gespräch ist ein Termin um den 19. Dezember, möchte die EU-Kommission eine neue Richtlinie vorlegen, die zum Ziel hat den Ausstoß von CO2 bei Autos zu reduzieren. Im Februar diesen Jahres beschloss die Europäische Kommission nach langen, zähen Verhandlungen, den Autoherstellern vorzuschreiben, wie viel CO2 ihre neuen Modelle emittieren dürfen. Widerstand kommt vor allem von der deutschen Autoindustrie, deren Modelle mehrheitlich in der Mittel- und Oberklasse angesiedelt sind.
Diese Woche hat Kommissionspräsident José Manuel Barroso bekräftigt ein wirkungsvolles, mit Sanktionsmöglichkeiten ausgestattetes, Regelment zu etablieren. Gegenüber der deutschen Zeitung „Bild am Sonntag“ kündigte er Strafen für Autofirmen an, die gegen die neuen Klimaschutzvorschriften verstoßen. „Es sollte Konsequenzen haben, wenn Hersteller den Grenzwert nicht einhalten. Sie sollten eine Art Entschädigung zahlen“. Andernfalls wäre das ganze System nicht sehr glaubwürdig.
Nach den Plänen der Kommission darf der durchschnittliche Ausstoß eines Neuwagens, gerechnet über die gesamte Modellpalette eines Herstellers, ab 2012 nicht mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer betragen. Einer der Hauptverursacher des Treibhauseffektes ist nämlich das CO2, das durch den Verkehr verursacht wird – rund 20 Prozent aller umweltschädlichen Gase. Davon stammt der weitaus größte Teil, nämlich 93 Prozent aus dem Straßenverkehr.
CO2-Ausstoß deutscher PKWs steigt
Dass besonders die deutsche Autoindustrie mit diesen Vorgaben Probleme hat, zeigt ein jüngst veröffentlichte Studie des europäischen Umweltverbandes Transport and Environment (T&E). In dieser Untersuchung wurden die CO2-Werte der im vergangenen Jahr in Europa verkauften neuen PKWs erhoben und die Fahrzeuge der deutschen Autokonzerne kamen dabei besonders schlecht weg. Der Kohlendioxidausstoß stieg 2006 bei den deutschen Neuwagen im Vergleich zu 2005 im 0,6 Prozent, während französische und italienische Produzenten diese Emissionen durchschnittlich um 1,6 Prozent, japanische sogar um 2,8 Prozent gesenkt haben.
Betrachtet man die deutsche Hersteller im Detail zeigt sich ein differenzierteres Bild. BMW die klimaschädlichen Emissionen im Schnitt um 2,5 Prozent reduziert. Bei Daimler stieg der Ausstoß der Treibhausgase dagegen um 2,8 Prozent. Bei Volkswagen lag der Anstieg den Daten zufolge bei 0,9 Prozent.
Die Zahlen der Studie belegen die Faustregel, dass je schwerer ein Auto ist, desto höher ist sein Spritverbrauch und umso stärker auch sein CO2-Ausstoß. So hat PSA Peugeot Citroen, der den Spitzenplatz bei der CO2-Bilanz in Europa einnimmt, das durchschnittliche Gewicht seiner Neuwagen im vergangenen Jahr um nahezu ein Prozent gesenkt. Fahrzeuge von VW wiesen 2006 dagegen im Schnitt ein um ein Prozent höheres Gewicht aus als 2005, die von Daimler sogar um vier Prozent.
Gerangel Paris-Berlin
Vor allem zwischen Berlin und Paris gibt es im Vorfeld deshalb bereits ein politisches Gerangel bezüglich der bevorstehenden EU-Richtlinie. So wandte sich der französische Staatschef Nicolas Sarkozy direkt schriftlich an EU- Industriekommissar Günter Verheugen, der an der Vorbereitung der EU-Richtlinie beteiligt ist. Und Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo lies verlauten, dass die Hersteller schwerer Karossen, wie sie vor allem in Deutschland gebaut werden, einen vergleichsweise größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten müssten als die Produzenten von Klein- und Mittelklassewagen – was wiederum der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel umgehend zurückwies und betonte „dass alle Hersteller ihren Anteil leisten müssten.“ Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann sieht, wie er in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel ausführte, hinter der Forderung insbesondere große Pkw beim Kampf gegen die Treibhausgase stärker in die Verantwortung zu nehmen „versteckte Industriepolitik“.
Werbebeschränkungen gefordert
Aber auch an einer anderen Front droht den Autofirmen Ungemach. Die EU-Kommission hatte im Frühjahr von der Automobilindustrie einen freiwilligen „Werbekodex“ eingefordert. Und diesen Monat erst hat das EU-Parlament den politischen Druck auf die Autoindustrie in Sachen Werbebeschränkungen massiv erhöht. Die Parlamentarier verabschiedeten ein Papier in dem verlangt wird, dass mindestens 20 Prozent der Werbefläche für Neuwagen in Anzeigen und Broschüren für Daten über Verbrauch und Emissionen reserviert sein müssen . “Irreführende umweltschutzbezogene Werbeaussagen" sollen laut diesem Papier verboten werden.
Veränderungen der CO2-Emissionen und des Gewichts bei Neuwagen 2005 auf 2006
(Quelle: Transport and Environment)
Durchschnittliche CO2-Emissionen von Neuwagen (2006) pro Fahrzeugflotte

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