Freitag, 29. Juni 2007

Audiovisuelles Informationsmaterial der EU - jetzt auch auf YouTube

Die Europäische Union hat eine Menge an multimedialen Informationen auf ihren Webpages, darunter auch vieles zum Thema Klimawandel.
Hier als Beispiel ein Video der EU mit dem Titel "Europe leads the fight against climate change"

video
© European Community, 2007

Seit heute gibt es auch auf dem zu Google gehörenden Online-Portal YouTube einen eigenen Kanal unter dem Titel "EUTube". Die Europäische Union hofft dadurch ihre Informationen an eine breitere Öffentlichkeit zu bringen.

Dienstag, 26. Juni 2007

Versicherungen in der Bredouille

Immer lauter denken Versicherungsexperten über eine Neugestaltung des heimischen Versicherungswesens nach. Denn mit der Zunahme von Schäden, wie sie im Zuge des Klimawandels häufiger erwartet werden, erweist sich das derzeitige System, Haushalts- und Gebäudeversicherungen auf der einen Seite und der österreichische Katastrophenfonds auf der anderen, als denkbar unadäquat.

Haushalts- und Eigenheimversicherungen, die auch die ganz unterschiedlichen möglichen Schäden aus Naturkatastrophen abdecken, gibt es zwar, sind aber versicherungstechnisch nicht ideal. Die hohen Einzelrisiken machen die Versicherung für den Versicherungsnehmer teuer und für die Versicherungen schwer kalkulierbar.
Auch der Katastrophenfonds hat in Bezug auf den Klimawandel seine Schwächen. Der Fonds speist sich aus Mitteln der Einkommens- und Körperschaftssteuer, ist laut Lebensministerium mit rund 160 Millionen Euro jährlich dotiert und wurde eigentlich dafür geschaffen, um Vorsorgemaßnahmen wie Lawinenschutz zu finanzieren. Auch für die Kosten, die im Zuge von Aufräumarbeiten nach Naturkatastrophen entstehen, dienen die Gelder des Fonds.

Immer häufiger aber wird der Katastrophenfonds für Entschädigungszahlungen eingesetzt, wie sie etwa nach dem Hochwasser von 2002 notwendig wurden. Dieses verursachte Schäden über insgesamt drei Milliarden Euro. "Nach solchen Jahren rutscht der Fonds ins Minus", erklärt Nadja Vetters vom Joanneum Research, die sich schwerpunktmäßig mit der finanziellen Bewältigung von Naturkatastrophen beschäftigt.

Privat versus Staat

Hochwasser ist derzeit in der Regel nicht in eine Haushalts- oder Eigenheimversicherung inkludiert. Dies hat den Effekt, dass im Falle eines Hochwassers der Katastrophenfonds einspringen muss und zumindest teilweise den Schaden abdeckt. Existiert doch ein entsprechender Versicherungsschutz, zahlt der Katastrophenfonds auch, aber abzüglich der Summe, die die private Versicherung auszahlt. "Damit", resümiert Vetters, "bleibt der Anreiz gering, auf Eigenvorsorge zu setzen."

Ihrer Meinung nach wäre es sinnvoll, wenn etwa zur Feuerversicherung - in Österreich haben fast hundert Prozent aller Haushalte einen solchen Versicherungsschutz - eine obligatorische Naturkatastrophenversicherung dazugepackt würde. "Die Prämien würden zwar höher, aber aus anderen EU-Ländern weiß man, dass die Erhöhung in einem vertretbaren Ausmaß stattfindet, weil es da ein großes Risikokollektiv gibt", sagt Vetters.
Auch gibt es Überlegungen, Haushalts- oder Feuerversicherung mit einem obligatorischen Zusatzbaustein zu versehen, der nicht nur Hochwasser, sondern auch andere mögliche Naturkatastrophen abdeckt: also beispielsweise Sturm, Hagel, Erdrutsch. Um einen solchen zusätzlichen Schutz für den Versicherungsnehmer attraktiv zu machen, sollte er mit einem finanziellen Anreiz, etwa einer staatlichen Förderung, versehen werden.

Uniqua-Generaldirektor Konstantin Klien sprach sich vor der Nachrichtenagentur APA zum Jahresanfang für eine Art "PPP-Modell" (Private Public Partnership) aus, bei der die Basisdeckung über eine Feuerversicherung kommt und außerdem ein Finanzpool geschaffen wird, bei dem sich die Versicherer absichern können. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juni 2007)

Sonntag, 24. Juni 2007

Die Bush-Administration ist nicht die USA

Heute um 17:00 landete der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger in Graz-Thalerhof zu seiner Kurzvisite in der Steiermark. Am Montag trifft er in Paris den neuen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, einen Tag danach in London seinen alten Freund Tony Blair. Bei beiden Begegnungen sollen Umweltthemen ganz oben auf der Agenda stehen.
Während die Regierung der Vereinigten Staaten bei den Klimaschutzmaßnahmen weiterhin auf der Bremse steht, ergreifen andere US-Politiker die Initiative.
Den Anfang machten im April 2006 die Gouverneure der Ostküsten-Bundesstaaten Connecticut, Delaware, Maine, New Hampshire, New Jersey, New York und Vermont mit der der „Regional Greenhouse Gas Initiative“ (RGGI, Maryland wird am 30. Juni 2007 formell beitreten). Diese Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, ab 2009 mittels Emissionsobergrenzen und einem Handelssystem bei dem 100 % der Emissionszertifikate an die Meistbietenden versteigert werden, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Die RGGI - Bundesstaaten beziehen im Moment nur die Stromerzeuger ein.
Im März diese Jahres folgten fünf Staaten an der US-Westküste – Kalifornien, Arizona, New Mexico, Oregon und Washington – diesem Beispiel. Sie schlossen sich zur „Western Regional Climate Action Initiative“ (WRCAI) zusammen. Die Staaten der WRCAI setzen ebenfalls auf Obergrenzen für die CO2-Emissionen – diese Grenzen gelten aber für alle Industriebetriebe. Parallel soll auch ein Handelssystem für Verschmutzungsrechte etabliert werden.
Die Mitgliedsstaaten der beiden Bündnisse sind zusammen für 22,9 % der CO2-Emissionen der Vereinigten Staaten verantwortlich. Damit liegen sie auf Rang vier der weltgrößten CO2-Emittenten (nach der Gesamt-USA, China und Russland).

Quer über Parteigrenzen
Die Klimabewegung in den USA geht längst über die traditionellen Parteigrenzen hinweg. Neben dem Republikaner Schwarzenegger gelten der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der vor einigen Tagen seinen Austritt aus der republikanischen Partei verkündete nachdem er erst im Jahre 2000 aus dem demokratischen Lager zu den Republikanern gewechselt war und der ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore als die Galionsfiguren des Umweltschutzes.

Bloomberg legte am 14. Mai 2007 am “C40 Large Cities Climate Summit” in New York, bei dem sich die Bürgermeister der Megacities der Welt trafen, seine Umweltziele für New York dar: Minus 30 % bei den Treibhausgasen bis 2030, eine Vervierfachung des New Yorker Fahrradnetzes, die Umstellung aller Taxis auf Hybridantrieb und für Manhattan die Einführung einer Citymaut.

Im Vorfeld des G8-Gipfels, als sich die ablehnenden Stimmen der US-Administration zu verbindlichen Emissionszielen immer mehr verstärkten, brachte Arnold Schwarzenegger gegenüber Pressevertretern seinen Ansatz auf den Punkt: „We don’t need another meeting on global warming, we need action.“ Und wer wenn nicht er ist der Spezialist für „action“.

Samstag, 23. Juni 2007

Heisse Zeiten in Europa

Eine aktuelle US-amerikanische Studie prophezeit den sommerlichen Tourismusgegenden in Europa ein katastrophale Zukunft. Bis um 500 Prozent sollen die wirklich heißen Tage im Mittelmeerraum zunehmen. Auch für Frankreich sagen die Studienverfasser nichts angenehmes voraus: „Paris werde im Sommer künftig ein Ort sein, an dem man nicht sein will", so Studienautor Jeremy Pal . Wer könne, werde flüchten. Das Gleiche gelte für Athen, Valencia und Tel Aviv. Bis nach Prag und damit über Österreich hinaus werde der Klimawandel an der Küste spürbar sein.
Bis 2100 sollen die Temperaturen um bis zu sieben Grad Steigen, für Frankreich werden noch höhere Steigerungsraten erwartet.
Die Alpen werden in dieser Studie als das einzige Gebiet Süd-, West und Mitteleuropas bezeichnet, das als Fluchtgebiet vor den extrem heißen Sommern übrigbleibt.

Reclip:More – Detaillierte Prognosen über die Auswirkungen des Klimawandels für Österreich

Die Austrian Research Centers (ARC) haben in Zusammenarbeit mit sechs Teams (UNI Wien, UNI Graz, Boku Wien, ZAMG, ARC, Wegener Zentrum Graz) in einem 3-jährigen Forschungsprojekt (Reclip:More ) es geschafft ein Modell zu entwickeln, dass es ermöglicht die Auswirkungen des Klimawandels für einzelne österreichische Regionen zu prognostizieren. Das Neue darin ist, dass die Datenbasis auf einem engmaschigen 10 km Raster basiert. International üblich sind Raster von 100 km. Für das Gebirgsland Österreich, wo sich in relativ kurzen Entfernungen die Höhenlage sehr stark ändert, ist diese Klassifizierung für detaillierte Voraussagen viel zu grob. Durch diese engmaschige Berechnungsbasis sind, laut den Forschern aus Seibersdorf, Prognosen bis zum Jahr 2050 für einzelne Regionen und Gemeinden möglich.

Resümee: Der Alpenhauptkamm bleibt eine markante Klimascheide.

Im Norden und Osten ist im Schnitt mit 1,3 bis 1,8 Grad Celsius wärmeren Wintern zu rechnen, im Sommer und Herbst steigt der Temperaturdurchschnitt sogar um 2,5 bis 3 Grad. Im Winter sind ein Plus von 15 bis 30 % an Niederschlägen zu erwarten, der Frühling soll dagegen eher trockener werden. Im Osten und im Donautal werden die Frosttage stark zurückgehen. Im Oberösterreichischen Zentralraum und im Donautal sollen laut den Modellen der österreichischen Forscher die Hitzetage sich auf 50 Tage verdoppeln.
Im Süden und Westen Österreichs sollte man sich auf Temperaturen die im Jahresschnitt um 2 Grad steigen einstellen. Die Modellrechnungen für die Niederschläge ergeben hier ein Plus 15 bis 30 % im Winter. Im Unterinntal und im Klagenfurter Becken soll die Zahl der Frosttage auf 50 bis 70 Tage zurückgehen (das wäre ein Minus von 20 bis 25 Tagen). In den Höhenlagen (1500-2000 m) ist mit einem Rückgang der schneesicheren Tage in der Größenordnung von 15 bis zu 20 tagen zu rechnen.
Detaillierte Informationen sind auf den Internetseiten des ARCs zu finden.

Freitag, 22. Juni 2007

"Den Berg neu bespielen"

Während der Wintertourismus mangels Schneesicherheit einer ungewissen Zukunft entgegensieht, werden dem Sonnertourismus enorme Chancen zugebilligt. Eine Menge Gäste würden es von Süden nach Norden ziehen, meint der Wiener Zukunftsforscher Andreas Reiter. "Wenn das Mittelmeer warm wie Badewasser ist, wird ein dann nicht mehr ganz so kühler See im Salzkammergut gerne aufgesucht", sagt er.
Allerdings fehle es noch an den entsprechenden Produkten, um zusätzlich zum österreichischen Gast, der statt an die Costa Brava in die österreichischen Alpen fährt, auch Gäste etwa aus Spanien oder dem arabischen Raum anzusprechen. "Der Berg muss neu bespielt werden", sagt er in der typischen Marketingsprache der Touristiker.
Das heißt, die strikte Trennung in Winter- und Sommergeschäft wird mit höheren Temperaturen obsolet. Angebote, die rund ums Jahr wahrgenommen werden können, müssen entwickelt werden. Idealerweise haben diese Angebote etwas mit dem Wasserreichtum Österreichs zu tun, so Reiter, beschränken sich aber nicht nur auf Thermenlandschaften.
Wichtig sei dabei, nachhaltige, ökologisch hochwertige Produkte zu entwickeln. "Der Gast wird künftig noch sensibler werden, was den Umgang mit der Natur betrifft", so Reiter.
Eine der Möglichkeiten dabei ist, dass die Tourismusbetriebe oder ganze Regionen mit den Agenturen zusammenarbeiten, die sich darauf spezialisiert haben, Kompensationsmaßnahmen für den CO2-Bedarf zu entwickeln, der etwa bei der Anreise eines Gasts zum Urlaubsort anfällt. Dabei wird hochgerechnet, wie viel Treibhausgase bei einer Anreise anfallen. Pro tausend Kilometer zahlt der nachhaltig denkende Reisende rund 6,50 Euro an Agenturen wie MyClimate. Die Agentur unterstützt damit Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern, etwa Aufforstungsprogramme oder den Bau von Windenergieanlagen. "Gemeinden sollten dem Gast vorschlagen, solche Projekte doch mitzufinanzieren", erklärt Reiter. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. Juni 2007)

Dienstag, 19. Juni 2007

Keine Angst vorm Fliegen

Es ist hoch an der Zeit, dass Flugzeugbauer, Turbinenhersteller und Fluglinien über treibstoffärmere Maschinen nachzudenken beginnen, wie jetzt bei der Luftfahrtmesse von Le Bourget angekündigt wurde. Denn wird nicht gegengesteuert, könnte der erfolgsverwöhnten Branche schnell der Wind ins Gesicht blasen. Eine Branche, die (Reise-)Träume verkauft, darf nicht zuwarten, bis die Nutzung ihres Produkts beim Kunden schlechtes Gewissen verursacht. Ohne Klimaschutzinitiativen wäre dies aber bald der Fall gewesen. Der Flugverkehr betont immer wieder, für "nur" zwei, sehr bald aber für drei Prozent der globalen Treibhausgase zu stehen. Das ist nicht wenig. Legt man diese Emissionen auf einzelne Passagiere um, wird schnell klar, wie relativ hoch der Anteil an den Treibhausgasen ist. Bei einem Flug zwischen Wien und Brüssel werden pro Passagier 400 Kilogramm CO2 emittiert. Fährt man diese Strecke mit der Bahn, werden rund 70 Prozent weniger Treibhausgase emittiert. Auch eine 14-stündige Autofahrt ist schadstoffärmer als ein einstündiger Flug.
In solchen Vergleichen will die Flugindustrie naturgemäß erst gar nicht stecken bleiben. An immer häufiger aufkommenden Forderungen – zumeist von Umweltschützern, aber immer öfter von Konsumenten –, das Fliegen doch auf ein Mindestmaß zu beschränken, kann der Branche nicht gelegen sein.
Druck in Richtung saubererer Technologien und sparsamerer Energienutzung kommt auch von der EU-Kommission. In dem Versuch, den sich dahinschleppenden EU-Emissionshandel mit zusätzlichen Branchen zu beleben, hat Brüssel bereits ein begehrliches Auge auf die Flugbranche geworfen. Ab 2013 werden Fluglinien ziemlich sicher in den Emissionshandel einbezogen. Also muss jetzt mit CO2-Sparen begonnen werden. (Johanna Ruzicka, DerStandard.at, 18.06.2007)

Montag, 18. Juni 2007

Emissions-Match geht weiter

"Leider wurde da eine gute Chance vertan", sagt Peter Koren, Vizegeneralsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Am 12. Juni ist die Frist verstrichen, mit der die Republik die von Brüssel kräftig zusammengestrichenen Berechtigungen für den großindustriellen CO2-Ausstoß ab 2008 beeinspruchen hätte können.

Wie berichtet, hatte die IV aufgrund eines Rechtsgutachtens das zuständige Umweltministerium aufgefordert, gegen die von der EU-Kommission zugeteilten Emissionshandelszertifikate Einspruch zu erheben. Während Österreich Gratiszertifikate für 32,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr für die 221 Industriebetriebe und Energieversorger wollte, wurde dieser Wert um 2,1 Millionen Tonnen reduziert.

Damit bekommen nun die einzelnen Unternehmen auch weniger Zertifikate; in welchem Aufteilungsschlüssel ist noch nicht klar. "Einzelne Betriebe werden sicher die konkrete Zuteilung beeinspruchen", sagt Koren. "Der Kuchen ist schließlich kleiner geworden." Die im EU-Emissionshandel erfassten Industriebetriebe müssen, so sie das ihnen zugeteilte Plansoll an Treibhausgasemissionen überschreiten, dafür Emissionsberechtigungen zukaufen. Geschätzte 200 Mio. Euro über die Abrechnungsperiode 2008 bis 2012 würde dies kosten.

"Daumenschrauben"

Grundsätzlich meint die Industrie, dass sie mit den Daumenschrauben, die der zuständige EU-Energiekommissar Stavros Dimas mit der gekürzten Zuteilung angelegt hat, für die österreichischen Klimaschutzversäumnisse in anderen Bereichen büßt. "Die prognostizierten Emissionszahlen, die wir vorgelegt haben, sind nicht zu hoch gegriffen", sagt der zuständige Experte in der IV, Dieter Drexel. Dies habe die Kommission in ihrer Begründung auch zugegeben. "Die Industrie zahlt die Zeche für die anderen", spielt Drexel auf den ungebremsten Treibhausgasausstoß bei Verkehr und Haushalten an.

Koren hofft nun, dass "die Regierung daraus zumindest für die nächste Handelsperiode ab 2012 aus den Fehlern lernt". Insbesondere geht es ihm dabei um das so genannte "burden sharing" innerhalb der EU, bei der Österreich mit minus 13 Prozent "übermäßig viel" schultern muss. Der EU-Schnitt liegt bei minus acht Prozent. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.6.2007)

Klimawandel-Debatte im Auhofcenter-Plaza

Am Donnerstag den 21. Juni, findet um 19 Uhr im Auhofcenter-Plaza (Albert-Schweitzer-Gasse 6, 1140 Wien) eine Debatte zum Thema "Wege aus dem Treibhaus – was können wir gegen den Klimawandel tun?" statt (freier Eintritt).

Es diskutieren:
Georg Rebernig
Geschäftsführer Umweltbundesamt
Wolfgang Pekny
Projektleiter Footprint, Greenpeace
Leonore Maurer
Kritische Konsumentin
Josef Plank
Umweltlandesrat Niederösterreich

Moderation:
Irene Brickner
Redakteurin, Der Standard

Samstag, 16. Juni 2007

Österreich: Kioto-Ziel in weiter Ferne

Laut aktuellem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA, European Environment Agency) nahmen EU-weit die Treibhausgasemissionen von 2004 auf 2005 ab. Für die Länder der EU-15 um 0,8 Prozent, für die EU-27 um 0,8 Prozent. Damit liegt die EU-27 um 11 Prozent unter den Werten von des Jahres 1990, das für die meisten Staaten als Basis für die Kioto-Ziele herangezogen wird. Die Staaten der EU-15 lagen 2005 um 2 Prozent unter den Werten von 1990. Bis 2012 müssen sie um 8 Prozent darunter liegen.
Österreich gehört im Ranking der einzelnen Ländern zu den schwarzen Schafen. Die EU-15-Länder in denen die Emissionen von 2004 auf 2005 stiegen waren Spanien (um 3,6 %, absolut gesehen war das mit 15,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten der höchste Anstieg), Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Österreich. Der Treibhausgas-Ausstoß stieg in unserem Land von 2004 auf 2005 um 2,3 Prozent. In absoluten Zahlen bedeudet das eine Erhöhung um 2,1 Millionen Tonnen auf insgesamt 93,3 Millionen. Österreich liegt damit um 18 Prozent über dem vereinbarten Kioto Ziel.

Dossier Klimawandel in Österreich


Die Tageszeitung der Standard startete heute eine neue Serie zum Thema "Klimawandel in Österreich". Darin befindet sich auch ein erster Vorabdruck aus dem im September erscheinenden Buch "Heiße Zeiten" von Irene Brickner und Johanna Ruzicka.

Die weiteren Serienteile:

18. Juni - Wien und Umgebung
19. Juni - Stockerauer Au
20. Juni - Steirische Weinstraße
21. Juni - Hohe Tauern (Großglockner)
22. Juni - Ötscher Gebiet
23./24. Juni - Böhmerwald
25. Juni - Tirol
26. Juni - Rheindelta

Montag, 11. Juni 2007

Feilschen um „Post-Kyoto“

Mit der grundsätzlichen Einigung der G8, die Bemühungen zu einer Verminderung des Treibhausgasausstoßes im Rahmen der Vereinten Nationen zu belassen, ist nun der Weg frei für ein Nachfolgeabkommen zum UN-Kyoto-Protokoll, das derzeit einmal bis zum Jahr 2012 gilt. „Das Wichtigste war, dass die USA grünes Licht gegeben haben, da mitzumachen“, sagt Gerhard Popp, Pressesprecher im Landwirtschaftsministerium von Josef Pröll. Bekanntlich haben die USA, der weltweit größte CO2-Verursacher, gemeinsam mit Australien das Abkommen bisher torpediert. Im zuständigen Landwirtschaftsministerium ist man zuversichtlich, dass dies nun neuen Schwung auch in die EU-internen Verhandlungen für die „Post-Kyoto“-Periode bringen wird. Diese Verhandlungen auf EU-Ebene haben bereits begonnen, bestätigt Popp. In einem ersten Schritt geht es dabei um Zielfestlegung und welche Wirtschaftszweige künftig in das europä-ische CO2-Zertifikatshandelssystem aufgenommen werden. Ziemlich sicher ist bereits, dass die Flugindustrie dazukommen wird.

Lastenaufteilung
Diskutiert wird auch bereits darüber, welchen Anteil jedes Mitgliedsland bei einem Folgeabkommen zu Kyoto ab 2012 zu schultern hat. Österreich muss in der ersten Kyoto-Periode bereits ab 2008 _die Emissionen um jährlich durchschnittlich 13 Prozent, gemessen am Ausstoß von 1990, reduzieren. Dieser Wert, der vom damaligen Umweltminister Martin Bartenstein ausverhandelt worden war, wurde schon vielfach kritisiert, da er im Vergleich zu einigen EU-Mitglieder hoch ist. Griechenland etwa darf um 25 Prozent mehr CO2 ausstoßen, Spanien um 15, Frankreich darf gleich bleiben, Deutschland aber muss um 21 Prozent reduzieren. „In einer neuen europäischen Aufteilung müssen auch Vorleistungen anerkannt werden“, sagt deshalb Popp. Mit der Anerkennung österreichischer Vorleistungen wird es allerdings schwierig werden. Bekanntlich hat Österreich bisher den Treibhausgasausstoß nicht einmal stabilisiert, sondern Jahr für Jahr ausgeweitet, 2005 auf 93,2 Millionen Tonnen (1990: 78,8 Mio). „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Österreich die Ziele erreicht“, sagt Angela Köppl, zuständig für Klimawandel im Wirtschaftsforschungsinstitut.
Rechnerisch geht es um 16 Mio. Tonnen Treibhausgase, für die im Rahmen der heimischen Klimastrategie Einsparmöglichkeiten gesucht werden. Für neun Mio. Tonnen wurden bereits Vorsorge getroffen. 400 Millionen Euro, die, verteilt über die Kyoto-Periode, im Budget verteilt wurden, sollen Umweltprojekte in Osteuropa und Entwicklungsländern mitfinanziert werden. Das eingesparte CO2 kommt der Österreich-Bilanz zugute.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 9.6.2007)

"Brauchen mehr Opec-Öl"

"Wir brauchen mehr Opec-Öl, nicht weniger", sagt Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA). Birol reagiert damit auf Aussagen, die Opec-Generalsekretär Abdallah El- Badri in der Financial Times (FT) gemacht hatte. In einem Interview am Mittwoch hatte El-Badri erklärt, dass mit dem vermehrten Einsatz von Biokraftstoffen ein deutlich steigender Ölpreis einhergehen würde. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die für 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion steht, könne damit anstehende Investitionen in die Erdölförderung nicht in dem Ausmaß tätigen wie notwendig.
Dem widerspricht Birol im Gespräch mit dem Standard. "Das Opec-Öl wird mehr benötigt denn je", sagt er. "Unsere Prognosen gehen davon aus, dass die Förderung der Nicht-Opec-Staaten, vor allem in den USA und Norwegen, zurückgehen wird." Der Anteil von Biosprit würde jedoch noch lange „sehr gering“ sein. Selbst wenn alle Pläne realisiert werden, können nach IEA-Schätzungen bis 2015 lediglich 1,5 Millionen Barrel pro Tag aus Bioethanol oder Biodiesel stammen (ein Barrel ist 159 Liter). Benötigt werden dann aber 94,8 Millionen Barrel pro Tag, fast zehn Millionen mehr als heute.

Erhöhung
Dies sei auch der Grund, warum der Generalsekretär der IEA, Claude Mandil, erst Anfang der Woche die Opec-Länder dazu aufgerufen hatte, ihre Erdölförderung noch vor diesem Sommer zu erhöhen, sagte Birol. Die Befürchtungen der Opec seien "verfrüht". Die Opec-Mahnung richtete sich besonders an die Vereinigten Staaten. US-Präsident George W. Bush, der Biosprit neuerdings "freedom-fuel" nennt, will den Benzinkonsum des größten Verbraucherlandes der Welt in den kommenden zehn Jahren um 20 Prozent senken und baut dabei auf Biokraftstoffe wie Ethanol und Rapsdiesel. Die EU will den Anteil von Biotreibstoffen bis 2020 auf zehn Prozent steigern. Österreich wird bereits 2010 einen zehnprozentigen Biosprit-Anteil haben.
Die Ölpreise sind am Freitag infolge von Gewinnmitnahmen gesunken. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli kostete zu Mittag 66,38 US-Dollar (49,73 Euro) und damit 55 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ging zurück. Er sank um 82 Cent auf 70,40 Dollar. Gestiegen ist unterdessen erneut der Preis für Opec-Rohöl. Nach Angaben des Opec-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Opec-Fördergebieten am Donnerstag 67,01 US-Dollar, 58 Cent mehr. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 9./10.2006)

Freitag, 01. Juni 2007

Ambitionierte Energiesparpläne

Wien/Linz – Ein Abschied von fossilen Energieträgern muss langfristig geplant werden, weiß man in Oberösterreich und hat deshalb ein Projekt namens "Energiezukunft 2030" gestartet. Ziel dabei ist, dass bis dahin 100 Prozent der Nachfrage an Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien stammt, erklärt Gerhard Dell, Geschäftsführer des oö. Energiesparverbandes. "Das ist sehr ambitioniert", sagt er, "schließlich sind wir ein Bundesland mit hohem Industrialisierungsgrad." Was den Ersatz von fossilem Treibstoff betrifft, sieht die beste Variante der verschiedenen Zukunftsszenarien aus, dass 2030 dann um 40 Prozent weniger Erdöl- und Gas verwendet wird.
Umgelegt auf die laut Kioto-Protokoll einzusparenden Treibhausgase bedeutet dies, dass Oberösterreich dann 65 Prozent weniger CO2 emittieren würde. Der Gesamtausstoß von derzeit rund 24 Millionen Tonnen im Jahr würde dann nur mehr acht Millionen Tonnen betragen.

Energieausweise "hat sich bewährt"
Oberösterreich will laut Dell diese Energieumstellung mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen bewerkstelligen. Einerseits wird derzeit evaluiert, wie hoch das verfügbare Potenzial an Biomasse, Wasser- und Windkraft ist. Andererseits werden die Energie-Effizienzpläne, die die EU teilweise vorgibt, noch übertroffen. Einen Energieausweis für Gebäude, der ab Jahreswechsel 2008 bei Neubauten vorgeschrieben ist, gibt es in dem Bundesland für Wohngebäude bereits seit 1999. Dell: "Wir haben bereits über 100.000 Energieausweise. Das hat sich bereits bewährt." Außerdem laufe derzeit eine Lichtkampagne namens "Richtig Hell", bei der energieeffiziente Lampen zu einem Sonderpreis verkauft werden.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.6.2007)