Die erste Superethanol-Tankstelle hat die OMV bei ihrer Bedientankstelle Avanti in der Guldengasse im 14. Wiener Gemeindebezirk eröffnet
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Gerhard Roiss, OMV-Generaldirektor-Stellvertreter, stöhnt bei der Eröffnung der ersten Superethanol-Tankstelle. In Europa herrsche ein "biogener Wirrwarr", sagt er, was die Einführung des E85-Benzins, bei dem nur mehr 15 Prozent fossiler Superbenzin ist und der Rest Bioethanol, nicht einfacher mache: Nicht nur gebe es unterschiedliche Zeitpunkte bei den 27 Mitgliedern der EU, was die Einführung von Biodiesel (aus ölhaltigen Pflanzen wie Raps oder Sonnenblume) und Bioethanol (stärke- und eiweißhältige Pflanzen wie Mais oder Weizen) betreffe. Außerdem gebe es noch unterschiedlichste Rückvergütungen und Steuererleichterungen, um den biogenen Treibstoff konkurrenzfähig gegenüber seinen fossilen Konkurrenten zu machen. Dazu kommen noch unterschiedliche Zollabgaben bei Importen sowie unterschiedliche technische Verfahren, auf welche Art das Ethanol hergestellt wird. Außerdem benötigt E85 eine Winter- und eine Sommerqualität.
Durcheinander
"Das Durcheinander schlägt sich auf den Nutzen für den Konsumenten nieder", sagt Roiss und hofft, dass Brüssel ab 2010 von seinen Mitgliedern einen stärkeren Gleichklang einfordert. 23 Millionen Euro hat die OMV in das Superethanol investiert.
Was den Netzausbau zu E85 betrifft, sind bis Jahresende fünf weitere Tankstellen mit den entsprechenden Anlagen umzurüsten. Wegen des hohen Erklärungsbedarfs mit E85 wird die OMV diesen Ausbau im Rahmen ihrer Tochter Avanti durchführen, die in der Regel über Bedientankstellen verfügt. Allzu groß dürfte der Run auf die Avanti-Tankstellen wegen der E85-Zapfsäulen anfangs nicht werden; Roiss spricht von 40 verkauften Fahrzeugen in Österreich plus ein paar Vorführwagen.
Und wenn der Fahrer eines "normalen", fossil betriebenen Autos den Zapfhahn verwechselt und Superethanol tankt? "Dann muss das Fahrzeug in die Werkstatt und enttankt werden", erklärt Walter Böhme, Innovationsmanager der OMV.
Tankstellen-Roadmap
"Wir betreten hier Neuland", sagt Roiss, der den weiteren Tankstellenausbau ab 2008 bedarfsorientiert betreiben will. Im Westen Österreichs, also in den Bundesländern Tirol und Vorarlberg, sowie auch in Kärnten steht derzeit gar keine E85-Tankstelle auf der Roadmap. Auch bieten lediglich Saab, Ford und Volvo entsprechende Flexi-Fuel-Cars an, die, wenn keine entsprechende Tankstelle in der Nähe ist, auch mit Superbenzin betankt werden können. Der Energiegehalt von E85 ist im Vergleich zu Superbenzin um ein Viertel geringer; der daraus entstehende Mehrbedarf wird durch die Befreiung von der Mineralölsteuer (0,5 Cent pro Liter) wettgemacht. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.9.2007)
Samstag, 29. September 2007
Freitag, 28. September 2007
Zukauf "Heißer Luft"
"Die Mineralölsteuer Möst wird zum Instrument, mit dem Österreich seinen zu hohen CO2-Ausstoß finanziert", erklärt Greenpeace-Klimaexperte Erwin Mayer. Seiner Meinung nach werde Österreich ab 2008 nichts anderes übrig bleiben, als Treibhausgas-Zertifikate aus Russland und der Ukraine, im Fachjargon "Heiße Luft", anzukaufen, um so das jährliche Zuviel an österreichischen Emissionen in der Höhe von insgesamt rund 25 Millonen Tonnen CO2 abzudecken. Bisher haben zuständige österreichische Politiker immer erklärt, dieses ab 2008 erlaubte Instrument des Kioto-Protokolls meiden zu wollen, da es eine reine Rechenspielerei ist und keine Klimamaßnahmen nach sich zieht.
Die Berechnungen dabei: Jährlich werden neun Mio. der 25 Mio. Tonnen CO2 über Klimaprojekte im Ausland hereingebracht; dafür wurden bis 2012 bereits 400 Mio. Euro Budgetmittel reserviert. Die restlichen rund 16 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr können in Österreich nicht schnell genug eingespart werden und sollen über „Heiße Luft“ egalisiert werden. Angenommen wird, dass die Zertifikatspreise dafür bei rund 20 Euro je Tonne CO2 liegen werden. "Das geht sich mit den Möst-Einnahmen von 600 bis 900 Mio. Euro aus", so Mayer. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.9.2007)
Die Berechnungen dabei: Jährlich werden neun Mio. der 25 Mio. Tonnen CO2 über Klimaprojekte im Ausland hereingebracht; dafür wurden bis 2012 bereits 400 Mio. Euro Budgetmittel reserviert. Die restlichen rund 16 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr können in Österreich nicht schnell genug eingespart werden und sollen über „Heiße Luft“ egalisiert werden. Angenommen wird, dass die Zertifikatspreise dafür bei rund 20 Euro je Tonne CO2 liegen werden. "Das geht sich mit den Möst-Einnahmen von 600 bis 900 Mio. Euro aus", so Mayer. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.9.2007)
Schlagworte:
CO2,
Greenpeace,
Möst,
Treibhausgas-Zertifikate
Donnerstag, 27. September 2007
Buchpräsentation HEISSE ZEITEN
Mittwochabend präsentierten Irene Brickner (links) und Johanna Ruzicka ihr Klima-Buch "Heiße Zeiten - 50 Antworten auf brennende Fragen zum Klimawandel" (Residenz Verlag) in den Räumlichkeiten der Österreichischen Hagelversicherung in Wien. Anlässlich der Buchpräsentation diskutierten die Autorinnen unter der Moderation von Michael Kerbler (ORF, Ö1) mit Dr. Reinhard Böhm (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) und Erwin Mayer (Greenpeace) über Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels. 
Unter den Gästen: Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard), Alois Schrems (Telekom Austria), Monika Matausch (BP Austria), Wilfried Oschischnig (BIO AUSTRIA), Gerfried Sperl (Der Standard), Helga Tomaschtik (Lang & Tomaschtik Communications).
Link: Buchrezession (Der Falter)
Reinhard Böhm (ZAMG), Kurt Weinberger (GD Öst. Hagelversicherung), Erwin Mayer (Greenpeace), Herwig Bitsche (Verlagsleiter Residenzverlag)Mittwoch, 26. September 2007
Bröckelt Front der Kioto-Protokoll Unterzeichner?
Bei der UN-Klimakonferenz am Montag äußerte sich der russische Umweltexperte Alexander Bedrizki, Chef des Föderalamtes für Hydrometeorologie und Umweltbeobachtung (Rosgidromet), kritisch bezüglich einer Verlängerung des aktuellen Kioto-Protokolls. Seiner Meinung nach verfehle das Abkommen seine Wirkung beim globalen Umweltschutz. „Beispiele zeugen von den Mängeln des Kioto-Protokolls und lassen schlussfolgern, dass seine Verlängerung in der heutigen Form ineffektiv sein wird“, erklärte er bei der UN-Konferenz. Die Emissionen nehmen zu, obwohl viele Staaten verpflichtende Vereinbarungen bezüglich der Stabilisierung respektive der Reduktion der CO2-Emissionen übernommen hätten. „Unter Berücksichtigung der Dynamik der Emissionen ist es klar, dass die weiteren gemeinsamen Bemühungen der Länder, die die quantitativen Verpflichtungen bis 2012 eingegangen sind, in einer neuen Periode nichts Wesentliches für den Klimaschutz bringen werden“, sagte der Chef von Rosgidromet. Seiner Meinung nach müsste ein System etabliert werden, das Anreize zur freiwilligen Verpflichtung zur Reduktion der Treibhausgase schafft. Diese Ansicht erinnert frappant an Aussagen von Vertretern der Bush-Administration in den USA.
Innenpolitisch sind mit dem Thema Klimawandel in Russland keine Lorbeeren zu holen. Das lassen bespielsweise die Ergebnisse einer Umfrage, die von BBC World Service gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Globescan bei mehr als 22.000 Menschen in 21 Ländern durchgeführt wurde, vermuten. Unter anderem wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie schon jemals von der globalen Erwärmung gehört hätten. Das russische Befragungsergebnis wich stark von dem der anderen Länder ab. Über die Hälfte der Befragten gab an, kaum darüber gehört zu haben. Die in Russland die Bevölkerung interessierenden Themen sind Sozialpolitik und die Sicherheit der Bürger.
Auch ein Vertreter des „offiziellen“ Russlands Rinat Gizatullin, ein Sprecher des Ministeriums für natürliche Ressourcen sieht die Bemühungen für den Klimaschutz eher nebenrangig respektive sogar nicht unbedingt im Interesse Russlands gelegen. "Wenn das Klima wärmer wird, wird ein größerer Teil Russlands frei für Landwirtschaft sein", meint er, "wir verfallen also nicht in Panik, weil die globale Erwärmung für uns keine solche Katastrophe ist wie für andere Länder."
Russland hatte das Kioto-Protokoll erst nach langem Zögern am 22. Oktober 2004 ratifiziert. Ein wesentlicher Grund dafür waren die zu erwartenden Gewinne aus dem Emissionsrechtehandel. In den Jahren nach 1990 - die CO2-Emissionen dieses Jahres bilden die Basis für die Kioto-Ziele – wurden in Russland zahlreiche stark umweltverschmutzende Fabriken aus Rentabilitätsgründen geschlossen. Daher liegen heute auch die russischen Emissionen unter denen von 1990.
Siehe auch: Russische Nachrichtenagentur Novosti und pressetext Nachrichtenagentur (pte)
Innenpolitisch sind mit dem Thema Klimawandel in Russland keine Lorbeeren zu holen. Das lassen bespielsweise die Ergebnisse einer Umfrage, die von BBC World Service gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Globescan bei mehr als 22.000 Menschen in 21 Ländern durchgeführt wurde, vermuten. Unter anderem wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie schon jemals von der globalen Erwärmung gehört hätten. Das russische Befragungsergebnis wich stark von dem der anderen Länder ab. Über die Hälfte der Befragten gab an, kaum darüber gehört zu haben. Die in Russland die Bevölkerung interessierenden Themen sind Sozialpolitik und die Sicherheit der Bürger.
Auch ein Vertreter des „offiziellen“ Russlands Rinat Gizatullin, ein Sprecher des Ministeriums für natürliche Ressourcen sieht die Bemühungen für den Klimaschutz eher nebenrangig respektive sogar nicht unbedingt im Interesse Russlands gelegen. "Wenn das Klima wärmer wird, wird ein größerer Teil Russlands frei für Landwirtschaft sein", meint er, "wir verfallen also nicht in Panik, weil die globale Erwärmung für uns keine solche Katastrophe ist wie für andere Länder."
Russland hatte das Kioto-Protokoll erst nach langem Zögern am 22. Oktober 2004 ratifiziert. Ein wesentlicher Grund dafür waren die zu erwartenden Gewinne aus dem Emissionsrechtehandel. In den Jahren nach 1990 - die CO2-Emissionen dieses Jahres bilden die Basis für die Kioto-Ziele – wurden in Russland zahlreiche stark umweltverschmutzende Fabriken aus Rentabilitätsgründen geschlossen. Daher liegen heute auch die russischen Emissionen unter denen von 1990.
Siehe auch: Russische Nachrichtenagentur Novosti und pressetext Nachrichtenagentur (pte)
Dienstag, 25. September 2007
Erdbeeren aus Grönland
Grönland steht vor einer „Agrarrevolution“In den letzten Jahrzehnten sind die Temperaturen in Südgrönland um cirka 2,5 Grad Celsius gestiegen und die Eisschmelze war zwischen April 2004 und April 2006 mehr als doppelt so stark als im Vergleichszeitraum 2002 bis 2004. Diese Erwärmung drängt die Gletscher immer mehr zurück und verändert dramatisch die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen. So steht der aktuelle Haupterwerb der Grönländer, die Jagd auf Robben, vor einer düsteren Zukunft.
Brokkoli heißt Salat
Doch auf Grönland gibt es auch viele die den Temperaturanstieg positiv sehen. Infolge der zurückgehenden Eisdecke und der erhöhten Temperaturen werden große Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung freigelegt. Hier können nun in nennenswertem Umfang beispielsweise Rüben und Erdäpfel angebaut werden. Im Jahr 2006 konnte einer der einheimischen Bauern bereits 50 Tonnen Erdäpfel ernten. Und seit Menschengedenken gab es eine zweite Heuernte im Sommer. Bald soll auch Gemüse wie Kohl oder Brokkoli angebaut werden. Übrigens: Es gibt bis jetzt keinen grönländischen Namen für Brokkoli. Bisher wird er einfach Salat genannt.
In Zukunft werden auch Kühe in nennenswerter Anzahl grasen. Derzeit gibt es laut Grönlands statistischem Amt nur 24 Kühe für 57.000 Menschen. Grönland muss heute den Großteil der landwirtschaftlichen Produkte teuer – vor allem aus Dänemark – einführen. Im vergangenen Jahr summierten sich die Kosten dafür auf 43 Millionen Euro
„Ein bisschen Wärme tut gut“
Schon in 10 bis 20 Jahren schätzt Jesper Madsen, Chef der Abteilung Arktische Umgebung beim Umweltforschungsinstitut DMU in Roskilde, könnte Grönland den Großteil der benötigten Milch und des Gemüses selbst produzieren.
„Natürlich hoffen auch wir, dass der Klimawandel nicht ganz außer Kontrolle gerät“, sagt der grönländische Landwirtschaftsexperte Kenneth Hoegh, „aber uns tut das bisschen Wärme gut. Wir könnten noch mehr davon gebrauchen.“
Und bald könnte auch ein Wunschtraum der Grönländer wahr werden: Erdbeeren, das Lieblingsobst der Einheimischen, selbst zu züchten und zu ernten.
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Grönland war einmal grün
Während der Warmzeit im Mittelalter zwischen 1000 und 1300 nach Christus lagen die Temperaturen im Schnitt zwei Grad über den heutigen. Bis in den Norden Norwegens konnte Korn angebaut werden. Die Wikinger besiedelten Grönland, Grünland genannt, weil damals Weidewirtschaft und Ackerbau möglich waren. In England und sogar im südlichen Schottland wuchs Wein. Die Bevölkerungszahlen in Europa explodierten damals geradezu. Kultur und Gesellschaft erlebten eine Blütezeit.
(siehe Kulturgeschichte des Klimas, Wolfgang Behringer, München 2007)
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Quellen: www.livepr.com, www.zdf.de, www.focus.de
Während der Warmzeit im Mittelalter zwischen 1000 und 1300 nach Christus lagen die Temperaturen im Schnitt zwei Grad über den heutigen. Bis in den Norden Norwegens konnte Korn angebaut werden. Die Wikinger besiedelten Grönland, Grünland genannt, weil damals Weidewirtschaft und Ackerbau möglich waren. In England und sogar im südlichen Schottland wuchs Wein. Die Bevölkerungszahlen in Europa explodierten damals geradezu. Kultur und Gesellschaft erlebten eine Blütezeit.
(siehe Kulturgeschichte des Klimas, Wolfgang Behringer, München 2007)
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Quellen: www.livepr.com, www.zdf.de, www.focus.de
Sonntag, 23. September 2007
"Versorgungssicherheit zählt"
Der Aufbau einer biogenen Treibstoff- Infrastruktur gestaltet sich schwierig. Heinz Kopetz erklärt im Interview, warum der Weg trotzdem weiterverfolgt werden muss.
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STANDARD: Sie haben schon öfter angedeutet, dass Biodiesel- bzw. Bioethanol-Produktion nicht die höchsten Energieerträge ergeben. Fühlen Sie sich nach den Problemen, die das Agrana-Bioethanolwerk zwingt, stark verzögert in Vollbetrieb zu gehen, bestätigt?
Kopetz: Die Probleme in der Agrana haben andere Ursachen als Energie-Output, und die Agrana hat richtig entschieden, indem sie den Betrieb hinausschiebt, weil momentan eine Knappheit bei Getreide besteht, etwa weil die EU-Produktionsbeschränkungen zu spät gelockert wurden. Es ist anzunehmen, dass sich das mit Flächenausweitung und Aufhebung der Flächenstilllegungen entspannt.
STANDARD: Die grundsätzliche Kritik an Ethanol und Biodiesel teilen Sie also nicht?
Kopetz: Nein. Man darf Ethanol und Biodiesel nicht nur als Biotreibstoff sehen, sondern muss auch bedenken, dass es ein Verfahren zur Gewinnung von Eiweißfuttermittel ist. Meine Hinweise bezogen sich immer darauf, dass diese beiden Verfahren Koppeleffekte haben. Also Energieerzeugung und Eiweißfuttermittel, ein Ersatz für Sojaimporte. Es ist daher logisch, dass die Energieerträge pro Hektar geringer sind als bei Verfahren, bei denen die gesamte Pflanze zur Energienutzung verwendet wird, etwa bei Biogas. Ein Faktor, der an Bedeutung gewinnt, ist, dass ein Mindestmaß an erneuerbaren Treibstoffen in Europa erzeugt werden sollte, damit die EU im Treibstoffbereich nicht zur Gänze von fossilen Importen abhängt.
STANDARD: Eine kürzlich erschienene OECD-Studie zu Biosprit sieht das anders. Die Erzeugung von Biosprit kann in tropischen Ländern viel effizienter bewerkstelligt werden.
Kopetz: Diese Studie ist extrem einseitig, und die Schlüsse sind zu 50 Prozent nicht richtig. Es wird darin kritisiert, dass Getreide gedüngt wird und dass das zur Versauerung der Böden führt. Das ist unsinnig, weil bei jedem Anbau gedüngt wird.
STANDARD: In der Studie wird auch das große Versprechen von biogenen Energien hinterfragt, dass sie den Klimawandel nicht beschleunigen. Die OECD-Studie sagt, dass gar nicht viel, nur 40 Prozent, gegenüber fossilen Energien eingespart werden kann.
Kopetz: Auch da vergleicht die OECD Äpfel mit Birnen. Offensichtlich hat sie bei Fossilen nur die Treibhausgasemissionen herangezogen, die bei der Verbrennung entstehen - und die Emissionen, die bei der Erdölförderung, der Verarbeitung und dem Transport entstehen, weggelassen. Bei Biotreibstoffen wird dagegen die ganze Produktionskette mit einberechnet. Das ist tendenziös, wie die ganze Studie.
STANDARD: Trotzdem. Es ist doch interessant, dass Sie, also Ihr Verband, auf österreichischer und auf EU-Ebene mittlerweile nicht CO2-Reduktion, sondern Versorgungssicherheit betonen.
Kopetz: Unser Verband sagt, dass wichtigstes Ziel sein muss, möglichst viel CO2 zu reduzieren. Daraus ergibt sich, dass man Verfahren wählen muss, bei denen möglichst hohe Erträge je Hektar erzielt werden können. Und dass die Primärenergie möglichst effizient in Endenergie wie Strom, Treibstoffe oder Wärme umgewandelt werden muss. Das führt dazu, dass die erste Priorität auf Biomasse zur Wärmeerzeugung gelegt werden muss, gefolgt von Stromerzeugung unter Nutzung der Abwärme. Und erst dann kommt bei diesem Kriterienraster die Biosprit-Produktion. Wir haben nie gesagt, dass man mit Biosprit so viel erreichen kann, wie der EU vorschwebt. Die Versorgungssicherheit ist es, was bei Biosprit zählt.
STANDARD: Und obwohl klar ist, dass Biosprit in der EU nie auf Eigenversorgung beruhen kann, wird der Markt abgeschottet? Ist das vernünftig?
Kopetz: Dies sollte für den Aufbau einer so sensiblen Produktion wie Bioethanol gelten. Dies ist ein ureigenes Interesse der EU, auch wenn dies der Welthandelsphilosophie einer totalen Liberalisierung zuwiderläuft. Aber natürlich, Biotreibstoffe in Europa haben ihre Tücken. Bei den Rohstoffen für Bioethanol (stärke- und zuckerhaltige Pflanzen, Anm.) kann innerhalb der EU genug produziert werden, sodass wir die Beimischungsverpflichtungen erfüllen. Bei den Rohstoffen für Agrardiesel (ölhaltige Pflanzen wie Raps oder Palmöl, Anm.) ist das anders. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9.2007)
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Zur Person: Heinz Kopetz ist Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Präsident des Europäischen Biomasseverbandes. Kopetz studierte Landwirtschaft an der Boku Wien und Nationalökonomie in den USA.
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STANDARD: Sie haben schon öfter angedeutet, dass Biodiesel- bzw. Bioethanol-Produktion nicht die höchsten Energieerträge ergeben. Fühlen Sie sich nach den Problemen, die das Agrana-Bioethanolwerk zwingt, stark verzögert in Vollbetrieb zu gehen, bestätigt?
Kopetz: Die Probleme in der Agrana haben andere Ursachen als Energie-Output, und die Agrana hat richtig entschieden, indem sie den Betrieb hinausschiebt, weil momentan eine Knappheit bei Getreide besteht, etwa weil die EU-Produktionsbeschränkungen zu spät gelockert wurden. Es ist anzunehmen, dass sich das mit Flächenausweitung und Aufhebung der Flächenstilllegungen entspannt.
STANDARD: Die grundsätzliche Kritik an Ethanol und Biodiesel teilen Sie also nicht?
Kopetz: Nein. Man darf Ethanol und Biodiesel nicht nur als Biotreibstoff sehen, sondern muss auch bedenken, dass es ein Verfahren zur Gewinnung von Eiweißfuttermittel ist. Meine Hinweise bezogen sich immer darauf, dass diese beiden Verfahren Koppeleffekte haben. Also Energieerzeugung und Eiweißfuttermittel, ein Ersatz für Sojaimporte. Es ist daher logisch, dass die Energieerträge pro Hektar geringer sind als bei Verfahren, bei denen die gesamte Pflanze zur Energienutzung verwendet wird, etwa bei Biogas. Ein Faktor, der an Bedeutung gewinnt, ist, dass ein Mindestmaß an erneuerbaren Treibstoffen in Europa erzeugt werden sollte, damit die EU im Treibstoffbereich nicht zur Gänze von fossilen Importen abhängt.
STANDARD: Eine kürzlich erschienene OECD-Studie zu Biosprit sieht das anders. Die Erzeugung von Biosprit kann in tropischen Ländern viel effizienter bewerkstelligt werden.
Kopetz: Diese Studie ist extrem einseitig, und die Schlüsse sind zu 50 Prozent nicht richtig. Es wird darin kritisiert, dass Getreide gedüngt wird und dass das zur Versauerung der Böden führt. Das ist unsinnig, weil bei jedem Anbau gedüngt wird.
STANDARD: In der Studie wird auch das große Versprechen von biogenen Energien hinterfragt, dass sie den Klimawandel nicht beschleunigen. Die OECD-Studie sagt, dass gar nicht viel, nur 40 Prozent, gegenüber fossilen Energien eingespart werden kann.
Kopetz: Auch da vergleicht die OECD Äpfel mit Birnen. Offensichtlich hat sie bei Fossilen nur die Treibhausgasemissionen herangezogen, die bei der Verbrennung entstehen - und die Emissionen, die bei der Erdölförderung, der Verarbeitung und dem Transport entstehen, weggelassen. Bei Biotreibstoffen wird dagegen die ganze Produktionskette mit einberechnet. Das ist tendenziös, wie die ganze Studie.
STANDARD: Trotzdem. Es ist doch interessant, dass Sie, also Ihr Verband, auf österreichischer und auf EU-Ebene mittlerweile nicht CO2-Reduktion, sondern Versorgungssicherheit betonen.
Kopetz: Unser Verband sagt, dass wichtigstes Ziel sein muss, möglichst viel CO2 zu reduzieren. Daraus ergibt sich, dass man Verfahren wählen muss, bei denen möglichst hohe Erträge je Hektar erzielt werden können. Und dass die Primärenergie möglichst effizient in Endenergie wie Strom, Treibstoffe oder Wärme umgewandelt werden muss. Das führt dazu, dass die erste Priorität auf Biomasse zur Wärmeerzeugung gelegt werden muss, gefolgt von Stromerzeugung unter Nutzung der Abwärme. Und erst dann kommt bei diesem Kriterienraster die Biosprit-Produktion. Wir haben nie gesagt, dass man mit Biosprit so viel erreichen kann, wie der EU vorschwebt. Die Versorgungssicherheit ist es, was bei Biosprit zählt.
STANDARD: Und obwohl klar ist, dass Biosprit in der EU nie auf Eigenversorgung beruhen kann, wird der Markt abgeschottet? Ist das vernünftig?
Kopetz: Dies sollte für den Aufbau einer so sensiblen Produktion wie Bioethanol gelten. Dies ist ein ureigenes Interesse der EU, auch wenn dies der Welthandelsphilosophie einer totalen Liberalisierung zuwiderläuft. Aber natürlich, Biotreibstoffe in Europa haben ihre Tücken. Bei den Rohstoffen für Bioethanol (stärke- und zuckerhaltige Pflanzen, Anm.) kann innerhalb der EU genug produziert werden, sodass wir die Beimischungsverpflichtungen erfüllen. Bei den Rohstoffen für Agrardiesel (ölhaltige Pflanzen wie Raps oder Palmöl, Anm.) ist das anders. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.9.2007)
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Zur Person: Heinz Kopetz ist Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Präsident des Europäischen Biomasseverbandes. Kopetz studierte Landwirtschaft an der Boku Wien und Nationalökonomie in den USA.
Freitag, 21. September 2007
Differenzen über Emissionshandel im Luftverkehr
Derzeit (18.-28. September) tagt im kanadischen Montreal die Vollversammlung des UN-Gremiums der Internationalen Zivilluftfahrt Organisation (ICAO, International Civil Aviation Organization). Gestritten wird unter anderem darüber, ob die 27 Mitgliedsstaaten der EU den gesamten Luftverkehr in ihr bestehendes CO2-Emissionshandelssystem einbeziehen sollen. Gegen einen weltweiten Emissionshandel sprechen sich vor allem die USA und Kanada aus. Österreich ist bei der Vollversammlung der ICAO durch Staatssekretärin Christa Kranzl vertreten.
Die EU möchte den Handel beim Flugverkehr spätestens 2012 einführen. Die EU-Kommission schlägt vor den Emissionsdurchschnitt des Jahres 2005 als Ziel zu nehmen. Auf dieser Basis würden dann die Zertifikate vergeben und alles was darüber an CO2-Ausstoß hinausgeht müsste zugekauft werden. Momentan geht man davon aus, dass die Luftfahrt für rund 3 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist.
Deutschen Umweltverbänden ist der EU-Ansatz zu wenig weitgehend. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie fordern für die Berechnungen der Klimaauswirkungen des Luftverkehrs eine strengere Regelung vorzusehen. Kritisiert wird, dass der Ausstoß von Wasserdampf und Stickoxiden nicht berücksichtigt wird, aber gerade diese Treibhausgase in den hohen Luftschichten der Flugkorridore extrem schädliche Klimafolgen nach sich ziehen. Ebenso werden die Mengenvorgaben des EU-Vorschlages als viel zu hoch angesehen. Werner Reh, Verkehrsexperte des BUND: „Da muss man ambitionierter vorgehen. Wir schlagen vor, 50 Prozent der ausgestoßenen CO2-Menge 2005 als Berechnungsgrundlage heranzuziehen.“
Laut Karl Otto Schallaböck, Verkehrsexperte des Wuppertal-Instituts liegt das jährliche Wachstum im Luftverkehr bei rund 5 Prozent. Der jährliche Treibstoffverbrauch nach einschlägigen Schätzungen sinke pro Kilometer aber nur um ca. 1,5 Prozent. Damit stiege der Ausstoß an Treibhausgasen in der Luftfahrt um 3,5 Prozent jährlich.
Die EU möchte den Handel beim Flugverkehr spätestens 2012 einführen. Die EU-Kommission schlägt vor den Emissionsdurchschnitt des Jahres 2005 als Ziel zu nehmen. Auf dieser Basis würden dann die Zertifikate vergeben und alles was darüber an CO2-Ausstoß hinausgeht müsste zugekauft werden. Momentan geht man davon aus, dass die Luftfahrt für rund 3 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist.
Deutschen Umweltverbänden ist der EU-Ansatz zu wenig weitgehend. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie fordern für die Berechnungen der Klimaauswirkungen des Luftverkehrs eine strengere Regelung vorzusehen. Kritisiert wird, dass der Ausstoß von Wasserdampf und Stickoxiden nicht berücksichtigt wird, aber gerade diese Treibhausgase in den hohen Luftschichten der Flugkorridore extrem schädliche Klimafolgen nach sich ziehen. Ebenso werden die Mengenvorgaben des EU-Vorschlages als viel zu hoch angesehen. Werner Reh, Verkehrsexperte des BUND: „Da muss man ambitionierter vorgehen. Wir schlagen vor, 50 Prozent der ausgestoßenen CO2-Menge 2005 als Berechnungsgrundlage heranzuziehen.“
Laut Karl Otto Schallaböck, Verkehrsexperte des Wuppertal-Instituts liegt das jährliche Wachstum im Luftverkehr bei rund 5 Prozent. Der jährliche Treibstoffverbrauch nach einschlägigen Schätzungen sinke pro Kilometer aber nur um ca. 1,5 Prozent. Damit stiege der Ausstoß an Treibhausgasen in der Luftfahrt um 3,5 Prozent jährlich.
Samstag, 15. September 2007
Nordwest-Passage eisfrei
Am Freitag veröffentlichte die Europäische Raumfahrt-Agentur ESA Fotos, die die berühmte Nordwest-Passage zwischen dem Atlantik und dem Pazifik im Norden Amerikas völlig eisfrei zeigte. Die Bilder wurden Anfang Septemper vom Satelliten Envisat aufgenommen.
Im heurigen Jahr war der Rückgang des Eises besonders dramatisch. Nachdem bereits in den letzten Jahren ein kontinuierlicher Rückzug der Vereisung um ca. 100.000 km2 jährlich zu registrieren war, betrug der Verlust im letzten Jahr eine Mio. km2.
Sensible Arktis
Die Arktis reagiert auf Klimaveränderungen sehr sensibel. Laut Experten sind die Auswirkungen der Erderwärmung hier doppelt so stark als wie anderswo. Die Gründe dafür sollen laut Klimaforschern auf einem verhängnisvollen Rückkoppelungseffekt beruhen. Schmilzt das Polareis so wird die Eisfläche kleiner, die die Sonneneinstrahlung ins All reflektiert. Weniger Reflexion bedeutet mehr lokale Wärmw, was wieder die Eisschmelze beschleunigt.
Wirtschaftliche und politische Aspekte
Wird die Nordwest-Passage ganzjährig eisfrei und damit kommerziell nutzbar, verkürzt sich der Seeweg zwischen Europa und Asien (beispielsweise Brest-Tokio) gegen der alternativen Route durch den Suezkanal um etwa 6.000 km. Auch die Strecke über den Panamakanal wäre durch eine ausgebaute Nordwest-Passage weniger attraktiv. Der Weg von Europa nach Asien ist über den Panama-Kanal 12.600 Seemeilen lang, über die Nordwestpassage 7.900 Seemeilen.
Es ist eventuell verfrüht solche „verkehrstechnischen Planspiele“ als baldige Realität anzusehen. Arktisforscher weisen immer wieder darauf hin, dass sich in bestimmten Abschnitten der Passage mittelfristig sogar noch zusätzliches treibendes Eis ansammeln wird. Aufgrund solcher Prognosen haben kanadische Seehandelsexperten ausgerechnet, dass sich die Durchfahrt vorderhand (noch) kaum lohnen wird.
Illustration: NASA
Weitaus wichtiger erscheint aber aus heutiger Sicht der Umstand, dass durch das Abschmelzen des Nordpols der Zugang zu bedeutenden Energievorkommen wirtschaftlich rentabel werden könnte. Seit den siebziger Jahren weiß man, dass es in der kanadischen Arktis große Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt. Das hat bereits zu Konflikten zwischen Kanada und den USA geführt. Im Jahr 1973 hat Kanada die Nordwestpassage zu einer internen Wasserstraße erklärt. Seitdem gilt die Straße als ein Symbol der nationalen Souveränität Kanadas. So vergleicht Kanada die Straße mit dem Fluss Mississippi. Die USA halten die Nordwestpassage dagegen für eine internationale Straße, die allen offen steht.
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Die Suche nach der Passage
Seit dem 16. Jahrhundert versuchten Seefahrer und Forscher eine mögliche Seeroute im Norden Amerikas zu finden, die Schiffsreisen zwischen Europa und Ostasien entscheident verkürzen könnte. Zahlreiche Expiditionen scheiterten im "ewigen" Eis. Die erste komplette Durchfahrt gelang Roald Amundsen in den Jahren 1903 bis 1906. Als erster Tanker durchquerte 1968 das zum Eisbrecher umgebaute US-Schiff SS Manhatten die passage von West nach Ost in etwas mehr als vier Wochen. Im jahr 1985 bewältigte das erste Kreuzfahrschiff (die World Discover) mit Passagieren an Board die Durchfahrt.
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Im heurigen Jahr war der Rückgang des Eises besonders dramatisch. Nachdem bereits in den letzten Jahren ein kontinuierlicher Rückzug der Vereisung um ca. 100.000 km2 jährlich zu registrieren war, betrug der Verlust im letzten Jahr eine Mio. km2.
Sensible Arktis
Die Arktis reagiert auf Klimaveränderungen sehr sensibel. Laut Experten sind die Auswirkungen der Erderwärmung hier doppelt so stark als wie anderswo. Die Gründe dafür sollen laut Klimaforschern auf einem verhängnisvollen Rückkoppelungseffekt beruhen. Schmilzt das Polareis so wird die Eisfläche kleiner, die die Sonneneinstrahlung ins All reflektiert. Weniger Reflexion bedeutet mehr lokale Wärmw, was wieder die Eisschmelze beschleunigt.
Wirtschaftliche und politische Aspekte
Wird die Nordwest-Passage ganzjährig eisfrei und damit kommerziell nutzbar, verkürzt sich der Seeweg zwischen Europa und Asien (beispielsweise Brest-Tokio) gegen der alternativen Route durch den Suezkanal um etwa 6.000 km. Auch die Strecke über den Panamakanal wäre durch eine ausgebaute Nordwest-Passage weniger attraktiv. Der Weg von Europa nach Asien ist über den Panama-Kanal 12.600 Seemeilen lang, über die Nordwestpassage 7.900 Seemeilen.
Es ist eventuell verfrüht solche „verkehrstechnischen Planspiele“ als baldige Realität anzusehen. Arktisforscher weisen immer wieder darauf hin, dass sich in bestimmten Abschnitten der Passage mittelfristig sogar noch zusätzliches treibendes Eis ansammeln wird. Aufgrund solcher Prognosen haben kanadische Seehandelsexperten ausgerechnet, dass sich die Durchfahrt vorderhand (noch) kaum lohnen wird.
Illustration: NASAWeitaus wichtiger erscheint aber aus heutiger Sicht der Umstand, dass durch das Abschmelzen des Nordpols der Zugang zu bedeutenden Energievorkommen wirtschaftlich rentabel werden könnte. Seit den siebziger Jahren weiß man, dass es in der kanadischen Arktis große Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt. Das hat bereits zu Konflikten zwischen Kanada und den USA geführt. Im Jahr 1973 hat Kanada die Nordwestpassage zu einer internen Wasserstraße erklärt. Seitdem gilt die Straße als ein Symbol der nationalen Souveränität Kanadas. So vergleicht Kanada die Straße mit dem Fluss Mississippi. Die USA halten die Nordwestpassage dagegen für eine internationale Straße, die allen offen steht.
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Die Suche nach der Passage
Seit dem 16. Jahrhundert versuchten Seefahrer und Forscher eine mögliche Seeroute im Norden Amerikas zu finden, die Schiffsreisen zwischen Europa und Ostasien entscheident verkürzen könnte. Zahlreiche Expiditionen scheiterten im "ewigen" Eis. Die erste komplette Durchfahrt gelang Roald Amundsen in den Jahren 1903 bis 1906. Als erster Tanker durchquerte 1968 das zum Eisbrecher umgebaute US-Schiff SS Manhatten die passage von West nach Ost in etwas mehr als vier Wochen. Im jahr 1985 bewältigte das erste Kreuzfahrschiff (die World Discover) mit Passagieren an Board die Durchfahrt.
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Schlagworte:
eisfrei,
Erderwärmung,
ESA,
Kanada,
Nordwest-Passage,
USA
Freitag, 14. September 2007
Kein guter Start
Der mit großem Trara in Österreich in Szene gesetzte Benzin E85, genannt Superethanol, legt keinen guten Start hin. Im Vergleich zu anderen Staaten sowieso verspätet, gibt es gerade einmal eine Tankstelle, die ab 1. Oktober das Benzin-Alkohol-Gemisch abfüllt. Und bis zum Jahresende werden es vielleicht zehn Tankstellen sein.
Nur vordergründig sind behördliche Wasserrechtsprobleme daran schuld. Der wahre Grund wird in einer Unsicherheit der Wirtschaft zu suchen sein: Das kleine Land Österreich versucht nämlich einmal wieder, "auf jedem Kirtag mitzutanzen": Die EU stellt ihren Mitgliedern frei, wie sie die Beimischungsverpflichtung von 5,75 Prozent Öko-Treibstoffe zu den fossilen Treibstoffen erreichen wollen. Mit Flexi-Fuel-Cars, bei denen 85 Prozent Biosprit im Tank blubbert, oder mit einer wesentlich niedrigeren Beimischung bei allen Fahrzeugen. Die Schweden etwa lassen den Beimischungsansatz gleich beiseite und setzen ausschließlich auf E85.
Österreich aber macht wieder einmal beides: Beimischung plus Superethanol. Das kommt der Energiewirtschaft recht teuer. Für beide Biosprit-Formen muss Infrastruktur samt Verteilernetze aufgebaut werden. Bei Erdgas-Zapfsäulen geht darüber hinaus auch nur wenig weiter. Immer muss der Konsument mühselig informiert werden. Und schon jetzt ist der Fahrzeughalter verunsichert. Die vielen unterschiedlichen Hähne an den Tankstellen verwirren. Mit E85 kommt noch eine weitere Abfüllmöglichkeit dazu – so die großen Tankstellenbetreiber den Ökosprit doch einmal ins Programm aufnehmen.
Die Frage, ob es klima- und wirtschaftspolitisch klug ist, bei allem und jedem mitzumachen, stellt man sich häufig. Das Beispiel Superethanol zeigt, dass manchmal weniger mehr ist.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)
Nur vordergründig sind behördliche Wasserrechtsprobleme daran schuld. Der wahre Grund wird in einer Unsicherheit der Wirtschaft zu suchen sein: Das kleine Land Österreich versucht nämlich einmal wieder, "auf jedem Kirtag mitzutanzen": Die EU stellt ihren Mitgliedern frei, wie sie die Beimischungsverpflichtung von 5,75 Prozent Öko-Treibstoffe zu den fossilen Treibstoffen erreichen wollen. Mit Flexi-Fuel-Cars, bei denen 85 Prozent Biosprit im Tank blubbert, oder mit einer wesentlich niedrigeren Beimischung bei allen Fahrzeugen. Die Schweden etwa lassen den Beimischungsansatz gleich beiseite und setzen ausschließlich auf E85.
Österreich aber macht wieder einmal beides: Beimischung plus Superethanol. Das kommt der Energiewirtschaft recht teuer. Für beide Biosprit-Formen muss Infrastruktur samt Verteilernetze aufgebaut werden. Bei Erdgas-Zapfsäulen geht darüber hinaus auch nur wenig weiter. Immer muss der Konsument mühselig informiert werden. Und schon jetzt ist der Fahrzeughalter verunsichert. Die vielen unterschiedlichen Hähne an den Tankstellen verwirren. Mit E85 kommt noch eine weitere Abfüllmöglichkeit dazu – so die großen Tankstellenbetreiber den Ökosprit doch einmal ins Programm aufnehmen.
Die Frage, ob es klima- und wirtschaftspolitisch klug ist, bei allem und jedem mitzumachen, stellt man sich häufig. Das Beispiel Superethanol zeigt, dass manchmal weniger mehr ist.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)
Biosprit E85 legt keinen guten Start hin
Handfeste Probleme gibt es bei dem mit 1. Oktober geplanten Aufbau eines Tankstellennetzes für Superethanol. Bei diesem Treibstoff, der auch E85 genannt wird, sind nur mehr 15 Prozent fossiles Benzin; der große Rest besteht aus in Richtung Treibhausgas neutralem Bioethanol.
Geplant war ursprünglich, Anfang Oktober mit 15 Superethanol-Tankstellen zu starten. Fertig wird zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Avanti-Tankstelle in Wien. Weitere vier Avanti-Tankstellen sollen laut der für Superethanol extra eingerichteten Homepage bis Jahresende stehen. In Tirol und Vorarlberg sind von Avanti vorerst keine Tankstellen vorgesehen.
Noch mehr verspätet
Noch mehr verspätet hat sich die Genol GesmbH, einer zu RWA-Raiffeisen Ware Austria gehörende Handelsgesellschaft für Treibstoffe, die im Umfeld von Lagerhäusern Superetahnol-Tankstellen errichten will. Genol-Geschäftsführer Reinhard Wolf spricht von wasserrechtlichen Behördenverfahren, die das Projekt verzögerten. Bis Jahresende will er mit einigen Tankstellen gestartet haben.
Für Fritz Binder-Krieglstein von der Beratungsagentur Renewable Energies Consulting ist der verzögerte Start Ausfluss einer falschen Strategie. Es sei ein Fehler gewesen, die EU-Beimischungsverpflichtungen auf zwei unterschiedlichen Wegen erreichen zu wollen: Einerseits über geringere (bis zu 5,75 Prozent) Beimischung in Normalbenzin. Andererseits mit dem Aufbau einer E85-Schiene, für die es extra Autos, so genannte Flexi-Fuel-Cars, notwendig sind. "Bei allem braucht man Infrastruktur", sagt Binder-Krieglstein, "und das kostet." Die Tatsache, dass Flexi-Fuel-Autos auch mit "normalem" Superbenzin fahren können, wenn keine Ethanol-Tankstelle in der Nähe ist, dürfte den Konsumenten trotzdem nicht in Scharen zum Kauf der CO2-armen Fahrzeuge bewegen. Binder-Krieglstein verweist auf Schweden, wo man ausschließlich auf Flexi-Fuel-Cars und damit auf Superethanol gesetzt habe und damit EU-Beimischungsverpflichtungen erreichen wolle.
Nicht ohne Probleme ist die Einführung auch für die Herstellerseite von Biosprit. Der Zuckerkonzern Agrana, dessen Bioethanolwerk bei Tulln kurz vor Fertigstellung ist, muss derzeit scharf rechnen. "Wir führen Kalkulationen durch", bestätigt Agrana-Pressesprecherin Doris Schober, ohne Details nennen zu wollen. Der Agrana macht vor allem zu schaffen, dass die agrarischen Grundstoffe von Ethanol, vor allem Weizen, preislich angezogen hat. Der Preis hat sich seit dem Jahr 2005 fast verdreifacht.
MöSt-Befreiung fix
Ein Problem wurde bisher gelöst: Pünktlich zum 1. Oktober ist Superethanol von der Mineralölsteuer befreit. Trotz dieses Steuervorteils, schätzt Wolf, sei E85 kein Schnäppchen: Mit Ethanol verbrauche man für gleiche Strecken mengenmäßig mehr Sprit als mit Benzin, erklärt er: "Der Konsument steigt etwa gleich aus."
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)
Geplant war ursprünglich, Anfang Oktober mit 15 Superethanol-Tankstellen zu starten. Fertig wird zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Avanti-Tankstelle in Wien. Weitere vier Avanti-Tankstellen sollen laut der für Superethanol extra eingerichteten Homepage bis Jahresende stehen. In Tirol und Vorarlberg sind von Avanti vorerst keine Tankstellen vorgesehen.
Noch mehr verspätet
Noch mehr verspätet hat sich die Genol GesmbH, einer zu RWA-Raiffeisen Ware Austria gehörende Handelsgesellschaft für Treibstoffe, die im Umfeld von Lagerhäusern Superetahnol-Tankstellen errichten will. Genol-Geschäftsführer Reinhard Wolf spricht von wasserrechtlichen Behördenverfahren, die das Projekt verzögerten. Bis Jahresende will er mit einigen Tankstellen gestartet haben.
Für Fritz Binder-Krieglstein von der Beratungsagentur Renewable Energies Consulting ist der verzögerte Start Ausfluss einer falschen Strategie. Es sei ein Fehler gewesen, die EU-Beimischungsverpflichtungen auf zwei unterschiedlichen Wegen erreichen zu wollen: Einerseits über geringere (bis zu 5,75 Prozent) Beimischung in Normalbenzin. Andererseits mit dem Aufbau einer E85-Schiene, für die es extra Autos, so genannte Flexi-Fuel-Cars, notwendig sind. "Bei allem braucht man Infrastruktur", sagt Binder-Krieglstein, "und das kostet." Die Tatsache, dass Flexi-Fuel-Autos auch mit "normalem" Superbenzin fahren können, wenn keine Ethanol-Tankstelle in der Nähe ist, dürfte den Konsumenten trotzdem nicht in Scharen zum Kauf der CO2-armen Fahrzeuge bewegen. Binder-Krieglstein verweist auf Schweden, wo man ausschließlich auf Flexi-Fuel-Cars und damit auf Superethanol gesetzt habe und damit EU-Beimischungsverpflichtungen erreichen wolle.
Nicht ohne Probleme ist die Einführung auch für die Herstellerseite von Biosprit. Der Zuckerkonzern Agrana, dessen Bioethanolwerk bei Tulln kurz vor Fertigstellung ist, muss derzeit scharf rechnen. "Wir führen Kalkulationen durch", bestätigt Agrana-Pressesprecherin Doris Schober, ohne Details nennen zu wollen. Der Agrana macht vor allem zu schaffen, dass die agrarischen Grundstoffe von Ethanol, vor allem Weizen, preislich angezogen hat. Der Preis hat sich seit dem Jahr 2005 fast verdreifacht.
MöSt-Befreiung fix
Ein Problem wurde bisher gelöst: Pünktlich zum 1. Oktober ist Superethanol von der Mineralölsteuer befreit. Trotz dieses Steuervorteils, schätzt Wolf, sei E85 kein Schnäppchen: Mit Ethanol verbrauche man für gleiche Strecken mengenmäßig mehr Sprit als mit Benzin, erklärt er: "Der Konsument steigt etwa gleich aus."
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.9.2007)
Montag, 10. September 2007
Praktisch keine Substanz
Der gestern zu Ende gegangene APEC-Gipfel (Asia-Pacific Economic Cooperation) verlief aus europäischer Sicht punkto Klimaschutz mehr als enttäuschend. Die Gruppe der 21 Länder - darunter die USA und China als größte Treibhausgasemittenten - die immerhin 40 Prozent der Weltbevölkerung stellen, nahezu 60 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erbringen und 50 Prozent des Welthandels ausmachen, konnte sich zu keinerlei verbindlichen Zielen zur Reduzierung der Treibhausgase aufraffen. In der „Deklaration von Sidney“ wollen sich die die Unterzeichner „darum bemühen, ihre Energie-Intensität bis 2030 um ein Viertel zu senken.“ Die „Energie-Intensität“ setzt den Energieverbrauch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Weiters heißt es, „die Förderung des Wirtschaftswachstums, die Bereitstellung der dazu benötigten Energie und der Zusammenhang des Energiekonsums mit dem Klimawandel seien Herausforderungen, denen es sich zu stellen gelte. Es müsse ein neues Modell sauberer und nachhaltiger Entwicklung gefunden werden. Deshalb sei man zu weitreichenden und ambitiösen Maßnahmen zur Verbesserung der Umwelt und zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen bereit. Diese Maßnahmen seien in abgestimmter internationaler Zusammenarbeit einzuführen, und zwar so, dass jedes Land entsprechend seinen wirtschaftlichen und sozialen Umständen dazu beitrage und einen Weg wählen könne, der seinen Möglichkeiten entspreche.“
Konkrete Ziele für die Reduktion der Treibhausgase sind also nicht zu finden. Entsprechend negativ fielen auch die Kommentare von Umweltschutzorganisationen aus. „Wenn das die Ausgangsbasis für künftige Klimaschutzstrategien sein soll, ist die Welt in Gefahr“, meinte beispielsweise Catherine Fitzpatrick, Sprecherin von Greenpeace.
Ein konkretes, wenn auch ebenso nicht verbindliches Ziel, setzten sich die Apec-Länder dann dennoch. Bis 2020 sollen mindestens 20 Millionen Hektar Land in ihren Regionen aufgeforstet werden. Das entspräche einer Absorption von etwa 1,4 Milliarden Tonnen CO2.
Konkrete Ziele für die Reduktion der Treibhausgase sind also nicht zu finden. Entsprechend negativ fielen auch die Kommentare von Umweltschutzorganisationen aus. „Wenn das die Ausgangsbasis für künftige Klimaschutzstrategien sein soll, ist die Welt in Gefahr“, meinte beispielsweise Catherine Fitzpatrick, Sprecherin von Greenpeace.
Ein konkretes, wenn auch ebenso nicht verbindliches Ziel, setzten sich die Apec-Länder dann dennoch. Bis 2020 sollen mindestens 20 Millionen Hektar Land in ihren Regionen aufgeforstet werden. Das entspräche einer Absorption von etwa 1,4 Milliarden Tonnen CO2.
Montag, 03. September 2007
"Den Klimafonds als Hebel benutzen"
Möglichst viel herausholen aus dem mit 500 Mio. Euro für die nächsten Jahre dotierten Klima- und Energiefonds wollen die beiden frisch bestellten Geschäftsführer des Fonds, Eveline Steinberger und Ingmar Höbarth. "Es wäre nicht gut, wenn die Gelder einmalig einfach verpuffen", sagt Steinberger. Sie will den Fonds "als eine Art Hebel" einsetzen und zusätzliche Mittel aus der Industrie loseisen.
Partner aus der Wirtschaft
Konkret heißt dies, dass bei den nun kommenden Kampagnen, etwa für die Nutzung energiesparender Geräte, mehr öffentlicher Verkehr oder Gebäudesanierung, Partner aus der Wirtschaft gewonnen werden sollen, die solche Projekte auch mitfinanzieren. Auch bei Forschung und Entwicklung wird auf Drittmittel gesetzt: "Der Klimafonds soll da eine Art Inkubator-Funktion einnehmen und die Einführung neuer Technologien in den Markt strukturell begleiten", so Steinberger.
Klar sei, dass eine solche Hereinnahme der Industrie nicht einfach wird. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, in das Klimafondsgesetz eine solche Drittmittelfinanzierung festzuschreiben, vor allem durch Großemittenten und Energieversorger. Da eine solche Festschreibung gesetzlich nicht vorgesehen wurde, muss nun durch die Schaffung von Win-Win-Situationen die Industrie zu einem Mitmachen bewegt werden. Genau ansehen will sich das Duo, was in anderen EU-Mitgliedsländern mit ähnlichen Instrumenten wie dem österreichischen Klimafonds gefördert wird. Steinberger: "Es wäre nicht gut, wenn jedes Land in der EU das Rad für sich neu erfindet." Innerhalb Österreichs will Höbarth eine Art "Effizienzraster" schaffen, bei dem die Projekte identifiziert werden, "bei denen möglichst viel und schnell CO2 reduziert werden kann."
Was den noch zu schaffenden organisatorischen Aufbau des Fonds betrifft, soll dieser, so weit als möglich, "die Umweltförderung kopieren", sagt Höbarth. Die mit rund 90 Millionen Euro jährlich dotierte Umweltförderung, die zum Lebensministerium gehört, wird von der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) verwaltet; die Aktivitäten firmieren unter dem Namen "klima:aktiv". (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2007)
Partner aus der Wirtschaft
Konkret heißt dies, dass bei den nun kommenden Kampagnen, etwa für die Nutzung energiesparender Geräte, mehr öffentlicher Verkehr oder Gebäudesanierung, Partner aus der Wirtschaft gewonnen werden sollen, die solche Projekte auch mitfinanzieren. Auch bei Forschung und Entwicklung wird auf Drittmittel gesetzt: "Der Klimafonds soll da eine Art Inkubator-Funktion einnehmen und die Einführung neuer Technologien in den Markt strukturell begleiten", so Steinberger.
Klar sei, dass eine solche Hereinnahme der Industrie nicht einfach wird. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, in das Klimafondsgesetz eine solche Drittmittelfinanzierung festzuschreiben, vor allem durch Großemittenten und Energieversorger. Da eine solche Festschreibung gesetzlich nicht vorgesehen wurde, muss nun durch die Schaffung von Win-Win-Situationen die Industrie zu einem Mitmachen bewegt werden. Genau ansehen will sich das Duo, was in anderen EU-Mitgliedsländern mit ähnlichen Instrumenten wie dem österreichischen Klimafonds gefördert wird. Steinberger: "Es wäre nicht gut, wenn jedes Land in der EU das Rad für sich neu erfindet." Innerhalb Österreichs will Höbarth eine Art "Effizienzraster" schaffen, bei dem die Projekte identifiziert werden, "bei denen möglichst viel und schnell CO2 reduziert werden kann."
Was den noch zu schaffenden organisatorischen Aufbau des Fonds betrifft, soll dieser, so weit als möglich, "die Umweltförderung kopieren", sagt Höbarth. Die mit rund 90 Millionen Euro jährlich dotierte Umweltförderung, die zum Lebensministerium gehört, wird von der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) verwaltet; die Aktivitäten firmieren unter dem Namen "klima:aktiv". (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2007)
Schlagworte:
Eveline Steinberger,
Ingmar Höbarth,
Klima- und Energiefond
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