Montag, 29. Oktober 2007

CO2-Autos stressen Hersteller

Schadstoffarmes Auto verschlingt Entwicklungskosten von bis zu 18 Milliarden Euro.

Rund ein Viertel, in manchen Ländern ein Drittel aller CO2-Emissionen wird vom Verkehr verursacht. Logisch, dass die EU-Kommission die Autobauer an die Kandare nehmen will und sie zu einem niedrigeren Treibhausgasausstoß verpflichten will.
Wie das zu geschehen hat, daran scheiden sich die Geister, weiß Jens Tischendorf von A.T. Kearney. Der Consulter hat mit Credit Suisse eine Untersuchung darüber vorgelegt, was die kommende CO2-Gesetzgebung der EU für die Autobauer bedeutet. Sukkus der Studie: Elf bis 18 Mrd. Euro werden Europas Hersteller in CO2-ärmere Fahrzeugtechnologien stecken müssen. Kunden können sich freuen: Aufgrund höherer Sprit-Effizienz könnten sie sich jährlich insgesamt 65 Mrd. Euro ersparen, wenn der Flottenpark einmal gänzlich auf klimaschonendere Autos umgestellt ist.

Unsicherheit überwiegt
Trotz hoher Einsparungen für Autokäufer überwiegt bei den Herstellern die Unsicherheit darüber, wie sie die Forschungs- und Entwicklungskosten über höhere Anschaffungspreise beim Kunden unterbringen können. "Bei einem teuren Auto ist es leichter, die Entwicklungskosten überzuwälzen", sagt Tischendorf, "schwieriger wird es bei den Kleinwagen. Da sind Kunden preissensibler, so etwas wirkt sich schnell auf die verkauften Stückzahlen aus."
Erschwerend kommt hinzu, dass 70 Prozent der von Autos verursachten Emissionen Massenmarken wie VW oder Fiat zuzurechnen sind und die Nobelschlitten von Mercedes, BMW und Audi nur für 30 Prozent verantwortlich sind. "Das macht eine Zielerreichung im Verkehrssektor schwierig", so Studienautor Tischendorf.

Heftige Debatten
Auch sind die Vorgaben aus Brüssel an die Autoindustrie noch immer Gegenstand von Diskussionen und dürften erst Mitte 2008 endgültig feststehen. War bisher Ziel von Brüssel, dass ab 2012 Neuwagen nur 130 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren dürfen, wird nun ein neues Modell diskutiert: Demnach sollen die Autoproduzenten erst ab 2015 in die Pflicht genommen werden, die Autos dafür aber nur mehr 125g/km ausstoßen dürfen.
Auch dabei steckt der Teufel im Detail. Heftig lobbyiert wird bei der Frage der "Durchrechenbarkeit" der CO2-Formeln. Dabei geht es darum, ob Autohersteller, deren Angebot sich über verschiedenste Autoklassen erstreckt, die Ziele auch dadurch erreichen dürfen, indem bei manchen Wagen auch höhere Emissionswerte erlaubt sind und sich der CO2-Zielwert für den Autobauer aus dem gewichteten arithmetischen Mittel ergibt.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2007)

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Erfolgreiche Ich-AG auf Klimatour

Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Al Gore macht bei seiner Klimawandel-Europatour auch in Wien halt. Erfolgreich ist er nicht nur als Aktivist, sondern auch mit seinen Finanzen.

Al Gore hat eine Nase für kommende Trends. Wie kaum eine andere prominente Persönlichkeit konnte er sich an die Spitze von Entwicklungen stellen und dabei kräftig mitverdienen. So geschehen beim "Superhighway", dem schnellen Internet, das Geschäfts- und Privatkommunikation revolutionierte. So geschehen bei den Problemen rund um den Klimawandel, einer "unangenehmen Wahrheit", die er mit diesem Titel in Buch, Film und Vortragsreisen vermarktet.
Zwischen – je nach Gerüchtequelle – 140.000 und 240.000 Euro bekommt die erfolgreiche Ich-AG Gore für den Auftritt in Wien. Eingeladen hat der Mobilfunker Mobilkom. Wie es sich für Vortragende mit philantropischem Anstrich gehört, spendet Gore seine Honorare vielfach teilweise oder gänzlich. So wurde das Preisgeld von 1,1 Mio. Euro für den Friedensnobelpreis gespendet – und zwar an das Bündnis für Klimaschutz (Alliance for Climate Protection), dem Gore vorsitzt und das sich einer CO2-freien und damit erneuerbaren Energiepolitik verschrieben hat. Außerdem ist der ehemalige Politiker Chairman der in London und Washington ansässigen Firma Generation Investment Management, die in Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen einsteigt.
Gore, dem die Metapher vom "Information Superhighway" zugeschrieben wird, ist auch stark im kalifornischen Internetbusiness verankert. Er ist an Current TV, einer Kabelfernsehfirma, beteiligt, deren Redaktion unter anderem auf das Mitmachen der Zuseher beim Programm setzt. Gore war Aufsichtsratsmitglied bei Apple Inc. und hatte einen Beraterjob beim Internetkonzern Google. Beide Jobs dürften sehr lukrativ gewesen sein, wie die Silicon-Valley-Insiderzeitung San Jose Mercury News glaubt. Im Rahmen des Aktienoptionenprogramms, das Apple-Chef Steve Jobs für seine leitenden Mitarbeiter initiierte (und für dessen Rückdatierung sich die US-Aufsichtsbehörde SEC im Frühjahr interessierte) soll Albert Gore 4,7 Millionen Dollar (3,3 Mio. Euro) abgecasht haben. Genau weiß man das nicht; als Privatmann muss der Nobelpreisträger seine Finanzlage nicht öffentlich machen.
Die meiste Energie verwendet Gore für Bücherschreiben, Filmemachen und Vortragstätigkeiten, wie im Falle "Eine unbequeme Wahrheit" über das Thema Klimawandel. Dabei ist das nächste Projekt bereits auf Schiene. In dem kürzlich auf Deutsch erschienen Buch "Angriff auf die Vernunft" geht es um Fundamentalismus, Manipulation und – Medien.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.10.2007)

Sonntag, 21. Oktober 2007

Der mühsame Kampf gegen die Autoindustrie

Chris Davies, britischer „liberal democrat“ und Berichterstatter des Europäischen Parlaments für die EU-Gesetzesvorlage zur CO2-Reduktion im Automobilbereich, erklärte gegenüber der britischen Times, dass er unter großem Druck der Autokonzerne steht, insbesondere der deutschen Autoindustrie. Im Moment zeichnet sich ein Kompromiss ab, der der Automobilherstelern drei Jahre mehr Zeit lässt, die CO2-Emissionen für PKWs zu reduzieren. Entgegen den ursprünglichen EU-Plänen, die durchschnittlichen CO2-Emissionen bis 2012 auf 120 g/km zu senken, soll jetzt die Reduktion nur 125 g/km bis 2015 betragen.
Durchschnittlich geben Autos derzeit 160 g/km ab, die Autoindustrie hatte sich 1998 freiwillig verpflichtet, dass die Neuwagen ab 2008 nur noch durchschnittliche CO2-Emissionen von 140 g/km haben sollten. Ein Fünftel der CO2-Emissionen in der EU werden von Fahrzeugen verursacht.
In Zukunft sollen auch in der Werbung für Autos Hinweise auf den Umwelteinfluss gegeben werden müssen, ähnlich wie dies mit der Gesundheitswarnung bei Zigaretten geschieht. Mindestens 20 Prozent des Platzes in Anzeigen in Printprodukten müssten genaue Informationen über Benzinverbrauch und CO2-Emissionen enthalten. Zudem müssten die Emissionswerte in einer Plakette mit Farben angegeben werden, die von grün bis rot reichen, um ähnlich wie beim EU-Label für Energieeffizienz von Haushaltsgeräten die Effizienz von Fahrzeugen deutlich erkenntlich zu machen. Gelassen zeigt sich ein Sprecher der Autohersteller, der meint in der aktuellen Werbung seien alle diesbezüglichen Informationen bereits vorhanden. Bezeichnend sein Kommentar: „There’s no point in giving this sop to the environmental lobby because most people will ignore it.“

Quellen: Times Online und Telepolis

Vom Markt überrannt

Die Landwirtschaftspolitik in der EU, besonders in Österreich, schaut alt aus

In kaum einem Sektor hat sich in den vergangenen Monaten so viel bewegt wie in der Landwirtschaft. Die alten Instrumente sind obsolet geworden, obwohl die EU- und insbesondere die österreichische Agrarbürokratie, die ihre verschlungene, nicht leicht überprüfbare Agrarförderungsverteilmethodik aus eigenem Interesse so lange wie möglich aufrechterhalten will, dies nicht wahrnehmen möchte.
Man rekapituliere die fundamentalen Änderungen am Markt: Die Agrarpreise sind weltweit so hoch wie vielleicht noch nie. Daran wird sich auch nichts ändern. Weil a) die Finanzmärkte nach unglaublich langer Zeit kapiert haben, dass steigende Weltbevölkerung mehr Nahrungsmittelbedarf nach sich zieht. Und weil b) immer mehr Agrarrohstoffe in die Spritproduktion fließen.
Brüssel macht in dieser Situation aber weiter wie bisher. Etwa am heute, Montag, stattfindenden Treffen der EU-Landwirtschaftsminister: Da werden Überschüsse am Weinmarkt detailreich diskutiert. Da werden jenen Ländern wie Österreich, das rund eine Milliarde Euro jährlich an die heimischen Bauern aus Brüsseler Töpfen verteilen darf, die Daumenschrauben angezogen: Spätestens 2009 sollte Österreich, wie mittlerweile fast alle EU-Länder, die Agrarförderungen und deren Empfänger offenlegen.
Nicht, dass ein Mehr an demokratischer Diskussion und Transparenz bei so viel Geld schädlich wäre – Stichwort Effizienz der Mittel. Aber längst weht der Wind aus einer anderen Richtung. Die Kräfte, etwa in Großbritannien, die für eine radikale Kürzung oder gar Streichung der Agrarsubventionen ab dem EU-Haushalt 2013 sind, werden stärker.
Diese Streich-Diskussion, die von einigen alten Mitgliedern angeführt wird, ist nicht ohne Zynismus. Ab 2013, so wurde den neuen EU-Staaten versprochen, werden ihre Bauern in gleicher Höhe aus den Brüsseler Töpfen bedient wie die Landwirte in Spanien, Frankreich oder Österreich. Derzeit bekommt ein rumänischer oder bulgarischer Bauer höchstens ein Viertel jener Subventionen, die ein Landwirt aus den alten EU-Staaten einstreichen kann.
Interessanterweise wurde bis dato nie öffentlich diskutiert, was es bedeutet, wenn das bereits seit 2007 eingefrorene EU-Agrarbudget beim nächsten Haushalt ab 2013 dann gleichwertig durch mindestens 27 Mitglieder dividiert werden muss. Vielleicht, weil diese – man muss es so benennen – Ungerechtigkeit bereits Schnee von gestern ist.
Denn längst stocken die Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation WTO nur deshalb, weil sich Europas und Nordamerikas Bauernvertreter weigern, die landwirtschaftlichen Förderungen auf dem Altar des weltweit liberalisierten Handels zu opfern. Sollte es zu einem Aufleben der Doha-Welthandelsrunde kommen, dann deshalb, weil die starken Industrie- und Agrarmächte USA und EU richtig damit kalkulieren, dass sie einen offenen Weltmarkt bei Agrarrohstoffen für die Spritproduktion sowieso brauchen, da sie ihren Energiebedarf aus nachwachsenden Rohstoffen nicht aus den Erträgen eigener Felder decken können.
Die Verabschiedung vom alten System der Förderung und damit der Gängelung der europäischen Landwirte (zumindest der in den EU-Kernländern) fällt deshalb so schwer, weil ein riesiger Apparat entstanden ist, der abseits einer parlamentarischen Diskussion immense Geldmittel verteilen kann. Kompliziert bis ins kleinste Detail konnte so über lange Jahre der Anschein aufrechterhalten werden, die Förderungen seien auf das Geschick der Agrarintelligenzia in Landwirtschaftsministerien und -kammern zurückzuführen.
Diese paternalistische Politik, die durch eine Offenlegung von Subventionen nur gemildert wird, verhindert die Diskussion darüber, wie mit den vielen Problemen umgegangen werden soll, für die derzeit der Grundstein gelegt wird: Weitere Ausbeutung von Bauern in der Dritten Welt und im Osten, Gentechik, Boden-Auslaugung durch Agro-Spritherstellung sind nur einige.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.10.2007)

Al Gore in Wien

Al Gore, frischgebackener Friedensnobelpreisträger, spricht am 24. Oktober im Wiener Arsenal auf Einladung von mobilkom austria vor ca. 800 geladenen Gästen. Thema: „Mobilität in der Zukunft“ vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels. Für Al Gore ist es bereits der dritte Auftritt in Wien in seiner Rolle als Klimawandelreferent. Kolportiert wird eine Gage von 180.000 Euro für seinen 40-minütigen Vortrag.

Samstag, 20. Oktober 2007

CNN Dokumentation: Planet in Gefahr

CNN Moderator Anderson Cooper, der leitende Medizin-korrespondent Dr. Sanjay Gupa und der Biologe Jeff Corwin sind durch vier Kontinenten gereist und haben vor Ort recherchiert: Sie haben sich mit der Abholzung, dem Aussterben bedrohter Tierarten, der Überbevölkerung und dem Klimawandel beschäftigt. Das Ergebnis ist die vierstündige Dokumentation „Planet in Peril“, die CNN international am 24. und 25. Oktober ausstrahlt, jeweils um 15:00 und um 21:00 Uhr.

NoVA wird Klimasteuer

Bei der Normverbrauchsabgabe (NoVA), die bei der Anschaffung eines Kraftfahrzeuges in Österreich zu entrichten ist, soll ein verstärkter Lenkungseffekt zur Anschaffung umweltfreundlicher Kraftfahrzeuge eingebaut werden. Das neue Ökologisierungsgesetz, das das Bundesministerium für Finanzen zur Begutachtung ausgeschickt hat, sieht eine Erweiterung der NoVA um ein Bonus-Malus System vor. Demnach werden verbrauchs- und schadstoffarme Fahrzeuge gegenüber der aktuellen Regelung steuerlich begünstigt, während stark Umwelt belastende Kraftfahrzeuge sich verteuern sollen. Der Text sieht vor, dass Autos mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 120 g pro Kilometer um bis zu 500 Euro billiger werden. Im Bereich 120 bis 160 g CO2-Ausstoß pro Kilometer soll alles gleich bleiben, darüber wird es teuerer. Jedes Zusätzlich Gramm CO2 über der Grenze von 160 g erhöht den Autopreis um 25 Euro. Das Gesetz soll noch heuer den österreichischen Ministerrat passieren und spätestens Mitte 2008 in Kraft treten.
Ziel ist, dass mehr Konsumenten zum Kauf umweltfreundlicherer Fahrzeuge motiviert werden. Laut Finanzministerium wurden im Vorjahr nur 4,8 Prozent besonders schadstoffarmer PKWs zugelassen. Dementsprechend schlecht sieht auch die Klimabilanz von Österreichs Neuwagenflotte im internationalen Vergleich aus: nur Platz 13 im EU-Klimaranking, hinter Ländern wie Portugal, Ungarn und Slowenien.

Einige Beispiele, wie sich die neue NoVA preislich auswirken würde:
VW Passat 1,6 Kombi: plus € 500.-
Opel Vectra 1.8 Ecotec: plus € 625.-
Ford Galaxy 2.0: plus € 925.-
Mercedes E 200 NGT Benzin: plus € 1.375.-
VW Touareg (257 KW, V8 Automatik): plus € 4.225.-

"Agrotreibstoffe nutzen nur der Agroindustrie"

Kritiker: Biosprit als "schrecklicher Fehler" - Verstärkt lediglich den Hunger in der Welt
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Kein einziges der Ziele, die mit Biosprit verfolgt werden, könnten auch eingelöst werden, meint Eric Holt-Giménez, Direktor des Food-First-Instituts in Oakland, USA. Laut ihm kristallisiere sich Biosprit zum "schrecklichen Fehler" heraus, er plädierte bei einem Wien-Besuch auf Einladung der Grünen darauf, dass EU und USA ihre Beimischungsziele zu fossilem Treibstoff einfrieren. Außerdem will er "Biosprit" mit "Agrosprit" bezeichnet wissen, "da 'bio' eine positive Erwartungshaltung auslöst, die der Benzin aus Mais, Zuckerrohr oder Rübe nicht erfüllt".
Die Liste der Verfehlungen sei lang: Angeführt von den USA, die das große Geschäft mit dem nachwachsenden Treibstoff entdeckt hätten, würden in Lateinamerika Landenteignungen und Urwaldrodungen durchgeführt. "Die landlos gewordenen Bauern finden aber im Agrobusiness nicht genügend Jobs", sagt Holt-Giménez. Hundert Hektar Land können in kleinbäuerlichen Strukturen 35 Menschen ernähren. Stellt man die Fläche auf Zuckerrohr um, sind es nur mehr zehn Personen, bei Palmöl zwei. "Das ist das Ende der kleinen Bauernschaft in Entwicklungsländern." Bis 2025 könnten 1,2 Milliarden Menschen aufgrund dieser Entwicklung hungern; derzeit sind es 850 Millionen Menschen. In Brasilien und Kolumbien habe die Landenteignung bereits zu Massenprotesten geführt.
Urwälder müssen weichen
In den USA habe sich eine Lobby aus Saatgut-, Gentechnik-, Nahrungsmittel- und Ölproduzenten gebildet, die das Geschäft groß aufzögen. 88 große Ethanol-Fabriken seien geplant, die nicht mehr wie bisher im Eigentum von US-Farmern stünden und mittlerweile auch häufig nur mehr gentechnisch veränderten Mais als Rohstoff annehmen. Vorsitzender des Inter-American Ethanol Committees IAEC sei im Übrigen Jeb Bush, der Bruder des amtierenden US-Präsidenten.
Auch die CO2-Sparziele seien nicht zu erfüllen - und nicht nur, weil für die Energieplantagen Urwälder weichen müssen. "Wenn man eine Ethanolfabrik mit Kohle betreibt, ist das keine CO2-arme Alternative."
Der Grüne Landwirtschaftssprecher, Wolfgang Pirklhuber, fordert angesichts steigenden EU-Importe, zum Beispiel bei Palmöl, dass ein Zertifizierungssystem eingeführt wird, das Umwelt- und Sozialstandards in Entwicklungsländern sicherstellt.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.10.2007)

Dienstag, 16. Oktober 2007

Interview: "Probleme verschärfen sich"

Klimaforscher Anthony Patt: Hilfsprojekte müssen künftig mehr auf klimatologische Gegebenheiten abgestellt werden
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Hilfsprojekte müssen künftig mehr auf klimatologische Gegebenheiten abgestellt werden, erklärt der Forscher Anthony Patt im Gespräch mit Johanna Ruzicka. Aber die Datenlage ist dürr.

STANDARD: Die Fähigkeit einer Gesellschaft, sich an den Klimawandel anzupassen, hängt vom Reichtum dieser Gesellschaft ab. Also hat Afrika extrem schlechte Karten?
Patt: Ja, die Probleme in Afrika verschärfen sich durch den Klimawandel noch. Die Klimamodelle zeigen, dass mehr Wärme zu mehr Trockenheit und damit mehr Dürren führt - und die Mehrheit der Afrikaner ist von Landwirtschaft abhängig. Die Ressourcen, sich an diese Gegebenheiten anzupassen, sind oft nicht da.

STANDARD: Stellen denn Hilfsprojekte auf Anpassungsnotwendigkeiten ab?
Patt: Erst in den letzten Jahren haben die Hilfsorganisationen begonnen, bei ihren Projekten mit einzubeziehen, was Klimaveränderungen langfristig für den Projekterfolg bedeuten. Zum Beispiel beim Bau von Staudämmen, da fängt die Weltbank an, auch den Faktor Wasserverfügbarkeit in einem langfristigen Zeitraum mit einzuberechnen. Aber es ist extrem schwierig, weil historische Daten und Erfahrungswerte oft fehlen.

STANDARD: Daten, so sie vorhanden sind, werden also nicht entsprechend genutzt?
Patt: Das ist eine Frage des Wissenstransfers. Es fehlt vielfach an lokalen Experten, um das, was man weiß, auch zu den Betroffenen, etwa den Bauern, zu bringen. Und es ist auch eine Konsequenz des historischen Erbes. In der Kolonialzeit wurden überall meteorologische Stationen gegründet, aber die hatten die Aufgabe, den Flugverkehr mit Informationen zu versorgen. Das war auch in Europa der erste Grund für Wetterstationen, aber im Gegensatz zu Afrika hat man in Europa begonnen, die Daten auch für die Landwirtschaft und andere Sektoren aufzubereiten.
Dazu kommen die vielen Kriege in Afrika, bei denen viele Stationen zerstört wurden. Faktum ist, man weiß über Afrika klimatologisch weniger als über reiche Länder, und das Wenige, das man weiß, dringt nicht zu den Betroffenen vor.

STANDARD: Wird jetzt wenigstens bei Hilfsprojekten auf Klimawandel-Probleme geachtet?
Patt: Es gibt erste vielversprechende Projekte. Zum Beispiel in Westafrika. Frankreich hat eine Kooperation zwischen dem französischen Wetterdienst und einer Staudamm-Betreiberfirma initiiert. Dort weiß man mittlerweile viel besser, wie viel Wasser für Bewässerung durchgelassen wird und wie viel in die Stromerzeugung geht. Und es gibt ein paar Pilotprojekte im Agrarbereich.
Ich habe ein Projekt in Simbabwe durchgeführt. Dabei ging es darum, die Bauern bei der Entscheidung zu unterstützen, ob sie eher trockenresistentes Saatgut mit weniger Ertrag anbauen oder wasserdurstiges Saatgut mit höherem Ertrag. So etwas lässt sich nur machen, wenn man Erfahrungswerte hat. Bei dem Projekt kam es danach zu höheren Ernteerträgen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2007)

Montag, 15. Oktober 2007

Ökostromförderung: Auch wir sind öko

Ökostromförderung den Industriebetrieben zu geben ist besser, als weiterhin nichts zu tun
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Einig sind sich die Beteiligten bei dem zur Novellierung anstehenden Ökostromgesetz eigentlich nur in einer einzigen Aussage: Die Ökostromproduktion soll ausgeweitet werden, um so das Klima – Stichwort CO2-Reduktion – zu entlasten und Abhängigkeiten von Erdöl und Erdgas zu minimieren. Zehn Prozent des österreichischen Stromaufkommens sollen bis 2010 aus erneuerbaren Quellen kommen.
Doch schon bisher war der Weg dorthin nicht sehr erfolgreich: Die novellierte Fassung des Gesetzes bot Investoren nicht genügend Anreize, weshalb nur ein Bruchteil des Förderbudgets abgerufen wurde und Investitionen in Biomasseanlagen, Windräder und Fotovoltaikdächer in Österreich vielfach aufgeschoben wurden. Außerdem stiegen in dieser Zeit die Rohstoffpreise für typische Biomasseprojekte in nie geahntem Ausmaß an. Angeschoben von einer weltweiten Nachfrage nach Holz und Energiegetreide stellen sich die Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Biomasseanlagen heute ganz anders dar als noch vor zwei Jahren.
In dieses Vakuum springt die Papierindustrie, die ein äußerst energieintensives Geschäft betreibt: Wenn schon ökostrommäßig in Österreich zu wenig passiert, möge man doch die Eigenstromerzeugung der Papierhersteller in die Ökostromförderung einbeziehen, meinen sie sinngemäß. Und ihre Anlagen seien gut doppelt so energieeffizient wie so manche Biomasseanlage.
Die Unterstützung von Industriebetrieben bei einer Ökologisierung ihrer Anlagen ist natürlich nicht ganz das, was mit dem Ökostromgesetz bezweckt werden sollte. Aber der Stromverbrauch Österreichs steigt jährlich an, und damit sinkt der Ökostromanteil. Die Ökostromförderung den Industriebetrieben zu geben ist besser, als weiterhin nichts zu tun.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.10.2007)

Sonntag, 14. Oktober 2007

Friedensnobelpreis für Al Gore: Politisches Signal und PR für den Klimaschutz

„Ein Teil demjenigen oder derjenigen, der oder die am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Austragung von Friedenskongressen.“ So steht es im Testament des 1896 verstorbenen Alfred Nobel zur Vergabe des Friedensnobelpreises.
Vom „Frieden schaffen“ im klassischen Sinn hat sich das Nobel-Komitte schon des Längeren verabschiedet. In der Begründung für die Preisverleihung an Al Gore findet sich zum Thema Frieden nur so viel: ,,Ausgedehnte Klimaveränderungen können die Lebensbedingungen für einen großen Teil der Menschheit ändern und bedrohen. Sie könnten Migrationsbewegungen in großem Maßstab und eine schärfere Konkurrenz um die Ressourcen der Erde auslösen. .... Es könnte eine stärkere Gefahr von gewalttätigen Konflikten und Kriegen zwischen oder innerhalb von Staaten geben.“ Viel „coniunctivus potentialis“, wenig Handfestes.
Al Gore und das IPCC haben den Nobelpreis also nicht wegen ihrer Verdienste für den Frieden erhalten, sondern weil das norwegische Komitee jetzt ein politisches Zeichen setzten wollte. Al Gore ist für die Jury der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Der eigentliche Preisträger ist die Message: Die Klimaerwärmung ist Tatsache, sie ist hauptsächlich vom Menschen gemacht und es Bedarf tiefer globaler Änderungen in Wirtschaft und Politik. Und die Auszeichnung ist auch vor allem an die US-Öffentlichkeit gerichtet. Sie soll die wachsende Gemeinde an Klimaschutzunterstützern in den USA stärken. Denn ohne USA wird der Kampf für eine Reduktion der weltweiten Treibhausgase nicht zu gewinnen sein. Die Sieger der Wahl stehen also fest und unter den Verlieren ragt in diesem Kontext einer besonders hervor: George W. Bush. Nach Ex-Präsident Jimmy Carter und den Chef der UN-Atomenergiebehörde Mohammed El Baradei ist Gore bereits der dritte prominente Bush-Kritiker der in den letzten Jahren den Friedensnobelpreis verliehen bekommen hat.
Die Verleihung ist auch ein Beispiel des Akzeptierens von Public Relations Regeln. Um Kernbotschaften, Werte, Visionen und Ziele zu kommunizieren und zur allgemeinen Durchsetzung zu bringen braucht es - in der heutigen Zeit mehr den je - charismatische Persönlichkeiten und Identifikationsfiguren. Durch die Personalisierung, Fokussierung und Vereinfachung der Medien sind Träger einer Botschaft wie Al Gore für das Erreichen einer breiten Öffentlichkeit essentiell wichtig. Al Gore bringt die Voraussetzungen mit wie kein anderer: Er hat einen Oskar gewonnen, einen Emmy, war im Sommer 2007 Mitinitiator des Konzertprojektes „Live Earth“, das über zwei Milliarden Menschen erreichte und ist nun Träger des Friedensnobelpreises. Die Klimaschutzbewegung hat endgültig ihre weltweite Galionsfigur gefunden.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Klimawandel: Interesse der Webnutzer sinkt

Eine Auswertung mit Google Trends über die Begriffe "Klimawandel" und "Erderwärmung", respektive „climate change“ und „global warming“ zeigt ein signifikantes Abnehmen des Interesses. Vor allem im deutschsprachigen Raum sind die Ergebnisse recht deutlich. Vor de Herbst 2005 gab es kaum größeres Interesse an diesem Themenkomplex bei den Internetusern. Anfang 2007 ging die Anzahl der Suchanfragen steil nach oben. Mitte des Jahres ging das Interesse deutlich wieder zurück.
Google Trends zeigt wie populär Begriffe bei den Nutzern der Suchmaschine über den Zeitverlauf waren. Damit ist es möglich herauszufinden, welche Personen, Unternehmen oder Themen wann öffentliches Interesse hervorgerufen haben.


Mittwoch, 10. Oktober 2007

Klimawandel gefährdet weltweites Wirtschaftswachstum

Der Klimawandel könnte laut einem Bericht der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley zu einem Verlangsamen des weltweiten Wirtschaftswachstums führen.
„Der Klimawandel hat einen ähnlich starken Impact auf die globale Wirtschaft wie der Zusammenbruch des Kommunismus oder die Internetrevolution“, betont Elga Bartsch von Morgan Stanley im Report „Climate Change Economics 101“, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Im Bericht wird ein Ansteigen des weltweiten wirtschaftlichen Protektionismus befürchtet. Es wird ein Szenario aufgezeigt in dem die entwickelten Länder ihre Umweltschutzbestimmungen verstärken, um die Auswirkungen des Klimawandels zu dämpfen, was dazu führen könnte, dass Entwicklungsländer Probleme beim Export ihrer Waren und Güter bekommen. In Folge würden diese Länder Handelsbarrieren errichten, um ihre lokale Industrie zu schützen. Das wiederum bedeute ein Zurückgehen des Welthandels und steigende Preise. Dieser Prozess könne eine umfassende Stagflation auslösen.
Morgan Stanleys Bericht prophezeit auch starke Auswirkungen des Klimawandels auf den globalen Finanzmarkt. Angenommen wird, dass Investmentfonds, die massiv auf Umwelttechnologien setzen, die Marktführer sein werden.

Besonders gefährdet durch den Klimawandel sieht die Untersuchung Entwicklungsländer. Morgan Stanley vergleicht 25 Länder, davon 15 Entwicklungsländer, nach Kriterien wie verfügbare Rohstoffe, dem aktuellen Grad der Umweltverschmutzung und der Fähigkeit Maßnahmen gegen CO2-Emission zu setzen. Korea, Pakistan, China, Indien und Südafrika werden als besonders „anfällig“ bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels eingestuft. Die Ukraine, Russland, Saudi Arabien und der Iran, Länder mit reichlichen Ölvorkommen, seien besonders durch die volantilen Rohstoffpreise in Gefahr. Aus ähnlichen Gründen sieht der Bericht auch Gefahren für die USA, Australien und Polen.

Nutznießer werden europäische Länder wie Frankreich, Deutschland Spanien und Italien sowie Japan sein. Diese Länder sind auf dem Gebiet der Umwelttechnologien führend und haben selbst nicht mit dramatischen Auswirkungen des Klimawandels zu rechnen. Das wird sie in die Lage versetzen verstärkt als Technologielieferant für die restliche Welt aufzutreten und damit die Führungsrolle in einem globalen Markt, der stark durch den Klimawandel beeinflusst ist, einzunehmen.

Quelle: donga.com

Dienstag, 09. Oktober 2007

Wieviel CO2 erzeugt das Internet?

Rolf Kersten (Sun Microsystems, Produktmarketing SPARC Server) hat in seiner Keynote zur EBAY Entwicklerkonferenz dieses Jahr interessante Facts, Zahlen und Vergleiche bezüglich des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen aus dem Bereich Informationstechnologie und Internet gebracht. Hier seine Berechnungen:

Google
● 31654 Server (2*2GHz, 2GB RAM und 80GB HDD)
● 40 Millionen Suchen/Tag
● Mit 200 Watt/Server sind das 150MWh/Tag
● Inklusive Kühlung und Infrastruktur 300MWh/Tag
● Also 8Wh pro Suche
● In 2007 (Dual-Core CPUs) vielleicht 4Wh pro Suche
● Das sind 6,8 Gramm CO2 pro Suchanfrage

Eine Suchanfrage entspricht 56 m Autofahren.

Second Life
● Lindenlabs hat derzeit 2000 Server
● Für maximal 36.000 gleichzeitige Benutzer
● Ein Avatar braucht also 195 Kwh pro Jahr
(nur auf dem Server!)
● Das sind 332kg CO2 pro Jahr

Ein Second Life Avatar erzeugt im Jahr so viel CO2 wie 2734 km Autofahren.

STRATO AG
● Eine Shared Webhosting Domain bei Strato verbraucht ca. 1KWh im Jahr
● Das sind 1700 Gramm CO2 pro Jahr

Eine Domain bei Strato erzeugt im Jahr soviel CO2 wie 14 km Autofahren.

ebay
● 15.000 Server in acht Rechenzentren
● Zu jeder Zeit 105 Millionen Auktionen aktiv
● Jeder Server braucht im Durchschnitt 300 Watt
plus 300 Watt für Kühlung und Infrastruktur
● Jede Auktion dauert eine Woche
● 30 Wattstunden Stromverbrauch oder 55 Gramm CO2 pro Auktion

Eine Auktion bei ebay entspricht 420 m Autofahren.


Der Betrieb aller Server weltweit brauchte im Jahr 2005 180 Terawattstunden. Das war 1,2 Prozent des weltweiten Strombedarfs und entspricht der Leistung von ca. 18 Atomkraftwerken.



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Anmerkung: Für 1 Kilowattstunde Strom muss in einem Kohlekraftwerk 3 Kilowattstunden oder 430 Gramm Kohle verfeuert werden. 430 Gramm Kohle erzeugen 1700 Gramm CO2. Ein “EU Grenzwertauto” könnte dafür 14 Kilometer weit fahren oder ein Mensch einen Marathon laufen.

Montag, 08. Oktober 2007

"Vergesst den Klimawandel"

Das konservative Wiener Hayek-Institut hat am Montag prominente Vertreter der Denkrichtung geladen, die einen Klimawandel, jedenfalls den vom Menschen verursachten, als wenig bis gar nicht gesichert erachten. Aus unterschiedlichen Gründen warnten die Herren vor Panik und einer (Wirtschafts-)Politik, die sich vornehmlich an einem zu senkenden Treibhausgas-Ausstoß orientiere: S. Fred Singer, emeritierter Professor für Umwelttechnik und Präsident des amerikanischen Non-Profit-Instituts SEPP (Science & Environmental Policy Projekt) erklärte bei der Pressekonferenz des Hayek-Instituts, dass er die Daten des UN-Klimarats IPCC analysiert habe "und zu komplett anderen Schlüssen" gekommen sei: Die in den Reports vermittelte Sicherheit über kommende Temperaturanstiege sei durch nichts belegbar. Im Gegenteil, seine Analyse der Daten habe ergeben, dass "der anthropogene Treibhauseffekt nicht signifikant" sei.
Unterstützt wurde er dabei von dem Raumfahrtexperten Klaus P. Heiss, wie Singer Amerikaner mit österreichischen Wurzeln. Heiss erklärte, dass das CO2 zwar zugenommen habe, dass es aber keinen Beweis dafür gebe, dass dies eine Temperaturzunahme nach sich ziehe. "CO2 und Temperatur korrelieren nicht", erklärte er. Daten von 1850 bis 2000 zeigten, dass CO2 und Temperatur ganz unterschiedliche Kurven hätten.
Aus der Wirtschaftsecke kommt die Kritik von David Henderson, früherer Chefökonom der OECD (Organisation für Entwicklungszusammenarbeit). Er sei erst vor fünf Jahren zu der Problematik rund um anthropogenen Klimawandel, ja oder nein, gestoßen, erläuterte Henderson, und zwar anlässlich seiner Mitarbeit an den IPCC-Berichten. Zwar erfolge die Arbeit an den Berichten mit seinen bis zu 2500 Mitarbeitern in einer "strukturierten Art und Weise". Jedoch hat er selbst erlebt, was passiert, wenn ein Rädchen in dieser Maschinerie Stopp sagen will.
Henderson hatte, zusammen mit einem australischen Kollegen, einen Berechnungsfehler bei den Emissionsszenarien festgestellt, mit weit reichenden Folgen für den Reduktionsbedarf einzelner Länder. Er hatte keine Möglichkeit für eine Korrektur der veröffentlichten Berichte, sondern wurde, im Gegenteil, als Unruhestifter wahrgenommen. "Ich habe deshalb große Einwände, was die wirtschaftlichen Implikationen betrifft", so Henderson. Informationsfluss im IPCC und Handlungsanleitungen an die Politik seien in hohem Maße zu hinterfragen. "Ich bin mittlerweile überzeugt, dass der IPCC nicht professionell ist." Eine unabhängige Organisation, die die IPCC-Aussagen überprüft, sei nötig, sagte Singer. "Weil sonst alles, was nicht ins Weltbild passt, wegdiskutiert wird", meinte er. Nachsatz: "Vergesst den Klimawandel."
Vom Hayek-Institut nach Wien geladen wurde auch Václav Klaus, tschechischer Präsident und "Klimaskeptiker", der erst letzte Woche vor der UN eine entsprechende Rede hielt. Darin hatte er die IPCC-Klimaprognosen als "spekulativ" und ein zu rigides Klima-Schutzprogramm als Gefahr für die Demokratien bezeichnet.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.10.2007)

Sonntag, 07. Oktober 2007

Indonesien pflanzt 79 Millionen Bäume

Eine spektakuläre Aktion will die indonesische Regierung am 28. November setzten. 79 Millionen Bäume, hauptsächlich Eukalyptus- und Teakbäume, sollen an diesem Tag gepflanzt werden. Ob es nur eine PR-Maßnahme im Vorfeld der im Dezember auf der indonesischen Insel Bali stattfindenden UN-Weltklimakonferenz ist oder ein tatsächliches Umdenken signalisieret, wird dir Zukunft zeigen.
Indonesien liegt nämlich im traurigen Ranking der Länder mit der höchsten Waldvernichtung in absoluten Flächeneinheiten an 2. Stelle hinter Brasilien (laut FAO-Report (Food and Agriculture Organization of the United Nations) in den Jahren 2000 bis 2005 3,1 Mio. Hektar Waldverlust in Brasilien, Indonesien folgt mit 1,8 Mio. Hektar, nach Angaben des indonesischen Forstministeriums sind es sogar 2,8 Mio. Hektar); im Verhältnis zur Landesfläche ist die Entwaldungsrate in Indonesien aber wesentlich größer.
Auf den abgeholzten und gerodeten Flächen – oft geschieht das auch durch illegale Brandrodungen – wird der Exportmais für die Massentierhaltung in der ersten Welt produziert und in erhöhtem Maße Palmölplantagen zur Biospritgewinnung angelegt. Wissenschaftler um Florian Siegert vom Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München haben berechnet, dass Waldbrände in Indonesien im vergangenen Jahr für drei bis 15 Prozent des gesamten vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes verantwortlich waren.
Die europäischen Umweltminister haben erst Anfang März diesen Jahres beschlossen den Biospritanteil in der EU bis 2020 auf 10 Prozent zu steigern. Die dafür in Europa produzierten Rapsmengen werden dazu aller Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen. Im Wirtschaftsjahr 2005/2006 haben die EU-Mitgliedstaaten insgesamt 4,9 Mio. Tonnen Palmöl importiert, davon 3,8 Mio. für den Nahrungsmittelbereich, knapp 1 Mio. Tonnen verheizten pflanzenölbetriebene Blockheizkraftwerke - im industriellen Maßstab insbesondere in den Niederlanden und Großbritannien – und 270.000 Tonnen für Biodiesel-Zwecke.

Quellen: : FAO, Readers Edition, Greenpeace, Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie, Geo-Bio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität München

Donnerstag, 04. Oktober 2007

Klimawandelskeptiker am Montag im Hayek Institut in Wien

Eine illustre Runde von Klimawandelskeptikern bzw. –leugnern referiert am 8.10. um 18.00 zum Thema „Climate Change and Sustainable Development“ im Hayek Institut in Wien (Link zur Anmeldung).

Die Referenten: Der tschechische Präsident Václav Klaus, Fred Singer (University of Verginia), Klaus Heiss (Exec. Dir. Jamestown Group) und David Henderson (ehem. chief economist OECD, Westminster Business School).

Zur Einstimmung für Interessierte einige Zitate und Meinungen der Konferenzteilnehmer:

Fred Singer
„Wir sehen in den letzten zwanzig Jahren gar keine Erwärmung. Die Satelliten zeigen sogar eine leichte Abkühlung in den mittleren Luftschichten. Und das beweist: Der menschliche Einfluss auf das Klima ist viel kleiner als die natürlichen Schwankungen."

„Die besten Modelle benutzen heute Auflösungen von hundert Kilometern. Das heißt: Alles was kleiner ist, kann nicht berechnet werden. Wolken z.B. sind viel kleiner als hundert Kilometer! Die Modelle stimmen nicht, weil Wolken viel zu schwierig sind."

„Wenn ich die Daten analysiere, stelle ich fest, daß der Meeresspiegel in Wahrheit gar nicht steigt. Im Gegenteil: Die Erwärmung bremst sogar den Meeresspiegelanstieg. Der Grund ist klar. Mehr Wasser verdunstet, mehr Schnee fällt auf an den Polen. Die Erwärmung transportiert also das Wasser vom Meer zum Pol, und der Meeresspiegel sinkt."

„Die Sonne ist kein konstanter Stern. Sie strahlt unterschiedlich heiß. Es gibt elfjährige Schwankungen, auch längere Schwankungen, und solange wir nicht wissen, wie die Sonne das Klima beeinflußt, können wir ohnehin keine Vorhersagen machen."

Václav Klaus
“Global warming ist ein Mythos, und ich denke, dass jeder ernsthafte Mensch und Wissenschaftler dies auch sagt. Es ist nicht in Ordnung, sich auf das UN-Gremium zu berufen. IPCC ist kein wissenschaftliches Gremium: es ist eine politische Institution, eine Art NGO mit grünem Charakter.”

"Das ist totaler Unsinn. Die globale Erderwärmung ist einfach Unsinn. Was kann man nur tun, damit das jemand versteht?"

"Das Wirtschaftswachstum ist die Lösung der Umweltprobleme, nicht ihre Ursache."

"Der Mensch übersteht doch eine klimatische Veränderung ganz einfach: Er schließt den Knopf an seinem Hemd oder aber er krempelt die Ärmel hoch. Also versuchen wir doch erst gar nicht, das Klima zu steuern. Zum Beispiel indem wir versuchen, die Temperatur von New York an die von Prag anzugleichen. Das bringt doch nichts. Ziehen wir doch einfach einen Pullover mehr oder weniger an."

"Auch wenn ein paar Inseln im Meer versinken, würden dafür doch weite Teile Sibiriens auftauen."

"Wir sollten uns nicht mit katastrophalen Prognosen gegenseitig Angst einjagen oder diese Prognosen heranziehen, um ein irrationales Eingreifen in das Leben der Menschen zu rechtfertigen."


Klaus P. Heiss
„Das Heißeste am Bericht des Weltklimarates , …, ist die weltweite Hysterie, die er auslöste, verbunden mit der Ausbeutung grundlegender (Existenz-)Ängste durch zahlreiche politische Opportunisten. Die allgemeine Panik geht schon so weit, dass Kritiker des Klimawahns einen Maulkorb verpasst kriegen.“

„…Kohlendioxid ist also nicht verantwortlich für die Erwärmung des Weltklimas in den letzten 150 Jahren. Aber was dann? Zu mehr als 90 Prozent sind Veränderungen im Erde-Sonnen-Verhältnis für die Kliamschwankungen verantwortlich.“

„Eine eventuelle Erwärmung würde uns lediglich zum langzeitlichen optimalen Erdklima der letzten 560 Millionen Jahre zurückführen.“

David Henderson von der Westminster-Business School, ehemals Chefökonom der OECD kritisiert die Berechnungsgrundlagen des IPCC. Seiner Meinung nach haben die IPCC-Verantwortlichen („mit Vorsatz!“) für die Messung des Gefälles zwischen reichen und armen Ländern eine irreführende Methode gewählt, um diesen Abstand besonders groß erscheinen zu lassen. So wird behauptet, die durchschnittlichen Einkünfte in den entwickelten Ländern lägen heute 40 mal höher als in den asiatischen Entwicklungsländern, und zwölf mal höher als in den Entwicklungsländern insgesamt. Diese ernorme Größenordnung ergibt sich, wenn die Brutto-Inlandsprodukte in Dollar umgerechnet und dann miteinander verglichen werden. Statt dieser "Währungsparität" müsse seriöse ökonomische Wissenschaft aber die so genannte "Kaufkraftparität" zugrunde legen. Für Henderson ist dieses Beispiel symptomatisch für ein breiteres Muster von Fehlern im IPCC-Bericht.

Der weltweite CO2-Ausstoß steigt rasant

Nichts ist von den bisher eingeleiteten Bemühungen zur CO2-Reduktion zu bemerken. Im Gegenteil: Nicht weniger, sondern immer mehr Kohlendioxid wird derzeit weltweit freigesetzt. 2006 wurde erstmals die Marke von 30 Milliarden Tonnen CO2 überschritten. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Ausstoß sogar noch beschleunigt. Von einer absehbaren Stabilisierung respektive Trendwende ist der Datenlage nach nichts auszumachen.

Dienstag, 02. Oktober 2007

Ist Biosprit schädlicher als Benzin?

Die Diskussion über den Sinn steigender Biosprit-Anteile verschärft sich weiter durch die Ergebnisse einer Studie einer internationalen Arbeitsgruppe um den Nobelpreisträger Paul Crutzen. Laut dieser Arbeit ist die Klimabilanz von Biosprit deutlich schlechter als bisher angenommen. Es wurden nämlich laut den Erkenntnissen der Wissenschafter (P. J. Crutzen - Max-Planck-Institut für Chemie, A. R. Mosier - Mount Pleasant, SC, K. A. Smith - School of Geosciences, University of Edinburgh und W. Winiwarter - Austrian Research Centers, Wien) bei der Bewertung von Biosprit bislang die Emissionen von Stickstoffoxid zu wenig berücksichtigt. Bisher hat man angenommen, dass bei der Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft etwa ein Prozent des eingesetzten Stickstoffs als Lachgas (Di-Stickstoff-Oxid, N2O) verdampft und in die Atmosphäre gelangt. Laut den neuen Berechungen ist dieser Anteil aber weitaus höher, nämlich zwischen vier und fünf Prozent. Und Lachgas, obwohl es in absoluten Zahlen in der Atmosphäre in geringeren Konzentrationen als CO2 vorkommt, ist dennoch ein Klimakiller ersten Ranges: N2O wirkt rund 300 Mal so stark wie dieselbe Menge CO2.
Stimmt der Ansatz von Crutzen und seinen Kollegen kann der Einsatz von Biodiesel und Bioethanol den Treibhausgas-Ausstoß sogar noch erhöhen. Ganz schlecht schneidet laut der Studie Raps-Diesel ab. Im Extremfall kann die Treibhauswirkung um 70 Prozent höher sein als bei herkömmlichen Treibstoffen. Aus Weizen gewonnenes Ethanol wirkt sich ebenfalls ungünstig aus. Zwischen 30 und 100 Prozent stärker ist der Einfluss auf die Wärmeabsorption in der Luft als bei konventionellem Benzin. Biosprit aus Kukuruz liegt etwas besser in der Bewertung – zwischen 10 Prozent Klimaentlastung bis hin zu 50 Prozent –belastung je nach Anbaubedingungen ergaben die Berechnungen. Günstig für die Klimaentlastung erwies sich nur Ethanol aus Zuckerrohr, etwa wie in Brasilien angebaut, weil hier nur wenig Dünger benötigt wird.
Die neuen Erkenntnisse basieren auf einer Berechnungsgrundlage, die von der bisherigen abweicht. Der UNO-Klimabeirat IPCC stützt sich bei seinen Rechnungen bei der Abschätzung auf Experimente mit Pflanzen. Die Wissenschafter um Crutzen haben auch atmosphärische Daten und Ergebnisse von Eiskernmessungen miteinbezogen.