Donnerstag, 29. November 2007
Buchpräsentation HEISSE ZEITEN beim ÖJC
Anmeldungen bis spätestens 8. Dezember unter dieser Emailadresse: office@oejc.at
Mittwoch, 28. November 2007
"Verkehr ist Klimakiller Nr. 1"
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Was nicht Thema der vom Ökosozialen Forum am Mittwoch veranstalteten Energie- und Klimakonferenz war: ob Österreich die Kioto-Klimaschutzziele bis 2012 von alleine stemmen kann. Oder ob dies nur über "Strafen", sprich Zahlungen und weitere Zertifikatszukäufe, zu bewerkstelligen sei.
Denn ab 2008 würden die eingeschlagenen Emissionsreduktionen zu greifen beginnen, versicherte Umweltminister Josef Pröll (VP), sodass alles in die Wege gleitet sei, dass die derzeitige Fehlsumme von 25 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Jahr in Österreich nicht schlagend würde: "Die Frage nach Strafzahlungen werden wir uns nicht stellen müssen", versicherte er. Die zuletzt genannte Zahl von 1,5 Mrd. Euro Strafzahlungen (die sich übrigens über die gesamte Kioto-Laufzeit von 2008 bis 2012 bezieht) basiere nämlich auf Zahlen des Jahres 2005. "Und das Jahr 2005 ist nicht das Jahr der Zielerreichung."
Erhöhung der Mineralölsteuer
Die Erhöhung der Mineralölsteuer würde das Verkehrsverhalten einbremsen, ebenso wie den Tanktourismus, versicherte er. Und Brüssel müsse, etwa im Rahmen der Wegekostenrichtlinie, Instrumente schaffen, die der exponierten Lage Österreichs als Transitland Rechnung trägt. Denn: Der Verkehr ist "Klimakiller Nummer eins", hob er hervor. Seit 1990 haben sich die Emissionen in dem Bereich verdoppelt, weshalb in der Klimastrategie des Bundes ein Wachstum von gut 32 Prozent beim Verkehr bis 2010 als Erfolg gilt. Für Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SP) ist eine "Ökonomie der Energiepolitik" notwendig. Es dürfe nicht sein, dass Biomasse-Ausbau, etwa bei Holzpellets, zu einer Rohstoffverknappung für die Papierindustrie führe. "Wichtig wird sein, wo wir CO2-Reduktionen am schnellsten und am günstigsten erreichen", sagte er. Als Beispiel nannte er im Bereich Gebäude mehr Fern- und Nahwärme.
Dieser kurzfristige Ansatz müsse mit einer Langfrist-Strategie unterlegt werden, denn: "Klimapolitik hat keine Chance, wenn nicht im Bereich der Technologien eine ähnliche Revolution stattfindet wie bei den Informationstechnologien. Mit gängigen Technologien kommen wir schnell an Grenzen." Umso mehr, als bis 2050 die österreichische Bevölkerung auf 9,5 Millionen Menschen anwachsen werde.
Forschungsbedarf
Für den Klima- und Umweltfonds bedeute dies, dass vordringlich "Technologien mit hohem Forschungs- und Entwicklungsanteil" gefördert werden müssen. Wobei bei Energieeffizienz und -einsparung in Österreich bisher wenig bis nichts investiert worden sei. Zum Thema "bekannte Technologien" sagte Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband, dass für ein Biomasse-Kraftwerk Voitsberg ganz Kärnten abgeholzt werden müsste. Eine Stromzuwachsanalyse fehle noch immer, beklagte er. Bekanntlich sind Österreichs Stromzuwächse ähnlich hoch wie in Schwellenländern mit wirtschaftlicher Aufholjagd. Wird dabei nicht gegengesteuert, drohen die Stromzuwächse die gesamte kommende Ökostromproduktion aufzufressen. Dieses Szenario würde bedeuten, dass der gewünschte neue Energiemix mit höherem Anteil an erneuerbaren Energien in weite Ferne rücke. Sowohl Gusenbauer als auch Pröll betonten, dass sich die "Bundesregierung nicht drückt" (Gusenbauer): Allerdings liegen Wohnbau samt Förderung in der Kompetenz der Länder.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2007)
Sonntag, 25. November 2007
Klimaschutz kostet
Bei einer gleichmäßigen Verteilung der Lasten des EU-Zieles von –20 Prozent CO2-Ausstoßes (Szenario 1, gerechnet bis 2020 im Vergleich zu 1990) wird für Deutschland ein um 0,8 Prozent geringeres Bruttosozialprodukt errechnet, der BIP-Verlust summiert sich in diesem Szenario im Zeitraum von 2013 bis 2020 auf 123 Mrd. Euro. Umgelegt auf die Energiepreise hieße das eine Erhöhung von ca. 16 Prozent der Strom- und Gaspreise. Bei einem überproportionalen Anteil Deutschlands bei der Reduzierung der Treibhausgase bis 2020 würden sich auch die Kosten analog erhöhen. Also eine Reduzierung um 40 Prozent würde die volkswirtschaftlichen Kosten verdoppeln.
Die Studie versucht auch den Umfang der CO2-preisbedingten Produktionsverlagerung aus Europa in Länder ohne vergleichbare Klimaschutzanstrengungen im Fall eines EU-Alleingangs zu beziffern.. Der Verlust energieintensiver Produktion könnte laut der Studie durch den Export von deutscher Klimaschutztechnologie nicht kompensiert werden. Von einem Alleingang der EU im Klimaschutz würden vor allem die G5-Staaten wie Brasilien, China und Indien, aber auch die USA profitieren.
Die Studie zeigt auch, dass ein Alleingang der EU weltweit gesehen klimapolitisch zu wenig bringt. Gerade um 1,7 Prozentpunkte würde der weltweite CO2-Ausstoß bei einem EU alleinigen Vorgehen gebremst werden. Voraussetzung für einen Erfolg ist also, dass sich alle maßgeblichen Länder zu angemessenen Klimaschutzanstrengungen verpflichten. Allerdings erwähnt die Studie auch, dass die BIP-Verluste in allen Ländern mit der Höhe des CO2-Preises bzw. der angestrebten Treibhausgasminderung zunehmen würden.
Annahmen: EU-Alleingang, Minderung der THG-Emissionen der EU-27 um 20% gegenüber 1990, Burden sharing: Einheitliche prozentuale Minderungen in allen Ländern auf die Kyoto-Ziele (EU-15) bzw. die tatsächlichen Emissionen 2008-12 (NMS-12). Emissionshandel (ETS): Auktionierung der Zertifikate in der Energiewirtschaft, Benchmarking in energieintensiven Industrien, Erweiterung gegenüber heute um den Flugverkehr. Nicht-ETS-Bereich: CO2-Steuer als Näherungswert im Modell für vielfältige klimapolitische Maßnahmen, aufkommensneutrale Rückgabe. Keine Nutzung flexibler Mechanismen.

Samstag, 24. November 2007
Machtwechsel in Australien: Auch ein Sieg für den Klimaschutz
Unerwartet deutlich hat in Australien die Labor-Partei mit Kevin Rudd die Wahl gegen die konservative Regierungskoalition unter John Howard gewonnen. Für die bisherige Oppositionspartei stimmten rund 53 Prozent der 13 Millionen Wähler, für die regierenden Liberals und Nationals nur etwa 46 Prozent.Der Sieg von Rudd bedeutet auch einen Sieg für den Kampf gegen den globalen Klimawandel. Howard hat international immer eine strenge Anbindung der Australiens an die Politik von US-Präsident George W. Bush betrieben, in der Irak-Frage ebenso wie in der Klimapolitik. Howard hat wie Bush stets die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls verweigert mit der Begründung, dass Schwellenländer wie China und Indien stärker eingebunden werden sollten und sie größere Beiträge zur Verminderung der Treibhausgase machen müssten. Rudd hingegen hat in seinem Wahlkampf versprochen im Falle seines Sieges unverzüglich das Kyoto-Abkommen zu unterzeichnen.
Kein Land der Welt produziert pro Kopf so viel Treibhausgase wie Australien: mehr als 27 Tonnen. Dank der weltweit viertgrößten Vorkommen - allein rund 75 Milliarden Tonnen Steinkohle - werden 80 Prozent der australischen Energie mit Kohle produziert. 16 Prozent der Exporteinkünfte - etwa 24 Milliarden australische Dollar (14,6 Mrd Euro) wurden im vergangenen Jahr durch Kohle erzielt.
Strafzahlungen für Autofirmen geplant
Noch vor Weihnachten, im Gespräch ist ein Termin um den 19. Dezember, möchte die EU-Kommission eine neue Richtlinie vorlegen, die zum Ziel hat den Ausstoß von CO2 bei Autos zu reduzieren. Im Februar diesen Jahres beschloss die Europäische Kommission nach langen, zähen Verhandlungen, den Autoherstellern vorzuschreiben, wie viel CO2 ihre neuen Modelle emittieren dürfen. Widerstand kommt vor allem von der deutschen Autoindustrie, deren Modelle mehrheitlich in der Mittel- und Oberklasse angesiedelt sind.
Diese Woche hat Kommissionspräsident José Manuel Barroso bekräftigt ein wirkungsvolles, mit Sanktionsmöglichkeiten ausgestattetes, Regelment zu etablieren. Gegenüber der deutschen Zeitung „Bild am Sonntag“ kündigte er Strafen für Autofirmen an, die gegen die neuen Klimaschutzvorschriften verstoßen. „Es sollte Konsequenzen haben, wenn Hersteller den Grenzwert nicht einhalten. Sie sollten eine Art Entschädigung zahlen“. Andernfalls wäre das ganze System nicht sehr glaubwürdig.
Nach den Plänen der Kommission darf der durchschnittliche Ausstoß eines Neuwagens, gerechnet über die gesamte Modellpalette eines Herstellers, ab 2012 nicht mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer betragen. Einer der Hauptverursacher des Treibhauseffektes ist nämlich das CO2, das durch den Verkehr verursacht wird – rund 20 Prozent aller umweltschädlichen Gase. Davon stammt der weitaus größte Teil, nämlich 93 Prozent aus dem Straßenverkehr.
CO2-Ausstoß deutscher PKWs steigt
Dass besonders die deutsche Autoindustrie mit diesen Vorgaben Probleme hat, zeigt ein jüngst veröffentlichte Studie des europäischen Umweltverbandes Transport and Environment (T&E). In dieser Untersuchung wurden die CO2-Werte der im vergangenen Jahr in Europa verkauften neuen PKWs erhoben und die Fahrzeuge der deutschen Autokonzerne kamen dabei besonders schlecht weg. Der Kohlendioxidausstoß stieg 2006 bei den deutschen Neuwagen im Vergleich zu 2005 im 0,6 Prozent, während französische und italienische Produzenten diese Emissionen durchschnittlich um 1,6 Prozent, japanische sogar um 2,8 Prozent gesenkt haben.
Betrachtet man die deutsche Hersteller im Detail zeigt sich ein differenzierteres Bild. BMW die klimaschädlichen Emissionen im Schnitt um 2,5 Prozent reduziert. Bei Daimler stieg der Ausstoß der Treibhausgase dagegen um 2,8 Prozent. Bei Volkswagen lag der Anstieg den Daten zufolge bei 0,9 Prozent.
Die Zahlen der Studie belegen die Faustregel, dass je schwerer ein Auto ist, desto höher ist sein Spritverbrauch und umso stärker auch sein CO2-Ausstoß. So hat PSA Peugeot Citroen, der den Spitzenplatz bei der CO2-Bilanz in Europa einnimmt, das durchschnittliche Gewicht seiner Neuwagen im vergangenen Jahr um nahezu ein Prozent gesenkt. Fahrzeuge von VW wiesen 2006 dagegen im Schnitt ein um ein Prozent höheres Gewicht aus als 2005, die von Daimler sogar um vier Prozent.
Gerangel Paris-Berlin
Vor allem zwischen Berlin und Paris gibt es im Vorfeld deshalb bereits ein politisches Gerangel bezüglich der bevorstehenden EU-Richtlinie. So wandte sich der französische Staatschef Nicolas Sarkozy direkt schriftlich an EU- Industriekommissar Günter Verheugen, der an der Vorbereitung der EU-Richtlinie beteiligt ist. Und Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo lies verlauten, dass die Hersteller schwerer Karossen, wie sie vor allem in Deutschland gebaut werden, einen vergleichsweise größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten müssten als die Produzenten von Klein- und Mittelklassewagen – was wiederum der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel umgehend zurückwies und betonte „dass alle Hersteller ihren Anteil leisten müssten.“ Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann sieht, wie er in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel ausführte, hinter der Forderung insbesondere große Pkw beim Kampf gegen die Treibhausgase stärker in die Verantwortung zu nehmen „versteckte Industriepolitik“.
Werbebeschränkungen gefordert
Aber auch an einer anderen Front droht den Autofirmen Ungemach. Die EU-Kommission hatte im Frühjahr von der Automobilindustrie einen freiwilligen „Werbekodex“ eingefordert. Und diesen Monat erst hat das EU-Parlament den politischen Druck auf die Autoindustrie in Sachen Werbebeschränkungen massiv erhöht. Die Parlamentarier verabschiedeten ein Papier in dem verlangt wird, dass mindestens 20 Prozent der Werbefläche für Neuwagen in Anzeigen und Broschüren für Daten über Verbrauch und Emissionen reserviert sein müssen . “Irreführende umweltschutzbezogene Werbeaussagen" sollen laut diesem Papier verboten werden.
Donnerstag, 22. November 2007
Papiertiger Kyoto-Protokoll
Das 1997 verabschiedete und 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll entpuppt sich mehr und mehr als zahnloser Papiertiger. Viele Unterzeichner-Staaten haben ihren Treibhausgas-Ausstoß zwischen 1990 und 2005 entgegen den Vereinbarungen deutlich erhöht. Das zeigen Daten, die das Klimasekretariat der UNO kürzlich veröffentlichte. Spanien beispielsweise steigerte seine Emissionen in den ersten 15 Jahren des Kyoto-Abkommens um stolze 53,3 Prozent. In ähnlicher Höhe liegen die Zuwachsraten im benachbarten Portugal – 42,8 Prozent. In Österreich gab es ein Plus von 18 Prozent. Gut unterwegs ist Deutschland. Laut UNFCCC-Statistik gelang bis 2005 eine Emissionsreduzierung um 18,4 Prozent. Die USA, die dem Kyoto-Abkommen nicht beigetreten sind, verstärkten ihren CO2-Ausstoß zwischen 1990 und 2005 um 16,3 Prozent.Erschwerend kommt hinzu, dass dem Kyoto-Protokoll zwar rund 170 Staaten beigetreten sind doch aktiv die Treibhausgase senken sollen nur wenige Industrieländer. Wirtschaftlich rapide aufholende Nationen wie Brasilien, Indien oder China dürfen dagegen vorerst weiterhin ungezügelt emittieren, obwohl beispielsweise China die USA bei den Gesamtemissionen bereits eingeholt haben könnte.
Im Vorfeld zu den in Kürze in Bali startenden Verhandlungen, die die Weichen für ein Nachfolgeabkommen für das auslaufenden Kyoto-Protokoll stellen sollen, mehren sich deshalb die Stimmen die jetzigen Kyoto-Strategien zu kippen und neue und wirksamere Mechanismen zu suchen und zu etablieren.
Mittwoch, 21. November 2007
CARMA-Initiative schafft CO2-Transparenz
CARMA – Carbon Monitoring for Action – heißt die Initiative des CGD, einer Non-Governmental Organisation mit Sitz in Washington D.C. die Transparenz über die weltweite Energieerzeugung liefern möchte. Durch die, für Jeden abrufbaren Informationen, soll Druck auf die schwarzen Schafe unter den Energieerzeugern ausgeübt werden, um sie zu umweltschonenderer Energieproduktion zu veranlassen. Die Daten bekamen die Wissenschafter von Regierungsstellen und auch von den Kraftwerksbetreibern. Dort wo keine Zahlen zu bekommen waren, beispielsweise aus China und anderen asiatischen Staaten wurden die Angaben auf Basis von Faktoren wie Brennstoff, Größe, Alter und technischen Spezifikationen hochgerechnet.Auf der Webseite findet sich eine Fülle von Fakten zum weltweiten CO2-Ausstoß. Achtung: Die angegebenen CO2-Werte basieren auf „US“-Tonnen und müssen mit 0,907185 multipliziert werden wenn man die Daten in „metrischen“ Tonnen haben möchte (= ca. – 10 Prozent). Ebenso zu beachten ist, dass die Angaben bezüglich der Effizienz (Spalte „Intensity“) in Pfund sind (mit 0,453592 multiplizieren um kg zu erhalten, also für eine ungefähre Rechnung die Angaben durch 2 dividieren). „Effizienz“ bedeutet hier das Verhältnis produzierter Energie zu erzeugtem Kohlenstoff.
Die größte CO2-Schleuder weltweit befindet sich in Taiwan. Dieses Kohlekraftwerk (namens Taichung) emittiert geschätzte 41 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Die meisten Megawattstunden schaffen die Wasserkraftwerke Itaipu (Brasilien), Dreischluchtendamm (China) und Raul Leoni (Venezuela).

Die ineffizientesten Kraftwerke stehen in den Entwicklungsländern und in den USA. Die USA liegen, was die Effizienz ihrer Kraftwerke betrifft hinter Russland, Mexiko und Taiwan.
Dividiert man die CO2-Emissionen bei Energieproduktion durch die Zahl der Einwohner, dann sind die Australier mit 11 Tonnen Kohlendioxid pro Kopf und Jahr die schlimmsten Verschmutzer.
In Österreich produziert das Kraftwerk Dürnrohr das meiste CO2, nämlich 55.023.700.458 Tonnen pro Jahr bei einer Leistung von 55.602.160.000 MWh. Am ineffizientesten, wenn man den CO2-Ausstoß als Maßstab heranzieht, produziert das Kraftwerk Klagenfurt der Stadtwerke Klagenfurt den Strom: Pro erzeugter Megawattstunde werden 12.861.338 kg CO2 verursacht (Dürnrohr im Vergleich verursacht 9.895.953 kg).
"Das dreckige Dutzend" der österreichischen Kraftwerke
(Daten: CARMA, http://www.carma.org)/
Dienstag, 20. November 2007
Molterer kommt der Autolobby entgegen
Der Verkehr verursacht in Österreich ein Viertel der gesamten CO2- Emissionen. Laut Zahlen des Umweltministeriums hätte die Neuregelung wie ursprünglich geplant eine jährliche Kohlendioxid-Einsparung von (nur) 33.000 Tonnen CO2 pro Jahr bewirkt. Zum Vergleich: Allein die Abschaffung von "Licht am Tag" wurde mit einer Ersparnis von 250.000 Tonnen pro Jahr beziffert.
4. Bericht des IPCC zur Klimaänderung in deutscher Sprache
- Synthesebericht - Kernaussagen
- Wissenschaftliche Grundlagen (Arbeitsgruppe 1): Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger
- Auswirkungen, Anpassung, Verwundbarkeiten (Arbeitsgruppe 2): Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger
- Verminderung des Klimawandels (Arbeitsgruppe 3): Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger
Emmy Award für Al Gore
Al Gore hat wieder einmal einen Preis gewonnen und zwar einen Emmy Award. Gore wurde bei der Gala in New York am 19.11. mit einem Sonder-Emmy für sein Umweltengagement und seine Mitarbeit zur Schaffung des interaktiven Senders Current TV geehrt. In seiner Rede bezeichnete Gore den Klimawandel als die größte Herausforderung für die menschliche Zivilisation aller Zeiten. „Wir stehen wirklich einem wahren planetaren Notfall gegenüber.“ Das Fernsehen sei jedoch ein mächtiges Medium und könne Teil der Lösung sein, indem es Informationen weitergebe.Gore hatte im Oktober den Friedensnobelpreis erhalten und war Anfang des Jahres für seine Klimawandel-Dokumentation „An Inconvient Truth“ mit dem Oscar geehrt worden. Der Großteil der International Emmy Awards, mit denen die besten nicht-US-amerikanischen TV-Sendungen prämiert werden, ging mit sieben Preisen an Großbritannien.
Nachtrag zum Telekom Austria Klimadialog
Als Nachtrag zum Telekom Austria Klimadialog vom 8. November (siehe Posting) gibt es jetzt die Videos von der sehr interessanten Keynote speech von Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker und von der anschließenden Podiumsdiskussion:Sonntag, 18. November 2007
Stimmen zum aktuellen UN-Klimabericht des IPCC
"Die schlimmsten Szenarien des IPCC sind so angsterregend wie ein Science-Fiction-Film. Aber sie sind noch schlimmer, denn sie sind real.“
"Today the world's scientists have spoken clearly and with one voice. In Bali I expect the world's policymakers to do the same."
Rajendra Pachauri, Chef des Weltklimarates:
"Nein, es ist nicht zu spät. Aber wenn wir noch länger warten, wird es zu spät sein."
Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms UNEP:
"Dies ist die vielleicht wichtigste Lektüre für jedermann auf dem Planeten, der sich um die Zukunft sorgt."
"Erst wenn die Industriestaaten bereit seien, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren, dann können wir auch von anderen verlangen, dass sie sich in Bali verpflichten, sich aktiv zu beteiligen".
Michael Müller, Staatssekretär im deutschen Bundesumweltministerium:
"Der IPCC hat deutlich gemacht, dass wir bis 2015 die Wende schaffen müssen".
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD, Deutschland):
"Niemand kann behaupten, wir wüssten heute nicht genug über den Klimawandel. Wir müssen nur den Mut aufbringen, dagegen vorzugehen – sonst werden uns unsere Kinder und Enkel verfluchen."
Professor Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg, stellvertretender Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe III:
"Ja, der Mensch ist schuld am Klimawandel. Ja, wir können etwas tun. Ja, wir haben bereits jetzt alle Mittel dazu in der Hand. Aber: Wir müssen sofort anfangen."
Gabriela von Goerne, Greenpeace-Klimaexpertin:
"Wer sich jetzt noch weigert die CO2-Notbremse zu ziehen, setzt das Leben unzähliger Menschen und Tiere aufs Spiel. Ausreden lässt dieser Bericht nicht mehr zu".
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas:
"Der Report zeigt, dass dringend gehandelt werden müsse, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Die gute Nachricht sei, dass der Bericht auch zeigt, dass weitgehende Emissionseinschnitte sowohl technisch möglich als auch wirtschaftlich tragbar sind".
Yvo de Boer, Exekutivsekretär der Vereinten Nationen:
"Den Klimawandel zu leugnen und nichts zu tun, um ihn zu bremsen, ist kriminell verantwortungslos".
Martin Parry, co-chair of the impacts working group:
"If you look at the overall picture of impacts, both those occurring now and those projected for the future, they appear to be both larger and appearing earlier than we thought. Some of the changes that we previously projected for around 2020 or 2030 are occurring now, such as the Arctic melt and shifts in the locations of various species."
Quellen: Welt, reuters, n-tv, BBC, FAZ
Samstag, 17. November 2007
Dramatischer Appell des Weltklimarates
Auch wenn hierzulande der frühe Wintereinbruch bei vielen das Thema Klimaerwärmung vielleicht in den Hintergrund gedrängt hat, dramatischer kann der Appell des Weltklimarates (IPCC) heute am Samstag in seinem jüngsten Papier kaum mehr formuliert werden. In einem eindringlichen Warnruf vor den Auswirkungen der Erderwärmung nennen Forscher und politische Delegationen so deutlich wie nie zuvor die gravierenden Folgen der Erderwärmung.
Kurz zusammengefasst: Der Mensch steht als Ursache des Klimawandels praktisch fest, die Temperaturen werden ohne radikale Gegenmaßnahmen bis zum Jahr 2100 zwischen 1,8 und vier Grad gegenüber 1990 ansteigen, weltweit wird es immer mehr Hitzeperioden, Dürren und Überschwemmungen geben. Die Folgen dieses Wandels werden nach Einschätzung der Experten "plötzlich oder unumkehrbar" sein.
- Wenn die weltweite Durchschnittstemperatur um 1,5 bis 2,5 Grad steigt, werden rund 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aussterben.
- Der Anstieg des Meeresspiegels wird je nach Szenario zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Damit werden Millionen von Menschen in den nächsten Jahrzehnten von Überschwemmungen und Überflutungen bedroht werden.
- Um die Erderwärmung auf eine noch halbwegs erträglichen und „managebaren“ Bereich von bis zu maximal 2,4 Grad Celsius zu beschränken, müssten die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 50 bis 85 Prozent sinken - verglichen mit den Werten aus dem Jahr 2000.
Abwiegelnd und bremsend reagierten wiederum die Vertreter der USA auf die Ergebnisse der Wissenschafter. Die Vorsitzende der US-Delegation in Valencia, Sharon Hays, zitierte US-Forscher, denen zufolge "belastbare Urteile über die Gefahren des Klimawandels noch ausstünden.“ Der Berater des Weißen Hauses für Umweltfragen, Jim Connaughton, betonte, trotz einer fehlenden wissenschaftlichen Definition seien die USA aber wie die anderen G-8-Staaten auch der Meinung, dass gehandelt werden müsse.
Link: Summary for Policymakers of the Synthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report, DRAFT COPY 16 NOVEMBER 2007, 23:04
"CO2 hat kein Mascherl"
Ausnahme für den Wirtschaftsminister: Kernkraft und eine neue Diskussion um ein Wasserkraftwerk Hainburg, sagte er im Gespräch mit Johanna Ruzicka.
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STANDARD: Mittlerweile hat Österreich so viel CO2 zu viel, wie die gesamte Industrie emittiert. Überspitzt wird bereits gemeint, man müsse die heimische Industrie zusperren. Eine Option?
Bartenstein: Sicher nicht. Damit wäre auch niemandem geholfen. Auch nicht dem Klimaschutz, weil die Produktionskapazitäten woanders hinverlagert würden, wo man es mit Emissionen und Umweltschutz nicht so ernst nimmt – und CO2 hat bekanntlich kein Mascherl.
STANDARD: Aber das Faktum, dass in Österreich nie weniger, sondern immer mehr Treibhausgase emittiert wurden, bleibt. Und es wurden auch noch keine Weichenstellungen vorgenommen.
Bartenstein: Das stimmt nicht. Ökostrom bringt jährlich Einsparungen von drei Millionen Tonnen CO2 im Jahr und nach meiner Novellierungsvorlage für das Ökostromgesetz nochmals drei Millionen Tonnen bis 2015. Und es tut sich einiges, auch auf EU-Ebene. Zum Beispiel wird überlegt, künftig die CO2-Intensität von Importen miteinzuberechnen. Es ist dem Klima völlig egal, ob wir den Strom in Österreich produzieren oder ob er importiert wird. Das wäre auch für andere energieintensive Industrien – etwa Eisen und Stahl – wichtig. Der geplante Ausbau der Voest in Linz belastet ja unsere Klimabilanz erheblich.
STANDARD: Aber an dem 13-Prozent-Ziel sind Sie schuld, heißt es. Sie waren bei den Kioto-Verhandlungen Umweltminister und Sie haben die interne EU-Aufteilung bei den CO2-Sparzielen, dem EU-Burdensharing, verhandelt. Ein Fehler?
Bartenstein: Vor meiner Zeit als Umweltminister wurden in Österreich Regierungs- und Nationalratsbeschlüsse gefasst, die ein Reduktionsziel von 25 Prozent weniger Treibhausgasemissionen vorsahen. Das hat man in Brüssel natürlich gewusst. Man kann mir vorwerfen, dass ich nicht gut verhandelt habe, weil ich von der 25-Prozent-Selbstverpflichtung das 8-Prozent-Ziel (das EU-weite Kioto-Reduktionsziel, Anm.) nicht geschafft habe. Ich finde, das Ziel für Österreich von 25 auf 13 Prozent runter zu verhandeln, war nicht schlecht.
STANDARD: Aber die österreichische Ausgangslage für die Verhandlungen, was ab 2013 gilt, sind dadurch schlecht.
Bartenstein: Das sehe ich nicht so. Es braucht dabei ja den Konsens mit dem jeweiligen Mitgliedsstaat. Und die Diskussion geht in die Richtung, dass das EU-Burdensharing anders gestaltet wird, mit Einbeziehung von Zertifikaten.
STANDARD: Wie stehen Sie zu Technologien wie CO2-Abscheidung und Verbunkerung im Erdreich?
Bartenstein: Das klingt zwar nach Zukunftsmusik, ist aber längst keine Vision mehr. Die Internationale Energieagentur IEA geht davon aus, dass die Welt bis 2030 überwiegend, und zwar zu 84 Prozent, auf fossilen Energieträgern basiert, wobei Kohle gewinnt. Da wird diese Technologie entscheidend sein, um Kohle klimafreundlicher zu gestalten.
STANDARD: Diese "Clean Coal"-Technologien werden kritisch gesehen. In Österreich wissen das nur noch nicht viele.
Bartenstein: Ohne diese Technologien wird es nicht gehen, und wir arbeiten in diese Richtung. OECD-Wissenschafter verweisen darauf, dass die Bürgerakzeptanz für das Vergraben von CO2 nicht viel leichter zu erreichen sei als für Kernkraft, weil konzentriertes CO2 nicht ungefährlich ist. Aber man muss sehen, dass erneuerbare Energieträger noch auf Jahrzehnte nicht die Lösung sein werden. Laut IEA können erneuerbare Energien bis 2030 gerade mal den Rückgang bei Kernkraft ausgleichen.
STANDARD: Wäre es da sinnvoll, ein Wasserkraftwerk Hainburg neu zu diskutieren?
Bartenstein: Es gibt in Österreich zwei "No Go's": Kernkraft und Hainburg. Davon abgesehen wird Wasserkraft bis 2015 ausgebaut. Und selbst solche kleinen und mittleren Kraftwerke sind schwierig durchzusetzen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.11.2007)
Donnerstag, 15. November 2007
"Moratorium bei Agrarenergie"
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"Bevor die Auswirkungen für die Landwirtschaft und das Klima nicht klar sind, sollte es in Europa zu einem Moratorium bei der Biospriterzeugung kommen", erklärte Andreas Wabl, ehemaliger Grün-Parlamentarier und Klimaschutzbeauftragter des Bundes bei einer Pressekonferenz über "Sinnhaftigkeit und Perspektiven der Förderung von Biosprit". Wie eine solche Aussetzung bei den EU-Beimischungszielen auszusehen hätte, präzisierte er nicht. Es sollen bis 2010 5,75 Prozent der fossilen Otto- und Dieselkraftstoffe durch Agrarkraftstoffe ersetzt, dies dann schrittweise weiter angehoben werden. Hierzulande gibt es noch ambitioniertere Pläne zur Beimischung: Der Anteil an Agrarsprit soll bereits bis 2020 auf 20 Prozent steigen – in der EU sind es nur zehn Prozent.
Zertifizierungssystem
Während eines Moratoriums sollte ein Zertifizierungssystem für Energie aus Biomasse eingeführt werden, forderte Wabl. "Mit solchen Zertifizierungen gibt es bereits gute Erfahrungen, etwa bei Tropenholz." Dabei werde sichergestellt, dass ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden. Bernhard Freyer vom Institut für ökologischen Landbau an der Universität für Bodenkultur sagte: "Wir müssen die Hoffnungen, was Biosprit betrifft, zurückschrauben; da sind Korrekturen notwendig." So, wie die Erzeugung derzeit durchgeführt wird, sei "die Ökobilanz eindeutig negativ".
Humus gefährdet
Seine Kritik: Agrarsprit-Erzeugung, insbesondere in Monokultur, zerstöre den Humushaushalt und verringere die Fähigkeit des Bodens, CO2 zu speichern. Auch der Wasserhaushalt sei negativ, wodurch Wetterkatastrophen extremer ausfielen. Bei konventioneller Erzeugung sei der Spritzmitteleinsatz enorm. Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln wiederum werden mit hohem Energieeinsatz hergestellt und transportiert. Agrarenergieerzeugung, meint Freyer, sollte in Österreich mehr auf Klee, Luzerne, Grünschnitt und Stroh abstellen. Allerdings sei viel Forschung notwendig.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2007)
Dienstag, 13. November 2007
"Zeigen, dass der Ball jetzt bei den Politikern liegt"
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Es sind die Vertreter der USA, von denen erwartet wird, dass sie an einer eher wenig aussagekräftigen Zusammenfassung der IPCC-Klimareporte des heurigen Jahres interessiert sein werden. Auch von Saudi-Arabien wird eher Abschwächendes erwartet, sagt Gabriela Goerne, die als Greenpeace-Mitarbeiterin Beobachterstatus beim IPCC-Treffen in Valencia hat. Schließlich soll der maximal 22 Seiten umfassende Bericht, der Ende der Woche vorgestellt wird, als Kerndokument für den Klimagipfel Anfang Dezember in Bali dienen, bei dem rund 180 Staaten um einen völkerrechtlichen Nachfolgevertrag zum Kioto-Klimaprotokoll ab 2013 feilschen.
Deshalb gehe es darum, zu "zeigen, dass in Bali der Ball bei den Politikern liegt", erklärt Klaus Radunsky vom Umweltbundesamt, der bei den Verhandlungen in Valencia Österreich vertritt. Neben den heuer breit bekanntgemachten Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels - vermehrt auftretende Wetteranomalien und Extremwetterereignisse - hofft der Chemiker deshalb, dass in dem Kurzbericht eine starke Betonung auf Treibhausgas-Emissionsminderungen gelegt wird. Schließlich sollen spätestens ab 2020 die CO2-Emissionen nicht mehr steigen, da ansonsten "unumkehrbare Prozesse in Gang gesetzt" werden - also ein Abschmelzen der Eisschilde in Grönland und Übersäuerung der Meere, wie es in den IPCC-Berichten heißt.
Energieverbrauch
Insbesondere die USA sind dabei wieder das Zünglein an der Waage. Das derzeit gültige Klimaregime (Kioto-Protokoll), das bis Ende 2012 gilt, wäre fast nicht zustande gekommen, da die USA (ebenso wie Australien) nicht mitgemacht haben. Saudi-Arabien wiederum stößt sich als Land mit den größten Erdöl-Reserven daran, dass beim exzessiven Verbrauch von Erdöl, Erdgas und Kohle die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre und damit der Treibhauseffekt zunimmt (siehe Grafik).
"Die Botschaft muss sein, dass die Auswirkungen des Klimawandels bereits jetzt spürbar sind und dass das nur abgemildert werden kann, wenn weitreichende Maßnahmen gesetzt werden", sagt deshalb Radunsky. Unsicherheitsfaktoren über die Projektionen des IPCC, die immer wieder kritisch laut wurden, dürften nicht in den "Synthesis-Report" einfließen, meint Radunsky: "Das hat man diskutiert, dürfte aber wegen der gebotenen Kürze nicht möglich sein." Insbesondere Wasserdampf und Wolkenbildung - beides Faktoren, deren Rolle im Rahmen der prognostizierte Erderwärmung noch kaum erforscht sind - kommen in den IPCC-Reporten kaum vor.
Im Kioto-Vertrag haben sich 36 Industrienationen darauf verpflichtet, den Ausstoß der Treibhausgase bis 2012 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau des Jahres 1990 zu senken. Das weitere Vorgehen ist bisher umstritten. Klimaschützer pochen darauf, dass die größten Klimasünder wie die USA oder aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien ebenfalls feste Quoten zusagen. Entwicklungsländer wehren sich gegen Einschränkungen beim Ausbau ihrer Industrie.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 11. 2007)
Montag, 12. November 2007
Interesse an CO2-Abscheidung
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.11.2007)
Sonntag, 11. November 2007
Politisches Tauziehen in Valencia erwartet
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Regierungsvertreter und Wissenschafter aus 145 Staaten treffen sich in Spanien um letzte Hand an den vierten und vorläufig letzten UN-Bericht zur globalen Erderwärmung zu legen. Es werden darin die wichtigsten Ergebnisse der vorangegangenen Berichte zusammengefasst. Von Februar bis Mai 2007 hat sich das IPCC in drei Einzelberichten geäußert: Teil 1 kam zum Schluss, dass die Klimaerwärmung weitgehend von menschlichen Aktivitäten herrührt. Temperaturerhöhungen zwischen 2,4 und 6,4 Grad bis zum Ende unseres Jahrhunderts werden darin prophezeit. Der zweite Teil beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit den drohenden Folgen der globalen
Erderwärmung wie Wassermangel zum einen und Flutkatastrophen andrerseits sowie dem rapide fortschreitenden Artensterben. Vorgaben wie sich die abzeichnende Erwärmung mit ihren teilweise verheerenden Folgen zumindest noch Bremsen lassen könnte, waren der Inhalt des dritten Berichtes.Parallel zu dem immer noch einige hundert Seiten umfassenden Synthesebericht, soll ein um die 20 bis 30 Seiten starke Kurzfassung verabschiedet werden. Um diese vor allem politisch relevante Kurzfassung werden Experten und Regierungsdelegationen Wort für Wort heftigs ringen, bildet sie doch das Kerndokument für die politischen Entscheidungsträger bei den anstehenden Verhandlungen in Bali im Dezember diesen Jahres bezüglich einer Fortführung des 2012 auslaufenden Kyoto-Prozesses. Voraussichtlich in der Nacht von Freitag auf Samstag (16./17.11.) werden die Ergebnisse der Verhandlungen von Valencia präsentiert werden.
Freitag, 09. November 2007
Telekom Austria lud zum Klimadialog
Handlungsbedarf: "Weltweit müssten wir den Ausstoß von Kohlendioxid halbieren, stattdessen erwarten wir eine Verdoppelung der Emissionen." Als den wesentlichsten Lösungsansatz für den Klimaschutz bewertete von Weizsäcker den effizienten Einsatz von Energie, zu dem auch Informations- und Kommunikationstechnologien beitragen können (siehe auch „Faktor vier. Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch“, von Ernst U. von Weizsäcker, Amory B. Lovins und L. H. Lovins).In einem anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Mag. Rudolf Fischer (Generaldirektor Telekom Austria TA AG), Dr. Hildegard Aichberger (Geschäftsführerin WWF Österreich), Prof. Dr. Claudia Kemfert (Leiterin Abteilung "Energie, Verkehr und Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Inhaberin des Lehrstuhls Umweltökonomie an der Humboldt Universität Berlin, per Videokonferenz zugeschaltet), Sektionschef Dipl.-Ing. Günter Liebel (Leiter der Allgemeinen Umweltpolitik im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) und Dipl. Ing. Dr. Klaus Woltron (Unternehmer, MINAS Gruppe) die Problematik des Klimawandels mit dem Diskussionsschwerpunkt inwieweit moderne Informations- und Telekommunikationstechnologie helfen können Energie zu sparen um so den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermindern.
Zielgerichteter IKT-Einsatz hilft dem Klima
Zentrale Aussagen aus der Diskussion: „Wenn IKT sinnvoll eingesetzt wird, liegt hier ein enormes Klimaschutzpotenzial" (Aichberger), "Der Klimawandel kann die Volkswirtschaften bis zu 20 Prozent des Bruttosozialprodukts kosten. Auch Klimaschutz wird es nicht zum Nulltarif geben, aber dieser ist zum einen kostengünstiger und zum anderen ermöglicht er ebenso Wachstumschancen" (Kemfert), "Der sinnvolle Einsatz von IKT Lösungen wie etwa Teleworking, virtuelle Konferenzsysteme und energieeffizientes Server-Housing wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus. Durch den Ausbau moderner Kommunikationsinfrastruktur in der Stadt und vor allem auch im ländlichen Raum sorgen wir zudem dafür, dass diese umweltfreundlichen IKT-Lösungen österreichweit genützt werden können" (Fischer).
Der WWF hat beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der europäischen Telekomunternehmen ETNO errechnet, dass in Europa CO2-Emissionen in einer Größenordnung von 50 Millionen Tonnen jährlich durch Videokonferenzen, Teleworking und elektronische Rechnungen vermieden werden könnten. Gleichzeitig lassen sich dadurch auch Kosten zum Beispiel für Dienstreisen vermeiden.
Workshops erarbeiten Maßnahmenpakete"Atomkraft ist keine Klimaschutz-Alternative"
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Obwohl die österreichische Abneigung gegen Atomkraft wie in Stein gemeißelt dasteht, hatte Global 2000 am Donnerstag vorsorglich zu einer Konferenz geladen. Thema: "Hat Atomenergie Zukunft?", mit der die Umweltschutzorganisation genau das Gegenteil beweisen wollte.
Denn insbesondere aufgrund des prognostizierten Klimawandels erlebt Atomkraft derzeit eine Image-Renaissance, emittieren die entsprechenden Kraftwerke während ihrer Betriebszeit doch keine erderwärmenden Treibhausgase.
Keine Lösung
Trotzdem seien AKWs keine Lösung, führte Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur aus, die sich als Meteorologin auch mit Atomkraft als Problemlöser gegen den Klimawandel beschäftigt. Abzulehnen sei Atomkraft aus vielerlei, auch rein technischen Gründen: Konstruktion, Planung und Standortsuche neuer Atomkraftwerke verschlingen gut und gerne zehn, fünfzehn Jahre. "Damit aber haben wir ein Zeitproblem", erklärte Kromp-Kolb. Denn die entsprechenden Weichen für eine Treibhausgasreduktion sollten ebenfalls in den nächsten rund zehn Jahren gestellt werden. Bis die neuen AKWs schlussendlich in Betrieb gehen, sei es damit zu spät, jedenfalls aus Klimawandel-Gesichtspunkten, führte Kromp-Kolb aus. Außerdem warnte sie vor "Peak-Uran", also einem Auslaufen des Atomkraft-Grundstoffes Uran, was insbesondere bei den langen Laufzeiten bei AKWs - diese produzieren 30, 40 Jahre - schlagend werde.
Zuwenig von allem
Noch wichtiger als die Uranreserven-Frage sei, dass es überall zuwenig Experten, Institutionen und Investoren gebe, sodass selbst Ersatzbauten für die derzeit in die Jahre kommenden AKWs schwierig werden - zumindest in den westlichen Staaten. "Untersuchungen weisen immer wieder darauf hin, wie fragil die politische Unterstützung für neue Kraftwerke ist, und dass Investoren auch wegen der unsicheren Rahmenbedingungen das Risiko scheuen."
Daraus ergebe sich, dass es schwierig wird, die 16 Prozent Stromerzeugung, die derzeit weltweit aus Atomkraft kommen, zu halten. Dazu bräuchte man 260 große AKWs in den nächsten Jahren. Statt dessen aber werden überall Laufzeit-Verlängerungen angedacht, wodurch wiederum das Risiko von Unfällen steige.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2007)
Ein Fünftel weniger Heizbedarf
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2007)
Donnerstag, 08. November 2007
CO2-Ausstoß wird kräftig zulegen
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Allen verbalen Klimaschutzbemühungen zum Trotz wird weltweit verstärkt auf den Energieträger gesetzt, der besonders stark für das Ansteigen des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) verantwortlich ist: Kohle. Insbesondere China und Indien verfeuern immer mehr davon, so die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten World Energy Outlook 2007.
Bereits heute entfallen 45 Prozent des Weltkohleverbrauchs auf diese beiden Länder, so der Bericht. Prognostiziert wird, dass die beiden Schwellenländer für bis zu vier Fünftel des weltweiten Verbrauchsanstieges bis 2030 verantwortlich sein werden. In den OECD-Ländern nimmt der Kohleverbrauch nur mehr langsam zu und geht dort vor allem auf das Konto der USA.
Wirtschaftliche Gründe
Die verstärkte Hinwendung zu Kohle in China und Indien hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Die Öl- und Gaspreise steigen; ihre langfristig einfache Verfügbarkeit wird immer mehr in Frage gestellt. Nicht so bei Kohle. Während Erdöl und Erdgas in etwa 70 Jahren mit den heutigen Technologien ausgebeutet sein könnten, dürften die weltweiten Kohlereserven noch rund 120 Jahre vorhalten. Außerdem ist ein Kohlekraftwerk "grundlastfähig", das heißt, die Energieform eignet sich für die notwendige Auslastung der Stromnetze.
Insbesondere China verfügt über ausreichende Kohlevorkommen, was das Land weniger abhängig von russischem Gas oder von Erdöl macht - das Land hat in jüngster Zeit mit afrikanischen Staaten langfristige Öllieferverträge abgeschlossen. Geschätzt wird, dass in China jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht.
Netzausbau
In Indien werden laut IEA-Bericht die Importe an Kohle, insbesondere für die Stahlindustrie, bis 2030 um das fast Siebenfache anwachsen. Außerdem werde die Energieinfrastruktur für Privathaushalte ausgebaut, sodass sich der Anteil der Bevölkerung mit Stromanschluss von 62 auf 96 Prozent erhöhen dürfte.
Angesichts dieser Entwicklung fordert die Pariser Energiebehörde, dass verstärkt in Technologiebereichen investiert und geforscht wird, die C02-Emissionen bei Kohlekraftwerken eindämmen. Als besonders zielführende Wege führt die Agentur effizientere Kraftwerke an, etwa, indem auch die Abwärme beim Kohleverfeuern genutzt wird. Andererseits müssten "Clean Coal Technologies" (CCT) forciert werden. Dabei wird das beim Verbrennen der Kohle anfallende CO2 abgeschieden, verflüssigt und dann etwa in aufgelassenen Bergwerken gespeichert. In den USA und in Deutschland wird derzeit an solchen CCT-Pilotprojekten gearbeitet.
In Österreich interessiert sich der Industrielle Mirko Kovats für das stillgelegte kalorische Kraftwerk Voitsberg. Mit Investitionen von 100 Mio. Euro will er es zu einem Kohle- und Biomassewerk umbauen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2007)
Fossile heizen Treibhausgas ein
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Keine Trendumkehr ortet die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jüngsten World Energy Outlook 2007: Der steigende Energiehunger wird bis 2030 weiterhin vornehmlich von den fossilen Brennstoffen Erdöl, Gas und Kohle gedeckt; kommt es zu keiner Änderung bei der derzeitigen Energiepolitik, wird der weltweite Energieverbrauch um 50 Prozent höher sein als heute.
Dieser ungebremste Energiehunger habe "alarmierende" Konsequenzen, so der Bericht. Die Abhängigkeit der Verbraucherländer von Öl- und Gasimporten, größtenteils aus dem Nahen Osten und Russland, nimmt zu. Die CO2-Emissionen, die beim Verfeuern fossiler Energien freigesetzt werden, verschärfen den Treibhauseffekt und damit den Klimawandel, so der Bericht, der mit einem CO2-Anstieg von 57 Prozent rechnet.
"Resolute Maßnahmen" gefordert
"Resolute, sofortige und konzertierte Maßnahmen sämtlicher Regierungen sind unerlässlich", sagt die IEA. Insbesondere die Erhöhung der Energieeffizienz wäre auf Sicht die billigste und effektivste Maßnahme zur Kohlendioxidreduktion. Einhergehen müsste dies mit einem "technologischen Wandel beispiellosen Ausmaßes". Wichtig sei, einen Übergang zu einem sicheren, weniger CO2-intensiven Energiesystem einzuleiten, ohne die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu gefährden.
Trotz dieser Mahnungen sehen die Projektionen der IEA bis 2030 keine Weichenstellungen in Richtung nachhaltiger Energiesysteme: Einhergehend mit dem steigenden Energieverbrauch von derzeit 11,4 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten auf dann 17,7 Mrd. Tonnen im Jahr ändert sich wenig am Energiemix: Öl, vor allem aus den Opec-Ländern, bleibt bestimmender Faktor. Laut Bericht wird der Verbrauch bis 2030 auf 116 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag anwachsen, um 37 Prozent mehr als 2006. Die weltweiten Ölreserven werden als ausreichend angesehen.
Vorlage für Klimarat
Der IEA-Bericht wird als Unterstützung für den UN-Klimarat IPCC gewertet. Der Rat trifft sich nächste Woche in Spanien, um aus den in den letzten Monaten veröffentlichten IPCC-Berichten eine Zusammenfassung ("Synthesis Report") zu erstellen.
Dieser Kurzbericht soll als Grundlage für die Regierungsverhandlungen in Bali im Dezember dienen. Bei diesem Klimagipfel soll an einem völkerrechtlich bindenden Nachfolgevertrag zum derzeit gültigen Kioto-Protokoll gearbeitet werden.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2007)
Unsaubere Kohle
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Angesichts des wachsenden Energiehungers in dieser Welt ist es nur logisch, dass immer mehr Kohle ins Spiel kommt. Diese ist sicher noch mehr als hundert Jahre ausreichend verfügbar, sie kann zur Wärmeerzeugung ebenso dienen wie als Stromquelle, ja, sogar flüssiger Treibstoff ist aus Kohle herstellbar. Außerdem: Die Lagerstätten sind im Gegensatz zu Erdöl und Gas rund um den Erdball verteilt. Kohle ist deshalb ein wichtiges Instrument zur Abschwächung von gefährlich hohen Energieabhängigkeiten bei Öl und Gas.
Den vielen Vorteilen von Kohle stehen aber gravierende Nachteile gegenüber: Der Energieträger ist eine wahre Treibhausgas-Schleuder und setzt bei Verbrennung viel mehr CO2 frei als die fossilen Konkurrenten Öl und Gas.
Kohle bleibt wichtig
Deshalb konterkariert die an und für sich sinnvolle verstärkte Nutzung von Kohle jegliche Bemühungen, die von Treibhausgasen ausgelöste Klimaerwärmung einzubremsen. Es wäre aber naiv zu glauben, dass Länder mit Kohle-Vorkommen wegen des Klimawandels auf die Ausbeutung dieses Bodenschatzes verzichten werden.
Die Technologien - Stichwort CO2-Abscheidung und Bunkerung im Erdreich -, die derzeit in den Kinderschuhen stecken, und die aus Kohle einen sauberen, halbwegs emissionsarmen Energieträger machen, müssen deshalb forciert werden - auch wenn sie noch lange nicht marktreif sind, einen Haufen Kohle verschlingen werden, und den Energieoutput der entsprechenden Kohlekraftwerke drastisch verringern, weil die Technik selbst viel Energie benötigt.
Das CO2-arme Kohlekraftwerk sollte ein Standard werden: Bei Neubauten ebenso wie bei den zur Erneuerung anstehenden Kraftwerkparks in der USA und Europa.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2007)
Dienstag, 06. November 2007
Flusspferde in der Themse
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Dr.John R. Christy hat sich sehr gefreut über seinen kleinen Teil am Friedensnobelpreis, das gibt der Klimaforscher gern zu. Als einer der Wissenschaftler des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), das immerhin die Hälfte des diesjährigen Preises bekam, sieht sich Christy, Professor and Director Earth System Science Center, NSSTC University of Alabama, zwar nicht auf Augenhöhe mit Al Gore, dem Gewinner der anderen Hälfte. "Schon", wie er im Wallstreet Journal" schreibt, "weil dessen C02-Fußabdruck groß genug ist, meine ganze Nachbarschaft plattzumachen".
Aber John R. Christy hat noch andere Gründe, ein bisschen sauer zu sein über das Nobelpreis-Komitee. Bei Hälften des Preises ehrten Leute, die die Nachricht verbreitet haben, dass die Erdtemperatur steigt und der Mensch daran schuld ist", sagt Christy. Und das, obwohl seiner Ansicht nach keine Katastrophe in Sicht sei und für die Urheberschaft des Menschen am Klimawandel nach wie vor keine schlüssigen Beweise vorlägen. "Ich sehe keine smoking gun, die menschliche Aktivitäten verantwortlich machen kann für die den größten Teil der Erwärmung."
Klimamodelle seien das eine, die Wirklichkeit aber etwas ganz anderes. Sich das einzugestehen, sei mehr als plumper Global-Warming-Skeptizismus. "Ein richtiger Wissenschaftler", glaubt Christy, "schaut auf seine Daten, vergleicht sie mit seinen Hypothesen und evrsucht, sein Verständnis der Dinge zu verbessern." Jeder wahre Wissenahcftler, der das tue, sehe beim Blick auf die Erde im Moment ein so komplexes Bild, dass es seine Vorstellungskraft übersteige. Den Klimawandel mit menschlichen Aktivitäten erklären zuwollen, hält der Forscher denn auch für fragwürdig. "Alles, was wir an Klimaveränderungen sehen, hat es früher schon gegeben." Der Meeresspiegel sei gefallen und gestiegen, das arktische Eis habe sich zurückgezogen. "In einem Jahrtausend schwammen Flußpferde in der Themse geschwommen und eine geologische sekunde später verband eine Eisbrücke Amerika und Asien.
"Dennoch herrsche ein Konsens darüber, dass all das nicht wahr sein könne. Neulich erst habe CNN einen großen Bericht gebracht, der sich mit dem Klimawandel beschäftigte. "Dort ging es die ganze Zeit um den Rückgang des aktischen Eises", sagt Christy, "aber nicht erwähnt wurde, dass das antartische Eis gerade im letzten Monat ein Rekordmaximum erreicht hat.
"Ein Fakt, der nicht in die Welt von Al Gore und Michael Moore passt, meint Christy, der noch mehr dergleichen Tatsachen hat: Würde man zur Senkung der Co2-Emissionen nur zehn Prozent der Weltenergie-Erzeugung CO2-neutral erzeugen wollen, rechnet Christy vor, müssten bis 2020 rund 1000 neue Atomkraftwerke gebaut werden. Der Effekt auf das Klima aber wäre kläglich: 0,2 Grad Fahrenheit.
Seine Zeit als Lehrer in Afrika habe ihn einen einfachen Zusammenhang erkennen gelehrt: Ohne den Zugang zu Energie ist Leben brutal und kurz. Der Einfluß eines eventuell erwärmten Klimas auf das Leben in der Zukunft müsse deshalb immer abgewogen werden gegen Katastrophen, die heute passieren. Bjorn Lomborgs Copenhagen Consensus 2004, der eine Abwägung dazu getroffen habe, wo Investitionen ansetzen müssten, um das Leben auf der Erde am wirksamsten zu verbessern, weise den richtigen weg. "Der Kampf gegen Aids and für sauberes Wasser bringt 50 bis 200 Mal mehr als der gegen die globale Erwärmung."
Mit Bonds gegen das Klima spekulieren
Solche "innovativen Finanzinstrumente" werde es künftig häufiger geben, erklärt Rémi Vrignaud, Allianz-Rückversicherungschef. Der jüngste "Risk Report" der Allianz zu "Klimawandel und Versicherung" habe nämlich ergeben, dass die Zahl der Naturkatastrophen ebenso zunimmt wie die Schäden daraus. "Damit ist es fraglich, ob die traditionelle Rückversicherung ausreicht", erklärt Novak die verstärkte Hinwendung der Versicherungsinstitute zum Kapitalmarkt.
Bei den Katastrophenanleihen, kurz Kat-Bonds, zeichnen institutionelle Investoren Anleihen in hoher Stückelung (10 Mio. Euro aufwärts). Tritt der Schaden ein, läuft die Anleihe aus. Tritt das Ereignis nicht ein, bekommt der Investor den Nominalwert der Anleihe zurück, plus eine saftige Risikoprämie. Die hohe Nachfrage nach dem Instrument erklären die Allianz-Experten damit, dass es bei den versicherten Katastrophenszenarien eine nur geringe Eintrittswahrscheinlichkeit gebe.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2007)
Montag, 05. November 2007
Klimafeindliche Landwirtschaft
Die Landwirtschaft ist für 32 Prozent des weltweiten Klimaeffekts verantwortlich; mehr als Verkehr und Industrie zusammen. 14 Prozent davon werden durch Landwirtschaft im engeren Sinn – Ackerbau, Grünland-wirtschaft und Viehwirtschaft – verursacht. 18 Prozent entstehen durch die Brandrodung zur Gewinnung agrarisch nutzbarer Flächen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Agrarexperten Harald von Witzke, Professor an der Berliner Humboldt Universität, die die Umweltstiftung WWF am Montag veröffentlichte.Die Abgase, die beispielsweise eine Milchkuh von sich gibt, sind in etwa so klimaschädlich wie die eines Kleinwagens, der 18.000 km pro Jahr fährt. Neben den Rindern, die bei ihrer Verdauung diese enormen Mengen an Klimagasen produzieren, ist der nächste Klimakiller in der Landwirtschaft der Strickstoffdünger. Beim Einsatz von Kunstdünger entsteht Lachgas und Lachgas hat einen um mehr als 300 mal stärkeren negativen Klimaeffekt als CO2. So steigt aus einem Hektar gedüngter landwirtschaftlicher Nutzfläche laut Witzke pro Jahr der Gegenwert von 1,3 Tonnen Kohlendioxid in die Luft - in etwa so viel wie aus einem Auto mit 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer bei 10.000 Kilometern im Jahr.
Witzke schlägt daher für die Landwirtschaft eine „Emissionssteuer“ vor oder die Einbeziehung der Agrarwirtschaft in den Emissionshandel. Australien und Neuseeland beispielsweise wollen den Emissionshandel ab 2013 auch in der Landwirtschaft einsetzen. Beide Maßnahmen würden Produktionsweisen, die sehr viel Treibhausgase verursachen, teurer machen und so Anreize schaffen auf umweltverträglichere Methoden umzustellen.
Telekom Austria startet Klimadialog
Als eines der größten österreichischen Unternehmen startet Telekom Austria einen Klimadialog. In vier Workshops am Nachmittag sowie einer Expertendiskussion am Abend sollen Maßnahmen diskutiert und erarbeitet werden, die IKT-Unternehmen zum aktiven Klimaschutz setzen können.
Weitere Informationen und Anmeldung unter www.telekom.at/klimadialog
Das Programm:
Die Workshops
Datum: Donnerstag, 8. November 2007, Get Together und Mittagsbuffet 12:30 Uhr, Beginn der Workshops 13.00 Uhr
Ort: Telekom Austria TA AG, Lassallestraße 9, 1020 Wien
WS 1: Energieeffizienz: Die Zukunft des ökonomischen (öko)logischen Handelns
Moderation: Dr. Roland Kuras, power solutions und Mag. Brigitte Schüßler, Leiterin Strategischer Einkauf und Umweltmanagement Telekom Austria TA AG
WS 2:Umwelttechnologie - made in Austria
Moderation: Dr. Thomas Gutwinski, Consulting Unternehmer im Umweltmanagementbereich und Dr. Elfriede Neuhold, Umweltmanagement Telekom Austria TA AG
WS 3:One Planet Business - Marktchancen durch Reduktion des „Corporate Footprint”
Moderation: Dipl. nat. ETH Markus Niedermair, Klima- und Energieexperte des WWF und Mag. Sigrid Bachinger MBA, Pressesprecherin Telekom Austria TA AG
WS 4: Was ist der Beitrag von Informations- und Kommunikationstechnologie zum Klimaschutz?
Moderation: Dr. Herbert Greisberger, Generalsekretär ÖGUT und Mag. Alois Schrems, Leiter Public Affairs Telekom Austria TA AG
Expertendiskussion
Datum: Donnerstag, 8. November 2007, 18.00 Uhr
Ort: Telekom Austria TA AG, Lassallestraße 9, 1020 Wien
18.00 Uhr Begrüßung
18.10 Uhr Zusammenfassung der Workshop-Resultate
18.25 Uhr Keynote-Speech Prof. Dr. h. c. Ernst Ulrich von Weizsäcker – per Videokonferenz
18.50 Uhr Podiumsdiskussion, Teilnehmer: Ing. Mag. Rudolf Fischer, Generaldirektor Telekom Austria TA AG, Dipl. Ing. Josef Pröll, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Dipl. Ing. Dr. Klaus Woltron, Unternehmer, MINAS Gruppe, Dr. Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin WWF Österreich, Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt” am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung – per Videokonferenz
Moderation: Mag. Claudia Reiterer, ORF
19.30 Uhr Zusammenfassung & Ausblick
19.45 Uhr Buffet
Sonntag, 04. November 2007
„Algenreaktor“ zur CO2-Reduktion
Das Prinzip ist einfach. Die CO2-haltigen Abgase werden durch ein Gemisch aus Algen und Meerwasser geleitet. Die Algen entziehen den Abgasen das CO2 und wachsen dabei und bilden somit Biomasse, die wiederum zu Bioethanol weiterverarbeitet werden kann. "Algenreaktor“ nennt Professor Laurenz Thomsen von der Jakobs Universität sein simples, aber effektives Verfahren zur CO2 Reduzierung. Die Algen vermehren sich umso reger je stärker die Sonne scheint und das CO2 strömt.
Die Technologie ist für den industriellen Einsatz noch nicht ausgereift genug, die Energiekosten sind derzeit noch zu hoch. In wenigen Jahren aber sollte es laut Thomson soweit sein, dass sich so ein „Algenreaktor“ wirtschaftlich rechnet. "In zehn Jahren, an der Mittelmeerküste, könnte es Flächen von 20 bis 30 Quadratkilometern geben, die in großem Maßstab CO2 reduzieren", stellt sich Thomsen die Zukunft der Algen-Bioreaktoren vor. Ein Quadratkilometer Algenkulturen kann den CO2-Ausstoß eines Kraftwerks um 20 000 bis 30 000 Tonnen jährlich verringern. Mit dieser Menge CO2 wachsen
10 000 bis 15 000 Tonnen Algenbiomasse, aus denen man an die 5000 Tonnen hochwertigen gewinnen kann.Thomson möchte aber nicht nur Biotreibstoff aus den Algen gewinnen, sondern einen Teil der produzierten Biomasse zur Herstellung von Baustoff verwenden. Damit würde CO2 der Atmosphäre langfristig entzogen.
Quellen: Jacobs Universität, Lausitzer Rundschau, Radio Bremen





