Montag, 31. Dezember 2007

Über Dicke und Männer und weitere Merkwürdigkeiten rund um den Klimawandel

Den beiden Hamburger Ökonomen Axel Michaelowa und Björn Dransfeld verdanken wir die Erkenntnis, dass Fettleibigkeit zu einem erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid und damit zum Treibhausgaseffekt beiträgt, weil um dicke Menschen transportieren zu können, mehr Energie aufgewendet werden muss. Sie essen mehr und so muss für sie also auch mehr Nahrung produziert werden und mehr organischer Müll weggeworfen werden. Summa summarum, wären die Menschen im Schnitt fünf Kilogramm leichter, könne allein der CO2-Ausstoß im Straßenverkehr in den OECD-Ländern um zehn Millionen Tonnen im Jahr reduziert werden.

Aber vielleicht stimmt auch das Gegenteil. In einem Beitrag auf den Webseiten von „Political Incorrect“ wird folgendermaßen argumentiert: „Dicke sind schon rein physikalisch weniger kälteempfindlich, weil - analog zum “Newtonschen Abkühlungsgesetz” - ein kugelförmiger Körper dazu tendiert, weniger Wärme abzugeben, als ein länglich-gestreckter. Wenn Dicke weniger heizen müssen, verbessern sie ihre negative Klimabilanz nachhaltig. Es wird darum Zeit für eine Studie, die rasch frierende Dünne als Klimakiller überführt.“

Wirklich schlimm wird es aber es erst, wenn es sich um einen übergewichtigen Mann handelt.
Für die Bremer Professorin Ines Weller ist nämlich der Fall klar: Männer sind schuld am Klimawandel. Sie essen mehr Fleisch, fahren protzige Autos und wollen ihr klimaschädigendes Verhalten nicht ändern. Auch die Tatsache, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, festigt den negativen Beitrag der Männer. Denn wer mehr verdient verbraucht mehr Ressourcen und verursacht daher mehr klimaschädigende Emissionen.
Auf UN-Ebene wird diesem Aspekt bereits Rechnung getragen. Erstmals in der Geschichte der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC hat ein internationales Frauennetzwerk eine Geschlechterperspektive für die wesentlichen Verhandlungsthemen der UN-Klimakonferenz formuliert: "gendercc", der weltweite Zusammenschluss von Frauen für Klimagerechtigkeit, hat auf der Klimakonferenz in Bali seine Positionspapiere vorgestellt. Die Aktivistinnen fordern, dass zukünftige Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen einer geschlechtergerechten Politik entwickelt werden.

Dennoch, ist man erst einmal mit so einem Klimakiller von Mann verheiratet, dann sollte man es sich zweimal überlegen sich von ihm zu trennen, allein eben schon dem Klima zuliebe. US-Forscher - Jianguo Liu und Eunice Yu von der Michigan State University - haben nämlich herausgefunden, dass sich scheiden zu lassen schlecht für die Umwelt ist. Durch die Trennung entstehen aus einem zwei Haushalte in denen mehr Energie und Wasser verbraucht wird, als in der gemeinsamen Wohnung. Und weil es sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit handelt, wurden die Auswirkungen der steigender Scheidungsraten auf die Umwelt auch in Zahlen gegossen: Allein in den USA wären im Jahr 2005 73 Milliarden Kilowattstunden Strom weniger verbraucht worden, hätte es keine geschiedenen Ehepaare gegeben.

Aber was wissen wir schon wirklich über die Ursachen für das sich ändernde Klima? Vielleicht sind es doch die Kühe und Schafe oder die Verdauung generell, die über die Äonen hinweg das Wetter auf unserem Planeten steuert. Der republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher hat im Februar im US-Kongress zum Thema „erhöhte CO2-Konzentrationen in vergangenen Perioden der Erdgeschichte“ nämlich folgende Vermutung in den Raum gestellt: "Wir wissen nicht, was diese anderen Zyklen in der Vergangenheit verursacht hat", dozierte der Republikaner. "Das könnten Dinosaurier-Flatulenzen gewesen sein, wer weiß."

Samstag, 29. Dezember 2007

Nahrungsmittelpreise explodieren

Die steigen Preise für Nahrungsmittel stellen laut der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) eine existentielle Gefahr für Millionen von Menschen dar. Vor allem für die ärmsten Länder sei es kaum mehr möglich die notwendigen Lebensmittelimporte zu finanzieren. Bedroht sind vor allem afrikanische Staaten, aber auch asiatische wie Nordkorea, Bangladesh, Afghanistan oder Nepal.

Von 2006 auf 2007 sind die Weltmarktspreise um 25 Prozent gestiegen. Für die Erhöhung sind laut Experten mehrere Faktoren ausschlaggebend:

  1. China hat einen stark steigenden Bedarf an Nahrungsmittel. Vor allem der Fleischkonsum hat sich in China seit 1985 von 20 auf 50 Kilogramm mehr als verdoppelt.
  2. Die Landwirtschaftliche Produktion ist stark erdölabhängig. Der hohen Erdölpreis verteuert also auch die Produktion und Verteilung der agrarischen Produkte.
  3. Der hohe Erdölpreis verstärkt die Nachfrage nach alternativen Treibstoffen. Die Folge ist, dass immer mehr Getreide nicht für die Herstellung von Lebensmittel verwendet wird, sonder zur Erzeugung des Biokraftstoffs Ethanol.

Die USA beispielsweise wandelten 2006 rund 14 Millionen Tonnen Getreide in Treibstoff um, die so nicht mehr dem Weltmarkt als Lebensmittelbasis zur Verfügung stehen. Ein Drittel der Maisernte in den Vereinigten Staaten wird für die Produktion von Ethanol verwendet.

Zum Vergleich: Das Getreide, das man zum Füllen eines 80-Liter Tanks benötigt, kann einen Menschen ein Jahr lang ernähren (Lester Brown, Earth Policy Institute).

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Aus CO2 wird Kunststoff

Die US-Firma Novomer möchte einen neuen Kunststoff auf den Markt bringen, der zu einem großen Teil aus CO2 bestehen soll. Das prinzipielle Verfahren ist schon seit 1969 bekannt, doch scheiterte es bislang daran, dass für den Herstellungsprozess teure Katalysatoren sowie großer Druck und hohe Temperaturen notwendig waren. Das amerikanische Unternehmen setzt nun auf einen neuartigen, von Geoffrey Coates, Chemiker an der Cornell University, entwickelten Zinkkatalysator, durch den die bisherigen hohen Temperaturen und Drücke überflüssig werden und somit durch den geringeren Energieeinsatz das Verfahren billiger macht. Je nach Bedarf soll es möglich sein harte oder weiche sowie transparente oder opaque Kunststoffe herzustellen.
Erst vor Kurzem hat das Unternehmen 6,6 Millionen Dollar neues Risikokapital erhalten. Derzeit wird eine Pilotanlage mit dem neuen Verfahren betrieben. Konkrete Angaben über die Kosten lässt sich Firmenchef Charles Hamilton noch nicht entlocken. Er meint aber, dass diese neuen Kunststoffe nicht wesentlicher teurer sein werden als herkömmliche, auf Erdölbasis produzierte.

Links: Novomer, Cornell University, Geoff Coates - The Coates Research Group, Technology Review

Dienstag, 25. Dezember 2007

Deutsche Autoindustrie gerät zu Recht in die Kritik

Beim Thema Auto hört sich in Deutschland der Spaß auf. Selten einig präsentieren sich Deutschlands politische Spitzen, Vertreter der Interessensverbände und die Automobilindustrie sowieso gegen die Pläne der EU den CO2-Ausstoß von Neuwagen auf 120 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Beim Weltklimagipfel in Bali haben deutsche Politiker noch das hohe Lied des Klimaschutzes gesungen. Jetzt wenige Tage später steigen sie für eine deutsche Automobilindustrie auf die Barrikaden, die seit Jahren alle Bemühungen zur CO2-Verringerung torpediert. Peter Ramsauer von der CSU übt sich gar in kriegerischer Rhetorik:„Brüssel plant einen knallharten Angriff auf die deutsche Wirtschaft“. Und auch Bundeskanzlerin Merkel vergisst, wenn es um die „eigene“ Automobilindustrie geht, ihre Klimaambitionen:„Wir nicht zufrieden. Der eingeschlagene Weg der Kommission ist nicht sinnvoll“.
Dabei ist es eigentlich, trotz aller rhetorischen Nebelgranaten der Automobil-Lobbyisten, völlig klar: Autos mit geringem Spritverbrauch sind gut, Autos mit hohem Spritverbrauch sind aus Klimaschutzsicht böse.
Die aktuelle Lage haben sich die deutschen Hersteller selbst eingebrockt. Die deutsche Autoindustrie verweigert seit Jahren ihre Modellpalette anzupassen. Das logische Ergebnis wurde vor kurzer Zeit in einer Studie des europäischen Umweltverbandes Transport and Environment (T&E) präsentiert. Während im Vergleich 2006-2005 französische und italienische Produzenten die CO2-Emissionen durchschnittlich um 1,6 Prozent, japanische sogar um 2,8 Prozent gesenkt haben, stiegen diese bei den deutschen Neuwagen im Vergleich zu 2005 im 0,6 Prozent.Anstatt lautstark gegen Brüssel mobil zu machen, sollte die deutsche Autoindustrie ihre - laut Eigenaussagen - Überlegenheit in der KFZ-Technik dazu benutzen leichtere und umweltfreundlichere Autos zu vernünftigen Preisen auf den Markt zu bringen.

Die Pläne im Detail
Die EU hat beschlossen, dass Neuwagen im Durchschnitt nur noch 120 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren dürfen. Der Durchschnitt in der EU liegt derzeit bei ca. 160 Gramm. Der Grenzwert wird nicht für jedes einzelne Auto angewendet, sondern muss nur im Durchschnitt von der gesamten Fahrzeugflotte eines Herstellers erreicht werden. Da größere Wagen mehr CO2 abgeben, müssen ihre Emissionen vergleichsweise stärker reduziert werden als bei kleinen Autos. Der Wert soll für alle in der EU zugelassenen Neufahrzeuge gelten, also auch für importierte.
Die EU-Kommission plant gestaffelte Strafen ab 2012 für Hersteller, die den Grenzwert überschreiten. Die Strafe beginnt mit 20 Euro je Gramm CO2 über dem Grenzwert und steigt bis auf 95 Euro im Jahr 2015. Experten rechnen damit, dass damit Milliardenkosten auf die Hersteller zukommen, wenn sie die EU-Vorgaben verfehlen.
Die Vorgaben der EU

Sonntag, 23. Dezember 2007

Still erleuchtet jedes Haus

Im Advent und um Weihnachten herum veranstalten viele ihre privaten Lichtfestspiele. Beleuchtete Tannenbäume, blinkende Sterne und meterlange Lichtschläuche zieren Häuser und Gärten. Dabei entpuppt sich manches Weihnachtslicht als wahrer Stromfresser. Beispielsweise verbraucht ein 23 Meter langer Lichtschlauch mit Glühlämpchen in fünf Wochen Strom im Gegenwert von bis zu neun Euro. Zum Vergleich: Ein sparsamer Kühlschrank mit Vier-Sterne-Gefrierfach verbraucht im ganzen Jahr Energie für ca. 24 Euro.
Das Heidelberger Institut schätzt, dass durch private Weihnachtsbeleuchtung in Deutschland an die 409 Millionen Kilowattstunden (kWh) verbraucht werden. Über 140.000 Haushalte könnten damit für ein Jahr ihren Strombedarf decken.
Die Tradition der Weihnachtsbeleuchtung kommt aus den skandinavischen Ländern; inzwischen hat sich dieser „Brauch“ in ganz Europa und den USA ausgebreitet. Ein „herausragendes“ Beispiel ist in Pöcking am Starnberger See zu finden. Hier haben Nikolas Heinecke und Christian Zingraff heuer beispielsweise insgesamt 37.000 Lämpchen an ihren Häusern angebracht.


Quelle: stromtip.de

Klimawandel und Weihnachtsmann

Copyright: Roger Schmidt, http://www.karikatur-cartoon.de/

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Der wahre Klimakiller: Hirngas

Wer sich über den Klimawandel den Kopf zerbricht, der macht alles nur noch schlimmer. Herausgefunden hat das Neurobiologe Gerald Wolf von der Universität Magdeburg. In seiner alljährlichen vor den Weihnachtsferien stattfindenden letzten Vorlesungsstunde (Vorlesung „Biologie für Mediziner“) ist regelmäßig der Hörsaal zum Brechen voll. Denn jedes Jahr um diese Zeit berichtet Wolf hier von „bahnbrechenden Forschungserkenntnissen“.
Diesmal dozierte er über die Entdeckung des sogenannten „Mind Gas“ also „Hirngas“. Das Gehirn nämlich neigt, laut den Ergebnissen von Wolf, bei zu reger Gehirntätigkeit zu Flatulenz (Blähsucht). Logische Schlussfolgerung: bei annähernd 6,6 Milliarden Milliarden Menschen Weltbevölkerung ist nicht Kohlendioxid oder Methan am Klimawandel schuld, sondern das „Hirngas“ und damit das menschliche Denken.

Als Beweis führte Wolf seinen selbstgebauten „Hirngaszähler“ der Öffentlichkeit vor und siehe da, beim Lösen anspruchsvoller Aufgaben, wie dem Zusammensetzen russischer Matrjoschka-Puppen, schlug bei den Testpersonen das Messgerät wie wild aus. Aber keine Angst, Wolf hat auch schon ein Gegenmittel bereit nämlich den „Brain-Flat-Stopper“. Nach Genuss dieses Mittels vergeht einem jegliche Lust am Denken.

Seit 1978 bereits verabschiedet Wolf seine Studenten mit einer satirischen Vorlesung in die Weihnachtsferien.

Quelle: http://www.volksstimme.de/

Dienstag, 18. Dezember 2007

Klima bedroht Freiheit

Das Buch von Václav Klaus "Blauer Planet in grünen Fesseln" ist als ein Standardwerk in der gegenwärtigen Umwelt­diskussion anzusehen
Als tschechischer Staatspräsident ist Václav Klaus der vielleicht am meisten gehörte "Klimawandel-skeptiker". Seine Zweifel hat er in einem Buch zusammengefasst, das nun auch in Österreich erhältlich ist.
Wie zu erwarten, ist das Buch stimmig in der Klaus’schen Denkart: Er bezeichnet den Klimawandel als einen Schwindel, der sich auch durch Messergebnisse nicht erhärten ließe. Der Statistiker Klaus greift dabei auf seine Erfahrungen in der kommunistischer Planwirtschaft zurück, bei der Statistiken und Prognosen nach Belieben verfälscht wurden. Eine andere Stoßrichtung seiner Zweifel gehen in Richtung "Anpassungsnotwendigkeiten". Da der Zeitraum, in dem Klima-Folgen schlagend werden, oft erst in mehreren Jahrzehnten zu erwarten ist, plädiert er für weniger Aktionismus und mehr Glauben an den technischen Erfindungsreichtum des Menschen. Apokalyptische Meldungen über schmelzende Pole und überschwemmte Küstengebiete hält er, per se, für falsch am Platz.
Am stärksten ist der Politiker Klaus dort, wo er sich auskennt: Die, wie er meint abzeichnende Klimadiktatur hält er für die größte Bedrohung der freien, reichen Gesellschaften. – Sein Skeptizismus ist vielleicht nicht immer wissenschaftlich fundiert, aber die Botschaft ist klar: Zweifel sind immer angebracht, auch und besonders beim Klima.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2007)

Václav Klaus: Blauer Planet in grünen Fesseln. Was ist bedroht: Klima oder Freiheit? Carl Gerold's Sohn Verlagsbuchhandlung, Wien, € 25,–

Freitag, 14. Dezember 2007

"UN-Klimarat ist nur eine laute Minderheit"

Der tschechische Staatspräsident Václav Klaus kritisiert die Verhandlungen auf Bali, warnt vor "Klima-Hysterie" und sieht im Gespräch mit Johanna Ruzicka eine Renaissance der Atomkraft.
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STANDARD: Was sagen Sie zu den Verhandlungen auf Bali?
Klaus: Für mich ist das nur eine Show und keine seriöse Sache. Die Leute dort können etwas sagen, aber das hat keine Wirkung. Wie soll etwa die Abstimmung vor sich gehen? Der Amerikaner repräsentiert 300 Millionen Bürger und der Chinese 1,3 Milliarden. Die stehen dann Umweltaktivisten gegenüber. Diese Konferenz hat keine Struktur und kein Mandat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas herauskommt.
STANDARD: Was ist eigentlich der Kern Ihrer Klimawandelkritik?
Klaus: Der Klimawandel ist eine permanente Sache. Das, was wir erleben, gehört zu den normalen Zyklen und Entwicklungen. Der Einfluss des Menschen darauf (durch Treibhausgase, die beim Verbrennen von fossilen Treibstoffen auftreten, Anm.) bewegt sich im Bereich mehrerer Stellen hinter dem Komma.
STANDARD: Wie kommt es dann zu den IPCC-Berichten, an denen so viele Wissenschafter mitarbeiten?
Klaus: Ich habe das nicht persönlich studiert und ich kenne die Lebensläufe der gut 2500 Wissenschafter nicht. Aber ich glaube den Leuten, die sagen, dass nur 80 davon Klimatologen sind, die anderen kommen aus anderen Wissenschaftsbereichen. Ich bin ganz sicher: Der IPCC ist nur eine laute, aktivistische Minderheit von Wissenschaftern.
STANDARD: Und welche Gefahren sehen Sie darin?
Klaus: Mit meinem Lebens- und Erfahrungsschatz, mit meinen wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Volkswirtschaftslehre, kann ich nur sagen, dass die ganze Debatte die Gesellschaft bedroht. Die Grundfrage ist doch immer, ob es mehr oder weniger Organisation gibt. Ambitionen, Gesellschaften von oben zu lenken, hat es immer gegeben, mit verschiedenen Argumenten: Marxismus, Kommunismus. Jetzt sehe ich in der Klimadiskussion eine neue Attacke auf die Freiheit. Das ist wirklich gefährlich.
STANDARD: Also sympathisieren Sie mit der Haltung der USA, die sich gegen konkrete Zielvorschreibungen bei einem Klima-Vertrag aussprechen?
Klaus: Dirigismus ist immer gefährlich. Und, ja, ich stehe der Position der USA näher als der der EU.
STANDARD: Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Rolle der Atomkraft ein? Diese wird als erneuerbare, klimaschonende Energieform bezeichnet.
Klaus: Ich bin mir sicher: Atomkraft wird eine tragende Rolle spielen - nicht nur in Tschechien. Ich bemerke bereits einen atmosphärischen Wandel rund um diese Sache. Auch in Deutschland. Da steht ein grundsätzlicher Einstellungswechsel bevor. Und zu Österreich: Die Volksabstimmung hat Atomenergie in Österreich eliminiert. Aber die Österreicher haben vergessen, dass die Ablehnung nur knapp erreicht wurde.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.12.2007)

"Patentfonds kann schnell was bewirken"

Der forcierte Straßenausbau verhindert das Zurückfahren der heimischen Emissionen, kritisiert Klimaschutzbeauftragter Andreas Wabl im Gespräch mit Johanna Ruzicka.
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STANDARD: Macht Österreich im Bereich Klimaschutz überhaupt irgendetwas richtig? Die Emissionen steigen ja.
Wabl: Österreich hat im Zusammenhang mit den Klimaschutzmaßnahmen extrem viel auf den Weg gebracht, auch viel Finanzierung - und dabei richtig finanziert. Meine Kritik ist aber: Wir fördern das Richtige und tun auch unverdrossen das Falsche.
STANDARD: Beispiel?
Wabl: Der Verkehr. Da wird ein relativ großer Milliardenbetrag für die Eisenbahn ausgegeben, aber 4,5 Mrd. für den Straßenbau verwendet, sodass der Verkehr weiterhin zunehmen wird. Wenn man die Straßen ausbaut, darf man sich nicht wundern, wenn der Straßenverkehr steigt und es zu keinen Minderungen bei den Emissionen kommt. Umweltminister Josef Pröll setzt sich da im Ministerrat nicht durch.
STANDARD: Was sagen Sie dazu, dass Minister Pröll bei jeder seiner Auslandsreisen derzeit Projekte abschließt, mit denen der österreichische CO2-Ausstoß nur buchhalterisch kleiner wird?
Wabl
: An sich ist dagegen nichts zu sagen, wenn man in Schwellen- und Südländern Projekte finanziert, die auf dem besten Stand des Wissens und der Technik sind. Aber Österreich verbaut sich mit dieser Strategie eine große Chance. Der Vorwurf, der da natürlich kommt, lautet: Wenn ihr die Technologien habt, wieso steigen bei euch ununterbrochen die Emissionen? Projekte im Ausland sind vernünftig, aber man muss auch zuhause was machen.
STANDARD: Was halten Sie von den Verhandlungen auf Bali?
Wabl: Der internationale Fonds, mit dem Patente und Technologien aufgekauft werden, sodass sie den Entwicklungsländern zugänglich gemacht werden können, halte ich für einen sehr wichtigen Schritt. Denn nur mit marktwirtschaftlichen Mechanismen dauert so etwas zu lang. Es gibt dafür ein gutes Beispiel aus dem Gesundheitsbereich.
Da haben nach langen Verhandlungen die Industrieländer zugestimmt, Aids-Medikamente und Patente zur Verfügung zu stellen, sodass in den Entwicklungsländern Medikamente billiger oder gratis verteilt werden konnten. Das hat schnell was bewirkt, aber der Weg dorthin war schwierig. Das schaut bei der Konferenz in Bali auch so aus.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 15./16.12.2007)

Dienstag, 11. Dezember 2007

"Ökostrom-Novelle bringt mehr CO2, nicht weniger"

Biomasse-Chef Kopetz: Gesetzesvorlage repariert Fehler nicht; Widerspruch zu Österreichs Klimastrategie
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Die derzeit zur Begutachtung ausgesandte Novelle zum Ökostromgesetz lässt die Gemüter hochgehen: Die größten Fehler der bereits einmal, 2006, novellierten Fassung wurden nicht behoben, wird kritisiert. Im Gegenteil. "Das Ziel, mit dem neuen Ökostromgesetz drei Mio. Tonnen CO2 einzusparen, wird verfehlt", erklärt der Chef des österreichischen Biomasse-Verbandes Heinz Kopetz.
Die Rechnung, die er aufstellt, ist folgende: Da mit dem Ökostromgesetz auch Investitionsförderungen in die sechs geplanten Gas-Kraftwerke (etwa Linz, Klagenfurt, Wien) fließen, „wird damit der CO2-Ausstoß ausgeweitet und nicht weniger“. Laufen alle sechs Gas-Kraftwerke plangemäß, würde dies ein Mehr an Treibhausgas-Emissionen um drei bis fünf Millionen Tonnen CO2 bedeuten.
Dies würde künftig nicht nur wegen der damit anfallenden Strafzahlungen für CO2 teuer kommen, erwartet Kopetz: "Der Erdgas-Preis orientiert sich am Erdöl und wird auch nicht billiger." Klüger wäre es, stattdessen forciert in erneuerbare Energiesysteme zu investieren, fordert der Biomasse-Vertreter. Seiner Meinung nach sollte in Österreich Strom aus folgenden Quellen kommen: 60 Prozent Wasserkraft, 17 Prozent Wind, 15 Prozent fossile Energieträger und acht Prozent Biomasse. – "Und das wäre auch machbar." Stattdessen kommt Strom derzeit aus 56 Prozent Wasserkraft, fünf Prozent Wind, vier Prozent Biomasse und starke 35 Prozent aus fossilen Energiequellen.
Auch Stefan Moidl von der IG Windkraft ist mit dem Entwurf, der bis 7. Jänner begutachtet wird, nicht glücklich. Schon mit der novellierten 2006er-Fassung sei die "Planungs- und Investitionssicherheit" verlorengegangen – "und das wurde mit der jetzigen Novelle nicht repariert".

Laufzeiten
Denn zwar sollte die gesetzlich fixierte Laufzeit für Einspeisetarife wieder ausgeweitet werden, aber der Entwurf sieht lediglich vor, dass der zuständige Wirtschaftsminister die Laufzeit von derzeit zehn Jahre per Verordnung anheben kann. "Das ergibt wieder keine Planungssicherheit", kritisiert Moidl. Im erfolgreichen alten Ökostromgesetz betrug die Laufzeit 13 Jahre; in Deutschland sind es 20 Jahre.
Außerdem konkurrieren im Entwurf alle Anlagenbetreiber um die Fördermittel. "Es gibt keine Kontingentierung."
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2007)

Samstag, 08. Dezember 2007

Steigender Meeresspiegel bedroht 150 Mio. Menschen

Eine aktuelle OECD-Studie untersuchte die Auswirkungen, die sich aus einem Anstieg des Meeresspiegels bis 2070 um einen halben Meter ergeben würde. Fazit: Ballungsräume mit etwa 150 Millionen Menschen müssten statistisch gesehen pro Jahrhundert einmal mit schweren Überschwemmungen rechnen. Heute leben erst 40 Millionen Menschen in solchen gefährdeten Gebieten.
In der Studie wurde auch versucht die möglichen materiellen Schäden für die untersuchten 136 Städte zu beziffern. Ergebnis: der Wert der bedrohten Immobilien und Infrastruktur steigt von heute 3 Billionen Dollar auf 35 Billionen im Jahr 2070.

Freitag, 07. Dezember 2007

Forderung nach Stroh-Kraftwerk

In Nordspanien, in der baskischen Region Navarra, steht ein Stroh-Kraftwerk, das von der Größenordnung her ideal für Österreich wäre
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Sangüesa - Jedes Jahr fallen in Österreich rund drei Millionen Tonnen Stroh an. Zwei Millionen davon werden als Einstreu bei der Tierhaltung genutzt. Der Rest wird häufig eingeackert, aber nicht immer. Diese restlichen Tonnen sollten deshalb für die Energiegewinnung genutzt werden, fordert Heinz Kopetz, Chef des Biomasse-Verbands. Derzeit gebe es in Österreich lediglich einige Kleinanlagen.
In Nordspanien, in der baskischen Region Navarra, steht ein Stroh-Kraftwerk, das von der Größenordnung her ideal für Österreich, insbesondere den Wiener Raum, wäre: In der 25-Megawatt-Anlage, die mit Investitionskosten von 50 Millionen Euro errichtet wurde, werden jährlich 160.000 Tonnen Stroh verheizt - und so en passant auch 200.000 Tonnen CO2 vermieden. Die anfallende Asche wird wiederum als Agrardünger auf die Felder aufgebracht.

Mit Wärmenutzung
"Das sollten wir auch machen", sagte Kopetz bei einer Journalistenreise über erneuerbare Energien: "Aber gleich mit Wärmenutzung", sodass die beim Verbrennen anfallende Wärme ins Wiener Fernwärmenetz eingespeist werden könnte. Beim Strohkraftwerk Sangüesa wird die Kühlung der Anlage über einen nahegelegenen Kanal bewerkstelligt.
Mit dem Stroh, das im Marchfeld herumliegt, könnte so viel Strom wie ein großes Donaukraftwerk erzeugt werden, rechnet er. Bestechend, meint er, sei die Idee auch aus logistischen Gründen. Da das Marchfeld quasi vor der Haustüre Wiens liegt, müssten die Strohballen nicht weit transportiert werden. Insgesamt ließen sich in Österreich mit dem jährlich anfallenden Reststroh drei bis vier Kraftwerke von der Größenordnung Sangüesas betreiben.
Der Forderung nach einem Stroh-Kraftwerk schließt sich auch Ernst Scheiber vom Biomasse-Verband an. Die Bauern sollten für das "Energie"-Stroh ebenso viel erhalten wie für Einstreu: nämlich sieben bis acht Cent je Kilo. In Spanien erhalten die Bauern lediglich 2,5 bis drei Cent.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.12.2007)

"Zapfen hier die Sonne an"

In der spanischen Wüste erforschen Wissenschafter, wie die fast unbegrenzt zur Verfügung stehende Sonnenenergie nutzbar gemacht werden kann - Reportage
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Almeria – Mit leisem Surren stellt sich die silberfarbene, rund 50 Meter lange Rinne auf den Sonnenstand ein. Anfang Dezember ist es mit 22 Grad angenehm mild in der südspanischen Wüste, der Desierto de Tabernas. Die Rinne ist exakt in Nord-Süd-Richtung gebaut und fängt damit die Sonnenstrahlen optimal ein. "Dreitausend Sonnenstunden gibt es hier im Jahr – fast doppelt so viel wie in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas", sagt Francisco Martín, ein Ingenieur der Plataforma Solar de Almería (PSA), warum sich die Forschungsinstitution zwischen den kargen Bergen der Sierra de los Filabres angesiedelt hat. Hier wird getestet, "wie man die Sonne optimal anzapft", erklärt er.

Unterschiedliche Konzepte
Vier unterschiedliche Konzepte samt Mischformen sind hier aufgebaut: Parabolspiegel, Parabolrinnenanlagen, die mit unterschiedlichen Wärmeträgern – meist Öl oder Salzlake – arbeiten, Turmanlagen, Kollektoren, die zu einem futuristischen Gestell zusammengebaut sind. Die unterschiedlichen Anlagen haben den Vorteil, dass hier die Messergebnisse vergleichbar werden und dass unterschiedliche Materialtests hinsichtlich Leitfähigkeit, Hitzebeständigkeit, Speicherfähigkeit durchgeführt werden können. Bei der Turmanlage etwa bündeln die Spiegel, die darunter angeordnet sind, die Wärme auf eine genau definierte Fläche. Dort kommt es zu Temperaturen von gut 400 Grad Celsius.
Seit 25 Jahren beschäftigt sich Martin mit Solarenergie. "Am Anfang haben wir das in Hippie-Manier gesehen", erzählt er. "Wir wollten die Kraft der Sonne nutzen." Das theoretische Potenzial hat immer die Fantasie des Menschen beflügelt. In nur einer halben Stunde strahlt die Sonne jene Energiemenge auf die Erde ab, die von der gesamten Menschheit derzeit in einem Jahr verbraucht wird. Unentgeltlich und ohne Treibhausgasanfall.

Schwierige kommerzielle Umsetzung
Trotzdem gestaltete sich die kommerzielle Umsetzung bisher schwierig. Erst in den letzten Jahren, angetrieben von hohen Ölpreisen, tut sich was. Zwei Solarkraftwerke, teilweise mit deutschem Kapital initiiert, stehen im Süden Spaniens in Andalusien; ein weiteres ist in Bau. Solarenergie wird nun als gangbarer Weg zur Strom- und Wärmeerzeugung gesehen. Welches der Konzepte am effizientesten ist? Das könne man so nicht sagen, erklärt Martin. Die Parabolspiegel eignen sich als Klein- und mittlere Kraftwerke. Röhren- und Turmsysteme können modular auch zu Großkraftwerken zusammengestellt werden. Insbesondere die Parabolrinnenanlagen werden mittlerweile als einfach, zuverlässig und relativ preiswert bezeichnet.
In der Mitte der PSA-Anlage wird bereits an einem weiteren Demonstrationsobjekt gearbeitet: einem langgestreckten Gebäude, an dessen Dächern und Balkonen durchaus formschön Solarpanele angebracht sind – das neue Büro- und Forschungszentrum der Gruppe, zu der auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gehört. "Hier werden wir zeigen, dass ein Gebäude die zum Betrieb notwendige Energie gänzlich aus der Sonne beziehen kann."
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.12.2007)

Stell dir vor es geht das Licht aus

Am 8. Dezember soll es zwischen 20:00 und 20:05 in Deutschland, Österreich und der Schweiz dunkel werden. Organisationen und Unternehmen wie die Tageszeitungen Bild und Österreich, Global 2000, Greenpeace, WWF, Google und ProSieben Austria unterstützen das Vorhaben am Samstag für 5 Minuten die Beleuchtung abzudrehen. Ob man dieser Aktion „Lichtaus! Für unser Klima“ wirklich durchschlagenden Erfolg wünschen soll, ist eher fraglich.
Das Vorhaben könnte nämlich bei all zu großer Beteiligung zum Zusammenbruch unseres Stromnetzes führen. Denn anders als Stehlampen und Deckenleuchten in Wohnzimmern können Kraftwerke nicht mal eben so einfach aus- und wieder eingeschaltet werden. Ein Kohlekraftwerk braucht sogar mehrere Stunden, um die Stromproduktion auf Null zu drosseln. Schalten aber Millionen Menschen zeitgleich das Licht aus, entsteht dadurch plötzlich ein enormes Überangebot an Elektrizität im Netz, das erst einmal nirgendwohin kann.

Hans-Jürgen Haubrich, Leiter des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen, der unter Energietechnikern als eine Art "deutscher Netz-Papst" gilt, hat ausgerechnet wie viele Menschen sich an der Ausschalt-Aktion beteiligen dürfen, bevor das Stromnetz w.o. gibt. Seinen Berechnungen zufolge haben die im europäischen Netzbetreiber-Verband UCTE organisierten Energiekonzerne etwa 3000 Megawatt „Regelenergie“ zur Verfügung. Das sind jene schnell und flexibel reagierenden Klein- und Wasserkraftwerke, mit denen Verbrauchsschwankungen ausgeglichen werden können. Im Normalfall können damit etwa ein plötzlicher Totalausfall zweier großer Atomkraftwerke ausgeglichen werden, ohne dass es zu Störungen im Energienetz kommt.

Angenommen wenn 10 Millionen Haushalte im Schnitt drei 100-Watt Glühbirnen ausschalten, dann wäre diese 3000 Megawatt Regelenergie komplett aufgebraucht. Bei einer Teilnehmerzahl also, die einen wesentlich größeren plötzlichen Verbrauchsabfall hervorruft, stößt das Stromnetz an seine Grenzen. Ein möglicher großflächiger Stromausfall, mit allen seinen gefährlichen Nebenfolgen, ist dann nicht mehr auszuschließen.

Die Sinnhaftigkeit dieser Aktion ist aber nicht nur aus diesem Grund zu hinterfragen. Dazu eine andere Rechnung (laut dem deutschen Öko-Institut): Wenn 50 Prozent aller deutschen Haushalte für fünf Minuten das Licht abdrehen, werden 343 Tonnen CO2 gespart. Wenn aber 50 Prozent der herkömmlichen Glühbirnen gegen Energiesparlampen ausgetauscht werden, ergibt das CO2-Reduktion von 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Das ist cirka 7.000 mal so viel.

Man sieht „Nachhaltigkeit“ ist diesem Aktionismus nicht vorzuwerfen. Vielmehr scheint die Sache nach eher dazu geeignet
a) kurzfristiges Aufsehen und Eigen-PR mit dem In-Thema Klimawandel zu erreichen – nicht von ungefähr sind es gerade Boulevardmedien, Politiker und sogenannte „Stars“ die sich öffentlichwirksam „in den Dienst dieser guten Sache“ zu stellen versuchen und sie hilft
b) das Gewissen der Teilnehmer auf einfache und wenig anstrengende Art und Weise zu beruhigen. Die Aktion „Licht aus! Für unser Klima“ passt wunderbar in eine Reihe von ähnlich gelagerter Events, wie beispielsweise Pop-Konzerte gegen die weltweite Armut.

Mittwoch, 05. Dezember 2007

Negativpreis für deutsche Auto-Lobbyisten

BMW, Daimler und Porsche waren gestern die „Gewinner“ des "Worst EU Lobby Award 2007". Sie erhielten diese „Auszeichnung“ für ihre „Kampagne für die Verwässerung und Verzögerung von verpflichtenden CO2-Reduktionszielen“, wie es in der Begründung der für den Award verantwortlichen NGOs Lobby Control, Corporate Europe Observatory (CEO), Friends of the Earth Europe und Spinwatch hieß.

Die Wahl war als Internetabstimmung konzipiert, an der 6.647 Menschen aus ganz Europa teilnahmen. Zur Wahl standen neben den deutschen Automobilproduzenten unter anderem auch die europäische Lobbyvereinigung EPACA, die Lobbyagentur Cabinet Stewart, der EU-Berater Viscount Etienne Davignon und der Energiekonzern Repsol.
"Das deutsche Trio BMW, Daimler und Porsche gehört zu den schlimmsten unter den Autolobbyisten", sagte Erik Wesselius von CEO. Die Autohersteller hätten mit Panikmache und stark übertriebenen Drohungen auf die Ankündigung der EU-Kommission reagiert, verpflichtende CO2-Ziele vorzugeben (siehe auch Postings „Strafzahlungen für Autofirmen geplant“ und „Der mühsame Kampf gegen die Autoindustrie“).

Heuer wurde erstmals zusätzlich auch der sogenannte „Worst EU Greenwash Award“ vergeben. Diesen Titel holte sich das Deutsche Atomforum für den „unverfrorenen Versuch, sich ungerechtfertigt grünes Image zu verschaffen“. Anlass für die Nominierung war die Kampagne „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“. Darin wurde laut Ulrich Müller von LobbyControl vom Deutschen Atomforum „versucht, die öffentliche Besorgnis über den Klimawandel zu instrumentalisieren, um für die Atomindustrie zu werben. In den Anzeigen wurden idyllische Naturmotive eingesetzt und Risken der Atomtechnologie komplett ausgeblendet.
Der "Worst EU Lobby Award“ wurde gestern bereits zum dritten Mal vergeben. 2006 ging der Preis an ExxonMobil für seine versteckte finanzielle Unterstützung von klimaskeptischen "Denkfabriken" und im Jahr 2005 ging der Preis an die Tarnorganisation Campaign for Creativity zum Schutz von Software-Patenten. Der Sinn des „Worst EU Lobby Award“ ist es umstrittene Lobbying-Praktiken öffentlich anzuprangern um so ihren Einsatz einzudämmen.

Hier die kompletten Ergebnisse im Überblick:

Worst EU Lobbying Award 2007
1. BMW, Daimler und Porsche (32% der Stimmen)
2. die Lobbyistenorganisation EPACA (24%)
3. die Lobby-Agentur Cabinet Stewart (16%)
4. Viscount Étienne Davignon (15%)
5. die spanische Ölfirma Repsol (13%)

Worst EU Greenwash Award
1. Deutsches Atomforum (33%)
2. der Rüstungskonzern BAE Systems (27%)
3. ExxonMobil (22%)
4. Shell (13%)
5. Airbus (5%).

Montag, 03. Dezember 2007

Die UN-Klimakonferenz im Internet

Die aktuell stattfindende Klimakonferenz (3.-14. Dezember) in Bali wird von den Veranstaltern aufwendig im Internet begleitet.
Unter http://unfccc.int/2860.php findet man eine Fülle von aktuellen Informationen und Basismaterialien. Auch können die Plenarveranstaltungen live im Web mitverfolgt respektive im Nachhinein abgerufen werden (Voraussetzung RealPlayer).
Das Video des "Press briefings" der Eröffnungspressekonferenz ist auch auf YouTube zu finden.

Australien ratifiziert Kyoto-Protokoll

Australien hat heute das Kyoto-Protokoll zur Verringerung von Treibhausgasen ratifiziert. „Dies ist die erste Amtshandlung der neuen australischen Regierung“, erklärte der frischgewählte Ministerpräsident Kevin Rudd in einer Aussendung. Die Unterzeichnung solle zeigen, dass sich die Regierung voll gegen den Klimawandel einsetze. Die USA sind nun der einzige Industriestaat, der dem Abkommen noch nicht beigetreten ist.
Er hat auch angekündigt, dass Australien sich an einem Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beteiligen werde. Der Startschuß zu den Verhandlungen über eine Folgevereinbarung für das Kyotoprotokoll, das 2012 ausläuft, fiel ebenfalls heute in Bali. Seine erste Auslandsreise als Ministerpräsident unternimmt Ruud daher folgerichtig auch zur Weltklimakonferenz in Bali.
In seiner neu gebildeten Regierung hat Rudd gleich zwei Minister mit Umweltschutzagenden nominiert: Peter Garrett, den früheren Sänger der Rockband Midnight Oil, und die in Malaysia geborenen Penny Wong.

Sonntag, 02. Dezember 2007

Grüne für Strafzoll auf Klima-Killer

Diskussion: Standortfrage mit Klimaschutz verbinden
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Das Ökostromgesetz vor seiner Novellierung hat Einsparungen von 2,4 Mio. Tonnen CO2 gebracht. Für 2,4 Mio. Tonnen CO2 aber würden rund 40 Mio. Euro Strafzahlungen anfallen – rechnete Maria Vassilakou, Vorsitzende der Wiener Grünen, bei der Veranstaltung „Die Zukunft der Öko-Politik – ist der Klimawandel ein Treiber für die Wirtschaft“ vor.
Also sei klug eingesetzte Klimaschutzpolitik sehr wohl von Vorteil für die Wirtschaft und immer mehr ein wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort, sagte sie bei der Eröffnung des vom Institut für die Wissenschaft vom Menschen abgehaltenen Workshops. Dabei sei das Wichtigste, dass „wir Energie sparen müssen“, erklärte Alain Lipietz, französischer Grüner im EU-Parlament: „Aber der Umbau zu einer grünen Wirtschaft ist extrem schwierig.“

Ökobonus
Insbesondere die Standortfrage bekommt durch den Treibhausgasausstoß eine neue Brisanz. Wobei seiner Meinung nach diskutiert werden sollte, ob nicht Produkte mit hohem Energieaufwand (Zement, Stahl) mit Zöllen belegt werden sollten, wenn diese aus Staaten kommen, die bei einem Post-Kioto-Abkommen nicht mitmachen. „So könnten wir unsere Zementindustrie schützen“, sagte Lipietz. Der deutsche Grünen-Abgeordnete Gerhard Schick plädierte dafür, „die Sozialpolitik nicht zu vergessen“. Klimawandel-Maßnahmen dürften nicht quer über eine Gesellschaft gelegt werden, weil eine solche Politik die ärmeren Bevölkerungsschichten besonders hart treffen würde.
Die Diskussion über einen Ökobonus, der eine Art Transferleistung von Reichen mit ihrem höheren Treibhausgas-„Fußabdruck“ zu Menschen mit Kleinwohnungen und geringer Mobilität (kaum Flugreisen, kleine Autos) darstellt, wird von den Grünen geführt werden, erklärte er. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2007)

Klimaschützer suchen neuen Deal

Die Erwartungen an den Gipfel auf Bali sind hoch - Neun Tage lang werden Maßnahmen zu einer Eindämmung der Erderwärmung beraten
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Indonesische Umweltschützer haben schon in der Vorwoche begonnen, sich für den Klimaschutz in Stellung zu bringen: Vor der US-Botschaft in der Hauptstadt Jakarta entrollten sie Transparente, die den amerikanischen Präsidenten George W. Bush zeigen. Dazu skandieren sie die Bitte: „Save our planet.“
Die Haltung der USA bei den Verhandlungen auf der indonesischen Ferieninsel Bali ist essenziell für das Zustandekommen eines Vertrages, der den Treibhausgasausstoß ab dem Jahr 2013 regeln soll. Denn beim Vorgängervertrag, dem Kioto-Protokoll, gültig 2008 bis 2012, sind die USA wie auch andere große Nationen nicht dabei. Länder mit einem enormen Verbrauch an fossilen Energien und damit einem enormen Anfall an Kohlendioxid und Methan, den beiden Top-Treibhausgasen.

Kioto-Architektur
Noch immer ist nicht klar, welche Richtung die US-amerikanische Delegation einschlagen wird: Mitmachen ist angesichts des anstehenden Präsidentenwechsels wahrscheinlich, aber das Wie liegt nach wie vor im Dunkeln. „Schlecht wäre, wenn nicht auf die Kioto-Architektur aufgesetzt wird“, sagt Gertraud Wollansky, Expertin im Umweltministerium: „Denn das hieße, das Rad neu erfinden.“

EU prescht vor
Wollansky ist Teilnehmerin der österreichischen Beamtendelegation und wird die ganzen neun Konferenztage auf Bali verhandeln; der zuständige Umweltminister Josef Pröll wird ebenso wie die 192 anderen Regierungsvertreter samt Begleittross erst kurz vor Schluss einfliegen.
Insbesondere die EU will sich für einen Ausbau des Kioto-Vertrags stark machen. Da sich die EU dafür ausspricht, die Erwärmung auf zwei Grad einzugrenzen, und da seit den Berichten des UN-Klimarats klar ist, was das für den Treibhausgasausstoß bedeutet, wurden in Brüssel Ziele definiert: 20 Prozent weniger EU-Treibhausgase bis 2020 und 30 Prozent weniger, wenn USA und Australien mitmachen.
Das klingt ambitioniert und ist es auch. Denn bis dato ist der weltweite Treibhausgasausstoß nicht zurückgegangen, sondern hat vor allem dank des Wirtschaftsbooms in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien kräftig zugelegt. Die aber wollen es den Industriestaaten nicht so leicht machen: Im Bericht der Entwicklungsorganisation UNDP, der erst letzte Woche veröffentlicht wurde, wird der „Kohlenstoff-Fußabdruck“ der reichen Ländern dem der armen Länder gegenübergestellt. Da liegen Schwellen- und Entwicklungsländer weit hinter dem Energieverbrauch und Treibhausgasausstoß der Industriestaaten.
„Man wird den armen Ländern nicht die gleichen Pflichten auferlegen können wie den Industriestaaten“, erklärt Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. „Da werden Anreize geschaffen werden müssen.“ Das heißt, dass die im Kioto-Protokoll bereits vorhandenen Möglichkeiten ausgebaut werden, sodass mehr CO2-arme Technologien in Entwicklungsländern getätigt werden. Diese Investitionen werden dem CO2-Konto des Investorenlandes gutgeschrieben.

Landumwidmung
Auch könnte in ein Kioto-Nachfolgeabkommen die Rolle von Urwäldern als gigantische Speicher von Kohlendioxid einfließen – eine Forderung, auf die vor allem indonesische Umweltaktivisten pochen werden, geht doch der Ausbau der dortigen Palmöl-Industrie mit exzessiver Landumwidmung einher. Ein technologischer Zugang bei Anpassung an Abschwächung des Klimawandels wird von den USA favorisiert, schätzt Ruperta Lichtenecker, Umwelt- und Energiesprecherin der Grünen aufgrund eines Papiers der Wiener US-Botschaft, das den Zugang der USA zu den Bali-Gesprächen skizziert. Also forcierter Einsatz von „Clean Technologies“.

Atomkraft umstritten
Nicht alle diese unter „Technologien mit geringem Treibhausgasausstoß“ zusammengefassten Lösungsansätze stehen außer Streit: Vor allem Atomkraft und Kohlendioxid-Sequestrierung (das CO2 wird dabei bei der Energiegewinnung abgeschieden und in einem Erdlager gebunkert) werden von der Bevölkerung vieler Länder abgelehnt. Relativ sicher ist, dass der Emissionshandel ausgeweitet wird. Wirtschaftsbereiche, die das Kioto-Protokoll noch ausgenommen hat – internationaler Flugverkehr und Schifffahrt –, dürften einbezogen werden.
Angesichts der Komplexität der Materie dürfe man sich von Bali „nicht zu viel erwarten“, erklärt Experte Wollansky: „Wenn eine Road-Map zustande kommt, sodass bis 2009 ein neuer Vertrag unterzeichnet werden kann, wäre dies ein Erfolg.“
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2007)