Mittwoch, 13. Februar 2008

"Biosprit ist zumindest Teillösung"

Mit dem Beimischungsziel von 5,75 Prozent können rund 1,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden

In einer Untersuchung des Umweltbundesamtes wurde nun der Vorwurf entkräftet, Biosprit habe keine Problemlösungskompetenz in Sachen CO2-Sparen und heize den Klimawandel noch zusätzlich an: "Die Untersuchung zeigt, dass Biosprit kein Allheilmittel ist. Aber er ist zumindest eine Teillösung", sagt der für Klimaschutz zuständige Landwirtschaftsminister Josef Pröll.
Dabei wurde ein Vergleich zwischen den Emissionen fossiler Treibstoffe wie Benzin und Diesel mit denen von Agrosprit (Bioethanol, Biogas und Biodiesel) angestellt. Außerdem wurden die energieaufwändigen Herstellungsprozesse eingerechnet, die sowohl bei fossilen als auch bei den Agrotreibstoffen anfallen (siehe Tabellenspalte gesamte CO2-Äquivalent-Emissionen). Zumindest bei fossilem Benzin und Gas wurden bisher in der Regel die aufwändigen Vorarbeiten wie Erdölförderung, Pipeline-Transport und Raffinierung einfach nicht erfasst. Hingegen wurden bei den Emissionen von Agrotreibstoffen sehr wohl Vorleistungen wie Antransport der landwirtschaftlichen Rohstoffe inkludiert. Dies ließ Biotreibstoffe in den jüngsten Diskussionen "schlecht dastehen".

Software
Für die Berechnungen bediente sich das Umweltbundesamt einer auf österreichische Gegebenheiten adaptierten Software namens Gemis (Gesamt-Emissionsmodell Integrierter Systeme). Das Programm wurde vom Ökoinstitut Freiburg erstellt, erklärt Werner Pölz, im Umweltbundesamt zuständig für Ökobilanzen.
Aufgrund dieser Berechnungen zeigt sich, dass Biodiesel die geringsten Emissionen aufweist und Bioethanol aufgrund des aufwändigeren Herstellungsverfahrens nur eine geringfügig bessere CO2-Bilanz hat als normaler Diesel.
Mit der Einberechnung des Energiebedarfs im gesamten Wertschöpfungszyklus kommt es in der Diskussion um Treibstoffe zu mehr Waffengleichheit zwischen fossilen und Agrotreibstoffen. Jedenfalls was den Klimawandel betrifft, der durch das Freisetzen von Treibhausgasen bei der Energienutzung verstärkt wird. Ursprünglich hatte es bei der Nutzung von Biokraftstoffen immer geheißen, dass diese "klimaneutral" sind, weil sie beim Verbrennen nur so viel CO2 freisetzen, wie die Pflanze beim Wachsen gespeichert hat. Durch das Einberechnen des ganzen Biosprit-Produktionszyklus war diese Klima-neutrale Bilanzierung infrage gestellt worden.
Zumindest in Österreich, also mit kurzen Transportwegen und mit wenig Düngeeinsatz, könnten mit Biotreibstoffen aber sehr wohl Treibhausgase einspart werden, argumentiert Pröll: Nimmt man das Beimischungsziel von 5,75 Prozent zugrunde, das Österreich ab 1. Oktober 2008 erreichen will, seien es immerhin 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent, die so pro Jahr vermieden werden könnten (die wichtigsten Treibhausgase werden in ein gewichtetes CO2-Äquivalent umgerechnet, Anm.).

Kein Inflationsturbo
Diese Ziele könnten auch weitgehend von den heimischen Feldern kommen - und zwar ohne dass die Lebensmittelpreise noch einen zusätzlichen Drall erfahren, glaubt man im Lebensministerium. Um für das 5,75-Prozent-Ziel genügend Rohstoffe für die Bioethanolproduktion bereitstellen zu können, werden den Berechnungen nach lediglich 71.000 Hektar benötigt - bei einer Gesamtackerfläche von 1,38 Millionen Hektar. "Das sind gerade mal fünf Prozent der Anbaufläche", argumentiert Pröll. Weniger autark ist Österreich bei Energie-Raps, der Schätzungen zufolge weitgehend aus Importen gedeckt werden muss.
Sicher sei, dass angesichts des derzeit absehbaren Bedarfs an Biosprit von diesem kein weiterer Kick auf die zuletzt gestiegenen Lebensmittelpreise ausgehe. Dazu sei der Rohstoffanteil an den Gesamtkosten eines Lebensmittels zu niedrig.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2008)