Dienstag, 12. Februar 2008

In Sibirien tickt Klima-Zeitbombe

In den Böden Sibiriens sollen 70 Milliarden Tonnen, etwa ein Viertel der Weltvorräte, des Treibhausgases Methan gespeichert sein. Methan wirkt als Treibhausgas 23 mal stärker als CO2. Ungefähr um drei Grad Celsius ist die Temperatur innerhalb der letzten 40 Jahre in Sibirien angestiegen; global stieg die Temperatur im letzen Jahrhundert im Vergleich dazu „nur“ um 0,6 Grad.
Die Folge: Der Boden Sibiriens taut im Sommer in größeren Flächen auf als im Winter wieder zufriert. Im Sommer 2005 beispielsweise entdeckten Forscher, dass in Westsibirien Permafrostböden, die der Fläche nach die Größe von Deutschland und Frankreich haben, aufgeweicht waren.
Zwischen den Flüssen Kolyma und Lena besteht der Boden auf einer Fläche von einer Million km2 bis in eine Tiefe von 20 bis 30 Metern aus organischem Material, insgesamt rund 500 Milliarden Tonnen. Würden diese Böden komplett auftauen, dann würde jedes Jahr fast soviel Methan und CO2 in die Atmosphäre gelangen, wie heute durch die gesamte Verbrennung von Kohle, Gas und Öl.
Beginnt also der Permafrostboden Sibiriens aufzutauen, kann durch die Freisetzung dieser gewaltigen Mengen an Treibhausgasen die globale Erderwärmung dramatisch verstärkt werden. Die Erwärmung der arktischen Zonen – sie umfassen rund 25 Prozent der Landgebiete der Erde - könnte also eine Kettenreaktion hervorrufen und den Verlauf des bisherigen Klimawandels extrem beschleunigen. Möglicherweise sind die bisherigen Klimaprognosen viel zu optimistisch.


Tundra bei Dudinka am Jenissej in Sibirien
Quelle: Wikipedia/ Dr. Andreas Hugentobler