Mittwoch, 09. Juli 2008

Papierindustrie über Ökostromgesetz hocherfreut

Investitionen in weitere Laugenverstromung möglich

"Es gibt neben der Laugenverstromung bei der Zellstoff Pöls AG derzeit kein weiteres Projekt" , erklärt Max Oberhumer, Geschäftsführer von Sappi Gratkorn und Energiesprecher der Plattform für die Papierindustrie, Austropapier. "Aber natürlich kann sich dies nun schnell ändern." Am Dienstag wurde die Novelle zum Ökostromgesetz im Parlament abgesegnet. Diese beinhaltet für die energieintensive Industrie, und hier wiederum die Papierfabriken, eine gehörige Verbesserung. Wurden in der vorherigen Fassung lediglich zehn Prozent der Investitionen in eine Stromerzeugung aus der Ablauge gefördert, sind es ab nun 30 Prozent. Diese Erhöhung brachte es mit sich, dass die Grüne Abgeordnete Ruperta Lichtenecker erfolglos gefordert hatte, das neue Ökostromgesetz nicht anzunehmen und stattdessen neu auszuverhandeln.

"Ich hätte nichts gegen eine solche Industrieförderung, wenn das Ökostromgesetz Biss hätte und die Ziele Klimaschutz und mehr erneuerbare Energien stützen würde", sagt Lichtenecker. "Da dies aber nicht der Fall und das Ökostromgesetz zu weich ist, bin ich der Meinung, dass die starke Betonung auf Industriebelange falsch ist. Für die Papierindustrie gibt es genügend Instrumente aus der Wirtschaftsförderung." Die Papierindustrie sieht dies naturgemäß nicht so. Lediglich die "umweltrelevanten" Investitionen würden mit den 30 Prozent gefördert, betont Oliver Dworak, Geschäftsführer der Austropapier. Außerdem sei es sowieso erklärtes Ziel, im Rahmen von höherer Energieeffizienz Fabriken und Kraftwerke auf "Kraft-Wärme-Anlagen" umzustellen. Gefördert würde des weiteren nur jene Laugenverbrennung, bei der Ökostrom zur Einspeisung ins Netz bereitgestellt wird (also nicht für den Eigenbedarf dient).
Bei der Zellstoff Pöls AG beläuft sich die Gesamtinvestition auf 17 bis 20 Mio. Euro; ergo werden rund fünf Mio. Euro über das Ökostromgesetz gefördert. Finanziert werden solche Umweltinvestitionen aus der "Zählpunktepauschale" , einer Art Ökostrom-Grundgebühr der Stromkunden von 15 Euro im Jahr.

Die Zellstoff Pöls, die der Heinzel Holding gehört, ist die einzige reine Zellstofffabrik in Österreich. Daneben gibt es noch einige weitere Papierfabriken, die ihre Ablauge verstromen könnten: Lenzing, Mondi Neusiedler, Mondi Frantschach, M-real Hallein, Sappi Gratkorn und Smurfit Kappa Nettingsdorfer. Für alle wäre dies mit Ökoförderung jedoch nicht möglich: Im Rahmen des Ökostromgesetzes gibt es eine Deckelung von zehn Millionen Euro.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.7.2008)