Noch in diesem Jahrhundert erwarten die Experten einen Temperaturanstieg in Sibirien von bis zu sieben Grad Celsius. Dadurch wird es zu einem verstärkten Auftauen der Dauerfrostböden kommen. Bislang tauen diese Böden nur im Sommer für eine kurze Zeit und nur für wenige Zentimeter Tiefe an der Oberfläche auf. Der darunter permanent gefrorene Boden verhindert, dass Wasser während der sommerlichen Tauperiode versickert. Diese klimatische Situation hat die Bildung von Mooren begünstigt, die einen sehr hohen Humusgehalt haben. Kommt es nun auf Grund der Klimaerwärmung zu einem verstärkten Auftauen des Bodens führe dies zu einer Freisetzung der über Jahrtausende gefrorenen und gespeicherten organischen Substanzen der Moore.
Das Forscherteam hat am Unterlauf des Jenissej in der Gegend des nördlichen Polarkreises die Auswirkungen dieser Erwärmung auf die Emissionen der Treibhausgase untersucht. Zur Datenerhebung wurden direkte Messungen im Untersuchungsgebiet durchgeführt als auch Satellitenbilder herangezogen. Zum einen konnten damit die unterirdischen Kohlenstoff-Vorräte erfasst werden und zum anderen die Methangasflüsse im untersuchten Gebiet abgebildet werden. Laut Professor Flessa von der Universität Göttingen, der die Leitung des Projektes innehatte, zeigten die Ergebnisse, dass die Böden große Mengen an Kohlenstoff verlieren, was auch durch das gesteigerte Pflanzenwachstum nicht ausgeglichen werden kann. Weiters haben die Forschungen ergeben, dass sich in den Hochmooren Thermokarst-Seen bilden, die zur Freisetzung von Methangas führen. Insgesamt haben die Untersuchungen gezeigt, dass die Konsequenzen der Klimaerwärmung für das nördliche Sibirien weitaus dramatischer ausfallen als bisher angenommen, resümiert Flessa.Originalveröffentlichung der Studie: Heiner Flessa et al., Landscape controls of CH4 fluxes in a catchment of the forest tundra ecotone in northern Siberia, in: Global Change Biology 2008, 14: 2040-2056
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