Sonntag, 24. Februar 2008

Beim Essen Klimaschutz betreiben

Birnen, Äpfel, Zwetschken aus Argentinien, Weintrauben und Frühzwiebel aus Chile, Erdäpfel aus Ägypten und Pilze aus China. Weit gereist ist das Angebot an Obst und Gemüse, das sich in unseren Supermärkten findet. Das Problem dabei: Der Transport rund um den Erdball belastet extrem das Klima. Besonders bei Produkten, die ebenso in Österreich hergestellt werden, wird es besonders frivol. Ein Beispiel: Der Transport von einem Kilo Trauben aus Südafrika produziert sieben Kilo Kohlendioxid (CO2), laut Berechnungen von Greenpeace.
Würde die gesamte CO2-Bilanz in die Kosten eingerechnet, dann wären diese weitgereisten Waren bei weitem teurer als vergleichbare einheimische Produkte. Durch die auf Kosten der Umwelt subventionierten Transporte werden aber Knoblauch aus China, Birnen aus Argentinien oder Erdäpfel aus Tunesien mit heimischen Produkten im Regal preislich vergleichbar.

Ein „klimaverträglicher“ Ernährungsstil heißt Lebensmittel aus der Region bevorzugen und entsprechend der Saison auswählen. Bis zu 30 mal weniger Kohlendioxid verbraucht Freiland-Angebautes im Vergleich zu beheizten Gewächshaus-Produkten. Laut Berechnungen der Agrar Markt Austria (AMA) werden durch den Kauf von 10 Prozent mehr regionalen Lebensmitteln diese Waren statt durchschnittlich 1.700 Kilometer nur mehr 150 Kilometer weit transportiert. Das bedeutet eine Reduzierung der gefahrenen LKW-Kilometer um 166 Millionen pro Jahr. Das entspricht einer Reduktion von 116.000 Tonnen CO2. Ein weiteres Beispiel: Ein in Deutschland hergestelltes Joghurt hat einen Transportweg von etwa 500 km nach Wien hinter sich, verglichen mit 140 km eines Produktes aus einem Molkereibetrieb in Niederösterreich. Die Emissionsmengen für ein Glas mit 500 g Joghurt betragen 22,4 g im Falle des importierten bzw. 6,9 g im Falle des heimisch produzierten Joghurts.

Auch das benutze Transportmittel hat einen wesentlichen Einfluss. So belasten Flugtransporte für Überseeprodukte das Klima 80mal mehr als Schiffstransporte und bis zu 300mal mehr als heimische Erzeugnisse das Klima. Per Flieger kommen vor allem empfindliches Obst und Gemüse zu uns. Wer also in unseren Breiten Erdbeeren im Winter isst, tut dem Klima bestimmt nichts Gutes.

Quellen: Lebensministerium, Öko-Institut e.V., Greenpeace

Samstag, 23. Februar 2008

Japan überlegt Einführung eines Emissionshandelssystems

Die Regierung in Tokio teilte am 20. Februar mit, eine Arbeitsgruppe damit zu beauftragen die Einführung eines Systems für den Emissionshandel zu prüfen. Der immerhin fünftgrößte Treibhausgas-Produzent der Welt, dessen Wirtschaftslobby bislang verpflichtenden Obergrenzen für den Kohlendioxidausstoß strikt abgelehnt hatte, könnte damit in absehbarer Zeit ein Emissionshandelssystem nach EU-Vorbild einführen. Die japanischen Wirtschaftsvertreter haben ihren Widerstand gegen CO2-Obergrenzen im Hinblick auf den G8-Gipfel im Juli in Toyako aufgehoben. “Damit der Gipfel in Toyako ein Erfolg wird, muss Japan als Gastgeber über das Problem des Klimawandels nachdenken”, sagte Fujio Mitarai, Präsident des einflussreichen Wirtschaftsverbandes Nippon Keidanren und gleichzeitig Vorsitzender des Unternehmens Canon: “Jedes Land hat bereits Anstrengungen unternommen, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Es handelt sich hier um eine globale Herausforderung.”
Japan ist zwar Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, hat sich aber bisher nur auf freiwillige Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase gesetzt und ist damit weit hinter den vorgegebenen Kyoto-Zielen zurückgeblieben.

Quellen: Readers Edition, Energy Exchange Austria

Der Reisanbau ist nach Schätzungen des Weltklimarats (IPCC) einer der Hauptgründe für steigende Emissionen von Methan – das als Treibhausgas 21-mal wirkungsvoller ist als Kohlendioxid und nur deshalb als Nummer zwei unter den Klimagasen aufgeführt wird, weil es in der Atmosphäre in viel kleineren Mengen vorkommt.
Foto: http://www.aboutpixel.de/, Rinka

Mittwoch, 13. Februar 2008

Drastische Erhöhung der City-Maut in London für Spritfresser

Ab 27. Oktober wird die City-Maut für besonders umweltschädliche Autos verdreifacht. Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 225 g pro km müssen ab diesem Datum 25 Pfund (34 Euro) anstatt wie bisher 8 Pfund (11 Euro) für eine Fahrt durch Zentral-London (Congestion Charging zone) bezahlen. Betroffen vor allem SUVs und Sportwagen, die in London nach dem Nobelbezirk Chelsea auch als „Chelsea Traktoren“ bezeichnet werden. (Zitat Ken Livingstone, Bürgermeister von London: „Nobody needs to damage the environment by driving a gas guzzling Chelsea Tractor in central London.“).
Im Gegensatz dazu fällt keine Gebühr für sehr schadstoffarme Autos an. Also solche gelten Fahrzeuge, die maximal 120 g CO2 pro gefahrenen Kilometer emittieren und die Euro 4 Standards erfüllen.
Quelle: http://www.london.gov.uk/view_press_release.jsp?releaseid=15632



Für Besitzer von Geländewagen wird die Fahrt in die
Londoner Innenstadt zu einem teuren Vergnügen
(im Bild: Jeep Grand Cherokee 5.7 V8 (240 kW),
5-Gang Automatik Geländewagen 371 g/km)

"Biosprit ist zumindest Teillösung"

Mit dem Beimischungsziel von 5,75 Prozent können rund 1,4 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden

In einer Untersuchung des Umweltbundesamtes wurde nun der Vorwurf entkräftet, Biosprit habe keine Problemlösungskompetenz in Sachen CO2-Sparen und heize den Klimawandel noch zusätzlich an: "Die Untersuchung zeigt, dass Biosprit kein Allheilmittel ist. Aber er ist zumindest eine Teillösung", sagt der für Klimaschutz zuständige Landwirtschaftsminister Josef Pröll.
Dabei wurde ein Vergleich zwischen den Emissionen fossiler Treibstoffe wie Benzin und Diesel mit denen von Agrosprit (Bioethanol, Biogas und Biodiesel) angestellt. Außerdem wurden die energieaufwändigen Herstellungsprozesse eingerechnet, die sowohl bei fossilen als auch bei den Agrotreibstoffen anfallen (siehe Tabellenspalte gesamte CO2-Äquivalent-Emissionen). Zumindest bei fossilem Benzin und Gas wurden bisher in der Regel die aufwändigen Vorarbeiten wie Erdölförderung, Pipeline-Transport und Raffinierung einfach nicht erfasst. Hingegen wurden bei den Emissionen von Agrotreibstoffen sehr wohl Vorleistungen wie Antransport der landwirtschaftlichen Rohstoffe inkludiert. Dies ließ Biotreibstoffe in den jüngsten Diskussionen "schlecht dastehen".

Software
Für die Berechnungen bediente sich das Umweltbundesamt einer auf österreichische Gegebenheiten adaptierten Software namens Gemis (Gesamt-Emissionsmodell Integrierter Systeme). Das Programm wurde vom Ökoinstitut Freiburg erstellt, erklärt Werner Pölz, im Umweltbundesamt zuständig für Ökobilanzen.
Aufgrund dieser Berechnungen zeigt sich, dass Biodiesel die geringsten Emissionen aufweist und Bioethanol aufgrund des aufwändigeren Herstellungsverfahrens nur eine geringfügig bessere CO2-Bilanz hat als normaler Diesel.
Mit der Einberechnung des Energiebedarfs im gesamten Wertschöpfungszyklus kommt es in der Diskussion um Treibstoffe zu mehr Waffengleichheit zwischen fossilen und Agrotreibstoffen. Jedenfalls was den Klimawandel betrifft, der durch das Freisetzen von Treibhausgasen bei der Energienutzung verstärkt wird. Ursprünglich hatte es bei der Nutzung von Biokraftstoffen immer geheißen, dass diese "klimaneutral" sind, weil sie beim Verbrennen nur so viel CO2 freisetzen, wie die Pflanze beim Wachsen gespeichert hat. Durch das Einberechnen des ganzen Biosprit-Produktionszyklus war diese Klima-neutrale Bilanzierung infrage gestellt worden.
Zumindest in Österreich, also mit kurzen Transportwegen und mit wenig Düngeeinsatz, könnten mit Biotreibstoffen aber sehr wohl Treibhausgase einspart werden, argumentiert Pröll: Nimmt man das Beimischungsziel von 5,75 Prozent zugrunde, das Österreich ab 1. Oktober 2008 erreichen will, seien es immerhin 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent, die so pro Jahr vermieden werden könnten (die wichtigsten Treibhausgase werden in ein gewichtetes CO2-Äquivalent umgerechnet, Anm.).

Kein Inflationsturbo
Diese Ziele könnten auch weitgehend von den heimischen Feldern kommen - und zwar ohne dass die Lebensmittelpreise noch einen zusätzlichen Drall erfahren, glaubt man im Lebensministerium. Um für das 5,75-Prozent-Ziel genügend Rohstoffe für die Bioethanolproduktion bereitstellen zu können, werden den Berechnungen nach lediglich 71.000 Hektar benötigt - bei einer Gesamtackerfläche von 1,38 Millionen Hektar. "Das sind gerade mal fünf Prozent der Anbaufläche", argumentiert Pröll. Weniger autark ist Österreich bei Energie-Raps, der Schätzungen zufolge weitgehend aus Importen gedeckt werden muss.
Sicher sei, dass angesichts des derzeit absehbaren Bedarfs an Biosprit von diesem kein weiterer Kick auf die zuletzt gestiegenen Lebensmittelpreise ausgehe. Dazu sei der Rohstoffanteil an den Gesamtkosten eines Lebensmittels zu niedrig.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2008)

Dienstag, 12. Februar 2008

In Sibirien tickt Klima-Zeitbombe

In den Böden Sibiriens sollen 70 Milliarden Tonnen, etwa ein Viertel der Weltvorräte, des Treibhausgases Methan gespeichert sein. Methan wirkt als Treibhausgas 23 mal stärker als CO2. Ungefähr um drei Grad Celsius ist die Temperatur innerhalb der letzten 40 Jahre in Sibirien angestiegen; global stieg die Temperatur im letzen Jahrhundert im Vergleich dazu „nur“ um 0,6 Grad.
Die Folge: Der Boden Sibiriens taut im Sommer in größeren Flächen auf als im Winter wieder zufriert. Im Sommer 2005 beispielsweise entdeckten Forscher, dass in Westsibirien Permafrostböden, die der Fläche nach die Größe von Deutschland und Frankreich haben, aufgeweicht waren.
Zwischen den Flüssen Kolyma und Lena besteht der Boden auf einer Fläche von einer Million km2 bis in eine Tiefe von 20 bis 30 Metern aus organischem Material, insgesamt rund 500 Milliarden Tonnen. Würden diese Böden komplett auftauen, dann würde jedes Jahr fast soviel Methan und CO2 in die Atmosphäre gelangen, wie heute durch die gesamte Verbrennung von Kohle, Gas und Öl.
Beginnt also der Permafrostboden Sibiriens aufzutauen, kann durch die Freisetzung dieser gewaltigen Mengen an Treibhausgasen die globale Erderwärmung dramatisch verstärkt werden. Die Erwärmung der arktischen Zonen – sie umfassen rund 25 Prozent der Landgebiete der Erde - könnte also eine Kettenreaktion hervorrufen und den Verlauf des bisherigen Klimawandels extrem beschleunigen. Möglicherweise sind die bisherigen Klimaprognosen viel zu optimistisch.


Tundra bei Dudinka am Jenissej in Sibirien
Quelle: Wikipedia/ Dr. Andreas Hugentobler

Samstag, 09. Februar 2008

Entsorgung der alten britischen AKWs wird immer teurer

Die Kosten für die Entsorgung der alten britischen Atomkraftwerke explodieren. 19 Anlagen sollen in den nächsten Jahren stillgelegt und durch neue ersetzt werden. Ob das im geplanten Zeit- und Kostenrahmen vor sich gehen kann, ist mehr als zweifelhaft. Ging man nämlich vor zwei Jahren noch von Aufwänden in der Höhe von 80 Milliarden Euro aus, stehen die Kostenberechnungen mittlerweile bereits bei 100 Milliarden. Und vermutlich, so wird im Bericht des National Audit Office gewarnt, werden die Kosten noch höher steigen. Parallel dazu liegen die Arbeiten für den Abbau und die Entsorgung hinter dem Zeitplan, was wiederum den Neubau der AKWs verzögern wird, weil diese teilweise an denselben Standorten erfolgen soll. Greenpeace in Großbritannien geht davon aus, dass beim Einbeziehen aller relevanten Faktoren sogar mindestens 143 Milliarden Euro zu kalkulieren sind.

Die Regierung Gordon Browns möchte der Atomkraft wieder eine führende Rolle im Energiekonzept Großbritanniens verschaffen. Zehn bis zwanzig neue Atommeiler sollen mit Hilfe von privatem Kapital finanziert, gebaut und betrieben werden.

Freitag, 08. Februar 2008

Biosprit klimaschädlicher als Benzin

Forscher haben den Treibhauseffekt bei den agrarischen Rohstoffen Raps, Mais und Zuckerrohr untersucht

Die nun abgeschlossene Untersuchung unter Leitung von Nobelpreisträger Paul Crutzen dürfte die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Biosprit weiter anzuheizen. Wie DER STANDARD im Oktober des Vorjahres berichtete, untersuchte Crutzen, emeritierter Professor am Max-Planck-Institut, die Treibhausgas-Emissionen, die in der Landwirtschaft bei der Biosprit-Produktion auftreten. An dieser Studie mitgearbeitet hat Wilfried Winiwarter, Forscher an den Austrian Research Centers in Seibersdorf. Dieser kommentiert die nun vorliegenden Untersuchungsergebnisse folgendermaßen: "In der Regel wird dabei intensiv gedüngt. Dabei entstehen Lachgas-Emissionen, die die positiven Effekte von eingespartem Kohlendioxid (CO2) wieder aufheben oder sogar verschlechtern."
Untersucht haben die Forscher den Treibhauseffekt bei den agrarischen Rohstoffen Raps, Mais und Zuckerrohr. Lediglich Zuckerrohr schneidet dabei gut im klimatologischen Sinn ab, und zwar, weil es kaum Düngung benötigt. Winiwarter plädiert dafür, dass anstatt von Raps (wichtigster Biosprit-Rohstoff in der EU) und Mais (USA) schnellwachsende Hölzer wie Pappeln oder Reststoffe wie Stroh oder die Stängeln von Mais verwendet werden, auch wenn diese energetisch nicht so ertragreich sind. Lachgas ist etwa 300-mal so klimawirksam wie das wichtigste Treibhausgas CO2.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.02.2008)

Samstag, 02. Februar 2008

Streit lähmt Klima-Fonds weiter

Ablehnung gegenüber dem "10.000-Solardächer"-Programm

Die persönlichen und inhaltlichen Kalamitäten um den "Klien", den Klima- und Energiefonds, verhindern weiterhin das klimaschonende Wirken desselben. In einer Pressekonferenz des Klimaschutzbeauftragten des Bundeskanzlers, Andreas Wabl, eines ehemaligen grünen Politikers, ging es vor allem um einen Schlagabtausch mit VP-Umweltminister Josef Pröll.
Dieser, monierte Wabl, würde die Mittel des Klien als "externen Budgetposten seines Ressorts" verstehen. Gegen das von Pröll schon seit Oktober favorisierte Projekt "10.000 Solardächer" sprach sich Wabl neuerlich aus. Eine solche relativ etablierte Technologie sei besser durch Instrumente wie das Ökostromgesetz in den Markt zu bringen. Die Klien-Mittel seien besser für Projekte einzusetzen, "die uns vorwärts bringen". Daniel Kapp, Sprecher von Josef Pröll, erklärte dazu, man wolle "nichts sagen, was zu einer weiteren Eskalation führt. Wir bemühen uns, die Emotionen rauszunehmen."
In den Gremien ist allerdings die Luft raus, noch bevor die Arbeit richtig begonnen hat. Der Expertenbeirat fühlt sich vor den Kopf gestoßen, da Beiratsmitglied Stefan Schleicher die Kosten für CO2-Zertifikatskauf im Ausland mit 1,5 Mrd. Euro beziffert hat - und dafür von Minister Pröll gerügt wurde. Das Präsidium, das mit Vertretern aus Bundeskanzleramt sowie Umwelt-, Verkehr- und Wirtschaftsministerium bestückt ist, konnte sich bisher bei den Projekten aufgrund der nötigen Einstimmigkeit nicht einigen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3.2.2008)