Montag, 31. März 2008

Verhandlungen über Kyoto II in Bangkok gestartet

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Klimaschutzprotokoll begonnen. Die Gespräche knüpfen an die im Dezember auf Bali erzielte Grundsatzvereinbarung an, bis 2009 einen Nachfolgevertrag für das aktuelle Kyoto-Protokoll zu schließen, das 2012 ausläuft. Vertreter aus 163 Ländern sind in Bangkok zusammengekommen, um über die Leitlinien dieses Folgevertrages zu diskutieren. Im laufenden Kyoto-Protokoll haben sich lediglich 37 Industrienationen zu einer Reduzierung von Treibhausgasen um durchschnittlich fünf Prozent bis 2012 verpflichtet. Das Nachfolgeabkommen soll alle Länder in die Pflicht nehmen. Die schnell wachsenden Schwellenländer zeigten sich zuletzt aber zurückhaltend. Entscheidend wird vor allem die Haltung der USA und Chinas sein, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet haben. Diese beiden Länder sind die größten Treibhausgas-Emittenten. Bei der Klimakonferenz in Bali im Dezember, wo der Startschuss für die Verhandlungen gegeben worden war, haben die USA erst in letzter Minute ihre Teilnahme an den Gesprächen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen zugesagt.

Link: On-line video news aus Bangkok

Samstag, 29. März 2008

Stromlücke eine Chimäre?

Kaum hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) vor Engpässen bei der Stromversorgung in einigen Jahren gewarnt, widerspricht das Umweltbundesamt (UBA). In einer aktuellen UBA-Studie heißt es „die Versorgungssicherheit bis 2020 ist durch den Ausstieg aus der Atomenergie gemäß der Vereinbarung der Bundesregierung mit den Energieversorgungsunternehmen vom Juni 2000 nicht in Gefahr". Auch das Ziel, die Emission von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu vermindern, sei nicht gefährdet. Voraussetzung dafür sei unter anderem, dass der Stromverbrauch bis dahin gegenüber dem Jahr 2005 um elf Prozent sinke und dass keine zusätzlichen Kohlekraftwerke über die heute schon im Bau befindlichen Kraftwerke hinaus gebaut würden.

Demgegenüber hatte Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler erst am Donnerstag gegenüber der „Braunschweiger Zeitung“ gemeint, dass die geplanten Kraftwerksblöcke nicht ausreichen werden, um 2020 eine ausreichende Leistung zur Verfügung zu stellen. Eine Folge werde ein deutlicher Anstieg des Strompreises sein. Laut der dena-Studie werde 2020 die Leistung von 15 Kraftwerken fehlen und deswegen wird gefordert die Laufzeiten der bestehenden Kraftwerke zu verlängern und gleichzeitig geraten den Neubau von Kohle- und Erdgaskraftwerken zu forcieren.

Etwa die Hälfte des Etats der Dena stammen von den Energiekonzernen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW.

Freitag, 28. März 2008

Ticket zum Umsteigen

Der Klima- und Energiefonds wird nun ein "Österreich-Ticket" sponsern

Es gibt viele Gründe, warum der öffentliche Nahverkehr in Österreich ausgebaut gehört. Und der Autofahrer, der täglich im Stau auf der Südosttangente steht, weiß davon ein Lied zu singen. Er würde auch umsteigen, der Autofahrer, wäre das Angebot an Bahn und Bus moderner, serviceorientiert, schnell und böte ein dichtes Netz.
Das weiß auch die Politik, die in vielen Reden den Ausbau beschwört und dafür regelmäßig Gelder in Aussicht stellt. Passiert ist aber nichts. Im Gegenteil, das Nahverkehrsangebot wurde ausgedünnt. Ablesbar ist dies an den jährlich erscheinenden Umweltberichten, die die CO2-Belastung aus dem Verkehr regelmäßig als die am stärksten wachsende Treibhausgas-Gruppe kritisiert.
Also muss der Klima- und Energiefonds her, der nun ein "Österreich-Ticket" sponsern wird. Dieser Fonds könnte im Bereich "Mobilität" zwar auch etwas anderes fördern als Umsteigetickets für pendelnde Autofahrer: Unternehmen und Forschungseinrichtungen etwa, die im Bereich Verkehr und Mobilität etwas weiter in die Zukunft blicken als vom Bahnsteig zur Bushaltestelle und wieder zurück.
Aber der gelernte Österreicher ist zufrieden. Mit der Maßnahme kann vielleicht der ausufernde Individualverkehr etwas eingebremst werden – das tut der Treibhausgas-Bilanz gut und schont damit in weiterer Folge auch das Budget, werden doch bei weiterer Nichteinhaltung der CO2-Sparziele saftige Strafen fällig.
Der Klimafonds, mit 500 Millionen Euro dotiert, springt also in die Bresche, wo die österreichische Verkehrspolitik auslässt. Er setzt mit der Förderung des "Österreich-Tickets" dort ein kleines Zeichen, wo die Politik ein großes setzen sollte.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.3.2008)

Mit Österreich-Ticket auf Klima-Zug

Die Verhandlungen um ein Ticket, mit dem alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzt werden können, stehen kurz vor Abschluss, der Klimafonds soll zuschießen

Zwischen 1700 und 1900 Euro soll das Ticket im Jahr kosten, mit dem ein Fahrgast alle öffentlichen Verkehrsmittel Österreichs benutzen kann. Egal, ob er mit dem Bus zwischen Wolkersdorf und Poysdorf unterwegs ist, in der Bahn zwischen Linz und Salzburg sitzt oder mit der U-Bahn den Karlsplatz anfährt.
Abgeschaut haben sich Verkehrsminister Werner Faymann und die Experten des Klima- und Energiefonds diesen General-Fahrschein, der voraussichtlich "Österreich-Ticket" heißen wird, von der Schweiz. "Die Verhandlungen sind in der Schlussphase", bestätigt Marcin Kotlowski, Pressesprecher des Verkehrsministers. Acht Verkehrsverbünde (etwa Ostregion oder Niederösterreich/Burgenland) müssen ebenso ihren Segen geben wie ÖBB und lokale Verkehrsbetriebe.

Knappe Kalkulation
Als schwierig erweist sich dabei, dass alle Beteiligten äußerst knapp kalkulieren müssen, damit ein für den Konsumenten attraktiver Preis von 1700 bis 1900 erreicht werden kann. Also muss der Klima- und Energiefonds (Klien) zuschießen, und zwar zwischen 500 und 700 Euro je Ticket, wie der Stadtentwickler Robert Korab vom Expertenbeirat des Klimafonds errechnet hat. Dies wäre allerdings kein Problem für die Finanzen des Fonds, der heuer insgesamt 150 Millionen Euro ausschütten kann. Zwischen einem Viertel bis zu einem Drittel der Mittel sollen dabei in Maßnahmen fließen, die zu einer Änderung des Fahrverhaltens der Österreicher abzielen. In den letzten Jahren hatte es im Verkehrssektor regelmäßig die höchsten Zuwächse beim Treibhausgas-Ausstoß gegeben, weshalb es Ziel der Klimapolitik ist, diese CO2-Zunahmen zumindest abzuschwächen. Das Österreich-Ticket wäre damit heuer die wichtigste Förderungsinitiative des Klien zum Schwerpunkt Mobilität, erklärt deshalb Klien-Geschäftsführerin Eveline Steinberger: "Wir wollen damit einen Anstoß geben, dass vom Privat-Pkws mehr auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen wird."
Die größte Unbekannte liegt darin abzuschätzen, wie viele Österreicher ein solches Ticket zu kaufen bereit sein werden. Ausgehend von der Vorteilskarte der ÖBB, die bis dato 10.000-mal verkauft wurde, sind die Schätzungen ebenso vage wie konservativ. In diese Richtung dürfte kurzfristig die Nachfrage nach den Tickets gehen; längerfristig, also bis 2016/17 wird das Potenzial bei 60.000 Österreich-Tickets gesehen.

Schweizer Vorbilder
Dass an den Schweizer Erfolg nahtlos angeschlossen werden kann, glaubt niemand so recht. Dazu sind die geografischen Gegebenheiten zu unterschiedlich. Die ringförmige Anordnung der Schweizer Städte begünstigen ein schnelles und regelmäßiges Angebot. In Österreich hingegen wäre ein typischer Ticketkäufer ein Pendler, der täglich aus dem Burgenland nach Wien kommt. "Für diese Leute wird es sehr wichtig sein, dass das Angebot knapp kalkuliert ist", sagt Korab. Was außerdem gegen einen Run aufs Österreich-Ticket spricht: mangelhaftere Taktfrequenzen und Service der heimischen Öffis. Trotzdem werde das Österreich-Ticket vom Klimafonds über die Jahre "degressiv" gesponsert. "Es ginge nicht, dass bei entsprechendem Erfolg des Tickets der Fonds leergeräumt wird", sagt Korab. "Das soll nur eine Initialfinanzierung sein."
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.3.2008)

Freitag, 14. März 2008

Alpbach Talks zum Thema Klimawandel

Der Präsident der Tschechischen Republik, Prof. Ing. Václav KLAUS, stellt sein aktuelles Buch, "Blauer Planet in grünen Fesseln. Was ist bedroht: Klima oder Freiheit?", vor und steht im Anschluss für eine Diskussion zur Verfügung.

Datum: Dienstag, 25. März 2008
Beginn: 19.30 Uhr
Ort: Musensaal der Albertina, 1010 Wien, Albertinaplatz 1

Sprache: Deutsch (Es wird keine Simultanübersetzung angeboten)
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Auf Grund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine verbindliche Anmeldung notwendig (Online-Anmeldung).

Donnerstag, 13. März 2008

Klimafonds fördert Holzheizungen

Konkurrenz kritisiert Marktverzerrung

Die erste Förderaktion des Klima- und Energiefonds des Bundes wird derzeit auf Schiene gebracht: Zwischen 1. April und 30. Oktober wird der Bau privater Holzheizungen mit insgesamt neun Millionen Euro gefördert.
Diese Förderaktion, bei der rund 20.000 Haushalte zu einer modernen Heizung kommen können, wird von kritischen Tönen begleitet. Vor allem die Konkurrenz lässt kein gutes Haar daran. Der Lobbyist Martin Reich vom Institut für wirtschaftliche Ölheizung moniert vor allem, dass es schon jetzt Landesförderungen für Pellets, Hackgut und Holzscheite gibt. Und dass die Klimafonds-Unterstützung damit zusätzlich gewährt wird. "Das verzerrt die reale Marktsituation", sagt Reich.
Auch Klimaschutz-Gründe lässt er nicht gelten. "Alles, was verbrennt, erzeugt Kohlendioxid." Ein Holzofen emittiere pro Kilowattstunde 0,37 Kilogramm Kohlendioxid, eine Ölheizung 0,27 Kilogramm. Allerdings – und dies ist das Verschönerungsargument für die Treibhausgas-Bilanz – wird beim Verbrennen von Holz lediglich das CO2 emittiert, das vorher von der Pflanze gespeichert wurde. Beim Verbrennen von Öl werden Treibhausgase frei, die vorher nicht in der Atmosphäre waren.
Trotz dieser Für und Wider erwartet sich die auszahlende Förderstelle, die Kommunalkredit Public Consulting, regen Zulauf. Schließlich wird nach dem "first come, first served"-Prinzip vorgegangen: Zuschüsse werden an Förderansucher, die die Voraussetzungen erfüllen, verteilt, bis der Topf ausgeschöpft ist. Gefördert werden Pelletskessel mit 800 Euro und Hackgut- und Stückholzöfen mit 400 Euro.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.03.2008)

Samstag, 08. März 2008

Energie wird teurer und IT wird daher „greener“ – that’s it

Der Begriff „Green IT“ hat etwas von der berühmten eierlegenden Wollmilchsau - alles mögliche lässt sich in ihn hineinpacken. Niedriger Energieverbrauch von Desktop-PCs und Servern, schadstoffärmere Bauteile respektive effizienteres Recycling derselben und sogar Videokonferenzsysteme fallen darunter, weil man durch sie Geschäftsreisen vermeiden und so das Klima schonen kann. Energiesparende Rechenzentreninfrastruktur wie Kühl- und Klimatisierungsanlagen oder auch Storage-Offshoring werden in letzter Zeit unter dem Schlagwort Green-IT vermarktet. Unter dem griffigen Modewort Green IT haben immer mehr Unternehmen aus der Computer- und IT-Branche den Klima- und Umweltschutz für sich entdeckt.

Energiesparsamer IT-Betrieb bedeutet bares Geld
Dabei war in der IT-Industrie Umweltschutz bislang weitgehend ein Fremdwort. Was zählte, war eigentlich im Grunde immer nur mehr Leistung. Energieeffizienz interessierte höchstens, wenn es um die Akku-Leistung mobiler Geräte ging.
Dass plötzlich für die Unternehmen die Liebe zum Umwelt- und Klimaschutz die treibende Kraft für ihr Handeln geworden ist, darf getrost bezweifelt werden. Vielmehr geht es klarerweise um handfeste finanzielle Beweggründe. In Zeiten teurer Energie bedeuten sparsamere Geräte und energieeffizienterer Betrieb einfach bares Geld. In Deutschland beispielsweise hat sich der Strompreis innerhalb der letzten fünf Jahren in etwa verdoppelt. Mittlerweilen ist für jeden Euro, der in einen Server investiert wird, einen weiteren Euro für Energie und Kühlung aufzuwenden. "Die Kosten, um diese Rechner zu betreiben, werden die Anschaffungskosten in den nächsten Jahren übertreffen", sagt David Douglas, Umweltexperte beim Serverhersteller Sun.
Nach Schätzungen der Stanford University 2005 verbrauchen alle Rechenzentren weltweit um die 120 Millionen Megawattstunden, etwa doppelt so viel wie noch fünf Jahren. Und wenn nicht gegengesteuert wird, wird der Stromverbrauch der Rechenzentren bis 2010 noch mal um 50 Prozent (laut einer Studie von Gartner) steigen. Nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes (UBA) gehen immerhin rund acht Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland auf das Konto von IT- und Unterhaltungselektronik.

Green IT bedeutet mehr als Energieeffizienz
Neben der Energieeffizienz geht es bei „Green IT“ aber auch um den Verzicht von giftigen Stoffe in den Geräten und besseres Recycling. Und hier sind die IT-Firmen alles andere als vorbildlich unterwegs. Tatsächlich gibt es wenige Branchen, die mehr Schrott produzieren und bei der Fertigung ihrer Waren einen so hohem Anteil auf giftige Stoffe einsetzen wie die IT- und Elektronik-Industrie. Nach UN-Schätzungen werden aus ausgedienten Geräten jedes Jahr 20 bis 50 Mio. Tonnen Elektroschrott. Selbst in Europa, wo die strengsten Bestimmungen gelten, liegt die Recycling-Quote nur bei etwa 25 Prozent - was mit dem restlichen Elektromüll geschieht, ist unbekannt. Es geht dabei um eine Menge von 6,6 Mio. Tonnen.

Montag, 03. März 2008

Förderwettbewerb „Call Vienna Environment 2008“

Die Technologieagentur der Stadt Wien, das Zentrum für Innovation und Technologie (ZIT) führt einen Umwelt-Förderwettbewerb durch, den Call Vienna Environment 2008, der sich an Wiener Unternehmen richtet. F&E-Projekte, die zu Produkt-, Verfahrens- und Dienstleistungsinnovationen führen, können eingereicht werden Sie müssen eine klare ökonomische Verwertungsorientierung aufweisen sowie maßgeblich und nachvollziehbar zum Umwelt- und Klimaschutz im urbanen Raum beitragen. Die Einreichungsfrist endet am 17. April. Für den Call stehen insgesamt EUR 1.500.000 zur Verfügung. Für die besten Projekte sind Forschungszuschüsse bis zu maximal EUR 500.000 möglich.

Die Ausschreibung umfasst Projekte aus allen Technologiebereichen, insbesondere aus folgenden:

  • Bauen und Werkstoffe

  • Verkehr

  • Energie

  • Emissionsvermeidung bzw. -reduktion

  • Ressourcenmanagement

  • Stadtökologie

Nähere Informationen im Internet unter Call Vienna Environment 2008.

Sonntag, 02. März 2008

Klimafonds: Viele Köche, kein Rezept

Solange es kein Strategiepapier gibt, so lange wird die heimische Klimaschutzpolitik Stückwerk bleiben

Mit ein paar Förderungen hier, ein paar Unterstützungen dort wird eine erfolgreiche Klimapolitik nicht zu machen sein. Dieser Verdacht bestand bereits bei Gründung des Klima- und Energiefonds im Spätsommer des vergangenen Jahres. Und der Verdacht erhärtet sich jetzt, nach knapp 100 Tagen Bestehen desselben. Schließlich sind nicht einmal die Förderungen für das Vorjahr abgearbeitet; schließlich dauert jede Genehmigung fast so lange wie die Begutachtung eines neuen Gesetzentwurfes.

An diesen Genehmigungsschleifen wird sich so schnell nichts ändern. Solange es kein Strategiepapier gibt, das genau errechnet, mit welchen Maßnahmen wie viel Treibhausgasemissionen reduziert werden und wie viel diese Reduktionen schlussendlich kosten, so lange wird die heimische Klimaschutzpolitik Stückwerk bleiben. Und so lange werden die dafür bereitgestellten Finanzmittel, über insgesamt fünf Jahre immerhin 500 Millionen Euro, für Begehrlichkeiten vielerlei Art herhalten müssen.
Eine der wichtigsten Maßnahmen muss es deshalb sein, endlich eine wissenschaftliche Gesamtschau zu erstellen. Am besten gleich aus den Mitteln des Fonds. Dies plant nun auch die Geschäftsführung. Und wahrscheinlich wird diese Intention irgendwann auch abgesegnet. Dann nämlich, wenn sich alle interessierten Kreise entsprechend hineinreklamiert haben.
Natürlich wäre es besser gewesen, ein solches Strategiepapier vor Gründung des Fonds zu formulieren – und dann den Fonds und seine Genehmigungsstrukturen daraufhin auszurichten. Nach dem Motto: Zuerst das Ziel ins Auge fassen und dann das Rezept dafür kreieren. Nur hätte dann die heimische Klimapolitik viel früher in die Gänge kommen müssen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2008)

Gezerre um Strategiepapier, Klimafonds hängt weiter in der Luft

Nach rund hundert Tagen Klima- und Energiefonds zeigt sich: Nichts geht weiter. Endlose Begutachtungsschleifen und fehlende Festlegung der Ziele blockiere

Es liegt an einem 36-Seiten-Papier, weswegen derzeit nichts weitergeht. Der Titel des Papiers: "Jahresprogramm 2008 des Klima- und Energiefonds". Darin, so die Vorstellung der Klimafonds-Geschäftsführung, sollte nämlich die Verteilung der Klimaschutzmittel von heuer 150 Millionen auf strategische Beine gestellt werden.
Anstatt eine Fördervergabe von - an sich vielleicht sinnvollen - Einzelprojekten, wollten die Geschäftsführer Ingmar Höbarth und Eveline Steinberger damit eine Grundlage schaffen, wie künftig am besten vorgegangen werden sollte. Also: Welche Ziele seien mit welchen Maßnahmen zu erreichen. Und wie passten sich diese Maßnahmen in Emissionsszenarien ein. "Ein akkordiertes Maßnahmenpaket also", erklärt Andreas Wabl, ehemaliger Grün-Abgeordneter und Klimaschutzbeauftragter des Bundes.

Strategiepapier
Das Strategiepapier wurde auch vom Expertenbeirat gutgeheißen. Auch dort stößt man sich an der gutgemeinten Förderung von Einzelmaßnahmen, ohne zu berücksichtigen, welche Treibhausgas-Emissionen herauskommen oder welche Auswirkungen eine bestimmte Maßnahme auf das Wirtschaftsgefüge hat. "Wenn man etwa Pelletsheizungen fördert, hat das Auswirkungen auf den Holzpreis. Das schlägt sich direkt auf die holzverarbeitende und die Papierindustrie durch", so Wabl.
Nun liegt das Papier beim Präsidium, das mit Wabl und Vertretern der drei involvierten Ministerien Landwirtschaft, Wirtschaft und Verkehr besetzt ist.
Dort knirscht es aber, weil jedes Ministerium möglichst viel für sich beanspruchen will. Eine Festschreibung - wie im Strategiepapier vorgesehen -, künftig jeweils rund ein Drittel für Forschung, Verkehr und Marktdurchdringung vorzusehen, wird dort heftig bekämpft. Die nächste Präsidiumssitzung, die diese Woche am Freitag stattfindet, wird deshalb laut Beobachtern zum Lackmustest für die künftige Klimastrategie.

Nicht genügende Entscheidungsgrundlage
Erzielt das Präsidium zu dem Papier eine Einigung, ist der Weg aber noch immer nicht klar. "Ihren Senf dazugeben" müssen dann: Finanz- und Sozialministerium sowie Sozialpartner. "Das dauert nicht nur irre lange. Dabei wird so ein Strategiepapier auch zerfleddert", meint dazu ein Experte.
Mehr und mehr zeige sich, dass die vor einem Jahr veröffentlichte Klimaschutzstrategie als Entscheidungsgrundlage nicht genüge, heißt es. "Die vielen Einzelstudien, die es bereits gibt, müssen zusammengeführt werden", erklärt Wabl. Solche Programme gebe es, etwa von der Universität Freiburg. Im Strategiepapier ist solches auch vorgesehen: Ein Förderschwerpunkt sollte Entscheidungsgrundlagen für die Klimapolitik Österreichs liefern.

Noch nichts ausgezahlt
Als typisch für die träge Klimaschutzpolitik wird angegeben, dass nicht einmal die 2007er-Förderungen ausgezahlt wurden. 2007 ist aus Sicht des Klimafonds ein Rumpfjahr, bei dem nur 50 Mio. Euro zur Verfügung standen. Aufgrund der aufwändigen Begutachtungswege müssen Begünstigte aber bis weit ins Frühjahr hinein warten. Und auch bei der Abwicklung gibt es nicht nur eine Stelle: Neben Kommunalkredit noch Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (Schig) sowie die Austria Wirtschaftsservice (AWS).
(Johanna Ruzicka, DER STANARD, Print-Ausgabe, 3.3.2008)

Wifo: Biomasse-Plan verursacht hohe Kosten

Preisschocks in allen Wirtschaftsbereichen werden in einer Studie des Wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) erwartet, in der die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des nationalen Biomasse-Aktionsplans errechnet wurden.
Von hohen Preissteigerungen wären vor allem jene Wirtschaftsbereiche betroffen, die in Nutzungskonkurrenz zu Biomasse stehen: Also Nahrungsmittelindustrie, Holzverarbeitung sowie Papier und Druck. Da die Finanzierung der Ökostromförderung über einen Zuschlag zum Strompreis bewerkstelligt werden müsste, wird bis zum Jahr 2020 mit einem um 160 Prozent höheren Strompreis (als bei einem "Business-as-usual"-Szenario) für die Industrie gerechnet; für die Haushalte sind es 80 Prozent. "Es wird immer schwieriger und aufwändiger, weitere Biomasse-Potenziale im Land zu erschließen", erklärt dazu Daniela Kletzan vom Wifo. Sehr bald schon müssten mehr als 90 Prozent der zusätzlich notwendigen Biomasse importiert werden.
Nicht nur deshalb rechnet Wifo-Experte Kurt Kratena, dass die hochgesteckten erneuerbaren Energieziele so nicht realisiert werden. "Den Plan umsetzen hieße, bis 2020 so viel Energieproduktion aus Biomasse zu haben, wie derzeit aus Wasserkraft. Das ist schwer vorstellbar", meint er.
Happig wären laut Studie die Finanzierungskosten. Bis zum Jahr 2020 müssten jährlich 300 Mio. Euro Biomasseprämie veranschlagt werden, ebenso viel Investitionsförderung für Wärme in Haushalten sowie Ökostromförderung von gar 6,6 Mrd. Euro. Und da biogene Treibstoffe von der Mineralölsteuer befreit sind, würde dem ein MöSt-Entgang von 900 Mio. Euro entgegenstehen. Allerdings erwartet das Wifo eine rege Investitionstätigkeit in Umweltschutzsektoren.
Aus Klimaschutzgründen werden im Wifo die ambitionierten Vorgaben begrüßt - trotz hoher Kosten. Bis 2020 ließen sich so 36 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermeiden, allerdings zu einem happigen Preis: Die Kosten werden vom Wifo zwischen 180 und 200 Euro pro eingesparter Tonne CO2 beziffert.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe 01.03.2008)