Sonntag, 31. August 2008

"Technologie, nicht Rohstoff fördern"

Biotreibstoffe: Papierindustrie drängt bei Forschung auf größeren Einfluss

Wir werden eine bedeutende Rolle bei den Biotreibstoffen spielen" , sagt Oliver Dworak, Geschäftsführer der Austropapier, der Interessenvertretung der Papierindustrie. Der Grund: "Wir sind die einzige Branche, die bereits jetzt Wissen über die gesamte Biomasseverwertung bei Holz hat."
Für Dworak ist bei der Biotreibstoffherstellung der nächsten Generation der Treibstoff quasi eine Nebenlinie der Papier- bzw. Zellstoffherstellung. Bei der nächsten Generation von Biotreibstoffen wird die ganze Pflanze verwendet und nicht, wie derzeit, nur die Frucht. "Die Forschung nach künftigen Biokraftstoffen ist bei uns am besten aufgehoben."
Dementsprechend hält Dworak die derzeitige Förderungen, die "nicht Technologien, sondern Rohstoffe bevorzugen" , für den falschen Weg: Zum Beispiel würden durch die Unterstützungen für Pellets- oder Hackschnitzelheizungen die Holz- und damit die Papierpreise nach oben getrieben. Diese Heizungen werden im Rahmen des Klima- und Energiefonds gefördert, meist zusätzlich zu Landesförderungen.
Dass die Papierindustrie bei den jüngsten Weichenstellungen für Umweltförderungen gut abgeschnitten habe - schließlich kommt die Förderung der Ablaugeverbrennung im Rahmen des Ökostromgesetzes ausschließlich der Papierindustrie zugute -, lässt Dworak nicht gelten. "Es geht uns nicht um neue Förderungen, sondern darum, ob die Papierindustrie in Österreich überhaupt noch investieren soll" , sagt er. So hoffe die Branche beispielsweise auf Ausnahmen bei der Zuteilung der Emissionszertifikate ab 2013. Derzeit wird gerade in Brüssel darum gefeilscht, wie viele dieser "Verschmutzungsberechtigungen" die einzelnen Industriezweige künftig kostenfrei bekommen, zumindest in den ersten Jahren.

Wettbewerbsnachteil
Bei der Papierindustrie gibt es einen Sonderfall: Rund drei Viertel ihres Strombedarfs erzeugt die Papierindustrie selbst, etwa durch Nutzung von Abwärme. Für diese Energieerzeugung wolle die Papierindustrie nicht auch noch mittels Zertifikaten zahlen müssen, erklärt Dworak. Der derzeitige EU-Vorschlag sieht vor, dass Energieerzeugung schon ab 2013 für alle benötigten Emissionszertifikate zahlen muss. Die Industrie hingegen bekommt zumindest anfangs einen noch nicht fixen Anteil an Gratiszertifikaten. Laut Dworak entsteht da ein Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz, die in Regionen ohne ein Treibhausgas-Regime arbeiten.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2008)

Dienstag, 26. August 2008

Klimakiller Rindfleisch und Milchprodukte

Die besten Klimaschützer sind Menschen, die weder Fleisch noch Milchprodukte essen. Vergleicht man die verschiedenen Ernährungsweisen hinsichtlich ihrer klimatischen Auswirkungen, ergibt das folgende Rangfolge: Größte Klimasünder sind die klassischen „Allesesser“, egal ob die Verbraucher sich konventionell oder ökologisch (Bioprodukte) ernähren. Veganer haben die eindeutig klimafreundlichste Ernährungsweise. In der folgenden Tabelle wird zur Veranschaulichung der Klimaeffekt von Lebensmitteln verdeutlicht, in dem man ihn mit dem CO2-Ausstoß beim Autofahren vergleicht (BMW 118d, 119 g CO2/ km).Für die Produktion von Klimagasen ist es also in erster Linie relevant welche Mengen an Rindfleisch und Milchprodukten konsumiert werden. Weit weniger von Bedeutung ist, ob Verbraucher sich ökologisch oder konventionell ernähren.

Sonntag, 17. August 2008

Hagelunwetter verursachten 70 Millionen Euro Schäden

Durch die am Wochenende niedergegangenen Hagelunwetter hat sich die bisherige Schadensbilanz in der Landwirtschaft weiter verschlechtert

Durch die am Wochenende in ganz Österreich, vor allem aber im Burgenland niedergegangenen Hagelunwetter hat sich die bisherige Schadensbilanz in der Landwirtschaft weiter verschlechtert.
"Die Hagelunwetter haben heuer allein im Burgenland über 15 Millionen Euro Schaden in der Landwirtschaft verursacht", so Hagelunwetter verursachten 70 Millionen Euro Schäden , Generaldirektor der Österreichischen Hagelversicherung. Das Unwetter in der Nacht auf Samstag war über Gebieten niedergegangen, wo Wein, Gemüse, Mais, Sojabohnen und Obst angebaut werden.

Steigende Zahl an Schadensmeldungen
Nach den Aufzeichnungen der Hagelversicherung, einem Spezialinstitut, das Unwetterschäden in der Landwirtschaft versichert, ist die Anzahl der Schadensmeldungen, die aufgrund von Hagelunwettern eingehen, stark im Steigen. Bis Anfang August wurden 16.000 Schadensmeldungen eingereicht, eine Zunahme gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 21 Prozent. Dies ist allerdings auch auf die hohe Versicherungsdichte in der Landwirtschaft zurückzuführen.Aufgrund der zunehmenden Wetterkapriolen und der Anfälligkeit der Landwirtschaft gegenüber Wetterkatastrophen wurden in den letzten Jahren vermehrt entsprechende Versicherungprodukte abgeschlossen. Allein heuer stieg die versicherte Fläche um fünf Prozent auf 1,217.000 Hektar. Damit sind 84 Prozent der Ackerflächen und 68 Prozent der Weinflächen hagelversichert. Künftig gehe es darum, vermehrt gegen andere Extremereignisse wie Dürre oder Sturm zu versichern, so Weinberger.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2008)

Donnerstag, 14. August 2008

Melange: Kräftige Prise Eigenlob

Unter Blinden ist der Einäugige König - so mag man gutmeinend eine Pressekonferenz interpretieren, zu der die WKÖ am Mittwoch geladen hatte

Unter Blinden ist der Einäugige König - so mag man gutmeinend eine Pressekonferenz interpretieren, zu der die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Mittwoch geladen hatte: Es ging dabei darum, dass Österreich bei wichtigen Umweltrankings im internationalen Vergleich so gut abschnitt, dass die Kammer Österreich die Goldmedaille in Sachen Umweltschutz verlieh. Selbst beim Nachhaltigkeitskontest 2007 - einem Ranking, das die WKÖ selbst veranstaltete - landete Österreich auf Platz eins.
Die exorbitanten Zielverfehlungen Österreichs beim Kioto-Protokoll samt der Tatsache, dass sich der Treibhausgas-Ausstoß zuletzt nur aufgrund des warmen Winters marginal verringerte und ergo nie auf umweltschützerischer Eigenleistung beruhte, erklären die WKÖ-Experten, Stephan Schwarzer und Christoph Haller so: Österreich wähle beim Klimaschutz einfach zu ambitionierte Ziele.
So kann man es natürlich auch bezeichnen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 14.8.2008)

Dienstag, 12. August 2008

"Österreich-Ticket wird Klima-Ticket heißen"

Ein Jahr Klimafonds. Eveline Steinberger, eine der Geschäftsführerinnen des Fonds, skizziert im Gespräch, welche Ziele mit dem ersten Förderprogramm anvisiert werden sollen

STANDARD: Trügt der Eindruck, oder ist das öffentliche Interesse an Fragen des Klimawandels versiegt?
Steinberger: Also spontan würde ich sagen: Der Eindruck trügt. International ist das Thema sehr präsent. Der G8-Gipfel war dem Klimawandel gewidmet. Die Internationale Energiebehörde hat einen Maßnahmenbericht ausgearbeitet ...
STANDARD: ... und in Österreich stehen Wahlen an. Ist der Klima- und Energiefonds für die Zeit danach gesichert?
Steinberger: Davon gehe ich aus. Der Klimafonds ist ein Instrument, das sich bewährt hat und mit einer Wahl ändern sich die Problemstellungen ja nicht. Der Fonds hat den Auftrag, in beiden Feldern - bei Klima- und Energiefragen - tätig zu sein und dabei Maßnahmen zu setzen, die sofort wirken und solche, die Ziele in den Jahren 2020 bzw. 2050 abdecken. Darüber denken wir bereits jetzt nach.
STANDARD: Obwohl so weit hin noch nicht viel definiert ist?
Steinberger: Das ist es doch. Die EU-Kommission hat die 20/20-Vorgaben gemacht und die sind nationalstaatlich zu verankern. Also: 20 Prozent erneuerbare Energien, 20 Prozent Treibhausgasreduktion und 20 Prozent Energieeffizienz - alles bis 2020. Nur das Biotreibstoffziel mit zehn Prozent wird noch diskutiert.
STANDARD: Stichwort Biotreibstoffziel. Beim ersten Programm, das der Klimafonds kürzlich vorgelegt hat, wurde ein geschickter Bogen um die Frage des Einsatzes nachwachsender Rohstoffe gemacht, und zwar indem keine Förderungen in diesen Bereich fließen. Wird das so bleiben?
Steinberger: Es gibt viele Möglichkeiten zur CO2-Reduktion und Energieeffizienzsteigerung in der Mobilität. Wir haben uns entschieden, die Elektromobilität zu priorisieren. Elektrofahrzeuge, die mit Fotovoltaik, Wind und Wasserkraft getankt werden statt mit Öl. Wenn wir die Probleme der Energiespeicherung, also der Batterien, umfänglich in den Griff bekommen, sind elektrisch betriebene Fahrzeuge um ein Vielfaches effizienter als andere Antriebsformen.
STANDARD: Nochmals: Also keine Förderung von Agrotreibstoffen?
Steinberger: Der Einsatz von Treibstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen braucht eine ganzheitliche Betrachtung. Absolut kritisch sehe ich die Verarbeitung von Nahrungsmitteln zu Biotreibstoffen. Aber das ist keine generelle Verteufelung. Dort, wo Rohstoffe ohne Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion vorhanden sind und Biosprit regional erzeugt und effizient eingesetzt wird, hat er seine Berechtigung. Es geht dabei auch darum, regionale, geschlossene Energiekreisläufe zu erreichen. Agrotreibstoffe stellen somit also kein Schwerpunktthema des Fonds dar. Ebenso übrigens, wie wir nicht auf Wasserstoff und Brennstoffzelle für den Fahrzeugantrieb fokussieren.
STANDARD: Zum Thema Österreich-Ticket. Finanzminister Molterer hat angekündigt, dass es das Ticket um 1450 Euro geben wird. Mit wie viel ist der Klimafonds dabei?
Steinberger: Das Ticket wird "Klima-Ticket" heißen, weil die Klimafrage der Ansporn sein soll, das zu unterstützen. Wir haben derzeit 0,5 Mio. Euro für Vorarbeiten reserviert - vor allem dafür, dass es rund um dieses Jahresticket für alle öffentlichen und privaten Massenverkehrsmittel ein für den Kunden ansprechendes, bequemes Informationssystem geben muss, eines, das ihm sagt, welche Verkehrsträger er für eine Reise von Punkt A nach Punkt B am besten heranzieht. Dazu ein Beispiel: Wenn ich von Wien nach St. Johann in der Steiermark, meinen Heimatort, fahre, benötige ich hin und zurück sechs Tickets. Und die letzte Strecke ist dabei gar nicht abgedeckt. In solchen Fällen sollen Car-Sharing-Modelle und Sammeltaxis die Lücke schließen.
STANDARD: Und wann soll das Ticket jetzt kommen?
Steinberger: Ich gehe davon aus, dass es 2009 sein wird. Anfang des Jahres wäre schön, aber realistisch ist Mitte des Jahres.
STANDARD: Wo, meinen Sie, steht Österreich mit seiner Klimaschutzpolitik in vier, fünf Jahren?
Steinberger: Bei den Zielen sind zwei Aspekte wesentlich: Energie effizienter zu nutzen und neue Energietechnologien zu forcieren. Und ich glaube, dass es da sehr schnell einen Technologiesprung geben wird. Wir müssen uns vor Augen halten, dass wir im Bereich Energieforschung und -entwicklung heute eine Vorreiterrolle spielen - wir: damit meine ich Europa im Vergleich zu den USA und Japan. Das gilt es zu erhalten und auszubauen. Das hat nämlich einen wesentlichen volkswirtschaftlichen Effekt. Die EU beziffert das Marktvolumen, das mit Energietechnologien bis 2020 erreicht werden kann, mit 2200 Milliarden Euro - nur die EU. Das zieht natürlich enorme Beschäftigungseffekte nach sich. Das ist etwas, wo Österreich weiterhin dranbleiben muss.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

Freitag, 08. August 2008

US-Umwelttechnik auf Modernisierungskurs

Die hohen Rohstoffpreise zwingen die USA zur forcierten Erneuerung von Infrastruktur im Bereich Wasser, Abfall­management und Recycling, eine Chance für heimische Firmen

"Im Umweltbereich findet das große Umdenken statt" , sagt Franz Rössler, österreichischer Handelsdelegierter in Chicago. Ein ressourcenschonender Umgang mit Rohstoffen und moderne Umweltlösungen werden immer wichtiger. Die Gründe: Die steigenden Rohstoffpreise im Allgemeinen und der ständig höher werdende Ölpreis im Besonderen zwingen die weltgrößte Volkswirtschaft zu einem schonenderen und effizienteren Umgang mit Ressourcen. Auch das steigende Umweltbewusstsein der Amerikaner wird in den nächsten Jahren für eine verstärkte Nachfrage nach innovativen Lösungen sorgen.

"Das ist eine große Chance für österreichische Firmen" , erklärt Rössler auf Basis eines Branchenreports zu Umwelttechnik in den USA. Denn mehrheitlich fehlten den Amerikanern die langjährigen Erfahrungen der Europäer im Umweltschutz. Drei Bereiche sind für heimische Firmen dabei besonders interessant: Festmüll & Recycling, Wasser/Abwasser sowie Lösungen zu Luftreinhaltung. Besonders solche Technologien hätten Potenzial, mit denen wertvolle Altstoffe wie Schrott und Papier wiederverwertet und teure Energien eingespart werden können.

Langer Atem gefragt
Allerdings brauchen heimische Firmen für einen Markteinstieg in den USA einen langen Atem: Vorzeigeanlagen seien ebenso wichtig wie umfangreiche Vorarbeiten im Bereich Dokumentationen und Benutzer-Webseiten. "Wenn man diese Vorarbeiten, die bis zu vier Jahre dauern können, hat, kann sich der Erfolg schnell multiplizieren" , erklärt Rössler. "Schließlich ist der Markt mit 400 Millionen Einwohnern riesig."
Egal sei auch, ob der nächste Präsident demokratisch oder republikanisch sein wird. Beide Kandidaten hätten sich bereits darauf festgelegt, Umweltfragen mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als dies unter Präsident Bush der Fall war. Erwartet wird, dass die staatlichen Investitionen steigen werden.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.8.2008)

Montag, 04. August 2008

WCI-Mitglieder wollen Emissionshandelssystem einführen

Die Staaten im Westen Kanadas und der USA preschen beim Klimaschutz in Nordamerika vor. Die in der „Western Climate Initiative“ (WCI) zusammengeschlossenen US-Bundesstaaten und kanadischen Provinzen Manitoba, Quebec, Arizona, Kalifornien, New Mexico, Oregon, Utah, Washington, Manitoba, Quebec, Ontario und British Columbia wollen laut „San Francisco Chronicle“ einen Emissionshandel zur Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen einführen. Der Emissionshandel soll im Jahr 2012 starten. Bereits 2007 hatten sich die WCI-Partner darauf geeinigt den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch (für US-Verhältnisse) zu reduzieren. Bis 2020 möchten sie die Treibhausgasemissionen um 15 Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 2005 senken.
Die WCI wurde im Februar 2007 auf Initiative des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger gegründet.