Dienstag, 25. November 2008

Hohe Messlatte für Energiesparen

Die beste Energie ist jene, die erst gar nicht verbraucht wurde, so das Mantra der EU-Kommission. Was auf den ersten Blick mit Energiesparen zu tun hat, ist ein komplexes Hightech-Thema

Die Idealmaße, die laut EU-Kommission erreicht werden sollen, lauten: 20-20-20. Das heißt: 20 Prozent erneuerbare Energien am Gesamtenergieverbrauch, der dann, im Jahr 2020, um 20 Prozent niedriger sein soll als heute. Die Vorgaben sind aus heutiger Sicht nur schwer erreichbar.

Dieses Ziel ist mit Energiesparen im ursprünglichen Sinn - dabei wird Energie nicht verbraucht, indem etwas nicht produziert oder konsumiert wird - nicht zu erreichen. Stattdessen geht es um Energieeffizienz: Wirtschaftswachstum und Produktion im gewünschten/notwendigen Ausmaß bei gleichzeitig geringerem Energieeinsatz.Dass dies ein schwieriges Feld ist, leuchtet ein. Dass diesbezüglich in praktisch allen Lebensbereichen Forschung nötig ist, auch: Der große Wurf, mit dem ein für allemal 20 Prozent weniger Energie benötigt wird, ist nicht möglich.
Erschwert wird die Situation in Österreich dadurch, dass der Energieverbrauch noch nie gesunken, sondern stattdessen Jahr für Jahr ordentlich zugelegt hat - und zwar in allen Sektoren.

Trotz des ausufernden Bedarfs ist nicht einmal bekannt, wofür genau beispielsweise der Strom in einem typischen Haushalt verwendet wird. Die E-Control, die im Frühjahr 2008 ein "Grünbuch Energieeffizienz" herausgegeben hat, fordert deshalb, bis 2015 in allen Haushalten sogenannte Smart Meter zu installieren, mit denen genau festgehalten wird, wofür und wie viel Strom oder Gas verwendet wird. Außerdem müssen in allen Bereichen Benchmarks entwickelt werden, um Verschwendung ebenso festzumachen wie nachahmenswerte Modelle.
Maßnahmen, die sehr unterschiedlich sein können, umfassen Haushalte ebenso wie das produzierende kleine und mittlere Gewerbe, den privaten und den öffentlichen Dienstleister, die Industrie sowie den Individualverkehr. In diesem Grünbuch fordert die E-Control eine Reihe von Maßnahmen bzw. stellt Beispiele vor.
Als erster Schritt müsste es bei den Haushalten zu besserer Information kommen. Orientierungsgrößen und Kennziffern sollten möglichst schnell verpflichtend auf den Energierechnungen aufscheinen.QAuch zur Bewusstseinsbildung sollten zehn Millionen Energiesparlampen verteilt werden. Finanzierungskosten: je nach Glühbirne zwischen 60 und 100 Mio. Euro.

  • Beim Gewerbe wird ein verpflichtendes Energiemanagement samt Energiebuchhaltung überlegt. Das Ziel ist, festzustellen, ob und wie das Unternehmen im Vergleich zu einem Konkurrenten energieeffizient produziert.
  • Gerade bei Klein- und Mittelbetrieben werden häufig standardisierte Geräte und Motoren (Kühlung, Lüftung, Pumpen, Antriebe) verwendet. Die Überlegung ist hier, dass es nicht nur Energieeffizienz-Labels geben soll, sondern dass von vornherein nur mehr solche Geräte und Motoren zugelassen werden, die auch eine energieeffiziente Technologie haben.
  • Bei den privaten Dienstleistern (Banken, Handel, Hotels, Gastgewerbe) sind es Gebäude, Belüftung, Heizung/Kühlung, Beleuchtung und IT-Infrastruktur, die es zu untersuchen gilt. Laut E-Control Contracting wäre im Dienstleistungsbereich "Contracting" ein wesentlicher Schritt hin zur Initialisierung und Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen. Beim Energiecontracting geht es darum, die jeweiligen Einsparmöglichkeiten in einem Unternehmen erst einmal zu identifizieren. In der Folge müssen neue Systeme geplant und angeschafft werden. Contractoren helfen da bei der Vorfinanzierung und Wartung.

(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2008)

Donnerstag, 13. November 2008

"Bräuchten vier weitere Saudi-Arabien"

Internationale Energieagentur: Erschöpfung der Ölfelder beschleunigt sich

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem am Mittwoch erschienenen "World Energy Outlook 2008" davor, dass das Tempo, mit dem sich die Ölproduktion in den bestehenden Feldern erschöpft, deutlich höher ist als bisher angenommen. Die Agentur hat daher dazu aufgerufen, hunderte Milliarden in den Abbau der fossilen Energieträger zu investieren und gleichzeitig die Umstellung auf kohlendioxidfreie Energiequellen voranzutreiben."Wenn der Energieverbrauch so weiterwächst, bräuchten wir vier weitere Saudi-Arabien" , sagte Fatih Birol, Chefökonom der IEA. Weder Versorgung noch Konsum sei auf eine nachhaltige Weise aufgestellt. Die fossilen Energieträger Öl und Gas werden teuer bleiben, so die IEA - trotz der aktuell gerade wieder nachgebenden Ölpreise. Im Jahr 2030 rechnet die IEA mit einem Preis von 120 Dollar je Fass.
Mit dieser Hochpreis-Prognose korrigiert die in Paris ansässige Agentur übrigens einen ihrer Berichte aus früheren Jahren, wo sie bis zum Jahr 2030 mit einem Preis von knapp 30 Dollar/Fass gerechnet hatte.Im jetzt vorgestellten IEA-Jahresbericht wurden erstmals 800 bestehende Erdölfelder durchleuchtet.
Im Zentrum der Analyse steht dabei die Frage, wie hoch die "natürliche" Erschöpfung durch die bestehende Produktion ist. Hauptergebnis: Die untersuchten Lagerstätten erschöpfen sich aktuell mit einer Rate von 6,7 Prozent jährlich - ein Wert, der bis 2030 auf 8,6 Prozent steigen dürfte. "Selbst wenn die Ölnachfrage bis 2030 flach bleiben sollte, müssen 45 Millionen Barrel pro Tag - etwa viermal die saudi-arabische Kapazität - dazukommen, um die Effekte der natürlichen Erschöpfung zu kompensieren", so IEA-Exekutivdirektor Nobuo Tanaka. Dennoch glaubt die IEA, dass genug Öl im Boden ist, um die Nachfrage zu befriedigen - vorausgesetzt, die Investitionen fallen nur hoch genug aus.
Nicht nur aufgrund der Endlichkeit der fossilen Reserven sollten erneuerbare Energien forciert werden. Das wegen der Erderwärmung angestrebte Ziel, die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre zu begrenzen, sei mit der verstärkten Ausbeutung von Erdöl und -gas nicht erreichbar.
Noch sei Zeit für einen Kurswechsel, meint die IEA in dem Bericht. Beginnen könnten die Regierungen damit, dass sie die weltweiten Energiesubventionen senken (insgesamt 310 Mrd. Dollar bzw. 243 Mrd. Euro), um diese sodann in Forschung und Entwicklung der Erneuerbaren umzuleiten.
(Johanna Ruzicka, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)