Der reisende UN-Klimazirkus produzierte bisher vor allem eines: Viel CO2
Die UN-Klimakonferenz im polnischen Poznañ ist also, was Wunder, nach zwölf Tagen politischen Verhandelns mit wenig substanziellen Aussagen zu Ende gegangen. Schon im Vorfeld war befürchtet worden, dass nicht viel herauskommt - wie bei vielen Konferenzen davor. Riesenkonferenzen wie diese zeichnen sich selten durch Durchschlagskraft aus; Kritiker nennen die UN-Klimakonferenzen mittlerweile einen "reisenden Klimazirkus".
Das letzte Woche parallel ausverhandelte EU-Klimapaket, das von vielen Kritikern als so löchrig wie ein Emmentaler bezeichnet wird, nimmt sich dagegen wie ein ordentliches Verhandlungsergebnis aus. Schwächer zwar als erhofft, aber eine Grundlage, auf der aufgebaut werden kann. Setzt Europa die Ratsvorgaben um, ist die angestrebte Vorreiterposition in Sachen Klima- und Umweltschutz gewiss. Das ist schon etwas.
Doch zurück zu dem offenkundigen Unvermögen der Weltgemeinschaft, bei dem wahrscheinlich drängendsten Problem der Menschheit auf einen grünen Zweig zu kommen. Die Erderwärmung ist anscheinend so was von egal, dass trotz Tagung in Permanenz - und dies seit 1997 - zu keinem Ergebnis gelangt werden konnte. Erstaunlich angesichts der Katastrophenszenarien, die von den zuständigen UN-Klimaorganisationen in schöner Regelmäßigkeit vorgelegt wurden.
Nun muss man kein "Klima-Skeptiker" sein, der den Zusammenhang zwischen erhöhtem Treibhausgas-Ausstoß und ansteigenden Temperaturen als nicht gegeben ansieht, wenn einem die praktische Umsetzbarkeit von vielen Forderungen rund um das Völkerrechts-Vertragswerk zum Klimaschutz nicht machbar erscheint: Die Weltbevölkerung nimmt zu, damit auch der Bedarf an Lebensmitteln und Energie. Die globalisierte Produktion von Waren und Dienstleistung bringt es mit sich, dass der Handel expandiert - auch dies geht nicht ohne erhöhten Treibhausgas-Ausstoß. Und ein bisschen Wohlstand für alle - vielleicht könnte dies auch irgendwann möglich sein?
Faktum ist, dass mit dem derzeitigen Wissen und Technologiestand mehr Menschen und mehr Wirtschaftsleistung gleichbedeutend ist mit mehr Treibhausgas-Emissionen. Der forcierte Umstieg auf mehr erneuerbare Energie ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen. Die Abhängigkeit von fossiler Energie bleibt hoch. Falsch war es deshalb, am im Kioto-Klimaprotokoll vorgegebenen Muster festzuhalten, das im Wesentlichen lautet: Der Treibhausgasausstoß muss um soundso viel Prozent gesenkt werden, damit die Temperatur nicht zu sehr steigt.
Die Verhandlungen in der Vergangenheit konzentrierten sich deshalb permanent auf Abtausch. Kein Staat, keine Branche, kein Unternehmen will bei den Treibhausgas-Sparbemühungen den schwarzen Peter ziehen und mehr einsparen müssen als das Verhandlungsgegenüber oder ein Konkurrent. Die mit Ausnahmen gespickten Verhandlungsergebnisse, auch auf EU-Ebene, sind beispielhaft dafür.
Ex-Greenpeace-Aktivist Bjørn Lomborg hat in seinem Buch Cool It! darauf hingewiesen, wie wenig selbst mit einer drastischen weltweiten Einsparung an Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bewirkt werden kann. Um wie wenige Jahre die Folgen der Erderwärmung hinausgeschoben werden können. Stattdessen plädiert er für mehr Aktivitäten im Bereich Anpassung: Ein Mix aus Forschung im Bereich CO2-freier Energien samt dem Bau von Hochwasserschutz ist dabei zielführender als CO2-Sparen.
Nachhaltiges Wirtschaften ist nämlich aus vielen Gründen ein Gebot der Stunde. Und der Klimawandel ist nur einer davon.
(DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2008)
Montag, 15. Dezember 2008
Freitag, 12. Dezember 2008
Verursacher von heißen Zeiten
Kohlendioxid (CO2) ist eine segensreiche Einrichtung der Natur
Man kann es nicht sehen, man kann es nicht riechen, und es ist natürlicher Bestandteil der Luft. Lebewesen nehmen es aus der Umwelt auf, atmen es wieder aus oder wandeln es um: Kohlendioxid (CO2) ist eine segensreiche Einrichtung der Natur. Segensreich vor allem aufgrund einer Eigenschaft, die insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel diskutiert wird: CO2 wirkt in der Atmosphäre wie die Glaswand in einem Treibhaus - es lässt das Sonnenlicht herein, aber die Wärme (zu einem Teil) nicht wieder hinaus. Wäre dies nicht so, wäre die Erde ein kalter, unwirtlicher Ort, auf dem die durchschnittliche Oberflächentemperatur bei rund minus 18 Grad Celsius läge.
Aber diese natürliche Reglerfunktion ist nicht das Thema der unzähligen Klima-Konferenzen, die fast permanent und seit geraumer Zeit rund um den Erdball abgehalten werden. Vielmehr geht es darum, dass der Anteil des CO2 in der Atmosphäre stetig zunimmt, und daran ist der Mensch schuld, vor allem der, der das Glück hat, in einem Industrieland zu leben. Beim Verbrennen fossiler Energieträger - Kohle, Erdgas und Erdöl - wird der über Millionen von Jahren gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt. Dies geschieht in einem erdgeschichtlich gesehen kurzen Zeitraum, nämlich seit etwa dem Jahr 1800, dem Beginn der industriellen Revolution. Seither verstärkt der Energiekonsum den natürlichen Treibhauseffekt.
Die Aussicht, dass sich das Klima aufheizt, wirkte auf die Weltgemeinschaft so bedrohlich, dass es immerhin zu einem völkerrechtlichen Vertrag kam. 1997 wurde im japanischen Kioto ein Klimaprotokoll unterzeichnet, in dem sich die meisten Industriestaaten verpflichteten, den Treibhausgas-Ausstoß im Zeitraum 2008 bis 2012 um insgesamt 5,2 Prozent zurückzufahren - und zwar bezogen auf die Emissionen im Jahr 1990. Dass das auf Wachstum angelegten Gesellschaften nicht leicht fällt, ist schon heuer im ersten Vertragsjahr spürbar. Niemandem ist es bisher nachhaltig gelungen, Wirtschaftswachstum von Energieproduktion abzukoppeln. Der Effekt daraus: Der weltweite CO2-Ausstoß verringerte sich nicht. Im Gegenteil: Der globalisierte Handel und der Aufstieg einiger Schwellenländer zu Industrienationen bewirkten Treibhausgas-Höchststände.
Dabei pochen Klimatologen auf konsequentes Handeln. Treibhausgase sind langlebig. Es dauert mehrere Jahrzehnte, bis sie wieder verschwinden. Die Emissionen, die wir derzeit verursachen, bewirken die heißen Sommer unserer Enkel.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. Dezember 2008)
Man kann es nicht sehen, man kann es nicht riechen, und es ist natürlicher Bestandteil der Luft. Lebewesen nehmen es aus der Umwelt auf, atmen es wieder aus oder wandeln es um: Kohlendioxid (CO2) ist eine segensreiche Einrichtung der Natur. Segensreich vor allem aufgrund einer Eigenschaft, die insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel diskutiert wird: CO2 wirkt in der Atmosphäre wie die Glaswand in einem Treibhaus - es lässt das Sonnenlicht herein, aber die Wärme (zu einem Teil) nicht wieder hinaus. Wäre dies nicht so, wäre die Erde ein kalter, unwirtlicher Ort, auf dem die durchschnittliche Oberflächentemperatur bei rund minus 18 Grad Celsius läge.
Aber diese natürliche Reglerfunktion ist nicht das Thema der unzähligen Klima-Konferenzen, die fast permanent und seit geraumer Zeit rund um den Erdball abgehalten werden. Vielmehr geht es darum, dass der Anteil des CO2 in der Atmosphäre stetig zunimmt, und daran ist der Mensch schuld, vor allem der, der das Glück hat, in einem Industrieland zu leben. Beim Verbrennen fossiler Energieträger - Kohle, Erdgas und Erdöl - wird der über Millionen von Jahren gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt. Dies geschieht in einem erdgeschichtlich gesehen kurzen Zeitraum, nämlich seit etwa dem Jahr 1800, dem Beginn der industriellen Revolution. Seither verstärkt der Energiekonsum den natürlichen Treibhauseffekt.
Die Aussicht, dass sich das Klima aufheizt, wirkte auf die Weltgemeinschaft so bedrohlich, dass es immerhin zu einem völkerrechtlichen Vertrag kam. 1997 wurde im japanischen Kioto ein Klimaprotokoll unterzeichnet, in dem sich die meisten Industriestaaten verpflichteten, den Treibhausgas-Ausstoß im Zeitraum 2008 bis 2012 um insgesamt 5,2 Prozent zurückzufahren - und zwar bezogen auf die Emissionen im Jahr 1990. Dass das auf Wachstum angelegten Gesellschaften nicht leicht fällt, ist schon heuer im ersten Vertragsjahr spürbar. Niemandem ist es bisher nachhaltig gelungen, Wirtschaftswachstum von Energieproduktion abzukoppeln. Der Effekt daraus: Der weltweite CO2-Ausstoß verringerte sich nicht. Im Gegenteil: Der globalisierte Handel und der Aufstieg einiger Schwellenländer zu Industrienationen bewirkten Treibhausgas-Höchststände.
Dabei pochen Klimatologen auf konsequentes Handeln. Treibhausgase sind langlebig. Es dauert mehrere Jahrzehnte, bis sie wieder verschwinden. Die Emissionen, die wir derzeit verursachen, bewirken die heißen Sommer unserer Enkel.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. Dezember 2008)
Donnerstag, 11. Dezember 2008
EU-Klimaziel kostet Österreich zehn Milliarden
Wien lenkt bei erneuerbaren Energien ein. Eine Studie beziffert den Investitionsbedarf bis 2020 auf zehn Milliarden Euro
Die Klimaziele sind eines der Themen des am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel. Im Vorfeld ringen EU-Kommission und mehrere Mitgliedstaaten um eine Einigung mit der irischen Regierung über einen neuen Abstimmungstermin zum Reformvertrag von Lissabon.
Dublin plädiert für Oktober 2009. Die Kommission dagegen möchte die Abstimmung auf das Frühjahr vorziehen, da laut Umfragen die Union wegen der Wirtschaftskrise mehr Ansehen bei den Iren genießt als beim ersten Votum im Juni. Beim EU-Gipfel soll ein Irland ein Anreizpaket präsentiert werden, um ein Ja beim Referendum zu ermöglichen.
Die EU-Staaten haben sich auf einen Kompromiss für einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energieträger in der EU auf 20 Prozent bis 2020 geeinigt. Die Richtlinie sieht verpflichtende nationale Ziele für jedes Land vor sowie eine Überprüfung des EU-Gesetzes im Jahr 2014.
Österreich habe bei der informellen Einigung am Montagabend noch Vorbehalte angemeldet, wird sein extrem hohes Ziel für einen Ausbau auf 34 Prozent des Energieverbrauchs aber akzeptieren, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Insgesamt will die EU die erneuerbaren Energien aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse von 8,5 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 erhöhen.
Der Ausbau ist vor allem eine Kostenfrage. Eine dem STANDARD vorliegende Studie des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young geht davon aus, dass die Vorgaben für Österreich "technisch und wirtschaftlich nur schwer machbar" sind, vor allem, weil erprobte Technologien wie Wasserkraft und Onshore-Windenergie nur ein begrenztes Wachstumspotenzial haben. Auch der notwendige massive Umbau des bestehenden Elektrizitätsnetzes verschlinge Zeit und Kosten. Aufgrund der Finanzkrise werde die Mittelaufbringung schwieriger. E&Y-Expertin Elfriede Baumann rechnet damit, dass Österreich zur Zielerreichung bis zum Jahr 2020 zehn Milliarden Euro investieren muss; europaweit sind es 500 Milliarden Euro.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hatte beim Treffen mit seinen Ressortkollegen am Montag noch einen Versuch gemacht, deutlich zu machen, dass diese Vorgaben zu hoch seien, war damit aber nicht durchgedrungen. Die französische EU-Präsidentschaft habe eine Diskussion um nationale Ziele gar nicht mehr zugelassen. 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Österreich 23,3 Prozent und stammte vor allem aus Wasserkraft.
(Johanna Ruzicka, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2008)
Die Klimaziele sind eines der Themen des am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel. Im Vorfeld ringen EU-Kommission und mehrere Mitgliedstaaten um eine Einigung mit der irischen Regierung über einen neuen Abstimmungstermin zum Reformvertrag von Lissabon.
Dublin plädiert für Oktober 2009. Die Kommission dagegen möchte die Abstimmung auf das Frühjahr vorziehen, da laut Umfragen die Union wegen der Wirtschaftskrise mehr Ansehen bei den Iren genießt als beim ersten Votum im Juni. Beim EU-Gipfel soll ein Irland ein Anreizpaket präsentiert werden, um ein Ja beim Referendum zu ermöglichen.
Die EU-Staaten haben sich auf einen Kompromiss für einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energieträger in der EU auf 20 Prozent bis 2020 geeinigt. Die Richtlinie sieht verpflichtende nationale Ziele für jedes Land vor sowie eine Überprüfung des EU-Gesetzes im Jahr 2014.
Österreich habe bei der informellen Einigung am Montagabend noch Vorbehalte angemeldet, wird sein extrem hohes Ziel für einen Ausbau auf 34 Prozent des Energieverbrauchs aber akzeptieren, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Insgesamt will die EU die erneuerbaren Energien aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse von 8,5 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 erhöhen.
Der Ausbau ist vor allem eine Kostenfrage. Eine dem STANDARD vorliegende Studie des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young geht davon aus, dass die Vorgaben für Österreich "technisch und wirtschaftlich nur schwer machbar" sind, vor allem, weil erprobte Technologien wie Wasserkraft und Onshore-Windenergie nur ein begrenztes Wachstumspotenzial haben. Auch der notwendige massive Umbau des bestehenden Elektrizitätsnetzes verschlinge Zeit und Kosten. Aufgrund der Finanzkrise werde die Mittelaufbringung schwieriger. E&Y-Expertin Elfriede Baumann rechnet damit, dass Österreich zur Zielerreichung bis zum Jahr 2020 zehn Milliarden Euro investieren muss; europaweit sind es 500 Milliarden Euro.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hatte beim Treffen mit seinen Ressortkollegen am Montag noch einen Versuch gemacht, deutlich zu machen, dass diese Vorgaben zu hoch seien, war damit aber nicht durchgedrungen. Die französische EU-Präsidentschaft habe eine Diskussion um nationale Ziele gar nicht mehr zugelassen. 2005 betrug der Anteil erneuerbarer Energien in Österreich 23,3 Prozent und stammte vor allem aus Wasserkraft.
(Johanna Ruzicka, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2008)
Schlagworte:
EU,
EU-Gipfel,
Reinhold Mitterlehner
Dienstag, 09. Dezember 2008
Planet in Peril: Battlelines
CNN-Dokumentation zur weltweiten Veränderung der Natur
Die zweite Staffel der mehrfach ausgezeichneten CNN-Dokumentation „Planet in Peril“ führt in einer zweistündigen Reise um den Globus. Der Zuschauer wird konfrontiert mit vom Menschen verursachten Naturkatastrophen und den Veränderungen natürlicher Lebensräume.
Die Reportage führt u.a. nach Nigeria, wo in den Gebieten des Nigerdeltas erbitterte Kämpfe um Rohöl ausgetragen werden. Weiter zum Nordpol, wo das Abschmelzen des Pols zur Folge hat, dass sich internationale Interessengruppen um die neu entstehenden Energiequellen streiten. Die Experten waren in Kamerun, wo der Lebensmittelmangel dazu führt, dass die Bevölkerung in den Dschungel gedrängt wird. Dort sind sie tödlichen, noch unerforschten Krankheiten ausgesetzt. Weitere Krisenherde aus denen „Planet in Peril“ berichtet: Costa Rica, Südafrika und Ostafrika, wo Berggorillas zu einer vom Aussterben bedrohten Art zählen.
CNN International zeigt “Planet in Peril“ am Freitag den 12. Dezember um 3:00, 11:00 und 18:00 Uhr, Samstag den 13. Dezember um 13:00 und 21:00 Uhr und Sonntag den 14. Dezember um 2:00, 7:00 und 23:00 Uhr. Weitere Informationen unter http://www.cnn.com/SPECIALS/2008/planet.in.peril/.
Quelle: CNN, Pressemitteilung
Die zweite Staffel der mehrfach ausgezeichneten CNN-Dokumentation „Planet in Peril“ führt in einer zweistündigen Reise um den Globus. Der Zuschauer wird konfrontiert mit vom Menschen verursachten Naturkatastrophen und den Veränderungen natürlicher Lebensräume.
Die Reportage führt u.a. nach Nigeria, wo in den Gebieten des Nigerdeltas erbitterte Kämpfe um Rohöl ausgetragen werden. Weiter zum Nordpol, wo das Abschmelzen des Pols zur Folge hat, dass sich internationale Interessengruppen um die neu entstehenden Energiequellen streiten. Die Experten waren in Kamerun, wo der Lebensmittelmangel dazu führt, dass die Bevölkerung in den Dschungel gedrängt wird. Dort sind sie tödlichen, noch unerforschten Krankheiten ausgesetzt. Weitere Krisenherde aus denen „Planet in Peril“ berichtet: Costa Rica, Südafrika und Ostafrika, wo Berggorillas zu einer vom Aussterben bedrohten Art zählen.
CNN International zeigt “Planet in Peril“ am Freitag den 12. Dezember um 3:00, 11:00 und 18:00 Uhr, Samstag den 13. Dezember um 13:00 und 21:00 Uhr und Sonntag den 14. Dezember um 2:00, 7:00 und 23:00 Uhr. Weitere Informationen unter http://www.cnn.com/SPECIALS/2008/planet.in.peril/.Quelle: CNN, Pressemitteilung
Wackelige Argumentation
Zu glauben, dass die Finanzmarktturbulenzen nicht auch die Diskussionen um den Klimawandel beeinflussen werden, ist blauäugig. Nächste Woche, wenn EU-Regierungschefs um das Klima- und Energiepaket ringen, wird dies nicht gleich offenbar: Weil es grundvernünftig ist, den Energiekonsum einzuschränken und die Abhängigkeiten von den sibirischen Gasfeldern und den saudischen Ölressourcen zu verringern, wird es zu einem umfangreichen Maßnahmenkatalog kommen. Ziel dieses Katalogs wird sein, den ausufernden Bedarf in der EU künftig einzudämmen und neue, innovative Technologien rund um Energie und Effizienz zu fördern.
Gleichzeitig aber wird nächste Woche im polnischen Poznañ (Posen) nach einem Gerüst für eine Nachfolge des Kioto-Protokolls gesucht. Da geht es darum, dass Länder wie China und Indien, deren Bevölkerung gerade einmal ein bisschen Wohlstand haben schnuppern können, sich bei ihrem Energiekonsum und damit ihren Ausstoß von Treibhausgasen einschränken. Dem Weltklima zuliebe - obwohl noch immer viele Haushalte in diesen Ländern nicht einmal elektrisches Licht haben. Schon bisher beruhten die Forderungen der Industrieländer, die Schwellen- und Entwicklungsländer beim CO2-Sparen voll in die Pflicht zu nehmen, auf einer wackeligen Argumentation. Angesichts dessen, dass die USA bisher nichts dagegen getan haben und des Weiteren schuld daran sind, dass die Finanzmarktkrise derzeit mit aller Macht über die labileren Wirtschaften der Schwellen- und Entwicklungsländer hinwegschwappt, wäre dies ein Hohn.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7./8.12.2008)
Gleichzeitig aber wird nächste Woche im polnischen Poznañ (Posen) nach einem Gerüst für eine Nachfolge des Kioto-Protokolls gesucht. Da geht es darum, dass Länder wie China und Indien, deren Bevölkerung gerade einmal ein bisschen Wohlstand haben schnuppern können, sich bei ihrem Energiekonsum und damit ihren Ausstoß von Treibhausgasen einschränken. Dem Weltklima zuliebe - obwohl noch immer viele Haushalte in diesen Ländern nicht einmal elektrisches Licht haben. Schon bisher beruhten die Forderungen der Industrieländer, die Schwellen- und Entwicklungsländer beim CO2-Sparen voll in die Pflicht zu nehmen, auf einer wackeligen Argumentation. Angesichts dessen, dass die USA bisher nichts dagegen getan haben und des Weiteren schuld daran sind, dass die Finanzmarktkrise derzeit mit aller Macht über die labileren Wirtschaften der Schwellen- und Entwicklungsländer hinwegschwappt, wäre dies ein Hohn.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7./8.12.2008)
Schlagworte:
CO2,
Finanzkrise,
Kioto,
Klimawandel,
Poznañ
Freitag, 05. Dezember 2008
Klimadialog von Telekom Austria
Am 24. November fand der zweite Klimadialog von Telekom Austria statt.
Hier einige zentrale Aussagen der Vortragenden.
Trendforscher Matthias Horx:
„Der Boom der vergangenen 20 Jahre, getragen durch billiges Öl, hat uns innovationsfaul gemacht."
„Wir haben momentan zehnmal so viel Computerpower, als wir eigentlich brauchen. Das ist ein großes Zukunftsthema für die IT-Branche; sie muss als Nächstes den Schritt zur CO2-Reduktion vollziehen. Mit großen Möglichkeiten: Die Einsparpotenziale, die ein Auto mit Verbrennungsmotor bietet, sind ja nahezu ausgeschöpft, in der Computertechnologie lässt sich noch um den Faktor 100 einsparen.“
Klimatologe Stefan Rahmstorf:
"Das Frustrierende ist, dass wir die Energiewende vergleichsweise billig haben könnten."
(lt. Nicholas Stern, EX-Weltbankökonom, ist nur ein prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts dafür in die Hand zu nehmen).
Hier einige zentrale Aussagen der Vortragenden.
Trendforscher Matthias Horx:
„Der Boom der vergangenen 20 Jahre, getragen durch billiges Öl, hat uns innovationsfaul gemacht."
„Wir haben momentan zehnmal so viel Computerpower, als wir eigentlich brauchen. Das ist ein großes Zukunftsthema für die IT-Branche; sie muss als Nächstes den Schritt zur CO2-Reduktion vollziehen. Mit großen Möglichkeiten: Die Einsparpotenziale, die ein Auto mit Verbrennungsmotor bietet, sind ja nahezu ausgeschöpft, in der Computertechnologie lässt sich noch um den Faktor 100 einsparen.“
Klimatologe Stefan Rahmstorf:
"Das Frustrierende ist, dass wir die Energiewende vergleichsweise billig haben könnten."
(lt. Nicholas Stern, EX-Weltbankökonom, ist nur ein prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts dafür in die Hand zu nehmen).
"Wovon es letztendlich abhängt, ist der politische Wille."
„Der Klimawandel beschleunigt sich, die CO2-Emissionen der Industriestaaten steigen nach wie vor. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre ökologische Verantwortung wahrnehmen und zur Bewusstseinsbildung beitragen.“
Mag. Brigitte Schüßler, Leitung Supply & Resource Management Telekom Austria:
"Durch den Einsatz von modernen und innovativen Telekommunikationstechnologien könnten jährlich in Europa bis zu 50 Millionen Tonnen CO2 Emissionen reduziert
werden. Informations- und Kommunikationstechnologien sind daher eine der Schlüsseltechnologien für nachhaltiges Handeln".
„Eine nachhaltige Konzeption im Energieeinsatz wirkt nicht allein emissionsmindernd und damit klimafreundlich, sie wirkt auch kostensenkend und stärkt damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens.“
Siehe auch: Kurier, Wirtschaftsblatt, Wiener Zeitung, Telekom Austria
„Der Klimawandel beschleunigt sich, die CO2-Emissionen der Industriestaaten steigen nach wie vor. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre ökologische Verantwortung wahrnehmen und zur Bewusstseinsbildung beitragen.“
Mag. Brigitte Schüßler, Leitung Supply & Resource Management Telekom Austria:
"Durch den Einsatz von modernen und innovativen Telekommunikationstechnologien könnten jährlich in Europa bis zu 50 Millionen Tonnen CO2 Emissionen reduziert
werden. Informations- und Kommunikationstechnologien sind daher eine der Schlüsseltechnologien für nachhaltiges Handeln".
„Eine nachhaltige Konzeption im Energieeinsatz wirkt nicht allein emissionsmindernd und damit klimafreundlich, sie wirkt auch kostensenkend und stärkt damit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens.“
Siehe auch: Kurier, Wirtschaftsblatt, Wiener Zeitung, Telekom Austria

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Klimadialog,
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Stefan Rahmstorf,
Telekom Austria
Klimafonds mit neuer Struktur
Der ehemalige grüne Abgeordnete Andreas Wabl, der die Klimaschutzmaßnahmen des Bundes koordinierte, wird dies bis zum August 2009 weiter tun
Nachdem sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) noch vor ein paar Tagen für die Abschaffung der Position des Klimaschutzbeauftragten ausgesprochen hat, hat er nun einen - kleinen - Rückzieher gemacht: Der ehemalige grüne Abgeordnete Andreas Wabl, der unter Alfred Gusenbauer die Klimaschutzmaßnahmen des Bundes koordinierte, wird dies bis zum Auslaufen seines Vertrages im August 2009 auch weiter tun, so das Bundeskanzleramt - jedoch nicht darüber hinaus.Denn die Regierungsparteien wollen den mit 150 Millionen Euro jährlich dotierten Klima- und Energiefonds kräftig umbauen. Künftig sollen nur mehr Landwirtschaftsministerium und Verkehrsministerium dem Klimafonds-Präsidium angehören. Bei der vorherigen, derzeit noch gültigen Konstruktion, waren auch jeweils ein Vertreter von Wirtschaftsministerium und Bundeskanzleramt - eben in der Person von Andreas Wabl - mit dabei.
Wenig effiziente Struktur
Die Struktur des Fonds mit vier Eigentümervertretern war häufig als wenig effizient bezeichnet worden - vor allem, weil dabei nach dem Motto: Förderst du Projekte aus meinem Einflussbereich, fördere ich Projekte aus deinem, vorgegangen worden sein soll.Wabl kann dieser Kritik nicht folgen. Nach anfänglichen Konflikten sei der Fonds nun sehr gut aufgestellt. Dies beweise auch die Präsidiumssitzung vom Mittwoch dieser Woche, bei der die Entscheidung getroffen wurde, dass 4,7 Mio. Euro in die Förderung einer Modellregion für Elektro-Mobilität, und zwar in Vorarlberg, fließen sollen.Nur zwei Ministerien im Präsidium des Fonds empfindet Wabl als Rückschritt: "Der Grundgedanke war, dass Klimaschutz und Umweltpolitik alle Ministerien massiv betrifft." Sparüberlegungen, meint Wabl, könnten hinter der angekündigten neuen Struktur nicht stehen: "Ich kriege für den Job 2800 Euro brutto; auftragsbezogen."
Bundesklimaschutzgesetz
Im Regierungspakt akkordiert ist ein "Bundesklimaschutzgesetz" , mit dem künftig eine Lastenverteilung zwischen Ländern und Bund festgelegt werden soll. Denn aus den ungebremsten Treibhausgas-Emissionen Österreichs könnten schon ab heuer Nachzahlungen resultieren, betont Stefan Schleicher vom Expertenbeirat des Klimafonds. Die im Kioto-Protokoll eingegangenen Verpflichtungen fallen demnach heuer erstmals an. Nach Berechnungen von Schleicher emittiert Österreich über die fünf Jahre Kioto-Protokoll-Laufzeit (2008 bis 2012) jährlich 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu viel; nur für neun Millionen Tonnen wurden bisher Zertifikate gekauft.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5.12.2008)
Nachdem sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) noch vor ein paar Tagen für die Abschaffung der Position des Klimaschutzbeauftragten ausgesprochen hat, hat er nun einen - kleinen - Rückzieher gemacht: Der ehemalige grüne Abgeordnete Andreas Wabl, der unter Alfred Gusenbauer die Klimaschutzmaßnahmen des Bundes koordinierte, wird dies bis zum Auslaufen seines Vertrages im August 2009 auch weiter tun, so das Bundeskanzleramt - jedoch nicht darüber hinaus.Denn die Regierungsparteien wollen den mit 150 Millionen Euro jährlich dotierten Klima- und Energiefonds kräftig umbauen. Künftig sollen nur mehr Landwirtschaftsministerium und Verkehrsministerium dem Klimafonds-Präsidium angehören. Bei der vorherigen, derzeit noch gültigen Konstruktion, waren auch jeweils ein Vertreter von Wirtschaftsministerium und Bundeskanzleramt - eben in der Person von Andreas Wabl - mit dabei.
Wenig effiziente Struktur
Die Struktur des Fonds mit vier Eigentümervertretern war häufig als wenig effizient bezeichnet worden - vor allem, weil dabei nach dem Motto: Förderst du Projekte aus meinem Einflussbereich, fördere ich Projekte aus deinem, vorgegangen worden sein soll.Wabl kann dieser Kritik nicht folgen. Nach anfänglichen Konflikten sei der Fonds nun sehr gut aufgestellt. Dies beweise auch die Präsidiumssitzung vom Mittwoch dieser Woche, bei der die Entscheidung getroffen wurde, dass 4,7 Mio. Euro in die Förderung einer Modellregion für Elektro-Mobilität, und zwar in Vorarlberg, fließen sollen.Nur zwei Ministerien im Präsidium des Fonds empfindet Wabl als Rückschritt: "Der Grundgedanke war, dass Klimaschutz und Umweltpolitik alle Ministerien massiv betrifft." Sparüberlegungen, meint Wabl, könnten hinter der angekündigten neuen Struktur nicht stehen: "Ich kriege für den Job 2800 Euro brutto; auftragsbezogen."
Bundesklimaschutzgesetz
Im Regierungspakt akkordiert ist ein "Bundesklimaschutzgesetz" , mit dem künftig eine Lastenverteilung zwischen Ländern und Bund festgelegt werden soll. Denn aus den ungebremsten Treibhausgas-Emissionen Österreichs könnten schon ab heuer Nachzahlungen resultieren, betont Stefan Schleicher vom Expertenbeirat des Klimafonds. Die im Kioto-Protokoll eingegangenen Verpflichtungen fallen demnach heuer erstmals an. Nach Berechnungen von Schleicher emittiert Österreich über die fünf Jahre Kioto-Protokoll-Laufzeit (2008 bis 2012) jährlich 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu viel; nur für neun Millionen Tonnen wurden bisher Zertifikate gekauft.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5.12.2008)
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Andreas Wabl,
Klimafonds,
Werner Faymann
Montag, 01. Dezember 2008
"Finanzkrise nicht als Klima-Ausrede nehmen"
Im polnischen Poznan wird an einem neuen Klimavertrag gearbeitet: Yvo de Boer, Chef des UN-Klimasekretariats im STANDARD-Interview über Zeitdruck und US-Mitarbeit
STANDARD: Seitdem die Finanzkrise internationale Ausmaße erreicht hat, scheinen die Probleme rund um den Klimawandel als weniger wichtig erachtet zu werden. Wird wegen der Finanzkrise der Klimaschutz auf die lange Bank geschoben?
De Boer: Es ist schon klar, dass die Finanzmarktkrise, zusammen mit einer Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums, verheerende Auswirkungen auf die Länder hat. Es ist auch klar, dass es deshalb schwieriger wird, Gelder für den Klimaschutz aufzustellen. Aber gerade aufgrund der aktuellen Krise müssen wir die Art, wie Kredite vergeben werden, überdenken. Ich sehe da auch Chancen für Klimaschutzprojekte, wenn wir die Darlehensvergabe auf eine nachhaltigere Art umstellen.
Aber natürlich: Niemand kann derzeit zu den Finanzministern gehen mit dem Hut in der Hand und sagen: Ich brauche Geld für den Klimaschutz. Was wir deshalb brauchen, ist eine Art "grünes Finanzsystem", das sich selbst finanziert. Darüber werden wir jetzt in Poznan sprechen.
STANDARD: Aufgrund der erwarteten weltweiten Rezession werden auch weniger fossile Energieträger verwendet. Kommt da die Finanzkrise nicht wie gerufen?
De Boer: Mit einer Verlangsamung der Wirtschaftsaktivitäten gibt es auch weniger Treibhausgas-Emissionen. Das ist zwar keine gute Nachricht für den Einzelnen, aber, ja, das ist gut in Bezug auf den Treibhauseffekt. Trotzdem ist beim Treffen der G20 kürzlich in Washington festgehalten worden, dass die Finanzkrise keine Ausrede dafür sein darf, Aktionen gegen den Klimawandel aufzuschieben.
STANDARD: Es gibt viele Kritiker, die weiterhin sagen, dass nicht der Mensch mit seinem Einsatz fossiler Energien am Klimawandel schuld ist. Wie gehen Sie mit diesen Aussagen um?
De Boer: Im letzten Report des UN-Klimarates IPCC von 2007 wird klar gezeigt, dass der Klimawandel eine Tatsache ist und dass er vom Menschen verursacht wird. Diese Debatte, ob die Erderwärmung eventuell nicht antropogener Natur ist, diese Debatte ist vorbei. Der IPCC hat uns klar gesagt, dass der durchschnittliche Temperaturanstieg, auf den wir uns gefasst machen müssen, bei rund drei Prozent noch in diesem Jahrhundert liegt - wenn nichts dagegen unternommen wird und wir zulassen, dass sich die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem vorindustriellen Niveau verdoppeln. Die hohen Kosten, die durch Nicht-handeln verursacht würden, das hat uns der IPCC genau erklärt.
STANDARD: In den nächsten zwölf Tagen werden in Poznan Verhandlungen geführt, die zu einem internationalen Klimaschutzabkommen führen sollen, das nach dem Kyoto-Abkommen, also bereits ab 2013, gelten soll. Was muss in Poznan herauskommen, damit Sie das Treffen als Erfolg werten?
De Boer: Das wird ein wichtiges Treffen, um eine weltweite Zusammenarbeit im Bereich Klimaschutz auf den Weg zu bringen. Wir müssen dort die verschiedenen Ideen, die zuletzt aufgekommen sind, zusammentragen. Ich hoffe, dass wir nach Poznan ein Papier fertighaben, aufgrund dessen wir konkret verhandeln können. Entscheidend wird sein, ob wir die bestehenden Finanzierungsmechanismen (etwa bei Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländer, bei denen sich das Investorenland die eingesparten Emissionen gutschreiben kann, Anm.) ausbauen und effektiver gestalten können. Es wird wichtig sein, den bestehenden Anpassungsfonds so auszuverhandeln, dass er auch operativ werden kann. Bei diesem Anpassungsfonds müssen die Industriestaaten Vorschläge unterbreiten, wie neue Finanzquellen dafür eröffnet werden.
STANDARD: Ist es in Poznan überhaupt möglich, zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen? Der neue US-Präsident Barack Obama wird erst im Jänner angelobt. Die USA sind als größter Treibhausgas-Emittent weiterhin nicht Teil des Klima-Abkommens.
De Boer: Die USA waren immer konstruktiv in den Verhandlungsprozess involviert, obwohl sie das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben. Der neue Präsident Obama hat bereits gesagt, dass er die US-Treibhausgasemissionen reduzieren will und dass er national verbindliche Emissionsobergrenzen einführen wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 1. 12. 2008)
STANDARD: Seitdem die Finanzkrise internationale Ausmaße erreicht hat, scheinen die Probleme rund um den Klimawandel als weniger wichtig erachtet zu werden. Wird wegen der Finanzkrise der Klimaschutz auf die lange Bank geschoben?
De Boer: Es ist schon klar, dass die Finanzmarktkrise, zusammen mit einer Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums, verheerende Auswirkungen auf die Länder hat. Es ist auch klar, dass es deshalb schwieriger wird, Gelder für den Klimaschutz aufzustellen. Aber gerade aufgrund der aktuellen Krise müssen wir die Art, wie Kredite vergeben werden, überdenken. Ich sehe da auch Chancen für Klimaschutzprojekte, wenn wir die Darlehensvergabe auf eine nachhaltigere Art umstellen.
Aber natürlich: Niemand kann derzeit zu den Finanzministern gehen mit dem Hut in der Hand und sagen: Ich brauche Geld für den Klimaschutz. Was wir deshalb brauchen, ist eine Art "grünes Finanzsystem", das sich selbst finanziert. Darüber werden wir jetzt in Poznan sprechen.
STANDARD: Aufgrund der erwarteten weltweiten Rezession werden auch weniger fossile Energieträger verwendet. Kommt da die Finanzkrise nicht wie gerufen?
De Boer: Mit einer Verlangsamung der Wirtschaftsaktivitäten gibt es auch weniger Treibhausgas-Emissionen. Das ist zwar keine gute Nachricht für den Einzelnen, aber, ja, das ist gut in Bezug auf den Treibhauseffekt. Trotzdem ist beim Treffen der G20 kürzlich in Washington festgehalten worden, dass die Finanzkrise keine Ausrede dafür sein darf, Aktionen gegen den Klimawandel aufzuschieben.
STANDARD: Es gibt viele Kritiker, die weiterhin sagen, dass nicht der Mensch mit seinem Einsatz fossiler Energien am Klimawandel schuld ist. Wie gehen Sie mit diesen Aussagen um?
De Boer: Im letzten Report des UN-Klimarates IPCC von 2007 wird klar gezeigt, dass der Klimawandel eine Tatsache ist und dass er vom Menschen verursacht wird. Diese Debatte, ob die Erderwärmung eventuell nicht antropogener Natur ist, diese Debatte ist vorbei. Der IPCC hat uns klar gesagt, dass der durchschnittliche Temperaturanstieg, auf den wir uns gefasst machen müssen, bei rund drei Prozent noch in diesem Jahrhundert liegt - wenn nichts dagegen unternommen wird und wir zulassen, dass sich die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem vorindustriellen Niveau verdoppeln. Die hohen Kosten, die durch Nicht-handeln verursacht würden, das hat uns der IPCC genau erklärt.
STANDARD: In den nächsten zwölf Tagen werden in Poznan Verhandlungen geführt, die zu einem internationalen Klimaschutzabkommen führen sollen, das nach dem Kyoto-Abkommen, also bereits ab 2013, gelten soll. Was muss in Poznan herauskommen, damit Sie das Treffen als Erfolg werten?
De Boer: Das wird ein wichtiges Treffen, um eine weltweite Zusammenarbeit im Bereich Klimaschutz auf den Weg zu bringen. Wir müssen dort die verschiedenen Ideen, die zuletzt aufgekommen sind, zusammentragen. Ich hoffe, dass wir nach Poznan ein Papier fertighaben, aufgrund dessen wir konkret verhandeln können. Entscheidend wird sein, ob wir die bestehenden Finanzierungsmechanismen (etwa bei Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländer, bei denen sich das Investorenland die eingesparten Emissionen gutschreiben kann, Anm.) ausbauen und effektiver gestalten können. Es wird wichtig sein, den bestehenden Anpassungsfonds so auszuverhandeln, dass er auch operativ werden kann. Bei diesem Anpassungsfonds müssen die Industriestaaten Vorschläge unterbreiten, wie neue Finanzquellen dafür eröffnet werden.
STANDARD: Ist es in Poznan überhaupt möglich, zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen? Der neue US-Präsident Barack Obama wird erst im Jänner angelobt. Die USA sind als größter Treibhausgas-Emittent weiterhin nicht Teil des Klima-Abkommens.
De Boer: Die USA waren immer konstruktiv in den Verhandlungsprozess involviert, obwohl sie das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben. Der neue Präsident Obama hat bereits gesagt, dass er die US-Treibhausgasemissionen reduzieren will und dass er national verbindliche Emissionsobergrenzen einführen wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 1. 12. 2008)
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Yvo de Boer
Agrarreform: In homöopathischen Dosen
Was als „Health-Check", als Gesundheitsuntersuchung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) bezeichnet wurde, verdient diesen Namen nicht. Die Untersuchung wurde durchgeführt - passiert ist jedoch nichts Wesentliches. Die Umschichtungen bei den Förderungen widerspiegeln die Interessenlagen und die Stärken der einzelnen EU-Mitglieder. Nicht einmal die grotesk hohen Direktzahlungen an die EU-Großbauernschaft wurden ordentlich beschnitten.
Es wäre hoch an der Zeit gewesen, von den homöopathisch dosierten Reduktionen beim Agrarbudget Abstand zu nehmen und stattdessen eine großzügige Neuausrichtung zu wagen. Eine solche Neuorientierung hätte weiterhin viel mit Landwirtschaft zu tun gehabt - nur wären die Mittel halt mehr in die Lösung von Zukunftsfragen geflossen.
Erst diesen Sommer konnte beobachtet werden, was die steigende Nachfrage, etwa bei Getreide, auf den Märkten bewirkt. Und wie ein ungezügelter Ausbau von nachwachsenden Energien die Preise für Agrarprodukte explodieren lässt. Der große, verzerrende Faktor, den die Agrarhilfen Europas und der USA in Entwicklungs- und Schwellenländern darstellen, wurde deutlich wie nie zuvor.
Die Bedeutung der Landwirtschaft ist angesichts all dieser Probleme gestiegen, nicht gesunken. 40 Milliarden Euro sollten auf Zukunftsfragen abstellen. Doch kann man es den EU-Agrarpolitikern nicht einmal verübeln, dass sie einmal mehr auf Besitzstandswahrung gesetzt haben. Der Ruf nach dem Staat ist derzeit en vogue wie schon lange nicht mehr. Und die Landwirtschaft ist quasi beispielgebend für Banken und Autoindustrie.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2008)
Es wäre hoch an der Zeit gewesen, von den homöopathisch dosierten Reduktionen beim Agrarbudget Abstand zu nehmen und stattdessen eine großzügige Neuausrichtung zu wagen. Eine solche Neuorientierung hätte weiterhin viel mit Landwirtschaft zu tun gehabt - nur wären die Mittel halt mehr in die Lösung von Zukunftsfragen geflossen.
Erst diesen Sommer konnte beobachtet werden, was die steigende Nachfrage, etwa bei Getreide, auf den Märkten bewirkt. Und wie ein ungezügelter Ausbau von nachwachsenden Energien die Preise für Agrarprodukte explodieren lässt. Der große, verzerrende Faktor, den die Agrarhilfen Europas und der USA in Entwicklungs- und Schwellenländern darstellen, wurde deutlich wie nie zuvor.
Die Bedeutung der Landwirtschaft ist angesichts all dieser Probleme gestiegen, nicht gesunken. 40 Milliarden Euro sollten auf Zukunftsfragen abstellen. Doch kann man es den EU-Agrarpolitikern nicht einmal verübeln, dass sie einmal mehr auf Besitzstandswahrung gesetzt haben. Der Ruf nach dem Staat ist derzeit en vogue wie schon lange nicht mehr. Und die Landwirtschaft ist quasi beispielgebend für Banken und Autoindustrie.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.11.2008)
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Agrarpolitik,
EU,
GAP,
Landwirtschaft
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