Die schlechte Wirtschaftslage verleitet europäische Firmen dazu, sich von ihren Emissionszertifikaten zu trennen, um so noch schnell ein Körberlgeld zu machen
Marktbeobachter bemerken derzeit, dass Unternehmen, die Anfang 2008 von ihren Regierungen mit Gratis-Emissionszertifikation bedient wurden, diese nun verkaufen. Der Grund: Damit können sich die von der Finanzkrise häufig arg gebeutelten Unternehmen kurzfristig Liquidität beschaffen. Dementsprechend ist der Preis für die Zertifikate stark abgesackt. Der Preis unterschritt diese Woche die Zehn-Euro-Grenze.
"Viele Branchen erwarten eine rückläufige Produktion", erklärt Jürgen Wahl, Vorstand der EXAA, der in Wien ansässigen Energy Exchange Austria. Und Fatih Birol, der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, erklärte laut Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich, dass seine Institution erwartet, dass die Zertifikatpreise die nächsten zwei Jahre niedrig bleiben werden.
Firmen wie die Voest - der Stahlbetrieb ist Österreichs größter Treibhausgas-Emittent - haben mit dem Verkauf ihrer Zertifikate noch nicht begonnen. "Wir haben 2008 ein Fünftel weniger zugeteilt bekommen", erklärt Voest-Sprecher Peter Schiefer. Auch bei einem geringeren Output angesichts schlechter Nachfrage nach Stahl müsse man deshalb mit den Emissionsberechtigungen haushalten. "Wir werden uns bestenfalls Zertifikatszukäufe ersparen", sagt Schiefer.
Teure Zertifikate sollten Ansporn sein
Für das ambitionierte EU-Emissionshandelssystem, das ab 2008 in die erste richtige Handelsphase eintrat, ist diese Entwicklung auf alle Fälle Gift. Die Kommission hatte sich beim Design des Handelssystems eigentlich erwartet, dass CO2 ein begehrtes und damit teures Gut werden würde. Und dass es aufgrund hoher Zertifikatspreise - erwartet wurden eigentlich 25, 30 Euro je Tonne - ein Ansporn entstehen würde, in emissionsarme Technologien zu investieren.
Nun aber werfen EU-Großbetriebe die Zertifikate auf den Markt um mit den Erlösen schnell die Bilanzen etwas aufzufetten. Billig gekauft werden die Scheine von Spekulanten mit langem Atem: Die derzeit im Umlauf befindlichen Zertifikate gelten auch in der nächsten Handelsperiode ab 2013. Diskutiert wird, dass ab 2013 weitere Branchen (etwa die Luftfahrt) ins Emissionshandelssystem aufgenommen und die Gratisvergabe zurückgefahren wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.2.2009)
1 Kommentare:
Tja, so kann man sich täuschen. Da denkt man, wir führen einfach solche Zertifikate ein, die kosten Geld. Und dann, weil Unternehmen ja betriebswirtschaftlich denken (oder dies zumindest tun sollten), tun sie "freiwillig" was für den Umwelt- und den Klimaschutz. Aber Pustekuchen! Wie aus dem Nichts kommt da die Finanz- und Wirtschaftskrise daher marschiert und macht der Politik einen fetten Strich durch die Rechnung! Was tun?
Aber ich verstehe das ja. Für mich kommt Weihnachten z. B. auch jedes Jahr völlig überraschend und unvorhersehbar, genauso wie Eis und Schnee im Winter für die Autofahrer.
Vielleicht sollte ich mir ein CO2-Zertifikat kaufen. Für 10,-€ je Tonne kann man schon ne Weile pupsen und braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, dass man die Umwelt belastet mit seinen schwefligen Darmwinden. Oder ich heb das Zertifikat auf und verscherbel es, wenn´s mal richtig teuer werden sollte. So in 100 oder 200 Jahren!
Liebe Grüße von Thialfi
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