Sonntag, 10. Mai 2009

Reiche Länder sichern sich Ackerland im Süden

Forderung nach mehr Transparenz bei den Verhandlungen und Einbindung der Landbevölkerung

Der Ölstaat Bahrain sicherte sich kürzlich 10.000 Hektar Ackerland auf den Philippinen. China kaufte von Simbabwe fruchtbaren Grund und Boden. Katar wurde mit Kenia handelseins, dabei wechselten 40.000 Hektar den Besitzer.
Die Liste der reichen Staaten, die sich über Kauf oder langfristige Pacht Ackerflächen auf anderen Kontinenten, vor allem in Afrika, sichern, ist länger als bisher angenommen. "Einer der bleibenden Effekte der Nahrungsmittelkrise von 2007 bis 2008 ist, dass die Akquisitionen von Farmland in Entwicklungsländern durch andere Staaten zunehmen", schreibt die mit staatlichen Geldern betriebene US-Denkfabrik International Food Policy Research Institute (Ifpri). Ifpri ist es zu verdanken, dass dieses relativ neue Phänomen in einer Studie untersucht wurde und jüngst eine Liste darüber erstellt wurde, wer sich bei wem einkaufte - soweit bekannt.
Seit 2006 sind weltweit 15 bis 20 Millionen Hektar Ackerland in ärmeren Ländern entweder verkauft worden, oder es wurde zumindest darüber verhandelt, so das Ifpri. Ausländische Staatsfonds, häufig aus den ölreichen Golfstaaten oder aber aus China, Südkorea oder Japan treten selbst als Landkäufer auf oder aber unterstützen private Investoren aus ihrer Heimat.
Nicht immer geht eine solche Landnahme problemlos über die Bühne. In Mosambik wollte China seine Reisproduktion mit einem Investment von 800 Mio. Dollar ausweiten - und scheiterte daran, dass die mosambikanische Bevölkerung sich dagegen auflehnte, dass das afrikanische Ackerland von chinesischen Arbeitern bewirtschaftet worden wäre. Auf Madagaskar scheiterten Verhandlungen mit der südkoreanischen Daewoo Logistic Corporation, die dort Mais und Ölpalmen zur Ethanolproduktion anbauen wollte.

Riesige Mauschelei
Joachim von Braun, Generaldirektor des Ifpri, beklagt, dass Verhandlungen und Vertragsabschlüsse ohne Öffentlichkeit stattfinden. Häufig würden nicht einmal lokale Landbesitzer, so sie Kleinbauern sind, informiert, geschweige denn involviert.
Aufgrund der Zunahme des Phänomens urgiert das Ifpri Standards, wie solche Käufe zu handhaben sind. Der Chef der Welternährungsorganisation FAO, Jacques Diouf, nennt sie "Neokolonialismus". Eingedämmt werden könne das Phänomen nicht, man müsse es laut Ifpri als "Schlüssel zur Agrar-Entwicklung" sehen. Das Recht auf Selbstversorgung bei Lebensmitteln eines jeden Landes gehöre aber dringend abgesichert.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.5.2009)