Montag, 25. Mai 2009

Weitreichendes Emissions-Zugeständnis

Neue Regeln für Emissionshandel - Gratiszuteilungen für Unternehmen, die im weltweiten Wettbewerb stehen

Die energieintensiven Unternehmen, die schon bisher in der EU einem Treibhausgas-Emissionshandel unterliegen, werden ab 2013 neue Regeln für den Emissionshandel erhalten. Die Europäische Kommission hat nun erste Entwürfe dazu vorgelegt, wie der Emissionshandel in der nächsten Periode, zwischen 2013 und 2020, aussehen soll. Dabei wurden weitreichende Zugeständnisse an die Branchen gemacht, die in einem weltweiten Wettbewerb, dem sogenannten "Carbon Leakage" stehen. Diese Firmen werden auch nach 2013 Gratiszertifikate bekommen. Auch die Zementindustrie, eine äußerst energieintensive Branche, gehört zu diesem bevorzugten Kreis.

Der zuständige Experte in der Industriellenvereinigung, Dieter Drexel, sieht trotzdem keine Verwässerung des Emissionshandelssystem, das die Industrie dazu zwingen soll, schrittweise weni- ger Treibhausgase auszustoßen. Schließlich werde das Volumen an Zertifikaten insgesamt Jahr für Jahr geringer, sodass die Unternehmen entweder in CO2-sparende Technologien investieren oder aber Zertifikatszukäufe tätigen müssen. Fix sei, dass die Energieversorger von 2013 an ihre "Treibhausgas-Emissionserlaubnisse" kaufen werden müssen.

73 Anlagen in Österreich
Auf Österreich umgelegt bedeutet dies, dass von den 131 Anlagen, die in das Emissionshandelssystem (ohne Energieversorger) fallen, 73 Anlagen wie etwa die der Voest sicherlich unter "Carbon Leakage" fallen. Beim Rest sei es noch fraglich, erklärte Drexel.
Bei der österreichischen Energiebörse EXAA (Energy Exchange Austria) erwartet Geschäftsführer Jürgen Wahl, dass Handelsvolumen und Preis für die Zertifikate mittelfristig anziehen werden. Derzeit grundelt der Preis für die "Verschmutzungsrechte" bei rund sieben Euro, da aufgrund der abnehmenden Wirtschaftsproduktion im Gefolge der Wirtschaftskrise viele der Emissionszertifikate nicht benötigt werden. Die Firmen versuchten derzeit, mit nur kleinen Mengen im Markt zu bleiben, erklärt Wahl.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 25.5.2009)