Donnerstag, 19. Februar 2009

Energetische Schätze im Explorationsloch

Dass es wärmer wird, je tiefer man gräbt, ist bekannt. Bisher jedoch scheiterten Anwendungen häufig an den hohen Bohrkosten. Da war es naheliegend, aufgelassene Bohrlöcher zu nutzen
Selbst Häuslbauer wissen, dass unter den alternativen Energieversorgungen, mit denen man sein neu gebautes oder frisch renoviertes Haus ausstatten kann, die Wärmepumpe besonders gut überlegt sein muss. Schließlich sind die Investitionskosten höher als bei einer Pelletsheizung oder aber auch einer Fotovoltaikanlage. Insbesondere die in geringer Tiefe im Erdboden verlegten Erdwärmekollektoren, auch genannt "Heizschlangen", gehen ins Geld. Dementsprechend kommen Wärmepumpen zwar immer häufiger vor, aber laut Mikrozensus 2006 der Statistik Austria haben sich erst lediglich ein Prozent, knapp 35.500 Hauptwohnsitze, für eine Wärmepumpe oder eine Solarthermie entschieden.
Noch größer die Unsicherheiten, wenn es um die sogenannte "Tiefe Geothermie" geht, bei der Erdwärmesonden in mehrere hundert Meter Tiefe verpflanzt werden. Die theoretischen Möglichkeiten dabei sind enorm. Ganze Wohnhäuser, ja Stadtteile könnten so mit Warmwasser/Wärme versorgt werden; bei entsprechender Tiefe kann Wasser so heiß sein, dass damit sogar Turbinen für die Stromerzeugung betrieben werden könnten. Die Unsicherheiten und die Kosten für solche Projekte sind jedoch enorm; nur ein Meter eines Bohrloches kostet gut und gerne 1500 Euro.
Um sich diese Summen zu sparen, verfiel die OMV auf die Idee, Bohrlöcher von früheren Erdöl- oder Erdgas-Explorationen genauer in Augenschein zu nehmen. Und zwar, ob sie für geothermische Zwecke geeignet wären. Schließlich gibt es laut Auskunft der OMV gut und gerne tausend solcher aufgelassener Löcher und jedes Jahr kommen 20 bis 30 neue hinzu - einfach deshalb, weil die Bodenschätze darunter ausgebeutet sind. Die meisten ehemaligen Explorationslöcher liegen in Niederösterreich, erklärt OMV-Sprecher Sven Pusswald. Auch die Rohöl-Aufsuchungs AG RAG teilt dem Standard auf Anfrage mit, dass man sich um derartige Projekten bemühe.
Bei der OMV werden im Rahmen des Futureenergyfund, einem Fonds, der sich mit der Entwicklung alternativer Energien befasst, vier Machbarkeitsstudien finanziert, die allesamt das Ziel haben herauszufinden, wie Wärmetauscher in solchen Bohrlöchern mit ihren hohen Temperaturen langfristig arbeiten und, ganz allgemein, welches geothermische Potenzial in den Bohrlöchern liegt. Dabei wird insbesondere das nördliche und das zentrale Wiener Becken für Wärme- und Stromproduktion aus Geothermie untersucht.
Auch eine konkrete Umsetzung gibt es bereits: In Prottes, im niederösterreichischen Marchfeld (also einer der typischen österreichischen Erdgas/öl-Gegenden), wurde eine ehemalige Förderanlage mit einem sogenannten Bohrlochwärmetauscher versehen. Dieser soll bald eine Turnhalle mit Wärme im Winter und Kälte im Sommer versorgen. Dabei wird Wasser in das Bohrloch eingeführt, erhitzt und wieder zutage gefördert.
Mit oberflächennaher Erdwärme beschäftigt sich Richard Kaller vom Institut für Geotechnik an der Technischen Universität Wien. Kaller, der derzeit an einer österreichweit angelegten Machbarkeitsstudie arbeitet, hat insbesondere Garagen, die Betonfundamente von Neubauten oder aber U-Bahn-Stationen im Auge. "Wenn man in die Betonkörper lange Kunststoffschläuche verlegt, kann man so Wasser erwärmen", erklärt Kaller das Prinzip. Mit Wärmepumpen, die wie umgekehrte Kühlschränke funktionieren, wird dem Wasser aus den Schläuchen später wieder die Wärme entzogen. "Mit dieser Technik kann man ganze Gebäude heizen oder kühlen."
Bei Bürogebäuden - etwa der Strabag-Zentrale oder dem Uniqa-Tower - sei so etwas fast schon "state of the art". Jetzt gehe es darum, auch bei Tunnelbauten wie U-Bahnen gleich von vornherein auf Wärme- bzw. Kälteerzeugung zu achten. Kaller: "Damit lassen sich die Rechnerräume für die U-Bahnen hervorragend kühlen."
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.2.2009)

Sonntag, 15. Februar 2009

Unternehmen werfen CO2-Zertifikate auf den Markt

Die schlechte Wirtschaftslage verleitet europäische Firmen dazu, sich von ihren Emissionszertifikaten zu trennen, um so noch schnell ein Körberlgeld zu machen

Marktbeobachter bemerken derzeit, dass Unternehmen, die Anfang 2008 von ihren Regierungen mit Gratis-Emissionszertifikation bedient wurden, diese nun verkaufen. Der Grund: Damit können sich die von der Finanzkrise häufig arg gebeutelten Unternehmen kurzfristig Liquidität beschaffen. Dementsprechend ist der Preis für die Zertifikate stark abgesackt. Der Preis unterschritt diese Woche die Zehn-Euro-Grenze.

"Viele Branchen erwarten eine rückläufige Produktion", erklärt Jürgen Wahl, Vorstand der EXAA, der in Wien ansässigen Energy Exchange Austria. Und Fatih Birol, der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, erklärte laut Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich, dass seine Institution erwartet, dass die Zertifikatpreise die nächsten zwei Jahre niedrig bleiben werden.

Firmen wie die Voest - der Stahlbetrieb ist Österreichs größter Treibhausgas-Emittent - haben mit dem Verkauf ihrer Zertifikate noch nicht begonnen. "Wir haben 2008 ein Fünftel weniger zugeteilt bekommen", erklärt Voest-Sprecher Peter Schiefer. Auch bei einem geringeren Output angesichts schlechter Nachfrage nach Stahl müsse man deshalb mit den Emissionsberechtigungen haushalten. "Wir werden uns bestenfalls Zertifikatszukäufe ersparen", sagt Schiefer.

Teure Zertifikate sollten Ansporn sein
Für das ambitionierte EU-Emissionshandelssystem, das ab 2008 in die erste richtige Handelsphase eintrat, ist diese Entwicklung auf alle Fälle Gift. Die Kommission hatte sich beim Design des Handelssystems eigentlich erwartet, dass CO2 ein begehrtes und damit teures Gut werden würde. Und dass es aufgrund hoher Zertifikatspreise - erwartet wurden eigentlich 25, 30 Euro je Tonne - ein Ansporn entstehen würde, in emissionsarme Technologien zu investieren.
Nun aber werfen EU-Großbetriebe die Zertifikate auf den Markt um mit den Erlösen schnell die Bilanzen etwas aufzufetten. Billig gekauft werden die Scheine von Spekulanten mit langem Atem: Die derzeit im Umlauf befindlichen Zertifikate gelten auch in der nächsten Handelsperiode ab 2013. Diskutiert wird, dass ab 2013 weitere Branchen (etwa die Luftfahrt) ins Emissionshandelssystem aufgenommen und die Gratisvergabe zurückgefahren wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.2.2009)

Auf Reform folgt Reorganisation

Expertenbeirat soll weniger Einfluss bekommen

Seit der von der neuen Regierung durchgeführten Reorganisation des Klima- und Energiefonds läuft es in diesem unrund, berichten eingeweihte Personen. Bekanntlich haben sich Bundeskanzleramt und Wirtschaftsministerium aus dem Präsidium - einer Art Eigentümervertretung - zurückgezogen und Umweltministerium und Technologieministerium (BMVIT) das Feld überlassen.
Nach Durchführung dieses Reorganisationsschrittes, der auch dem Klimaschutzbeauftragten von Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Andreas Wabl, den Job kostete, soll nun auch der Expertenbeirat zusammengestutzt werden. Das mit vier hoch angesehenen Mitgliedern aus der heimischen Wissenschaftscommunity bestückte Gremium soll künftig nicht mehr alle Projekte des Klimafonds beurteilen dürfen. Bisher hatten die Experten - es sind dies die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, der Raumplaner Robert Korab, der Energieexperte Josef Spitzer und der Ökonom Stefan Schleicher - jedes Projekt auf seine Klima- und Energierelevanz hin überprüft. Künftig soll es möglich werden, dass Projekte am Expertenbeirat vorbei bewilligt werden können, was die Experten sehr erzürnt. Es werde damit wieder möglich, dass die Ministerien ihre Eigeninteressen wieder mehr durchsetzen können, heißt es.
Nicht gerüttelt werden soll an der Dotierung des Klima- und Energiefonds. Dieser hat 150 Millionen Euro im Jahr zu verteilen. Ein Gutteil soll heuer in einen "Masterplan" fließen, der die österreichische Energiesituation und -versorgungssicherheit auf ihre Schwachstellen hin analysiert. Bekanntlich hat der Gaslieferungsstopp im Jänner die Schwachstellen der heimischen Energieversorgung aufgezeigt. Die weitere Umstrukturierung des Klimafonds soll Ende Februar/Anfang März erfolgen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.2.2009

Dienstag, 10. Februar 2009

Emissionsstarke SUVs

Toyota will mit Forschungspartnern Biokraftstoff-Herstellung vorantreiben

Nicht nur was Treibhausgas-Emissionen betrifft, auch hinsichtlich Luftschadstoffen sind SUVs ausgesprochen breitspurig unterwegs. Fünf unterschiedliche Modelle hat das Umweltbundesamt untersucht. Die wenig erstaunenden Ergebnisse: SUVs brauchen bei gleichem Fahrverhalten bis zu 115 Prozent mehr Kraftstoff als durchschnittliche Pkw. Damit emittieren sie auch mehr vom Treibhausgas Kohlendioxid. Und sie haben um bis zu 100 Prozent mehr Stickoxidemissionen, womit sie häufig für Überschreitungen bei den Grenzwerten von Luftschadstoffen verantwortlich sind.
Untersucht wurden sechs für Österreich typische SUVs. Fünf Dieselfahrzeuge und ein Benzinfahrzeug - alle mit einer Motorleistung zwischen 120 und 160 Kilowatt - herangezogen. Mittlerweile stammen 11,2 Prozent der 293.697 im Jahr 2008 in Österreich neu zugelassenen Fahrzeuge aus der Fahrzeugkategorie SUV/Geländewagen.Der weltgrößte Autobauer Toyota will indessen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft die Herstellung von Agrotreibstoffen revolutionieren. Durch ein neues Verfahren sollten die Kosten gesenkt und der Wirkungsgrad erhöht werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Gleichzeitig sollten Grundstoffe verwendet werden, sodass Biokraftstoffe nicht mehr in Konkurrenz zur Lebensmittelherstellung Konkurrenz stehen. Toyota geht für das Vorhaben eine Partnerschaft mit mehreren Unternehmen ein, darunter der Schwerindustriegruppe Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und dem Energiekonzern Nippon Oil, sowie mit Forschungsinstituten.
(AFP, Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.02.2009)

Mittwoch, 04. Februar 2009

Gerangel um Energieforschung

In Wien und Graz sollen internationale Zentren angesiedelt werden

Österreichs Energieausrichtung ist zwar in hohem Maße fossil. Dennoch buhlt man in erster Reihe, wenn es um die Ansiedelung von internationalen Forschungsinstitutionen für neue Energien geht. Zwei solche Projekte sollen noch heuer entschieden werden; in beiden Fällen rechnet sich Österreich gute Chancen aus: Schon im Sommer soll entschieden werden, wo die Internationale Agentur für erneuerbare Energien (Irena) ihren Sitz haben wird. Die Institution ist am Anfang mit 50 Leuten und einem Budget von 25 Millionen Euro konzipiert.

Irena wurde von Deutschland initiiert, vor allem vom SP-Politiker Hermann Scheer, der für sein Engagement bei Solarenergie sogar den alternativen Nobelpreis bekam. Deutschland, das sich neben Österreich, Dänemark und den Vereinigten Arabischen Emiraten beworben hat, wird wegen Scheer gute Chancen eingeräumt. Auch die Tatsache, dass in Bonn die United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) beheimatet ist, soll die deutsche Bewerbung stützen, weil die UN-Organisation gegen den Klimawandel ähnliches Know-how und eine fast idente Zielsetzung hat.

Wien hat ähnliche Argumente: "Wir sind bereits UN-Standort", erklärt der zuständige Botschafter im Außenamt, Ernst-Peter Brezovszky. Zudem sind mit Atomenergiebehörde und der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) zwei mächtige Energie-Institutionen bereits in der Stadt.
Die Stadt Wien hat mit dem Bund ein Paket geschnürt, und bietet Irena ein bezugsfertig eingerichtetes Stockwerk im Adromeda Tower in der Donau City und die Übernahme der Miete. Die leitenden Mitarbeiter bekämen diplomatischen Status. Die Kosten werden mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag angegeben.

Auch Graz, und zwar die Technische Universität (TU), bewirbt sich um einen "Europastandort für Energiekompetenz". Bekanntlich wurde im Vorjahr Budapest als Standort für das European Institute of Innovation and Technology (EIT) ausgewählt, einer Institution, die ähnlich der renommierten US-Forschungs- und Lehrinstitution MIT (Massachusetts Institute of Technology) konzipiert ist. Nun ist geplant, dass Budapest als eine Art "Host" dient, Forschung und Lehre in rund zehn Zentren quer durch die EU durchgeführt werden.

Für das Zentrum für Energiefragen hat sich nun Graz beworben. Allerdings nicht allein: Eine Reihe renommierter Institutionen (TU München, Uni Karlsruhe, französische Bildungseinrichtungen, Cambridge in England) kämen ebenfalls gern zum Zug. Die Vergabe soll noch 2009 erfolgen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2009)