Der Sanierungsoffensive des Bundes ist keine "g'mahte Wies'n"
Der Sanierungsoffensive des Bundes, bei der Gebäude thermisch auf den letzten Stand gebracht werden sollen, ist alles Gute zu wünschen. Eine solche Maßnahme ist lang- und kurzfristig wirksam: Sie hat positive Effekte auf die labile Beschäftigungssituation am Bau, weil ein Fensteraustausch oder die Installation einer Heizung nur mit Handwerkern möglich ist. Andererseits lassen sich damit Kosten für Warmwasser und Heizung senken, was der Geldbörse guttut und den Treibhausgasausstoß minimiert.
Trotzdem ist diese Initiative keine "g'mahte Wies'n" , im Gegenteil. Es gibt bereits eine Fülle solcher Förderungen - so viele, dass für jede Sanierung nicht nur ein gewerblicher Experte notwendig ist. Auch Förderungsspezialist muss man sein, um sich in dem Dickicht aus Bund-, Land- und häufig auch Gemeindeförderungen zurechtzufinden.
Diese Angebotsfülle brachte es mit sich, dass schon bisher nicht alle Sanierungstöpfe ausgeschöpft wurden. Vor allem auf Ebene einzelner Länder wurde so mancher Zuschuss nicht abgeholt. Die Abhängigkeit, die aus einer langfristigen Kreditaufnahme für eine aufwändige Sanierung entsteht, ist vielen Hausbesitzern zu risikoreich. Da wurstelt man lieber mit zugigen Fenstern oder unmodernen Heizungen weiter.Die Gefahr ist groß, dass solche Überlegungen gerade jetzt angestellt werden. Auch wenn es eine interessante Förderung des Bundes gibt: Kann sein, dass so manche große, durchaus notwendige Hausrenovierung derzeit einmal auf ungewisse Zeit hinausgeschoben wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2009)