Wenig Einsatz von Erneuerbaren in der Slowakei
Die seit rund zehn Jahren eher dahindümpelnde Energiepartnerschaft mit der Slowakei soll reanimiert werden. Insbesondere die Ankündigung der Slowakei von diesem Winter, bei anhaltender Gaskrise den erst Ende 2008 vom Netz genommenen zweiten Block des AKW Jaslovské Bohunice wieder hochfahren zu wollen, dürfte ausschlaggebend dafür sein, dass unter der Ägide von Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP) die Energiepartnerschaft intensiviert werden soll. Und auch auf slowakischer Seite war die Gaskrise ein einschneidendes Erlebnis. Österreich habe damals Erdgas in die Slowakei geliefert, erinnert sich Umweltminister Viliam Turský: "Diese Hilfe wird diesen Winter eventuell wieder notwendig sein."
Die Slowakei hat im Bereich nachwachsender Energien ähnliche Voraussetzungen wie Österreich, doch ist der Anteil der Erneuerbaren um ein Vielfaches geringer. Insbesondere bei der Biomasse liegt die Slowakei beträchtlich hinter dem österreichischen Nutzungsgrad. Biomasse-Heizwerke wie das in Prešov sollen deshalb vermehrt gebaut werden. Dieses Heizwerk, das 9000 Wohnungen versorgt, wurde mit Beteiligung der Energiecomfort und einem Investitionsvolumen von drei Mio. Euro gebaut. "Genau zu dem Zeitpunkt, zu dem in der Slowakei das Gas knapp wurde, sind wir mit dem Heizwerk fertig geworden", sagt Paul Minarik von Energiecomfort. Die Energiecomfort ist eine Tochter der Wien Energie, die örtliche Wärmenetze baut.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2009)
Samstag, 20. Juni 2009
Sonntag, 14. Juni 2009
Klimagespräche: "Verhandlungen weit auseinander"
Berlakovich sieht Chancen für Agentur Irena in Wien
"Die Vorstellungen liegen noch sehr weit auseinander", erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) zu der am Freitag zu Ende gegangenen Konferenz der UN-Klimaorganisation UNFCC in Bonn, einer Veranstaltung im Vorfeld zu der großen Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember. Nach Einschätzung von Berlakovich müsse es bis Dezember noch zu "sehr viel Bewegung" kommen. Denn teilweise gebe es "illusorische Vorstellungen". So habe etwa Indien den Vorschlag gemacht, dass die Industrieländer ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um 80 Prozent reduzieren müssten, wenn sie wollen, dass auch die Schwellenländer Indien, China und Brasilien Zugeständnisse bei einem neuen Klimaprotokoll machen. Auch hätten die USA seit der Inauguration Präsident Obamas zwar viel auf den Weg gebracht, ein konkretes Mitmachen bei einem Kioto-Folgevertrag stehe jedoch noch aus. "Weiterhin hängt alles an den Amerikanern", so Berlakovich.
Beim Run auf die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (Irena), die künftig eine Art Gegenstück zur Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris bilden soll, habe Österreich "gute und intakte Chancen", so der Umweltminister. Die zuständigen Uno-Behörden würden die Entscheidung bis zum Sommer treffen; im Rennen seien neben Wien als Behördenstandort nur mehr Bonn und Abu Dhabi. Für Wien als Irena-Standort spreche, dass mit der Opec bereits eine wichtige Energie-Agentur hier ihren Sitz habe. Außerdem habe Österreichs Wirtschaft bei neuen Energien und bei Energieeffizienz viel Know-how gesammelt.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)
"Die Vorstellungen liegen noch sehr weit auseinander", erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) zu der am Freitag zu Ende gegangenen Konferenz der UN-Klimaorganisation UNFCC in Bonn, einer Veranstaltung im Vorfeld zu der großen Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember. Nach Einschätzung von Berlakovich müsse es bis Dezember noch zu "sehr viel Bewegung" kommen. Denn teilweise gebe es "illusorische Vorstellungen". So habe etwa Indien den Vorschlag gemacht, dass die Industrieländer ihren Treibhausgasausstoß bis 2020 um 80 Prozent reduzieren müssten, wenn sie wollen, dass auch die Schwellenländer Indien, China und Brasilien Zugeständnisse bei einem neuen Klimaprotokoll machen. Auch hätten die USA seit der Inauguration Präsident Obamas zwar viel auf den Weg gebracht, ein konkretes Mitmachen bei einem Kioto-Folgevertrag stehe jedoch noch aus. "Weiterhin hängt alles an den Amerikanern", so Berlakovich.
Beim Run auf die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (Irena), die künftig eine Art Gegenstück zur Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris bilden soll, habe Österreich "gute und intakte Chancen", so der Umweltminister. Die zuständigen Uno-Behörden würden die Entscheidung bis zum Sommer treffen; im Rennen seien neben Wien als Behördenstandort nur mehr Bonn und Abu Dhabi. Für Wien als Irena-Standort spreche, dass mit der Opec bereits eine wichtige Energie-Agentur hier ihren Sitz habe. Außerdem habe Österreichs Wirtschaft bei neuen Energien und bei Energieeffizienz viel Know-how gesammelt.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)
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Berlakovich,
Bonn,
IEA,
Irena,
Klimaprotokoll,
UNFCCC
Voest zieht vor Gericht
Die Industrie begehrt wegen der Zertifikate für das Treibhausgas CO2 auf
Der Verfassungsgerichtshof wird sich in seiner Sommersession, die diesen Montag beginnt, mit dem Treibhausgas-Emissionshandel für die besonders energieintensive Industrie beschäftigen. Der Grund: Einige Unternehmen - allen voran die Voestalpine - sind vor den Kadi gegangen und haben gegen die Zuteilungspraxis bei Emissionszertifikaten geklagt.
Insbesondere stinkt den Unternehmen die Berechnungsbasis, aufgrund deren es bei manchen Anlagen zu einer vergleichsweise niedrigen Zuteilung kommt. Auch die Salzburger Zementwerke Leube haben den Verfassungsgerichtshof angerufen. "Die Zuteilung der Emissionszertifikate ", sagt Leube-Geschäftsführer Rudolf Zrost zum Standard, "ergibt sowohl im Land als auch international Wettbewerbsverzerrungen" .
Insgesamt stehen in Österreich 210 Anlagen - Fabriken und Kraftwerke -, die für ihren Betrieb Treibhausgaszertifikate benötigen (komplette Liste). Werden dabei die bisher gratis zugeteilten Emissionsrechte knapp, müssen sie über eigens eingerichtete Handelsplattformen zugekauft werden, oder es müssen als Ausgleich dafür Umweltprojekte in Drittländern finanziert werden. Da die Gratiszuteilung seit 2008 Jahr für Jahr etwas zurückgeschraubt wird, wird nun auch das Gerangel um die Verschmutzungsrechte größer.
Knappe Zuteilung
Insbesondere die Voestalpine, die für ein gutes Drittel aller Industrieemissionen verantwortlich ist und die mit zehn Anlagen - von Kokereien über Kraftwerke bis hin zu Stahlwerken - im Emissionshandelssystem vertreten ist, fühlt sich schlecht behandelt. Man wolle dem Verfassungsgerichtshof nicht vorgreifen, heißt es auf Anfrage des STANDARD, doch sei der Zuteilungsschlüssel, der auf Emissionsdaten aus den Jahren 2002 bis 2005 beruht, eine "schlechte Grundlage" . Er reflektiere überhaupt keine aktuellen Entwicklungen in einer Branche. Und je länger das System fortgeführt werde, desto weni-ger spiegle es eine wirtschaftli-che Situation richtig wider. Nach früheren Schätzungen muss die Voestalpine im Laufe der derzeit gültigen CO2-Handelsperiode 2008 bis 2012 rund 40 Millionen Euro für zusätzliche Zertifikate aufwenden.
Insbesondere dort, wo es eine hohe Unterdeckung an Gratiszertifikaten gibt, werden die Beratungen des Verfassungsgerichtshofes mit Argusaugen beobachtet werden. Hohe Unterdeckungen - also von vornherein zu wenige Gratis-zuteilungen - gab es vor allem bei der Zement- und Ziegelindustrie. Beide sind Industriesparten, die zumindest in der ersten Hälfte des Vorjahres von der Wirtschaftskrise noch halbwegs ungeschoren blieben. Wegen des relativ kalten Winters haben auch die Energieversorger in Bezug auf CO2-Emissionen kräftig zugelegt, so die Daten von 2008, die seit kurzem einsehbar sind. In diesen ist die Krise aber in anderen Branchen bereits erkennbar. So haben einige Papierfabriken weniger produziert und damit weniger CO2 emittiert - und ka-men so mit ihren Zertifikaten aus. In der Wirtschaftskammer ist man damit nicht zufrieden. "Weniger Produktionsleistung wegen der Wirtschaftskrise ist der denkbar schlechteste Klimaschutz" , sagt die zuständige Expertin Isabella Plimon.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)
Der Verfassungsgerichtshof wird sich in seiner Sommersession, die diesen Montag beginnt, mit dem Treibhausgas-Emissionshandel für die besonders energieintensive Industrie beschäftigen. Der Grund: Einige Unternehmen - allen voran die Voestalpine - sind vor den Kadi gegangen und haben gegen die Zuteilungspraxis bei Emissionszertifikaten geklagt.
Insbesondere stinkt den Unternehmen die Berechnungsbasis, aufgrund deren es bei manchen Anlagen zu einer vergleichsweise niedrigen Zuteilung kommt. Auch die Salzburger Zementwerke Leube haben den Verfassungsgerichtshof angerufen. "Die Zuteilung der Emissionszertifikate ", sagt Leube-Geschäftsführer Rudolf Zrost zum Standard, "ergibt sowohl im Land als auch international Wettbewerbsverzerrungen" .
Insgesamt stehen in Österreich 210 Anlagen - Fabriken und Kraftwerke -, die für ihren Betrieb Treibhausgaszertifikate benötigen (komplette Liste). Werden dabei die bisher gratis zugeteilten Emissionsrechte knapp, müssen sie über eigens eingerichtete Handelsplattformen zugekauft werden, oder es müssen als Ausgleich dafür Umweltprojekte in Drittländern finanziert werden. Da die Gratiszuteilung seit 2008 Jahr für Jahr etwas zurückgeschraubt wird, wird nun auch das Gerangel um die Verschmutzungsrechte größer.
Knappe Zuteilung
Insbesondere die Voestalpine, die für ein gutes Drittel aller Industrieemissionen verantwortlich ist und die mit zehn Anlagen - von Kokereien über Kraftwerke bis hin zu Stahlwerken - im Emissionshandelssystem vertreten ist, fühlt sich schlecht behandelt. Man wolle dem Verfassungsgerichtshof nicht vorgreifen, heißt es auf Anfrage des STANDARD, doch sei der Zuteilungsschlüssel, der auf Emissionsdaten aus den Jahren 2002 bis 2005 beruht, eine "schlechte Grundlage" . Er reflektiere überhaupt keine aktuellen Entwicklungen in einer Branche. Und je länger das System fortgeführt werde, desto weni-ger spiegle es eine wirtschaftli-che Situation richtig wider. Nach früheren Schätzungen muss die Voestalpine im Laufe der derzeit gültigen CO2-Handelsperiode 2008 bis 2012 rund 40 Millionen Euro für zusätzliche Zertifikate aufwenden.
Insbesondere dort, wo es eine hohe Unterdeckung an Gratiszertifikaten gibt, werden die Beratungen des Verfassungsgerichtshofes mit Argusaugen beobachtet werden. Hohe Unterdeckungen - also von vornherein zu wenige Gratis-zuteilungen - gab es vor allem bei der Zement- und Ziegelindustrie. Beide sind Industriesparten, die zumindest in der ersten Hälfte des Vorjahres von der Wirtschaftskrise noch halbwegs ungeschoren blieben. Wegen des relativ kalten Winters haben auch die Energieversorger in Bezug auf CO2-Emissionen kräftig zugelegt, so die Daten von 2008, die seit kurzem einsehbar sind. In diesen ist die Krise aber in anderen Branchen bereits erkennbar. So haben einige Papierfabriken weniger produziert und damit weniger CO2 emittiert - und ka-men so mit ihren Zertifikaten aus. In der Wirtschaftskammer ist man damit nicht zufrieden. "Weniger Produktionsleistung wegen der Wirtschaftskrise ist der denkbar schlechteste Klimaschutz" , sagt die zuständige Expertin Isabella Plimon.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)
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Donnerstag, 04. Juni 2009
Klimaverhandlungen bisher ohne Pep
Aufgrund der Finanzkrise ist die Diskussion um den Klimawandel weitgehend zum Stillstand gekommen - Vorkonferenz in Bonn soll neuen Schwung bringen
Nicht einmal mehr 200 Tage sind es bis zu der großen Kioto-Nachfolgekonferenz in Kopenhagen im Dezember. Auf der Homepage der UN-Klimaorganisation UNFCCC wird in Sekunden runtergerechnet, wie lange es noch bis zu dieser Deadline ist.
Doch derzeit stecken die Vorverhandlungen in einer Sackgasse. Überlagert von der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich in den vergangenen Monaten wenig bewegt. "Wir brauchen jetzt in Bonn den politischen Willen, einen Schritt vorwärtszukommen und den Klimaschutz wieder in Gang zu bringen", sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. 500 Teilnehmer aus aller Welt sind seit Montag (1.6.2009), zu einer weiteren Runde der UNO-Klimaverhandlungen in Bonn zusammengekommen. Sie beraten zwölf Tage lang über ein globales Abkommen, das Ende des Jahres in Kopenhagen beschlossen werden soll.
Der Bonner Vorkonferenz liegen Verhandlungstexte mit noch vielen offenen und strittigen Punkten vor. Ziel ist ein Nachfolgepakt für das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll zur Verminderung klimaschädlicher Treibhausgase (siehe "Protokoll braucht Erneuerung"). Damit soll die fortschreitende Erderwärmung mittelfristig wenigstens abgebremst werden.
Wenig Bewegung Vorgeschlagen wird in den bisherigen Textentwürfen für Kopenhagen, dass die Industrieländer ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Die EU hat sich zu einem Minus von maximal 30 Prozent bereiterklärt, sollten sich auch andere Länder, vor allem die USA, zu substanziellen Sparmaßnahmen bereiterklären. Der neue US-Präsident Barack Obama, der während seines Wahlkampfes weitreichende Klimaversprechungen abgegeben hatte, stellte bisher lediglich in Aussicht, dass die USA ihre Emissionen auf das Niveau von 1990 zurückfahren könnten.
Ein weiteres zentrales Problem ist, dass die Industrienationen kein Geld für den globalen Klimaschutz in die Hand nehmen wollen. Doch Finanzhilfen sehen die Entwicklungsländer als Voraussetzung, um weiterzuverhandeln bzw. um in Kopenhagen einem Kioto-Folgeabkommen zuzustimmen. Entwicklungsländer sind am stärksten betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels, wie Wüstenbildung, Überschwemmungen und Dürren - und sie haben die wenigsten Ressourcen, um etwas dagegen zu tun.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert, dass die reichen Industrienationen 110 Milliarden Euro für den internationalen Klimaschutz bereitstellen. Auf Deutschland entfiele damit ein Anteil von sieben Milliarden Euro pro Jahr, auf Österreich von rund 700 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die von der OECD kürzlich als ungenügend bezeichneten österreichischen Entwicklungshilfeleistungen betrugen im Vorjahr insgesamt 1,7 Milliarden Euro.
"Das ist kein Almosen, sondern die Begleichung der historischen Klimaschuld, die mit der Industrialisierung begann", meint Greenpeace-Experte Smid zu den klimapolitisch notwendigen Geldtransfers. Damit könnten Entwicklungsländer beginnen, das Geld für den Schutz der Urwälder einzusetzen, da die verbliebenen Dschungel dieser Welt als Kohenstoffspeicher immer wichtiger werden. Würden die Urwälder weiterhin abgeholzt - etwa, um Platz für den Anbau von Energiepflanzen zu machen -, würden noch mehr Treibhausgase entweichen.
Innerhalb der Industriestaaten ist man sich weitgehend einig, dass das Bewahren der Urwälder innerhalb des Kioto-Folgeabkommens geregelt gehörte. Wie viel sich die internationale Staatengemeinschaft einen solchen Schutz kosten lassen würde, soll in den Bonner Vorverhandlungen möglichst geklärt werden.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 6. 2009)
Nicht einmal mehr 200 Tage sind es bis zu der großen Kioto-Nachfolgekonferenz in Kopenhagen im Dezember. Auf der Homepage der UN-Klimaorganisation UNFCCC wird in Sekunden runtergerechnet, wie lange es noch bis zu dieser Deadline ist.
Doch derzeit stecken die Vorverhandlungen in einer Sackgasse. Überlagert von der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich in den vergangenen Monaten wenig bewegt. "Wir brauchen jetzt in Bonn den politischen Willen, einen Schritt vorwärtszukommen und den Klimaschutz wieder in Gang zu bringen", sagt Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. 500 Teilnehmer aus aller Welt sind seit Montag (1.6.2009), zu einer weiteren Runde der UNO-Klimaverhandlungen in Bonn zusammengekommen. Sie beraten zwölf Tage lang über ein globales Abkommen, das Ende des Jahres in Kopenhagen beschlossen werden soll.
Der Bonner Vorkonferenz liegen Verhandlungstexte mit noch vielen offenen und strittigen Punkten vor. Ziel ist ein Nachfolgepakt für das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll zur Verminderung klimaschädlicher Treibhausgase (siehe "Protokoll braucht Erneuerung"). Damit soll die fortschreitende Erderwärmung mittelfristig wenigstens abgebremst werden.
Wenig Bewegung Vorgeschlagen wird in den bisherigen Textentwürfen für Kopenhagen, dass die Industrieländer ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Die EU hat sich zu einem Minus von maximal 30 Prozent bereiterklärt, sollten sich auch andere Länder, vor allem die USA, zu substanziellen Sparmaßnahmen bereiterklären. Der neue US-Präsident Barack Obama, der während seines Wahlkampfes weitreichende Klimaversprechungen abgegeben hatte, stellte bisher lediglich in Aussicht, dass die USA ihre Emissionen auf das Niveau von 1990 zurückfahren könnten.
Ein weiteres zentrales Problem ist, dass die Industrienationen kein Geld für den globalen Klimaschutz in die Hand nehmen wollen. Doch Finanzhilfen sehen die Entwicklungsländer als Voraussetzung, um weiterzuverhandeln bzw. um in Kopenhagen einem Kioto-Folgeabkommen zuzustimmen. Entwicklungsländer sind am stärksten betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels, wie Wüstenbildung, Überschwemmungen und Dürren - und sie haben die wenigsten Ressourcen, um etwas dagegen zu tun.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert, dass die reichen Industrienationen 110 Milliarden Euro für den internationalen Klimaschutz bereitstellen. Auf Deutschland entfiele damit ein Anteil von sieben Milliarden Euro pro Jahr, auf Österreich von rund 700 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die von der OECD kürzlich als ungenügend bezeichneten österreichischen Entwicklungshilfeleistungen betrugen im Vorjahr insgesamt 1,7 Milliarden Euro.
"Das ist kein Almosen, sondern die Begleichung der historischen Klimaschuld, die mit der Industrialisierung begann", meint Greenpeace-Experte Smid zu den klimapolitisch notwendigen Geldtransfers. Damit könnten Entwicklungsländer beginnen, das Geld für den Schutz der Urwälder einzusetzen, da die verbliebenen Dschungel dieser Welt als Kohenstoffspeicher immer wichtiger werden. Würden die Urwälder weiterhin abgeholzt - etwa, um Platz für den Anbau von Energiepflanzen zu machen -, würden noch mehr Treibhausgase entweichen.
Innerhalb der Industriestaaten ist man sich weitgehend einig, dass das Bewahren der Urwälder innerhalb des Kioto-Folgeabkommens geregelt gehörte. Wie viel sich die internationale Staatengemeinschaft einen solchen Schutz kosten lassen würde, soll in den Bonner Vorverhandlungen möglichst geklärt werden.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 6. 2009)
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UNFCCC
Mittwoch, 03. Juni 2009
Protokoll braucht Erneuerung
Internationale Regelungen zum Treibhausgasausstoß
Das 1997 abgeschlossene Kioto-Protokoll regelt den Treibhausgasausstoß zwischen den Jahren 2008 und 2012. In dieser Zeit müssen die Industrieländer ihren Ausstoß um insgesamt 5,2 Prozent zurückfahren, und zwar bezogen auf die Emissionen im Jahr 1990.
Die USA, die den Vertrag unter Präsident Clinton maßgeblich angestoßen hatten, ihn unter Präsident Bush dann jedoch nicht mehr ratifizierten, müssten demnach um sieben Prozent weniger emittieren; Russland darf gleich bleiben.
Die EU soll insgesamt um acht Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen; wobei in einer internen Lastenverteilung die einzelnen EU-Mitglieder unterschiedliche Ziele aufgebrummt bekamen: Österreich soll 13 Prozent weniger emittieren; Deutschland und Dänemark 21 Prozent weniger. Österreich gehört zu den Ländern, die die Ziele bisher nicht einmal ansatzweise erreicht haben - im Gegensatz etwa zu Belgien, Deutschland und Großbritannien.
Insgesamt ist die EU auf gutem Weg, die Kioto-Ziele zu erreichen. Laut Europäischer Umweltagentur lagen die Emissionen der EU-27 im Jahr 2007 fast zehn Prozent unter dem Niveau von 1990, was einem Rückgang von 1,2 Prozent oder 59 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber 2006 entspricht.
Unter CO2-Äquivalent wird der Korb verstanden, bei dem die einzelnen Klimagase nach ihrer Treibhaus-Wirksamkeit gewichtet sind. Neben Kohlendioxid sind die wichtigsten Methan, Lachgas und FCKW.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 6. 2009)
Das 1997 abgeschlossene Kioto-Protokoll regelt den Treibhausgasausstoß zwischen den Jahren 2008 und 2012. In dieser Zeit müssen die Industrieländer ihren Ausstoß um insgesamt 5,2 Prozent zurückfahren, und zwar bezogen auf die Emissionen im Jahr 1990.
Die USA, die den Vertrag unter Präsident Clinton maßgeblich angestoßen hatten, ihn unter Präsident Bush dann jedoch nicht mehr ratifizierten, müssten demnach um sieben Prozent weniger emittieren; Russland darf gleich bleiben.
Die EU soll insgesamt um acht Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen; wobei in einer internen Lastenverteilung die einzelnen EU-Mitglieder unterschiedliche Ziele aufgebrummt bekamen: Österreich soll 13 Prozent weniger emittieren; Deutschland und Dänemark 21 Prozent weniger. Österreich gehört zu den Ländern, die die Ziele bisher nicht einmal ansatzweise erreicht haben - im Gegensatz etwa zu Belgien, Deutschland und Großbritannien.
Insgesamt ist die EU auf gutem Weg, die Kioto-Ziele zu erreichen. Laut Europäischer Umweltagentur lagen die Emissionen der EU-27 im Jahr 2007 fast zehn Prozent unter dem Niveau von 1990, was einem Rückgang von 1,2 Prozent oder 59 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber 2006 entspricht.
Unter CO2-Äquivalent wird der Korb verstanden, bei dem die einzelnen Klimagase nach ihrer Treibhaus-Wirksamkeit gewichtet sind. Neben Kohlendioxid sind die wichtigsten Methan, Lachgas und FCKW.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 6. 2009)
Montag, 01. Juni 2009
"Brauchen eine Art große Koalition"
Hans-Werner Sinn, Chef des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, fordert langsameren Ressourcenabbau bei Erdöl, Gas und Kohle
Der Chef des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, bezweifelt, dass ein verstärkter Einsatz neuer, energiesparender Technologien den Abbau bei Erdöl, Erdgas und Kohle verlangsamen kann und damit die Erderwärmung weniger schnell vor sich geht.
"Beim Klimawandel führt kein Weg an einem langsameren Abbau fossiler Brennstoffe vorbei", meint Sinn. Da man die Ressourceninhaber, also die Erdölstaaten, nicht zwingen könne, weniger zu fördern, müsse ein weltweites Handelssystem mit Emissionsrechten installiert werden. Dieses ergebe eine Art "lückenloses Nachfragekartell". "Dann könnten die Mengen an weltweit verbrauchten Ressourcen wirksam begrenzt, also weniger nachgefragt werden", meint der Wirtschaftsforscher.
Derzeit beobachtet Sinn aber eine Entwicklung in die andere Richtung, wie er beim diesjährigen Munic Economic Summit zum Thema "Klima und Energie" erklärte. Die Erdölproduzenten werden durch die Bemühungen der Industrieländer, fossile Brennstoffe sukzessive durch alternative Energien zu ersetzen, naturgemäß verunsichert. Angesichts einer angepeilten niedrigeren Nachfrage, etwa in der EU, und zwar aufgrund von höherer Energieeffizienz und mehr Alternativenergien, würden die Erdölstaaten ihre Vorkommen schneller ausbeuten wollen, da sie um ihre Renditen in der Zukunft fürchten müssten. Ein forcierter Abbau, bei dem auch die Gefahr sinkender Preise in Kauf genommen wird, sei aber wiederum schlecht fürs Klima - und erfreut diejenigen Abnehmer, die sich weniger als die EU einer grünen Politik unterwerfen (also alle).
Ein Weg aus diesem Dilemma sei die Einführung eines weltweiten Handelssystem mit Emissionsrechten, wodurch ein Nachfragekartell entstehe. "Dann könnten die Mengen an weltweit verbrauchten Ressourcen wirksam begrenzt werden". Ein Klima-Folgeabkommen mit Biss sei deshalb nur mit möglichst vielen Staaten zu erreichen, sagte Sinn: "Wir brauchen da eine Art große Koalition". Unbedingt dabei sein müssen China und Indien, "weil sonst alles, was wir an CO2 einsparen, dort emittiert wird".
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2009)
Der Chef des deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, bezweifelt, dass ein verstärkter Einsatz neuer, energiesparender Technologien den Abbau bei Erdöl, Erdgas und Kohle verlangsamen kann und damit die Erderwärmung weniger schnell vor sich geht.
"Beim Klimawandel führt kein Weg an einem langsameren Abbau fossiler Brennstoffe vorbei", meint Sinn. Da man die Ressourceninhaber, also die Erdölstaaten, nicht zwingen könne, weniger zu fördern, müsse ein weltweites Handelssystem mit Emissionsrechten installiert werden. Dieses ergebe eine Art "lückenloses Nachfragekartell". "Dann könnten die Mengen an weltweit verbrauchten Ressourcen wirksam begrenzt, also weniger nachgefragt werden", meint der Wirtschaftsforscher.
Derzeit beobachtet Sinn aber eine Entwicklung in die andere Richtung, wie er beim diesjährigen Munic Economic Summit zum Thema "Klima und Energie" erklärte. Die Erdölproduzenten werden durch die Bemühungen der Industrieländer, fossile Brennstoffe sukzessive durch alternative Energien zu ersetzen, naturgemäß verunsichert. Angesichts einer angepeilten niedrigeren Nachfrage, etwa in der EU, und zwar aufgrund von höherer Energieeffizienz und mehr Alternativenergien, würden die Erdölstaaten ihre Vorkommen schneller ausbeuten wollen, da sie um ihre Renditen in der Zukunft fürchten müssten. Ein forcierter Abbau, bei dem auch die Gefahr sinkender Preise in Kauf genommen wird, sei aber wiederum schlecht fürs Klima - und erfreut diejenigen Abnehmer, die sich weniger als die EU einer grünen Politik unterwerfen (also alle).Ein Weg aus diesem Dilemma sei die Einführung eines weltweiten Handelssystem mit Emissionsrechten, wodurch ein Nachfragekartell entstehe. "Dann könnten die Mengen an weltweit verbrauchten Ressourcen wirksam begrenzt werden". Ein Klima-Folgeabkommen mit Biss sei deshalb nur mit möglichst vielen Staaten zu erreichen, sagte Sinn: "Wir brauchen da eine Art große Koalition". Unbedingt dabei sein müssen China und Indien, "weil sonst alles, was wir an CO2 einsparen, dort emittiert wird".
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 2.6.2009)
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