Die typische Großkonferenzhektik von Kopenhagen überdeckt, worum es eigentlich geht - Deshalb ein kurzer Blick auf die Klima-Basics
Frage: Warum drängen alle Verhandlungsteilnehmer darauf, dass die Erderwärmung möglichst auf zwei Grad begrenzt wird?
Antwort: Seit Beginn der Industrialisierung sind die CO2-Konzentrationen von rund 280 ppm (parts per million, Teilchen pro Million) aufgrund 380 ppm in der Atmosphäre angestiegen. Bei 500, maximal 550 ppm sollte dieser Prozess gestoppt werden, damit die Folgen der Erderwärmung in einem beherrschbaren Ausmaß bleiben und es nicht zu dem gefürchteten Point of no return kommt; also dass etwa die Polkappen massiv abzuschmelzen beginnen. Dieses Limit bei einer weiteren Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre entspricht zwei, maximal zweieinhalb Grad Celsius weitere Erwärmung gegenüber dem Ende des 20. Jahrhunderts.
Frage: Kann der Klimawandel überhaupt noch gestoppt werden?
Antwort: Nur noch das Ausmaß kann abgeschwächt werden. Vor allem, weil Treibhausgase ausgesprochen langlebig sind und ihre Wirksamkeit noch viele Jahre entfalten, nachdem sie freigesetzt wurden, muss bald damit aufgehört werden, fossile Energieträger zu verbrennen.
Frage: Welche Treibhausgase bedrohen das Klima?
Antwort: Mengenmäßig am wichtigsten ist Kohlendioxid (CO2), das bei der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe entsteht. Durch Nutztierhaltung und Reisanbau kommt Methan (CH4) in die Atmosphäre. Die Landwirtschaft ist für Lachgas (N2O) verantwortlich, das bei Stickstoffdüngung auftritt und das 310-fache Erwärmungspotenzial von CO2 hat. Dazu gehören FCKWs, eingesetzt in der Kältetechnik.
Frage: Sind alle fossilen Energieträger schlecht fürs Klima?
Antwort: Im Wesentlichen ja, es gibt aber große Unterschiede. Am schädlichsten für das Klima ist Kohle, da es beim Verbrennen am meisten CO2 freisetzt. Am saubersten ist Erdgas, weshalb es innerhalb der fossilen Energieträger sogar als "grün" bezeichnet wird. Kompliziert wird es dadurch, dass Kohle im Gegensatz zu Erdöl noch lange verfügbar ist und sich Schwellenländer wie China nicht verbieten lassen werden, die eigenen Vorkommen auszubeuten.
Frage: Warum tun sich alle Regierungen so schwer damit, konkrete Klimaschutzziele zu formulieren?
Antwort: Der Wohlstand einer Gesellschaft hängt in einem hohen Maße vom Energieverbrauch ab. Eine Abkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Energieeinsatz ist noch nicht wirklich gelungen, obwohl es große Unterschiede in Sachen CO2-Intensität (Emissionen pro BIP-Einheit, siehe Grafik) gibt. Österreich ist dabei übrigens relativ gut.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)
Samstag, 19. Dezember 2009
Freitag, 18. Dezember 2009
"Wir Klimaforscher sind Getriebene"
Der Wiener Klimatologe Reinhard Böhm bezweifelt, dass in Kopenhagen ein tragfähiges Konzept gegen den Klimawandel erarbeitet werden kann.
Warum, erklärte er Johanna Ruzicka.
STANDARD: Die Klimaverhandlungen in Kopenhagen sind ins Stocken geraten. Möglich, dass es zu keinem Abkommen kommt. Wäre das nicht extrem schlecht fürs Erdklima?
Böhm: In Kopenhagen geht es nicht ums Klima; bestenfalls geht es um ein für mich nicht greifbares Konstrukt namens Klima. Da werden einerseits Weltuntergangsszenarien bedient, andererseits können die Verhandlungsteilnehmer ihre nationalen Eigeninteressen nicht hintanstellen.
STANDARD: Daran sind doch die Klimaforscher selbst schuld. Ihre Branche hat die Szenarien lanciert, die Überflutungen und Hurrikans profezeien, wenn nichts geschieht?
Böhm: Wir Klimaforscher sind da Getriebene. Es herrscht wissenschaftliche Einigkeit über eine Reihe von Aussagen - ich nenne das die gute Daten zur Erderwärmung. Aber die öffentliche Meinung verlangt, und die Medien beschreiben immer die schlechtesten Szenarien, die mit den Extremwerten. Da frage ich mich schon, welchen Interessen es dient, wenn Angst geschürt wird. Eine Konkurrenzzeitung hat darüber geschrieben, dass in zwei, drei Generationen das Ende der Welt bevorsteht. Man braucht Schlagworte und spitzt Extremaussagen dann nochmals zu. Das ist schlecht.
STANDARD: Was ist gesichert?
Böhm: Es herrscht Einigkeit darüber, dass es eine menschlich mitverursachte Erwärmung, ein Schmelzen der Gletscher und einen Meeresspiegelanstieg gibt. Keine fundierte Aussage gibt es zu den Hurrikans - und es gibt zum Beispiel keinen Beleg dafür, dass Stürme in unseren mittleren Breiten zunehmen werden, so wie es keinen Beleg dazu gibt, dass sie in den letzten 150 Jahren zugenommen haben.
STANDARD: Also kein Beinbruch, wenn der Klimagipfel scheitert?
Böhm: Meiner Meinung nach gibt es drei Wege in die Zukunft, und Kopenhagen steht nur für einen Weg. Nämlich den, dass mittels internationaler Verträge möglichst viel Treibhausgas eingespart wird. Das ist das sogenannte grüne Szenario. Mir fehlt allerdings der Glaube, ob so etwas durchführbar ist, besonders weltweit. Und ob so etwas fair durchsetzbar ist, ist auch fraglich. Der Vorstellung, dass wir mit diesem Weg in eine Klimadiktatur schlittern könnten, die besteht.
STANDARD: Die anderen Wege?
Böhm: Der zweite Weg ist die "hässliche Globalisierung" . Mit Kriegen und noch weiter steigenden Unterschieden beim Wohlstand in der Welt. Das hieße dann vier, viereinhalb Grad mehr. Mit und ohne Kopenhagen hoffe ich auf einen dritten Weg: Dass eine breite Globalisierung einsetzt, bei der die Wirtschaft wieder mehr darauf kommt, dass sie Kunden braucht für ihr Business. Bei diesem dritten Weg macht sich die Wirtschaft von selbst auf den Weg, ihre Kunden Produkte anzubieten, die ressourcenschonend und energiearm sind. Damit würde auch der weltweite Wohlstandsunterschied kleiner, weil das ein Erfolgsmodell ist. In so einer Welt wächst die Erdbevölkerung nicht mehr weiter, damit ersparen wir uns viel Geld, das wiederum in neue Technologieentwicklungen fließen könnte.
STANDARD: Da die Ressourcen, und nicht nur das Erdöl, sowieso weniger werden, müssen wir uns auf die Suche nach neuen Technologien machen?
Böhm: Ja, das ist das Argument. Wir müssen sowieso weg von der fossilen Lebensweise. Aber das Klimaargument sollte dabei nicht so stark im Vordergrund stehen und dabei andere, vielleicht zielführendere Argumente beiseite drängen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)
Warum, erklärte er Johanna Ruzicka.
STANDARD: Die Klimaverhandlungen in Kopenhagen sind ins Stocken geraten. Möglich, dass es zu keinem Abkommen kommt. Wäre das nicht extrem schlecht fürs Erdklima?
Böhm: In Kopenhagen geht es nicht ums Klima; bestenfalls geht es um ein für mich nicht greifbares Konstrukt namens Klima. Da werden einerseits Weltuntergangsszenarien bedient, andererseits können die Verhandlungsteilnehmer ihre nationalen Eigeninteressen nicht hintanstellen.
STANDARD: Daran sind doch die Klimaforscher selbst schuld. Ihre Branche hat die Szenarien lanciert, die Überflutungen und Hurrikans profezeien, wenn nichts geschieht?
Böhm: Wir Klimaforscher sind da Getriebene. Es herrscht wissenschaftliche Einigkeit über eine Reihe von Aussagen - ich nenne das die gute Daten zur Erderwärmung. Aber die öffentliche Meinung verlangt, und die Medien beschreiben immer die schlechtesten Szenarien, die mit den Extremwerten. Da frage ich mich schon, welchen Interessen es dient, wenn Angst geschürt wird. Eine Konkurrenzzeitung hat darüber geschrieben, dass in zwei, drei Generationen das Ende der Welt bevorsteht. Man braucht Schlagworte und spitzt Extremaussagen dann nochmals zu. Das ist schlecht.
STANDARD: Was ist gesichert?
Böhm: Es herrscht Einigkeit darüber, dass es eine menschlich mitverursachte Erwärmung, ein Schmelzen der Gletscher und einen Meeresspiegelanstieg gibt. Keine fundierte Aussage gibt es zu den Hurrikans - und es gibt zum Beispiel keinen Beleg dafür, dass Stürme in unseren mittleren Breiten zunehmen werden, so wie es keinen Beleg dazu gibt, dass sie in den letzten 150 Jahren zugenommen haben.
STANDARD: Also kein Beinbruch, wenn der Klimagipfel scheitert?
Böhm: Meiner Meinung nach gibt es drei Wege in die Zukunft, und Kopenhagen steht nur für einen Weg. Nämlich den, dass mittels internationaler Verträge möglichst viel Treibhausgas eingespart wird. Das ist das sogenannte grüne Szenario. Mir fehlt allerdings der Glaube, ob so etwas durchführbar ist, besonders weltweit. Und ob so etwas fair durchsetzbar ist, ist auch fraglich. Der Vorstellung, dass wir mit diesem Weg in eine Klimadiktatur schlittern könnten, die besteht.
STANDARD: Die anderen Wege?
Böhm: Der zweite Weg ist die "hässliche Globalisierung" . Mit Kriegen und noch weiter steigenden Unterschieden beim Wohlstand in der Welt. Das hieße dann vier, viereinhalb Grad mehr. Mit und ohne Kopenhagen hoffe ich auf einen dritten Weg: Dass eine breite Globalisierung einsetzt, bei der die Wirtschaft wieder mehr darauf kommt, dass sie Kunden braucht für ihr Business. Bei diesem dritten Weg macht sich die Wirtschaft von selbst auf den Weg, ihre Kunden Produkte anzubieten, die ressourcenschonend und energiearm sind. Damit würde auch der weltweite Wohlstandsunterschied kleiner, weil das ein Erfolgsmodell ist. In so einer Welt wächst die Erdbevölkerung nicht mehr weiter, damit ersparen wir uns viel Geld, das wiederum in neue Technologieentwicklungen fließen könnte.
STANDARD: Da die Ressourcen, und nicht nur das Erdöl, sowieso weniger werden, müssen wir uns auf die Suche nach neuen Technologien machen?
Böhm: Ja, das ist das Argument. Wir müssen sowieso weg von der fossilen Lebensweise. Aber das Klimaargument sollte dabei nicht so stark im Vordergrund stehen und dabei andere, vielleicht zielführendere Argumente beiseite drängen.
(DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2009)
Schlagworte:
Klimawandel,
Kopenhagen,
Reinhard Böhm
Zur Kostenwahrheit
Ein schmerzhafter Schnitt für den Finanzminister und Wasser auf die Mühlen von Autofahrern und ihren Lobbyingklubs
Eine Klimaabgabe auf Benzin und Diesel, wie derzeit in Expertengruppen von Wirtschafts- und Umweltministerium angedacht, wäre ein schmerzhafter Schnitt für den Finanzminister. Und sie wäre Wasser auf die Mühlen von Autofahrern und ihren Lobbyingklubs, die den Pkw-Besitzer schon jetzt als die Melkkuh der Nation bezeichnen. Die Milliardeneinnahmen, die Österreich Jahr für Jahr dadurch macht, dass der Treibstoff bei uns (ohne Klimaabgabe) um gar nicht wenige Cent billiger ist als bei den großen Nachbarn Deutschland und Italien, diese Einnahmen würden zwar nicht ganz wegfallen, jedoch sicherlich sinken.
Doch trotz der geringeren Steuereinnahmen im Zuge einer Klimaabgabe führt kein Weg daran vorbei. Bekanntlich wächst Österreichs Verkehr ungebremst und führt damit mehr und mehr in eine Sackgasse, was die Klimapolitik dieses Landes betrifft.
Österreich ist im Rahmen von internationalen und EU-Abkommen dazu verpflichtet, Treibhausgase einzusparen. Insbesondere im Bereich Verkehr ist es nie gelungen, eine Trendumkehr hin zu weniger Emissionen einzuleiten. Der Tanktourismus hat mit geschätzten 7,2 Millionen Tonnen Emissionen im Jahr einen beträchtlichen Anteil an diesem Dilemma.
Augenzwinkernd wurde dies hingenommen: Drohende Strafzahlungen wegen Klimazielverfehlungen kämen noch immer billiger als die Einnahmen aus dem Tanktourismus, wurde argumentiert. Ja, nur Kostenwahrheit ist anders.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2009)
Eine Klimaabgabe auf Benzin und Diesel, wie derzeit in Expertengruppen von Wirtschafts- und Umweltministerium angedacht, wäre ein schmerzhafter Schnitt für den Finanzminister. Und sie wäre Wasser auf die Mühlen von Autofahrern und ihren Lobbyingklubs, die den Pkw-Besitzer schon jetzt als die Melkkuh der Nation bezeichnen. Die Milliardeneinnahmen, die Österreich Jahr für Jahr dadurch macht, dass der Treibstoff bei uns (ohne Klimaabgabe) um gar nicht wenige Cent billiger ist als bei den großen Nachbarn Deutschland und Italien, diese Einnahmen würden zwar nicht ganz wegfallen, jedoch sicherlich sinken.
Doch trotz der geringeren Steuereinnahmen im Zuge einer Klimaabgabe führt kein Weg daran vorbei. Bekanntlich wächst Österreichs Verkehr ungebremst und führt damit mehr und mehr in eine Sackgasse, was die Klimapolitik dieses Landes betrifft.
Österreich ist im Rahmen von internationalen und EU-Abkommen dazu verpflichtet, Treibhausgase einzusparen. Insbesondere im Bereich Verkehr ist es nie gelungen, eine Trendumkehr hin zu weniger Emissionen einzuleiten. Der Tanktourismus hat mit geschätzten 7,2 Millionen Tonnen Emissionen im Jahr einen beträchtlichen Anteil an diesem Dilemma.
Augenzwinkernd wurde dies hingenommen: Drohende Strafzahlungen wegen Klimazielverfehlungen kämen noch immer billiger als die Einnahmen aus dem Tanktourismus, wurde argumentiert. Ja, nur Kostenwahrheit ist anders.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2009)
Schlagworte:
Benzin,
Diesel,
Klimaabgabe,
Österreich
Österreich denkt Klimaabgabe auf Benzin, Diesel an
Im Rahmen der Klima- und Energiestrategie 2020, an der Wirtschafts- und Umweltministerium feilen, wird derzeit auch an einen Klimabeitrag von zehn Cent je Liter Treibstoff gedacht. Dies würde Österreich fast auf Augenhöhe mit den Benzin- und Dieselpreisen in Deutschland und Italien heben und damit die aus dem Transitverkehr stammenden Treibhausgas-Emissionen zum Dahinschmelzen bringen. Damit allerdings würden auch die Einnahmen aus dem Tanktourismus zurückgehen.
Insgesamt werden in Österreich rund zehn Milliarden Liter Kraftstoffe im Jahr verwendet - 7,6 Mrd. Liter Diesel und 2,3 Mrd. Liter Benzin. Etwa ein Drittel davon entfällt auf Tanktourismus, rechnet Lydia Ninz von der Autofahrerorganisation ARBÖ vor. Umgelegt auf Treibhausgasemissionen bedeutet dies, dass 7,2 Mio. Tonnen CO2 im Jahr auf Kraftstoffexport entfallen. Dieser hohe Ausstoß würde dann zurückgehen, wird geschätzt.
Im federführenden Wirtschaftsministerium ist man sich der Brisanz des Vorschlags bewusst. Das seien lediglich Strategieüberlegungen, fix sei noch nichts, hieß es im Wirtschaftsminsiterium. Ein abschließender Bericht über die Expertendiskussionen soll erst Ende Februar kommen. Bis Juni muss dann bei der EU-Kommission in Brüssel vorgelegt werden, wie die 2020-Ziele bei Energie und Klima, die zu 20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen quer über alle EU-Mitglieder führen sollen, erreicht werden können.
Die grüne Verkehrssprecherin Gabriele Moser sieht den Vorschlag einer Klimaabgabe auf Kraftstoffe "schaumgebremst" . Dies seien Expertenvorschläge, meint sie, "da werden Politik und die Interessenvertretungen der Autofahrer noch hineinreden."
Lenkungseffekt
ARBÖ-Sprecherin Ninz meint im Hinblick auf die dann weniger werdenden Einnahmen aus dem Tanktourismus, dass der Vorschlag "volkswirtschaftlicher Schwachsinn" sei. Um wirklich einen Lenkungseffekt beim Transit zu erreichen, müsste diese Abgabe wesentlich höher sein, und zwar höher als die Differenz zum Diesel- und Benzinpreis in Deutschland und Italien, also zwischen zwölf und 21 Cent.
Aus der Mineralölsteuer MöSt lukriert der Finanzminister derzeit jährlich rund eine Milliarde Euro. Davon entfallen etwa ein Drittel auf den Tanktourismus. Bisher hatten Politiker immer damit argumentiert, dass eventuelle Strafzahlungen bzw. Zertifikatskäufe aufgrund von Treibhausgas-Zielverfehlungen weniger kosten, als über Steuern auf den Kraftstoffexport eingenommen wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.12.2009)
Insgesamt werden in Österreich rund zehn Milliarden Liter Kraftstoffe im Jahr verwendet - 7,6 Mrd. Liter Diesel und 2,3 Mrd. Liter Benzin. Etwa ein Drittel davon entfällt auf Tanktourismus, rechnet Lydia Ninz von der Autofahrerorganisation ARBÖ vor. Umgelegt auf Treibhausgasemissionen bedeutet dies, dass 7,2 Mio. Tonnen CO2 im Jahr auf Kraftstoffexport entfallen. Dieser hohe Ausstoß würde dann zurückgehen, wird geschätzt.
Im federführenden Wirtschaftsministerium ist man sich der Brisanz des Vorschlags bewusst. Das seien lediglich Strategieüberlegungen, fix sei noch nichts, hieß es im Wirtschaftsminsiterium. Ein abschließender Bericht über die Expertendiskussionen soll erst Ende Februar kommen. Bis Juni muss dann bei der EU-Kommission in Brüssel vorgelegt werden, wie die 2020-Ziele bei Energie und Klima, die zu 20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen quer über alle EU-Mitglieder führen sollen, erreicht werden können.
Die grüne Verkehrssprecherin Gabriele Moser sieht den Vorschlag einer Klimaabgabe auf Kraftstoffe "schaumgebremst" . Dies seien Expertenvorschläge, meint sie, "da werden Politik und die Interessenvertretungen der Autofahrer noch hineinreden."
Lenkungseffekt
ARBÖ-Sprecherin Ninz meint im Hinblick auf die dann weniger werdenden Einnahmen aus dem Tanktourismus, dass der Vorschlag "volkswirtschaftlicher Schwachsinn" sei. Um wirklich einen Lenkungseffekt beim Transit zu erreichen, müsste diese Abgabe wesentlich höher sein, und zwar höher als die Differenz zum Diesel- und Benzinpreis in Deutschland und Italien, also zwischen zwölf und 21 Cent.
Aus der Mineralölsteuer MöSt lukriert der Finanzminister derzeit jährlich rund eine Milliarde Euro. Davon entfallen etwa ein Drittel auf den Tanktourismus. Bisher hatten Politiker immer damit argumentiert, dass eventuelle Strafzahlungen bzw. Zertifikatskäufe aufgrund von Treibhausgas-Zielverfehlungen weniger kosten, als über Steuern auf den Kraftstoffexport eingenommen wird.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18.12.2009)
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Lydia Ninz,
Österreich
Donnerstag, 17. Dezember 2009
"Da wird bewusst ein Flaschenhals geschaffen"
Wenig deutet darauf hin, dass in Kopenhagen ein ambitionierter Vertrag zustande kommt. Daran ist schlechte Organisation ebenso schuld wie die Partikularinteressen der einzelnen Staaten.
Stefan Schleicher sitzt bequem in einem kleinen Raum des Bella Center in Kopenhagen und (video)konferiert mit Wien und Zürich. Um in einer halbwegs vernünftigen Zeit in das Konferenzzentrum zu kommen, hat der Ökonom vom Wirtschaftsforschungsinstitut und Wegener Center das Gebäude, in dem ein neuer Klimavertrag verhandelt wird, schon um halb sieben aufgesucht.
"Da wird bewusst ein Flaschenhals geschaffen" , sagt er. Stundenlang müssen Konferenzteilnehmer vor den Sicherheitsschleusen in endlosen Schlangen warten, um ins Bella Center zu kommen. Das Gebiet ist großräumig abgeriegelt; die nächste U-Bahn-Station geschlossen. Die Organisatoren befürchten, dass die sich draußen aufheizenden Demonstrationen ins Gebäude verlegt werden könnten und die Lage dann außer Kontrolle gerät.
Die dänische Regierung wird für die Organisation der Klimakonferenz keinen Preis bekommen, so viel ist sicher. Doch zeigten die letzten Tage grundsätzlich die Grenzen des internationalen Wanderzirkus, bestehend aus Diplomaten, Politikern, Klimatologen, Journalisten.
Ironie bei den Verhandlungen ist, dass beim Flugverkehr zwei bis zweieinhalb Mal mehr Treibhausgase emittiert werden als beim Zurücklegen der Strecke mit einem Auto. Doch die wenigsten der mehr als 15.000 Delegierten aus über 192 Ländern sowie der mehr als 3000 Medienvertreter in Kopenhagen kommen mit Bus, Bahn oder Auto. Beim Einfachflug Wien-Kopenhagen gelangt in etwa so viel CO2 in die Atmosphäre, wie der Pro-Kopf-Verbrauch eines Bewohners von Bangladesch im ganzen Jahr beträgt, rechnet Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin von WWF Österreich vor. Sowieso wurde der Flugverkehr bzw. seine Emissionen bei den Kopenhagener Verhandlungen bis dato ausgespart. Auch im Kioto-Protokoll war die Branche, die für etwa fünf Prozent der weltweiten Emissionen steht, außen vor gelassen worden. Anders beim EU-Emissionshandel der energieintensiven Industrie. Da ist geplant, dass ab 2013 auch Fluglinien Emissionszertifikate ziehen müssen.
Kopenhagen zeigt, wie niedrig die Problemlösungskapazität von Großverhandlungen unter Zeitdruck ist. In den meisten Klima-Prognosen wird davon ausgegangen, dass bereits 2017 weltweit der höchste Treibhausgasausstoß erreicht und danach immer weniger emittiert werden sollte. Nur dann, so die Klimatologen, lässt sich die Erderwärmung auf zwei, zweieinhalb Grad Zunahme einschränken.
Unter diesem Zeitdruck und mit diesen Vorzeichen sind die Zeichen schlecht, dass es, wie beim Kioto-Protokoll, zu einem völkerrechtlich verbindlichen Vertrag kommt, meinen Vor-Ort-Beobachter wie Markus Niedermair vom WWF Österreich. Dies wäre aber notwendig, denn ohne völkerrechtliche Verbindlichkeit gebe es keine internationale Kontrolle über das Treibhausgas-Einsparen: "Ohne Verbindlichkeit kommt es da nur zu Betrug."
Die Entwicklungsländer, zusammengefasst in der Gruppe G-77, haben mit einem Scheitern gedroht und am Montag die Verhandlungen auch unterbrochen. Die armen Länder pochen auf fixe Finanz-Zusagen der Industrieländer, mit denen die Entwicklungsländer die Klimafolgen abfedern wollen. Kommt es zu keinen solchen Zusagen, wollen die G-77 die Verhandlungen abbrechen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2009)
Stefan Schleicher sitzt bequem in einem kleinen Raum des Bella Center in Kopenhagen und (video)konferiert mit Wien und Zürich. Um in einer halbwegs vernünftigen Zeit in das Konferenzzentrum zu kommen, hat der Ökonom vom Wirtschaftsforschungsinstitut und Wegener Center das Gebäude, in dem ein neuer Klimavertrag verhandelt wird, schon um halb sieben aufgesucht.
"Da wird bewusst ein Flaschenhals geschaffen" , sagt er. Stundenlang müssen Konferenzteilnehmer vor den Sicherheitsschleusen in endlosen Schlangen warten, um ins Bella Center zu kommen. Das Gebiet ist großräumig abgeriegelt; die nächste U-Bahn-Station geschlossen. Die Organisatoren befürchten, dass die sich draußen aufheizenden Demonstrationen ins Gebäude verlegt werden könnten und die Lage dann außer Kontrolle gerät.
Die dänische Regierung wird für die Organisation der Klimakonferenz keinen Preis bekommen, so viel ist sicher. Doch zeigten die letzten Tage grundsätzlich die Grenzen des internationalen Wanderzirkus, bestehend aus Diplomaten, Politikern, Klimatologen, Journalisten.
Ironie bei den Verhandlungen ist, dass beim Flugverkehr zwei bis zweieinhalb Mal mehr Treibhausgase emittiert werden als beim Zurücklegen der Strecke mit einem Auto. Doch die wenigsten der mehr als 15.000 Delegierten aus über 192 Ländern sowie der mehr als 3000 Medienvertreter in Kopenhagen kommen mit Bus, Bahn oder Auto. Beim Einfachflug Wien-Kopenhagen gelangt in etwa so viel CO2 in die Atmosphäre, wie der Pro-Kopf-Verbrauch eines Bewohners von Bangladesch im ganzen Jahr beträgt, rechnet Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin von WWF Österreich vor. Sowieso wurde der Flugverkehr bzw. seine Emissionen bei den Kopenhagener Verhandlungen bis dato ausgespart. Auch im Kioto-Protokoll war die Branche, die für etwa fünf Prozent der weltweiten Emissionen steht, außen vor gelassen worden. Anders beim EU-Emissionshandel der energieintensiven Industrie. Da ist geplant, dass ab 2013 auch Fluglinien Emissionszertifikate ziehen müssen.
Kopenhagen zeigt, wie niedrig die Problemlösungskapazität von Großverhandlungen unter Zeitdruck ist. In den meisten Klima-Prognosen wird davon ausgegangen, dass bereits 2017 weltweit der höchste Treibhausgasausstoß erreicht und danach immer weniger emittiert werden sollte. Nur dann, so die Klimatologen, lässt sich die Erderwärmung auf zwei, zweieinhalb Grad Zunahme einschränken.
Unter diesem Zeitdruck und mit diesen Vorzeichen sind die Zeichen schlecht, dass es, wie beim Kioto-Protokoll, zu einem völkerrechtlich verbindlichen Vertrag kommt, meinen Vor-Ort-Beobachter wie Markus Niedermair vom WWF Österreich. Dies wäre aber notwendig, denn ohne völkerrechtliche Verbindlichkeit gebe es keine internationale Kontrolle über das Treibhausgas-Einsparen: "Ohne Verbindlichkeit kommt es da nur zu Betrug."
Die Entwicklungsländer, zusammengefasst in der Gruppe G-77, haben mit einem Scheitern gedroht und am Montag die Verhandlungen auch unterbrochen. Die armen Länder pochen auf fixe Finanz-Zusagen der Industrieländer, mit denen die Entwicklungsländer die Klimafolgen abfedern wollen. Kommt es zu keinen solchen Zusagen, wollen die G-77 die Verhandlungen abbrechen.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2009)
Schlagworte:
CO2,
Klimakonferenz,
Kopenhagen,
Stefan Schleicher
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Kein Sonntagsspaziergang
Der Rücktritt Connie Hedegaards vom Vorsitz der Tagung wirft kein gutes Licht auf den Konferenzhergang und zeugt von fehlender politischer Standfestigkeit
Wer immer der dänischen Umweltministerin Connie Hedegaard begegnete, musste beeindruckt sein von dem Engagement und der Verve, mit der sie die Frage nach einem Klimafolgeabkommen zu ihrer Sache gemacht hatte. Dass sie jetzt, zwei Tage vor dem Ende der Konferenz, aufgibt und ihren Rücktritt als Tagungsvorsitzende erklärt, wirft kein gutes Licht auf den Konferenzhergang. Mehr aber noch wirft es kein gutes Licht auf die designierte EU-Kommissarin für Klimaschutz.
Die Ausgestaltung eines solchen Abkommens ist kein Sonntagsspaziergang. Zu viele Interessen werden tangiert; zu viel Geld ist im Spiel. Mehr noch: Ein Kopenhagener Klimaabkommen mit Biss und ohne die Kinderkrankheiten des Vorgängermodells aus Kioto - dies wäre das wichtigste internationale Abkommen der nächsten Jahrzehnte. Auch wenn das Problem der vom Menschen verursachten Erderwärmung drängend ist und die Demonstranten in Kopenhagen auf die Barrikaden treibt: Eine besonnene Politik, ein ausdauernder Vorsitz mit einer guten Portion Kalkül ist in dieser Phase entscheidend.
Hedegaard wird der Vorwurf gemacht, zu sehr die Interessen der Industrieländer im Auge gehabt zu haben - und dies soll auch zu ihrer Ablöse geführt haben. Das stimmt wahrscheinlich - und ist, im Lichte ihrer EU-Kommissarschaft, nicht einmal so schlecht. Dass sie den Tagungsvorsitz einfach so zurücklegt hat, zeugt vielleicht von hoher moralischer, weniger von politischer Standfestigkeit.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 17.12.2009)
Wer immer der dänischen Umweltministerin Connie Hedegaard begegnete, musste beeindruckt sein von dem Engagement und der Verve, mit der sie die Frage nach einem Klimafolgeabkommen zu ihrer Sache gemacht hatte. Dass sie jetzt, zwei Tage vor dem Ende der Konferenz, aufgibt und ihren Rücktritt als Tagungsvorsitzende erklärt, wirft kein gutes Licht auf den Konferenzhergang. Mehr aber noch wirft es kein gutes Licht auf die designierte EU-Kommissarin für Klimaschutz.
Die Ausgestaltung eines solchen Abkommens ist kein Sonntagsspaziergang. Zu viele Interessen werden tangiert; zu viel Geld ist im Spiel. Mehr noch: Ein Kopenhagener Klimaabkommen mit Biss und ohne die Kinderkrankheiten des Vorgängermodells aus Kioto - dies wäre das wichtigste internationale Abkommen der nächsten Jahrzehnte. Auch wenn das Problem der vom Menschen verursachten Erderwärmung drängend ist und die Demonstranten in Kopenhagen auf die Barrikaden treibt: Eine besonnene Politik, ein ausdauernder Vorsitz mit einer guten Portion Kalkül ist in dieser Phase entscheidend.
Hedegaard wird der Vorwurf gemacht, zu sehr die Interessen der Industrieländer im Auge gehabt zu haben - und dies soll auch zu ihrer Ablöse geführt haben. Das stimmt wahrscheinlich - und ist, im Lichte ihrer EU-Kommissarschaft, nicht einmal so schlecht. Dass sie den Tagungsvorsitz einfach so zurücklegt hat, zeugt vielleicht von hoher moralischer, weniger von politischer Standfestigkeit.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 17.12.2009)
Schlagworte:
Connie Hedegaard,
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Klimakonferenz,
Kopenhagen
Donnerstag, 10. Dezember 2009
Heiße-Luft-Deals mit Lettland und Tschechien
Vertragliche Verpflichtung zu Klimaschutzprojekten
Entgegen bisheriger Beteuerungen hat Österreich nun doch und bereits zum zweiten Mal Ländern überschüssige CO2-Verschmutzungsrechte abgekauft. Zuletzt ging es um einen Deal mit Lettland, von dem Österreich Emissionsrechte über zwei Millionen Tonnen erworben hat, so der Branchen-Newsletter PointCarbon. Im April hatte Österreich bereits eine ähnliche Vereinbarung mit Tschechien abgeschlossen. Damals ging es um 3,5 Millionen Tonnen.
Dies ist insofern bemerkenswert, als das zuständige Lebensministerium immer betont hat, nur solche Zertifikatszukäufe tätigen zu wollen, hinter denen auch konkrete Klimaschutzprojekte stehen, die von der Uno überwacht werden. In 66 solcher JI/CDM-Projekte hat Österreich bisher finanziert und sich damit für 42 Millionen Tonnen CO2 freigekauft.
Überschüssige Zertifikate
Anders bei den Käufen von Tschechien und Lettland. Dabei handelt es sich um Emissionsrechte, die den Ländern im Rahmen des Kioto-Protokolls 1990 zugestanden wurden. Da nach dem Mauerfall viele Industriekonglomerate zugesperrt wurden, verfügen die Länder des ehemaligen Ostblocks durch die Bank über überschüssige Zertifikate , die im internationalen Klimaschutz-Jargon als "Heiße Luft" bezeichnet werden.
Alexandra Ammersdorfer von der Kommunalkredit Public Consulting - die Bank führte die Finanzierung sowohl für JI/CDM als auch die Tschechien/Lettland-Geschäfte durch - betont, dass sich Österreich abgesichert habe. "Die Erlöse aus den Zertifikatsverkäufen müssen in ‚grüne Projekte‘ investiert werden" , sagt sie. Der Umweltberater Erwin Mayer von DenkStatt hält solche bilateralen Abmachungen für nicht zielführend: "Da ist dann nicht klar, in welche Zielvorgaben das eingerechnet werden darf." Insgesamt hat Österreich für die laufende Kioto-Periode (2008 bis 2012) 531 Mio. Euro für Zertifikatsankäufe budgetiert.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2009)
Entgegen bisheriger Beteuerungen hat Österreich nun doch und bereits zum zweiten Mal Ländern überschüssige CO2-Verschmutzungsrechte abgekauft. Zuletzt ging es um einen Deal mit Lettland, von dem Österreich Emissionsrechte über zwei Millionen Tonnen erworben hat, so der Branchen-Newsletter PointCarbon. Im April hatte Österreich bereits eine ähnliche Vereinbarung mit Tschechien abgeschlossen. Damals ging es um 3,5 Millionen Tonnen.
Dies ist insofern bemerkenswert, als das zuständige Lebensministerium immer betont hat, nur solche Zertifikatszukäufe tätigen zu wollen, hinter denen auch konkrete Klimaschutzprojekte stehen, die von der Uno überwacht werden. In 66 solcher JI/CDM-Projekte hat Österreich bisher finanziert und sich damit für 42 Millionen Tonnen CO2 freigekauft.
Überschüssige Zertifikate
Anders bei den Käufen von Tschechien und Lettland. Dabei handelt es sich um Emissionsrechte, die den Ländern im Rahmen des Kioto-Protokolls 1990 zugestanden wurden. Da nach dem Mauerfall viele Industriekonglomerate zugesperrt wurden, verfügen die Länder des ehemaligen Ostblocks durch die Bank über überschüssige Zertifikate , die im internationalen Klimaschutz-Jargon als "Heiße Luft" bezeichnet werden.
Alexandra Ammersdorfer von der Kommunalkredit Public Consulting - die Bank führte die Finanzierung sowohl für JI/CDM als auch die Tschechien/Lettland-Geschäfte durch - betont, dass sich Österreich abgesichert habe. "Die Erlöse aus den Zertifikatsverkäufen müssen in ‚grüne Projekte‘ investiert werden" , sagt sie. Der Umweltberater Erwin Mayer von DenkStatt hält solche bilateralen Abmachungen für nicht zielführend: "Da ist dann nicht klar, in welche Zielvorgaben das eingerechnet werden darf." Insgesamt hat Österreich für die laufende Kioto-Periode (2008 bis 2012) 531 Mio. Euro für Zertifikatsankäufe budgetiert.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2009)
Klimaschutz als teure Axt im Walde
Schlechte Karten hat Österreich beim Thema "Waldanrechnung" in Kopenhagen. Was zum Schutz der Urwälder gedacht ist, könnte Milliarden-Zahlungen bedeuten
Bei den Verhandlungen in Kopenhagen geht es derzeit auch um die Anrechnung von Wäldern. Diese sind riesige Speicher von Kohlendioxid und müssen deshalb geschützt werden, so der allgemeine Konsens. Insbesondere der Regenwald soll nicht weiteren Brandrodungen zum Opfer fallen, etwa, um stattdessen schnellwachsende Agrarenergie-Pflanzen wie Pappeln anzubauen. Das Nachfolgeabkommen zu Kioto soll deshalb einen Passus beinhalten, der LULUCF genannt wird und "Land Use, Land Use Change and Forestry" umfasst.
Leider jedoch beinhaltet das derzeit dazu kursierende Papier für typische Waldländer wie Österreichmassive Nachteile - finden jedenfalls heimische Agrarier, die Zeter und Mordio schreien. "Österreich müsste bei Anwendung der strittigen Berechnungsmethode nach ersten Hochrechnungen Strafe in Höhe eines Milliardenbetrages zahlen" , so Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. Und dies, obwohl "aus dem Wald nie mehr herausgenommen wird, als wieder nachwächst" , wie Heinz Kopetz, Chef des Biomasseverbands, betont.
Im Kern geht es darum, dass Österreich und vergleichbare Staaten ein Waldmanagement aufgebaut haben, in dem der Wald als Grundlage für Holzversorgung und Biomasse dient. Damit wird ihm aber auch viel entnommen. Und diese Entnahme, bei der das Holz häufig verbrannt wird, gehöre selbstverständlich zu den CO2-Emissionen gerechnet, argumentiert hingegen Bernhard Obermayr von Greenpeace. "Alles andere wäre ja Schönrechnerei."
Weniger Holzzuwachs
Wie berichtet, hatte sich Österreich in Kopenhagen gegen diesen Vorschlag gestemmt und deshalb gleich am ersten Verhandlungstag die Negativauszeichnung "Fossil of the Day" bekommen, zusammen mit Finnland und Schweden, die ähnliche Positionen vertreten. Doch ist der Unmut der Agrarier insofern verständlich, als der heimische Wald jährlich zunimmt, wenn auch nicht mehr so umfangreich wie früher. Im Jahr 1990 - darauf basiert der Vorschlag - beliefen sich die Zuwächse laut Martin Hörbarth von der Landwirtschaftskammer auf zehn Millionen Festmeter pro Jahr; bis 2020 dürften es nur mehr zwei Millionen sein. Die Differenz von acht Millionen Festmeter wird nach Logik des Vorschlags als Verschlechterung gewertet.
Unzufrieden mit den Entwicklungen in der Klimaschutzpolitik ist auch eine andere Branche. Die Windkraftbetreiber fordern höhere Einspeistarife für Ökostrom. Beim Ausbau der Windkraft herrsche in Österreich seit dreieinhalb Jahren Stillstand, nur mit einem Einspeistarif von mindestens 9,8 Cent pro Kilowattstunde könnte diese Blockade gelöst werden, so die Interessengemeinschaft Windkraft.
Am 20. Oktober ist die neue Ökostromnovelle in Kraft getreten; nun warte man auf die Verordnung, die die Einspeistarife regelt. Nach Information der IG Windkraft liegt dieser Tarif jedoch nur bei 9,1 Cent, was zu keinem weiteren Ausbau animieren würde, so Stefan Hansch von der Windkraft.
Bei einer Anhebung des Einspeistarifs auf das geforderte Niveau könnten Österreichs Windkraft-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren 1,3 Mrd. Euro investieren und so das Ökostromziel von 700 Megawatt neuer Windkraft bis 2015 erreichen.
Nach Berechnungen der European Wind Energy Association (EWEA) wird die Windkraft ein Fünftel zum Klimaziel der EU beitragen. Davon würden auch die Zulieferbetriebe profitieren, die sich auf Windkraft spezialisiert haben. Schon jetzt liegt ihr Exportvolumen bei 350 Millionen Euro.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2009)
Bei den Verhandlungen in Kopenhagen geht es derzeit auch um die Anrechnung von Wäldern. Diese sind riesige Speicher von Kohlendioxid und müssen deshalb geschützt werden, so der allgemeine Konsens. Insbesondere der Regenwald soll nicht weiteren Brandrodungen zum Opfer fallen, etwa, um stattdessen schnellwachsende Agrarenergie-Pflanzen wie Pappeln anzubauen. Das Nachfolgeabkommen zu Kioto soll deshalb einen Passus beinhalten, der LULUCF genannt wird und "Land Use, Land Use Change and Forestry" umfasst.
Leider jedoch beinhaltet das derzeit dazu kursierende Papier für typische Waldländer wie Österreichmassive Nachteile - finden jedenfalls heimische Agrarier, die Zeter und Mordio schreien. "Österreich müsste bei Anwendung der strittigen Berechnungsmethode nach ersten Hochrechnungen Strafe in Höhe eines Milliardenbetrages zahlen" , so Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. Und dies, obwohl "aus dem Wald nie mehr herausgenommen wird, als wieder nachwächst" , wie Heinz Kopetz, Chef des Biomasseverbands, betont.
Im Kern geht es darum, dass Österreich und vergleichbare Staaten ein Waldmanagement aufgebaut haben, in dem der Wald als Grundlage für Holzversorgung und Biomasse dient. Damit wird ihm aber auch viel entnommen. Und diese Entnahme, bei der das Holz häufig verbrannt wird, gehöre selbstverständlich zu den CO2-Emissionen gerechnet, argumentiert hingegen Bernhard Obermayr von Greenpeace. "Alles andere wäre ja Schönrechnerei."
Weniger Holzzuwachs
Wie berichtet, hatte sich Österreich in Kopenhagen gegen diesen Vorschlag gestemmt und deshalb gleich am ersten Verhandlungstag die Negativauszeichnung "Fossil of the Day" bekommen, zusammen mit Finnland und Schweden, die ähnliche Positionen vertreten. Doch ist der Unmut der Agrarier insofern verständlich, als der heimische Wald jährlich zunimmt, wenn auch nicht mehr so umfangreich wie früher. Im Jahr 1990 - darauf basiert der Vorschlag - beliefen sich die Zuwächse laut Martin Hörbarth von der Landwirtschaftskammer auf zehn Millionen Festmeter pro Jahr; bis 2020 dürften es nur mehr zwei Millionen sein. Die Differenz von acht Millionen Festmeter wird nach Logik des Vorschlags als Verschlechterung gewertet.
Unzufrieden mit den Entwicklungen in der Klimaschutzpolitik ist auch eine andere Branche. Die Windkraftbetreiber fordern höhere Einspeistarife für Ökostrom. Beim Ausbau der Windkraft herrsche in Österreich seit dreieinhalb Jahren Stillstand, nur mit einem Einspeistarif von mindestens 9,8 Cent pro Kilowattstunde könnte diese Blockade gelöst werden, so die Interessengemeinschaft Windkraft.
Am 20. Oktober ist die neue Ökostromnovelle in Kraft getreten; nun warte man auf die Verordnung, die die Einspeistarife regelt. Nach Information der IG Windkraft liegt dieser Tarif jedoch nur bei 9,1 Cent, was zu keinem weiteren Ausbau animieren würde, so Stefan Hansch von der Windkraft.
Bei einer Anhebung des Einspeistarifs auf das geforderte Niveau könnten Österreichs Windkraft-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren 1,3 Mrd. Euro investieren und so das Ökostromziel von 700 Megawatt neuer Windkraft bis 2015 erreichen.
Nach Berechnungen der European Wind Energy Association (EWEA) wird die Windkraft ein Fünftel zum Klimaziel der EU beitragen. Davon würden auch die Zulieferbetriebe profitieren, die sich auf Windkraft spezialisiert haben. Schon jetzt liegt ihr Exportvolumen bei 350 Millionen Euro.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2009)
Mittwoch, 09. Dezember 2009
Lisa Jackson
Die erste schwarze Chefin der Umweltbehörde Environmental Protection Agency
Es ist eine politische List, auf die sich Lisa Perez Jackson da einließ. Mit der Entscheidung ihrer Umweltbehörde Epa, dass Treibhausgase künftig ähnlich wie Luftschadstoffe zu behandeln sind, stärkte sie Barack Obama den Rücken. Sowohl bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen als auch gegenüber seinem Kongress kann der US-Präsident nun leichter seine Vorstellungen zum Klimaschutz umsetzen.
Obama hatte im Dezember des Vorjahres Lisa Jackson als erste schwarze Chefin der mächtigen Umweltbehörde Environmental Protection Agency eingesetzt. Die Chemikerin, die als Jahrgangsbeste 1986 an der Tulane University in New Orleans promovierte, ist als scharfe Umweltverfechterin bekannt. Das habe ihr ihre Mutter eingeimpft, der Umweltvernachlässigung ein Gräuel war, sagte sie einmal.
Sie wurde in Philadelphia geboren und wenige Wochen nach ihrer Geburt von einer Familie in New Orleans adoptiert. Sie begann ihre Karriere 1986 bei der Epa. Nach 16 Jahren wechselte sie an die Spitze der Umweltbehörde des Bundesstaats New Jersey. Schon dort stand Jackson für eine entschlossene Klimapolitik. Sie legte einen Plan vor, wie New Jersey seine Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent senken könnte.
Doch ist die Verquickung von sechs Treibhausgasen mit Gesundheitsgefährdung juristisch kein ungefährliches Terrain. Da das wichtigste Treibhausgas Kohlendioxid, zumindest in den Dosen, in denen es gemeinhin vorkommt, nicht giftig ist, richten sich die energieintensiven US-amerikanischen Firmen bereits auf einen langen Gerichtsstreit ein.
Es sind die Wetterkapriolen und -katastrophen, die durch die Erderwärmung entstehen, die Lisa Jackson antreiben: Stürme, Überschwemmungen, Dammbrüche. Ihre Mutter hatte beim Hurrikan "Katrina" in New Orleans alles verloren, erklärte sie bei ihrer Anhörung vor dem Kongress. Seither hält sie den Klimawandel für die größte Bedrohung der Menschheit. Die 47-Jährige hatte bei der Präsidentenwahl ursprünglich Hillary Clinton unterstützt. Dennoch holte Obama sie schon in sein Übergangsteam, als die Regierungsübernahme vorbereitet wurde.
Lisa Jackson ist verheiratet, Mutter zweier Söhne und leidenschaftliche Köchin. Im US-Bundesstaat New Jersey, in der Stadt East Windsor lebend, ist sie bekannt für ihre alljährliche Mardi-Gras-Party, bei der sie in Reminiszenz an ihre Wurzeln in New Orleans kreolische Gerichte auftischt.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)
Es ist eine politische List, auf die sich Lisa Perez Jackson da einließ. Mit der Entscheidung ihrer Umweltbehörde Epa, dass Treibhausgase künftig ähnlich wie Luftschadstoffe zu behandeln sind, stärkte sie Barack Obama den Rücken. Sowohl bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen als auch gegenüber seinem Kongress kann der US-Präsident nun leichter seine Vorstellungen zum Klimaschutz umsetzen.Obama hatte im Dezember des Vorjahres Lisa Jackson als erste schwarze Chefin der mächtigen Umweltbehörde Environmental Protection Agency eingesetzt. Die Chemikerin, die als Jahrgangsbeste 1986 an der Tulane University in New Orleans promovierte, ist als scharfe Umweltverfechterin bekannt. Das habe ihr ihre Mutter eingeimpft, der Umweltvernachlässigung ein Gräuel war, sagte sie einmal.
Sie wurde in Philadelphia geboren und wenige Wochen nach ihrer Geburt von einer Familie in New Orleans adoptiert. Sie begann ihre Karriere 1986 bei der Epa. Nach 16 Jahren wechselte sie an die Spitze der Umweltbehörde des Bundesstaats New Jersey. Schon dort stand Jackson für eine entschlossene Klimapolitik. Sie legte einen Plan vor, wie New Jersey seine Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent senken könnte.
Doch ist die Verquickung von sechs Treibhausgasen mit Gesundheitsgefährdung juristisch kein ungefährliches Terrain. Da das wichtigste Treibhausgas Kohlendioxid, zumindest in den Dosen, in denen es gemeinhin vorkommt, nicht giftig ist, richten sich die energieintensiven US-amerikanischen Firmen bereits auf einen langen Gerichtsstreit ein.
Es sind die Wetterkapriolen und -katastrophen, die durch die Erderwärmung entstehen, die Lisa Jackson antreiben: Stürme, Überschwemmungen, Dammbrüche. Ihre Mutter hatte beim Hurrikan "Katrina" in New Orleans alles verloren, erklärte sie bei ihrer Anhörung vor dem Kongress. Seither hält sie den Klimawandel für die größte Bedrohung der Menschheit. Die 47-Jährige hatte bei der Präsidentenwahl ursprünglich Hillary Clinton unterstützt. Dennoch holte Obama sie schon in sein Übergangsteam, als die Regierungsübernahme vorbereitet wurde.
Lisa Jackson ist verheiratet, Mutter zweier Söhne und leidenschaftliche Köchin. Im US-Bundesstaat New Jersey, in der Stadt East Windsor lebend, ist sie bekannt für ihre alljährliche Mardi-Gras-Party, bei der sie in Reminiszenz an ihre Wurzeln in New Orleans kreolische Gerichte auftischt.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)
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Environmental Protection Agency,
Lisa Jackson
Länderwirrwarr beim Klimaschutz
Forderung nach Senkung des Energieverbrauchs
Quasi als Vorarbeit zu dem von Umweltminister Niki Berlakovich (VP) geforderten Klimaschutzgesetz auf Bundesebene hat der Rechnungshof nun die "Klimarelevanten Maßnahmen" der Länder unter die Lupe genommen. Denn die Länder sind durch ihre Energieförderungsmaßnahmen vor allem bei Hausbau und -renovierung in der Regel recht fleißig in Sachen CO2-Reduktion. Eine Beurteilung der einzelnen Bemühungen auf Länderebene war dem Rechnungshof jedoch nicht einfach möglich. Zu unterschiedlich sind Maßnahmenprogramme und die einzelnen Förderungsmethoden, so der Bericht, der den Zeitraum 2002 bis 2006 umfasst. Trotzdem waren die für klimarelevante Förderungen im Energiebereich verausgabten Mittel der Länder beträchtlich: Insgesamt wurden 265 Mio. Euro ausgegeben; bei etwas mehr als der Hälfte gab es eine Kofinanzierung durch EU bzw. den Bund.
"Für eine genaue Beurteilung der Förderungseffizienz fehlte eine vollständige, nach einer einheitlichen Berechnungsmethode ermittelte Erfassung der CO2-Reduktionen bei allen Förderungsprogrammen", kritisiert der Rechnungshof angesichts der neun unterschiedlichen Zielsetzungen. Nur mit einer Hochrechnung (eingesparte CO2-Werte mal 20-jähriger Nutzungsdauer) war es dem Rechnungshof möglich, sich der Förderungseffizienz anzunähern. Nach dieser Rechnung beliefen sich die Förderungskosten je eingesparter Tonne CO2 auf rund 14 Euro. Dies ist durchaus effizient, lag der durchschnittliche Preis für den Ankauf von CO2-Zertifikaten im Jahr 2007 doch bei rund 21 Euro.
Dass es Handlungsbedarf gibt, zeigt der energetische Endverbrauch. Dieser stieg im Untersuchungszeitraum in allen Bundesländern an: Österreichweit nahm der Energieverbrauch um 8,2 Prozent zu. Am geringsten fiel die Steigerung in Wien mit vier Prozent aus; am höchsten war sie in Salzburg (12,6 Prozent) und Kärnten (14 Prozent). Eine Senkung des Endenergieverbrauches, das wahrscheinlich wichtigste Ziel im Klimapolitik-Kontext, unterblieb also. Bekanntlich soll ein Klimaschutzgesetz den Zustand beenden, dass nicht bekannt ist, wer für wie viel Treibhausgase zuständig ist. Damit aber ist es derzeit auch nicht möglich, kommende Strafzahlungen oder die Kosten für zusätzlichen Zertifikatskauf auf säumige Politik-Einheiten umzulegen. Zumindest, urgiert der RH, mögen einheitliche Berechnungsgrundlagen eingeführt werden.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)
Quasi als Vorarbeit zu dem von Umweltminister Niki Berlakovich (VP) geforderten Klimaschutzgesetz auf Bundesebene hat der Rechnungshof nun die "Klimarelevanten Maßnahmen" der Länder unter die Lupe genommen. Denn die Länder sind durch ihre Energieförderungsmaßnahmen vor allem bei Hausbau und -renovierung in der Regel recht fleißig in Sachen CO2-Reduktion. Eine Beurteilung der einzelnen Bemühungen auf Länderebene war dem Rechnungshof jedoch nicht einfach möglich. Zu unterschiedlich sind Maßnahmenprogramme und die einzelnen Förderungsmethoden, so der Bericht, der den Zeitraum 2002 bis 2006 umfasst. Trotzdem waren die für klimarelevante Förderungen im Energiebereich verausgabten Mittel der Länder beträchtlich: Insgesamt wurden 265 Mio. Euro ausgegeben; bei etwas mehr als der Hälfte gab es eine Kofinanzierung durch EU bzw. den Bund.
"Für eine genaue Beurteilung der Förderungseffizienz fehlte eine vollständige, nach einer einheitlichen Berechnungsmethode ermittelte Erfassung der CO2-Reduktionen bei allen Förderungsprogrammen", kritisiert der Rechnungshof angesichts der neun unterschiedlichen Zielsetzungen. Nur mit einer Hochrechnung (eingesparte CO2-Werte mal 20-jähriger Nutzungsdauer) war es dem Rechnungshof möglich, sich der Förderungseffizienz anzunähern. Nach dieser Rechnung beliefen sich die Förderungskosten je eingesparter Tonne CO2 auf rund 14 Euro. Dies ist durchaus effizient, lag der durchschnittliche Preis für den Ankauf von CO2-Zertifikaten im Jahr 2007 doch bei rund 21 Euro.
Dass es Handlungsbedarf gibt, zeigt der energetische Endverbrauch. Dieser stieg im Untersuchungszeitraum in allen Bundesländern an: Österreichweit nahm der Energieverbrauch um 8,2 Prozent zu. Am geringsten fiel die Steigerung in Wien mit vier Prozent aus; am höchsten war sie in Salzburg (12,6 Prozent) und Kärnten (14 Prozent). Eine Senkung des Endenergieverbrauches, das wahrscheinlich wichtigste Ziel im Klimapolitik-Kontext, unterblieb also. Bekanntlich soll ein Klimaschutzgesetz den Zustand beenden, dass nicht bekannt ist, wer für wie viel Treibhausgase zuständig ist. Damit aber ist es derzeit auch nicht möglich, kommende Strafzahlungen oder die Kosten für zusätzlichen Zertifikatskauf auf säumige Politik-Einheiten umzulegen. Zumindest, urgiert der RH, mögen einheitliche Berechnungsgrundlagen eingeführt werden.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)
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CO2,
Enerverbrauch,
Niki Berlakovich,
Rechnungshof
Dienstag, 08. Dezember 2009
Der Trick mit dem Bezugsjahr für die Reduktionsziele
Staaten wie die USA stellen CO2-Einsparung größer dar
Es begann in Bali. Bei dieser UN-Klimakonferenz im Jahr 2007, die als Vorbereitung für Kopenhagen diente, starteten einige Staaten, Vorschläge nicht mehr auf Basis der Emissionszahlen aus dem Jahr 1990 vorzulegen, sondern statt dessen mit Vorschlägen aus dem Jahr 1998, 2000 oder 2005 zu hantieren. Dies, obwohl man sich in Bali darauf geeinigt hatte, auf eine Vergleichbarkeit der Ziele hinzuarbeiten.
Die seither auch für Experten verwirrende Vielfalt an Vorschlägen zur Treibhausgas-Reduktion haben Wirtschaftsforschungsinstitut und Wegener Center nun vergleichbar gemacht. Dabei zeigt sich, dass diese Vorschläge oftmals nicht so viel hermachen, wie auf einen ersten, schnellen Blick vermutet. Insbesondere dann, wenn diese Vorgaben mit dem EU-Ziel, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent zurückzufahren, wenn andere Staaten mitgehen.
Die USA, die in die Verhandlungen in Kopenhagen mit einem Vorschlag von minus 17 Prozent (auf Basis von 2005) gehen, müssten ihren Treibhausgasausstoß dann um 24 Prozent reduzieren - gemessen an ihrem Ausstoß von 1990. Legt man nämlich den US-Vorschlag, der ja auf Basis von 2005 ist, auf das Jahr 1990 um, ergibt sich, dass die USA so nur vier Prozent einsparen würden.
Der Einschnitt, zu dem sich Australien bisher durchgerungen hat, ist eine Absenkung um drei Prozent unter das Niveau von 1990. Aus EU-Sicht müssten die Emissionen aber um 23 Prozent reduziert werden. Diese "Vorgaben" werden auf Basis von Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Bevölkerungswachstum eines Landes errechnet.
(Johanne Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2009)
Es begann in Bali. Bei dieser UN-Klimakonferenz im Jahr 2007, die als Vorbereitung für Kopenhagen diente, starteten einige Staaten, Vorschläge nicht mehr auf Basis der Emissionszahlen aus dem Jahr 1990 vorzulegen, sondern statt dessen mit Vorschlägen aus dem Jahr 1998, 2000 oder 2005 zu hantieren. Dies, obwohl man sich in Bali darauf geeinigt hatte, auf eine Vergleichbarkeit der Ziele hinzuarbeiten.
Die seither auch für Experten verwirrende Vielfalt an Vorschlägen zur Treibhausgas-Reduktion haben Wirtschaftsforschungsinstitut und Wegener Center nun vergleichbar gemacht. Dabei zeigt sich, dass diese Vorschläge oftmals nicht so viel hermachen, wie auf einen ersten, schnellen Blick vermutet. Insbesondere dann, wenn diese Vorgaben mit dem EU-Ziel, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 30 Prozent zurückzufahren, wenn andere Staaten mitgehen.
Die USA, die in die Verhandlungen in Kopenhagen mit einem Vorschlag von minus 17 Prozent (auf Basis von 2005) gehen, müssten ihren Treibhausgasausstoß dann um 24 Prozent reduzieren - gemessen an ihrem Ausstoß von 1990. Legt man nämlich den US-Vorschlag, der ja auf Basis von 2005 ist, auf das Jahr 1990 um, ergibt sich, dass die USA so nur vier Prozent einsparen würden.
Der Einschnitt, zu dem sich Australien bisher durchgerungen hat, ist eine Absenkung um drei Prozent unter das Niveau von 1990. Aus EU-Sicht müssten die Emissionen aber um 23 Prozent reduziert werden. Diese "Vorgaben" werden auf Basis von Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Bevölkerungswachstum eines Landes errechnet.
(Johanne Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2009)
Samstag, 05. Dezember 2009
Regelmäßig stoßlüften statt kippen
Energieberater kommen ins Haus und inspizieren Fenster, Küchengeräte und Therme
"Halten Sie die Jahresabrechnungen für Strom, Gas, Fernwärme bereit" , sagt die Energieberaterin am Telefon. "Zuerst werden wir uns nämlich die Verbrauchskennzahlen ansehen und dann ausloten, wo es Sparpotenziale gibt."
Pünktlich um neun stehen die beiden Experten dann vor der Haustür: Katharina Kiener-Manu und Heinz Tschürtz - beide von der Arge Energieberatung Wien. Sie ist eine Kunsthistorikerin, er Elektrotechniker. Beide haben sie die Ausbildung zum Energieberater, etwa beim Umweltbundesamt, gemacht und sich dann mit Elisabeth Cobbina, die bei der Umweltberatung Wien ökologische Beratung durchführt, zur Arge Energieberatung Wien zusammengeschlossen. "Die Arge ist in Wien wahrscheinlich einzigartig" , sagt Tschürtz stolz. Auf dem Land ist Energieberatung bereits institutionalisiert. Dort wird den Hausbesitzern geholfen, die vielen Stolpersteine vor, nach und während einer Bauphase zu vermeiden.
Auch in der Stadt nehmen Energieberatungen zu, vor allem weil ein Energieausweis vorgelegt werden muss, wenn der Verkauf oder eine Vermietung eines bestehenden Objektes ansteht. 200 bis 300 Euro kostet die Erstellung eines solchen Ausweises, erklären die Berater. Dieser zeigt in einprägsamer Farbskalierung, ob die Verbrauchskennzahlen niedrig, mittel oder hoch sind. Inzwischen hat Kiener-Manu unseren Stromverbrauch auf ein Kalenderjahr umgerechnet. Wow! Trotz zugiger Fenster, die dringend einer Erneuerung bedürfen, sind wir im grünen Bereich. Dies hängt mit der südlichen Fenster-Ausrichtung zusammen, weshalb die Heizung häufig nicht aufgedreht werden muss. Und es hängt mit einem strengen Regime der Hausfrau zusammen, die im Winter für dicke Pullover auch zu Hause plädiert.
Wilde Dinge
Wilde Dinge sind den Energieberatern bereits untergekommen. Während ein Passivhaus maximal zehn kWh (Kilowattstunden) Energie pro Quadratmeter benötigt, hatten sie schon einen Fall von mehr als 300 kWh. "Das sind dann auch Bedienungsfehler", weiß Kiener-Manu. Etwa dass auch im Sommer Heizung und Thermostat hochgedreht verbleiben: "Man muss sich halt damit befassen." Oder die Komfortstellung. Manche Thermen halten mit dieser Schaltung das Warmwasser auf einer gewissen Temperatur. Eine Energieverschwendung, wenn im Haushalt nur zweimal am Tag, in der Früh und am Abend, etwas Wasser gezapft wird. "Da ist es besser, wenn das Wasser dann hochgeheizt wird, wenn es auch gebraucht wird" , sagt Tschürtz.
Es geht keine Lebensqualität verloren, wenn man Kleinigkeiten ändert, betonen die zwei und zeigen auf das gekippte Fenster in der Küche. Stoßlüften statt kippen lautet ihr Credo. Zehn Minuten, zweimal am Tag, genügen, um im Haus die gewünschte Frischluft zu haben. Wohingegen: "Beim ständigen Kippen heizt man für draußen." Dieses Stoßlüften ist besonders dann wichtig, wenn man sich erst kürzlich neue, gut isolierte Fenster zugelegt hat. Wenn da nicht ordentlich gelüftet wird, kann es zu Schimmelbildung kommen.
Weil das den stolzen Besitzern neuer, dichter Fenster häufig niemand sagt, werden die Energieberater neben Kostenberatung und Einsparbegleitung in ihr Beratungsportfolio auch "Schimmelvermeidung" aufnehmen. Denn das ist einer der größten Fehler, die derzeit beim Sanieren passieren, sei es, wenn "gut isolierende Plastikfenster" eingesetzt werden, das Haus aber nicht gedämmt ist. Kondenswasser kann die Folge sein.
Was sich die beiden Experten, die pro Beratungsstunde 50 Euro (exkl. USt) verrechnen, wünschen: dass auch im Vorfeld einer thermischen Gebäudesanierung eine Energieberatung obligat wird. So, wie es beim Erstellen eines Energieausweises bereits vorgeschrieben ist.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD-Printausgabe, 5./6.12.2009)
"Halten Sie die Jahresabrechnungen für Strom, Gas, Fernwärme bereit" , sagt die Energieberaterin am Telefon. "Zuerst werden wir uns nämlich die Verbrauchskennzahlen ansehen und dann ausloten, wo es Sparpotenziale gibt."
Pünktlich um neun stehen die beiden Experten dann vor der Haustür: Katharina Kiener-Manu und Heinz Tschürtz - beide von der Arge Energieberatung Wien. Sie ist eine Kunsthistorikerin, er Elektrotechniker. Beide haben sie die Ausbildung zum Energieberater, etwa beim Umweltbundesamt, gemacht und sich dann mit Elisabeth Cobbina, die bei der Umweltberatung Wien ökologische Beratung durchführt, zur Arge Energieberatung Wien zusammengeschlossen. "Die Arge ist in Wien wahrscheinlich einzigartig" , sagt Tschürtz stolz. Auf dem Land ist Energieberatung bereits institutionalisiert. Dort wird den Hausbesitzern geholfen, die vielen Stolpersteine vor, nach und während einer Bauphase zu vermeiden.
Auch in der Stadt nehmen Energieberatungen zu, vor allem weil ein Energieausweis vorgelegt werden muss, wenn der Verkauf oder eine Vermietung eines bestehenden Objektes ansteht. 200 bis 300 Euro kostet die Erstellung eines solchen Ausweises, erklären die Berater. Dieser zeigt in einprägsamer Farbskalierung, ob die Verbrauchskennzahlen niedrig, mittel oder hoch sind. Inzwischen hat Kiener-Manu unseren Stromverbrauch auf ein Kalenderjahr umgerechnet. Wow! Trotz zugiger Fenster, die dringend einer Erneuerung bedürfen, sind wir im grünen Bereich. Dies hängt mit der südlichen Fenster-Ausrichtung zusammen, weshalb die Heizung häufig nicht aufgedreht werden muss. Und es hängt mit einem strengen Regime der Hausfrau zusammen, die im Winter für dicke Pullover auch zu Hause plädiert.
Wilde Dinge
Wilde Dinge sind den Energieberatern bereits untergekommen. Während ein Passivhaus maximal zehn kWh (Kilowattstunden) Energie pro Quadratmeter benötigt, hatten sie schon einen Fall von mehr als 300 kWh. "Das sind dann auch Bedienungsfehler", weiß Kiener-Manu. Etwa dass auch im Sommer Heizung und Thermostat hochgedreht verbleiben: "Man muss sich halt damit befassen." Oder die Komfortstellung. Manche Thermen halten mit dieser Schaltung das Warmwasser auf einer gewissen Temperatur. Eine Energieverschwendung, wenn im Haushalt nur zweimal am Tag, in der Früh und am Abend, etwas Wasser gezapft wird. "Da ist es besser, wenn das Wasser dann hochgeheizt wird, wenn es auch gebraucht wird" , sagt Tschürtz.
Es geht keine Lebensqualität verloren, wenn man Kleinigkeiten ändert, betonen die zwei und zeigen auf das gekippte Fenster in der Küche. Stoßlüften statt kippen lautet ihr Credo. Zehn Minuten, zweimal am Tag, genügen, um im Haus die gewünschte Frischluft zu haben. Wohingegen: "Beim ständigen Kippen heizt man für draußen." Dieses Stoßlüften ist besonders dann wichtig, wenn man sich erst kürzlich neue, gut isolierte Fenster zugelegt hat. Wenn da nicht ordentlich gelüftet wird, kann es zu Schimmelbildung kommen.
Weil das den stolzen Besitzern neuer, dichter Fenster häufig niemand sagt, werden die Energieberater neben Kostenberatung und Einsparbegleitung in ihr Beratungsportfolio auch "Schimmelvermeidung" aufnehmen. Denn das ist einer der größten Fehler, die derzeit beim Sanieren passieren, sei es, wenn "gut isolierende Plastikfenster" eingesetzt werden, das Haus aber nicht gedämmt ist. Kondenswasser kann die Folge sein.
Was sich die beiden Experten, die pro Beratungsstunde 50 Euro (exkl. USt) verrechnen, wünschen: dass auch im Vorfeld einer thermischen Gebäudesanierung eine Energieberatung obligat wird. So, wie es beim Erstellen eines Energieausweises bereits vorgeschrieben ist.
(Johanna Ruzicka/DER STANDARD-Printausgabe, 5./6.12.2009)
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Arge Energieberatung Wien,
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Konservative Galionsfigur für den Klimaschutz
Connie Hedegaard ist Gipfel-Gastgeberin in Kopenhagen
Einen Klimagipfel, der ohne einen Vertrag zu Ende geht, würde sie als Scheitern empfinden. Zu sehr hat sich Connie Hedegaard in den letzten Wochen dafür ins Zeug gelegt. Sie hat Staats- und Regierungschefs auf unzähligen Treffen ins Gewissen geredet, um doch auf ein rechtlich verbindliches Abkommen hinzuarbeiten. Und ihre Stimme hat Gewicht, wird sie doch künftig den neugeschaffenen Posten einer EU-Klimakommissarin bekleiden.
Dass eine Konservative so engagiert Klimaschutz macht, ist in Dänemark nicht ganz selbstverständlich. Gegnerische Parteien und Umweltschutzgruppen bezeichnen sie gerne als „grünes Blatt einer ansonsten kohlschwarzen Regierung“. Diese Kritik zielt darauf ab, dass in ihrer Zeit als dänische Umwelt- und später Klimaschutzministerin der Ausbau der Windkraft stagnierte, die auf Kohle basierende Elektrizitätsbereitstellung aber zunahm.
Ihre fachliche Kompetenz ist unbestritten. Dass Klimaschutz und ein konservatives Weltbild nicht zusammengehen sollen, ist für Hedegaard nicht einsichtig. Umwelt und Natur für nächste Generationen bewahren zu wollen sei doch ein typisch konservatives Anliegen, sagte sie in einem Interview der New York Times.
Früh hat sie sich als „Spin-Doctor“ in Umwelt- und Klimaschutzfragen einen Namen gemacht. In ihrem Buch „Als das Klima zur Bedrohung wurde“ thematisierte die studierte Literaturwissenschafterin und Historikerin die persönliche Verantwortung, die jeder in Bezug auf den Klimawandel trage. Die heute 49-Jährige wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in Holbaek auf, einer Kleinstadt westlich von Kopenhagen. Ihre Eltern führten dort einen Kiosk. Während des Studiums entdeckte sie ihre politische Ader; sie engagierte sich bei konservativen Studentengruppen und begann gleichzeitig, für die Zeitung Berlingske Tidende zu schreiben. Nach Abschluss des Studiums arbeitete sie beim staatlichen dänischen Rundfunk.
Für die verheiratete Mutter zweier Söhne resultiert aus dieser Zeit, dass sie gut mit Medien umgehen kann. Das US-Magazin Time zählte sie heuer zu den einflussreichsten Persönlichkeiten weltweit. Und im STANDARD-Interview im Sommer sagte sie, dass es nichts bringt, wenn unangenehme Klimaentscheidungen aufgeschoben werden: „Es wird nur teurer.“
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.12.2009)
Einen Klimagipfel, der ohne einen Vertrag zu Ende geht, würde sie als Scheitern empfinden. Zu sehr hat sich Connie Hedegaard in den letzten Wochen dafür ins Zeug gelegt. Sie hat Staats- und Regierungschefs auf unzähligen Treffen ins Gewissen geredet, um doch auf ein rechtlich verbindliches Abkommen hinzuarbeiten. Und ihre Stimme hat Gewicht, wird sie doch künftig den neugeschaffenen Posten einer EU-Klimakommissarin bekleiden.
Dass eine Konservative so engagiert Klimaschutz macht, ist in Dänemark nicht ganz selbstverständlich. Gegnerische Parteien und Umweltschutzgruppen bezeichnen sie gerne als „grünes Blatt einer ansonsten kohlschwarzen Regierung“. Diese Kritik zielt darauf ab, dass in ihrer Zeit als dänische Umwelt- und später Klimaschutzministerin der Ausbau der Windkraft stagnierte, die auf Kohle basierende Elektrizitätsbereitstellung aber zunahm.
Ihre fachliche Kompetenz ist unbestritten. Dass Klimaschutz und ein konservatives Weltbild nicht zusammengehen sollen, ist für Hedegaard nicht einsichtig. Umwelt und Natur für nächste Generationen bewahren zu wollen sei doch ein typisch konservatives Anliegen, sagte sie in einem Interview der New York Times.
Früh hat sie sich als „Spin-Doctor“ in Umwelt- und Klimaschutzfragen einen Namen gemacht. In ihrem Buch „Als das Klima zur Bedrohung wurde“ thematisierte die studierte Literaturwissenschafterin und Historikerin die persönliche Verantwortung, die jeder in Bezug auf den Klimawandel trage. Die heute 49-Jährige wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in Holbaek auf, einer Kleinstadt westlich von Kopenhagen. Ihre Eltern führten dort einen Kiosk. Während des Studiums entdeckte sie ihre politische Ader; sie engagierte sich bei konservativen Studentengruppen und begann gleichzeitig, für die Zeitung Berlingske Tidende zu schreiben. Nach Abschluss des Studiums arbeitete sie beim staatlichen dänischen Rundfunk.
Für die verheiratete Mutter zweier Söhne resultiert aus dieser Zeit, dass sie gut mit Medien umgehen kann. Das US-Magazin Time zählte sie heuer zu den einflussreichsten Persönlichkeiten weltweit. Und im STANDARD-Interview im Sommer sagte sie, dass es nichts bringt, wenn unangenehme Klimaentscheidungen aufgeschoben werden: „Es wird nur teurer.“
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.12.2009)
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EU-Klimakommissarin,
Klimagipfel
Freitag, 04. Dezember 2009
Die magische Zahl 20 – und wie sie zu erreichen ist
Unabhängig davon, was bei den Verhandlungen in Kopenhagen herauskommt: Die EU will bei den Treibhausgasen bis 2020 minus 20 Prozent erreichen. Das ist ambitioniert und greift in viele Bereiche ein
"Das sind bindende Ziele", streicht Paul Hodson mehrmals hervor. Der Experte der EU-Generaldirektion "Energie und Transport" spielt mit dieser Betonung beim Klima- und Energiepaket der EU - flapsig gerne "2020-Ziele" genannt - auf die Parallelen zum Kioto-Protokoll an. Im Rahmen des Kioto-Vertrages (gilt 2008 bis 2012) müssen die Länder Treibhausgase einsparen - und verfehlen dieses Ziel gewaltig, wie im Falle Österreich hinreichend bekannt.
"Das sind bindende Ziele", streicht Paul Hodson mehrmals hervor. Der Experte der EU-Generaldirektion "Energie und Transport" spielt mit dieser Betonung beim Klima- und Energiepaket der EU - flapsig gerne "2020-Ziele" genannt - auf die Parallelen zum Kioto-Protokoll an. Im Rahmen des Kioto-Vertrages (gilt 2008 bis 2012) müssen die Länder Treibhausgase einsparen - und verfehlen dieses Ziel gewaltig, wie im Falle Österreich hinreichend bekannt.Damit dies nicht auch bei den 2020-Zielen passiert, werden auch Etappenziele künftig überprüft werden, kündigt Hodson an. Die erste Etappe steht im Sommer 2010 an, wenn die Mitglieder und so auch Österreich erklären müssen, wie sie die Einsparziele zu erreichen gedenken. Im Jahr 2020 sollen, so der Plan, 20 Prozent weniger Energie verbraucht werden und der Anteil erneuerbarer Energiequellen am Gesamtenergieverbrauch 20 Prozent betragen. Durch die dabei erreichte Reduktion beim Einsatz fossiler Energie sollen dann auch die Treibhausgase um mindestens 20 Prozent zurückgegangen sein. Zur Erreichung dieser Ziele wurde eine EU-interne Lastenverteilung festgemacht. Diese ist im Falle von Österreich, das dann 34 Prozent regenerativer Energie am Gesamtenergiemix aufweisen muss, recht happig. Zum Vergleich: 2005 lag der Alternativenergieanteil in Österreich bei 23,3 Prozent - der Wasserkraft sei Dank. Deutschland beispielsweise hat mit 18 Prozent erneuerbarer Energien 2020 eine moderatere Vorgabe; Schweden mit 45 Prozent die ambitionierteste aller EU-Staaten.
Diese EU-interne Lastenteilung wurde aus einem Schlüssel kreiert, der sich aus dem BIP des jeweiligen Mitgliedes und dem Stand der Alternativenergiegewinnung 2005 errechnet, erklärt Hodson. In diese "Renewable Energy Action Plans", an denen alle EU-Staaten derzeit arbeiten, darf Atomkraft nicht eineingerechnet werden, erklärt Hodson. Dies ist damit anders als beim Kioto-Protokoll, wo die Zielerreichung für Staaten mit bestehenden Atomkraftanlagen einfacher ist, weil Nuklearenergie keine CO2-Emissionen hat. Auch Energiegewinnung aus Torf wurde für den Alternativplan nicht erlaubt. Dies ist vor allem für einige baltische Staaten relevant.
Diese EU-interne Lastenteilung wurde aus einem Schlüssel kreiert, der sich aus dem BIP des jeweiligen Mitgliedes und dem Stand der Alternativenergiegewinnung 2005 errechnet, erklärt Hodson. In diese "Renewable Energy Action Plans", an denen alle EU-Staaten derzeit arbeiten, darf Atomkraft nicht eineingerechnet werden, erklärt Hodson. Dies ist damit anders als beim Kioto-Protokoll, wo die Zielerreichung für Staaten mit bestehenden Atomkraftanlagen einfacher ist, weil Nuklearenergie keine CO2-Emissionen hat. Auch Energiegewinnung aus Torf wurde für den Alternativplan nicht erlaubt. Dies ist vor allem für einige baltische Staaten relevant.
Mehr Biomasse
Hodson erwartet, dass in den Plänen der EU-Mitglieder die Biomasse eine führende Rolle einnehmen wird. Dies vor allem deshalb, weil die Beimischungen von Bio-ethanol und Biodiesel in gängigen Sprit auf Schiene ist. Dies bestätigt für Österreich auch Johann Marihart, als Agrana-Chef auch Chef des Bioethanolwerks in Pischelsdorf/Niederösterreich. Es sei möglich, von den derzeit fünf Prozent Beimischung relativ schnell auf zehn Prozent zu gehen, erklärt er. Im Alternativenergieplan der EU ist vorgesehen, dass dieser Zehn-Prozent-Wert zumindest bis 2020 erreicht wird.
Hodson erwartet, dass in den Plänen der EU-Mitglieder die Biomasse eine führende Rolle einnehmen wird. Dies vor allem deshalb, weil die Beimischungen von Bio-ethanol und Biodiesel in gängigen Sprit auf Schiene ist. Dies bestätigt für Österreich auch Johann Marihart, als Agrana-Chef auch Chef des Bioethanolwerks in Pischelsdorf/Niederösterreich. Es sei möglich, von den derzeit fünf Prozent Beimischung relativ schnell auf zehn Prozent zu gehen, erklärt er. Im Alternativenergieplan der EU ist vorgesehen, dass dieser Zehn-Prozent-Wert zumindest bis 2020 erreicht wird.
Außerdem soll im Rahmen des Energiepakets die CO2-Sequestrierung gefördert werden. Darunter wird die Verhinderung des CO2-Ausstoßes verstanden, indem das Treibhausgas direkt bei der Produktion abgeschieden und unter-irdisch in erschöpften Gasfeldern oder ehemaligen Salzbergwerken gespeichert wird. Finanziert werden sollen diese umstrittenen Projekte - die bei Bau und Betrieb sehr energieaufwändig sind - über die künftig vorgesehene Auktionierung von Industrie-Verschmutzungszertifikaten.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD/Printausgabe, 5.12.2009)
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD/Printausgabe, 5.12.2009)
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