Umweltminister Berlakovich hält an Einführung des neuen Biosprits im Oktober 2012 fest - noch
Angesichts des Chaos, das in Deutschland bei der Einführung des Biosprits E10 zu beobachten ist, wird derzeit in Österreich vielfach darauf gehofft, dass der anvisierte Termin Oktober 2012 um mindestens zwei Jahre, nämlich bis zum 1. Oktober 2014, verschoben wird. Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbands der Mineralölindustrie meint, dass sich daraus viele Vorteile ergäben, etwa jener, dass bis dahin noch weniger alte Autos auf den Straßen fahren, die das E10 nicht gut vertragen.
Im Lebensministerium ist man jedoch nicht dieser Meinung. "Wir halten daran fest, dass mit der Einführung von E10 im Oktober 2012 gestartet wird", so Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP). Auch eine Steuerspreizung wie schon beim derzeitigen Biotreibstoff E5 sei weiter ein Thema: Das heißt, dass die unterschiedlichen Treibstoffarten im Biokraftstoff (fossil/ erneuerbar) unterschiedlich besteuert werden. Wie hoch die Steuerspreizung beim E10 ausfallen soll, ist noch Gegenstand von Verhandlungen.
Laut Umweltministerium müssen beim E5 mindestens 46 Liter Ethanol pro 1000 Liter Benzin enthalten sein, damit der günstigere Steuersatz anfällt. Derzeit wird in Österreich kein Benzin ohne Beimischung von mindestens 46 Litern Bioethanol mehr verkauft.
Das heißt also, E5 ist gut eingeführt und beim Autofahrer akzeptiert. Das flächendeckende Angebot von E5 im Zusammenspiel mit Biodiesel ergibt laut Christian Gratzer vom Verkehrsclub VCÖ eine Beimischungsquote von derzeit 6,58 Prozent. Da Österreich aber auf zehn Prozent Beimischung aufsteigen will und sich gehörige Einsparungen bei Treibhausgasen und fossiler Energie erwartet (siehe Grafik) möchte man nun nachlegen - obwohl die zehnprozentige Beimischungsquote laut EU-Kommission erst 2020 vorgeschrieben ist.
Sorge mit Schutzsorten
Laut Beobachtern gibt es viele Probleme, die durch einen überhasteten Umstieg auf E10 zu erwarten sind. Da viele alte Fahrzeuge E10 nicht gut vertragen, muss zumindest eine Zeitlang eine sogenannte "Schutzsorte" auf dem Markt sein. Technisch wird voraussichtlich die Vorgängersorte E5 dazu werden - das heißt, dass an den Tankstellen neben dem neuen E10-Benzin auch das bekannte E5-Benzin angeboten wird.
Trotzdem wäre dann nicht alles paletti. Am Beispiel Deutschlands war zu beobachten, wozu eine Doppellistung führt: Die Autofahrer griffen zu bewährten Sorten und ließen E10 links liegen, und dies, obwohl das ungeliebte E10 billiger ist. Die in Deutschland angepeilten hohen Beimischungsquoten sind so nicht zu halten.
"Wir hätten jetzt die Möglichkeit, aus den Problemen zu lernen", sagt Capek. Zumindest sollte der Zeitpunkt, ab dem es ausschließlich E10-Benzin an den Tankstellen gibt, bis zum Oktober 2014 hinausgeschoben werden. In der noch nicht in Kraft getretenen neuen Kraftstoffverordnung wird jedoch ausschließlich vom nächsten Jahr gesprochen.
Problematisch ist dabei die punktgenaue steuerliche Begünstigung des E10, schließlich verzichtet der Finanzminister schon beim E5 auf erkleckliche Einnahmen. Beim VCÖ hat man errechnet, dass bei der derzeitigen Beimischung pro tausend Liter Benzin um 33 Euro weniger an Mineralölsteuer gezahlt werden, pro tausend Liter Diesel um 28 Euro weniger. Bei den rund 2,4 Milliarden Liter Benzin und rund 7,3 Milliarden Liter Diesel, die pro Jahr verkauft werden, ergibt das grob eine Summe von rund 280 Mio. Euro, auf die der Finanzminister derzeit "verzichten" muss.
(Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17./18.9.2011)
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